Der Partherkrieg des Crassus


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biographisches zum politischen und militärischen Werdegang des Oberbefehlshabers
2.1 Vorherrschende Charaktereigenschaften in den Quellen
2.2 Crassus’ militärische und