Das bedeutendste Werk der europäischen Schäferdichtung des 17. Jahrhundert stellt die "Schäfferey von der Hercine" Martin Opitz‘ aus dem Jahre 1629 dar. Eine vergleichbare Hirtendichtung in der kunstvollen Mischform aus Prosa und Vers habe zuvor nicht existiert. Die vorliegende Hausarbeit widmet sich der Charakterisierung der europäischen weltlichen Schäferdichtung im 17. Jahrhundert. Das Ziel der Arbeit besteht in einer gattungstheoretischen Untersuchung Opitz‘ erster Prosaekloge.
Im Fokus der Betrachtung steht hierbei das die Gattung der Prosaekloge begründende Werk Schäfferey von der Hercine. Dabei werden die drei grundlegenden Merkmale der Schäferdichtung – Biographismus, Feuilletonismus und Panegyrik – an Textauszügen nachgewiesen und erklärt. Obwohl es sich bei der Prosaekloge um eine Gattung handelt, für die keine Tradition existiert, lassen sich verschiedene inhaltliche Parallelen zur antiken Schäferdichtung auffinden. Um die Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Gattungen aufzufinden, zeichnet der erste Teil der Arbeit zunächst die theoretischen Grundzüge der Ursprünge und der Entwicklung der Schäferdichtung nach. Bevor der Schwerpunkt der Arbeit im Gliederungspunkt 4 behandelt wird, wird der Inhalt der Hercine skizziert. Die abschließende Schlussbetrachtung rekapituliert die gesammelten Ergebnisse.
Die Wurzeln der literarischen Gattung der Schäferdichtung reichen bis ins antike Griechenland zurück und bildeten bis in das 18. Jahrhundert einen wichtigen Bestandteil der europäischen Literatur. Scalger stellte dar, dass es am wahrscheinlichsten sei, den Ursprung der Schäferdichtung als älteste Dichtform in der ältesten Lebensform des Menschen zu verorten: im Hirtentum. Während Hirten ihr Leben in Zufrieden- und Gelassenheit an einem Ort der Schönheit inmitten der Natur verbrachten, um ihrer Arbeit hingebungsvoll nachzugehen, seien sie durch die Geräusche der Natur dazu inspiriert worden, sie in musikalischer Form nachzuahmen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundzüge der Hirtendichtung
2.1 Eidyllion und Ekloge: antike Urspünge der Hirtendichtung
2.2 Die Hirtendichtung des 17. Jahrhunderts
3 Inhaltsbeschreibung der „Schäfferey von der Nimfen Hercinie“
4 Eine gattungstheoretische Untersuchung der „Schäfferey von der Nimfen Hercinie“
4.1 Autobiographische Elemente
4.2 Feuilletonistische Elemente
4.3 Panegyrische Elemente
5 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, Martin Opitz' Prosaekloge „Schäfferey von der Nimfen Hercinie“ einer fundierten gattungstheoretischen Untersuchung zu unterziehen. Dabei soll analysiert werden, wie Opitz das Genre der Hirtendichtung durch die Verbindung mit autobiografischen, feuilletonistischen und panegyrischen Elementen transformiert und eine neue literarische Gattung begründet hat.
- Historische Entwicklung der Schäferdichtung von der Antike bis zum Barock
- Gattungskonstitutive Merkmale: Biographismus, Feuilletonismus und Panegyrik
- Autobiografische Bezüge des Autors und seiner Zeitgenossen im Text
- Die Reflexion zeitgenössischer Ereignisse, wie des Dreißigjährigen Krieges
- Huldigung und Lobpreisung des Adelsgeschlechts Schaffgotsch
Auszug aus dem Buch
4.1 Autobiographische Elemente
In der Prosaekloge sind einzelne Elemente enthalten, die sich in direkter oder indirekter Form auf die Biografie Opitz‘ beziehen. Hierbei ist hervorzuheben, dass es sich bei der Schäfferey von der Nimfe Hercinie um kein autobiografisches Werk handelt. Es werden allein einzelne biografische Elemente seines Lebens herausgegriffen und in den Text eingearbeitet. Der Nachweis dieser erfolgt dabei an vier Exempeln: 1. die Lokalisation des Handlungsortes in Opitz‘ Heimat, 2. das Auftreten der Figur Opitz und seiner Freunde Nüssler, Buchner und Venator, 3. Opitz‘ Paris-Reise, und 4. den Verweis auf Opitz‘ Beinamen als Mitglied der Fruchtbringenden Gesellschaft.
Das erste autobiografische Element ist bereits zu Beginn der Prosaekloge auffindbar. Der gebürtige Schlesier Opitz beschreibt „in Form einer einleitenden Ortsangabe“ in der Gestalt des Ich-Erzählers die ihm bekannte Landschaft, in welcher er sich befindet: „Es lieget dißseits dem Sudetischen gefilde/ welches bohaimb von Schlesien trennet“. Aus der genauen lokalen Verortung der Handlung und der detailgetreuen Beschreibung der Natur während der Wanderung der Hirten ergebe sich, dass es nahe liege, Opitz hätte den geschilderten Spaziergang in ebendieser Landschaft unternommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung situiert die Schäferdichtung in ihrem historischen Kontext und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der gattungstheoretischen Analyse von Martin Opitz' Werk.
2 Theoretische Grundzüge der Hirtendichtung: Dieses Kapitel zeichnet die Entwicklung der Hirtendichtung von den antiken Ursprüngen bei Theokrit und Vergil bis hin zur Spezifik des 17. Jahrhunderts nach.
3 Inhaltsbeschreibung der „Schäfferey von der Nimfen Hercinie“: Hier wird der inhaltliche Rahmen der Erzählung skizziert, der sich um einen Spaziergang gelehrter Dichter und die Entdeckung einer Nymphengrotte dreht.
4 Eine gattungstheoretische Untersuchung der „Schäfferey von der Nimfen Hercinie“: Der Hauptteil analysiert die drei konstitutiven Merkmale – Biographismus, Feuilletonismus und Panegyrik – anhand prägnanter Textstellen.
5 Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer Rekapitulation der Ergebnisse und bestätigt die Etablierung einer neuen Gattung durch Opitz.
Schlüsselwörter
Schäferdichtung, Martin Opitz, Prosaekloge, Hirtendichtung, Schäfferey von der Nimfen Hercinie, Gattungstheorie, Biographismus, Feuilletonismus, Panegyrik, Barock, Arkadien, locus amoenus, Schaffgotsch, Dreißigjähriger Krieg, Literaturgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der gattungstheoretischen Charakterisierung der Schäferdichtung des 17. Jahrhunderts anhand des Werkes „Schäfferey von der Nimfen Hercinie“ von Martin Opitz.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Gattungsgeschichte der Bukolik, die Einbettung biografischer und zeitgeschichtlicher Informationen sowie die panegyrische Funktion der Dichtung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die drei grundlegenden Merkmale – Biographismus, Feuilletonismus und Panegyrik – im Text nachzuweisen und zu erklären, warum Opitz damit eine neue Gattung begründete.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine gattungstheoretische Analyse, ergänzt durch textimmanente Untersuchungen und den Vergleich mit theoretischen Grundlagen der Hirtendichtung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Merkmale Biographismus (z.B. durch Ortsangaben), Feuilletonismus (z.B. durch Reflexion des 30-jährigen Krieges) und Panegyrik (Huldigung des Hauses Schaffgotsch) untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Schäferdichtung, Prosaekloge, Biographismus, Barock, Martin Opitz und Arkadien.
Wie unterscheidet sich Opitz' Werk von der antiken Tradition?
Im Gegensatz zur gebundenen Versform der Antike wählt Opitz eine freie Mischform aus Prosa und Vers und verlegt das Arkadien des locus amoenus in seine Heimat, das reale Schlesien.
Welche Rolle spielt das Adelsgeschlecht Schaffgotsch in der Erzählung?
Das Haus Schaffgotsch dient als Adressat der Huldigung; ihre Regentschaft wird als idealisiert und kulturstiftend dargestellt, die im Zentrum der Prosaekloge steht.
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- Anonym (Autor), 2023, Die Prosaekloge "Schäfferey von der Nimfen Hercinie" Martin Opitz'. Charakterisierung der Schäferdichtung im 17. Jahrhundert, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1333283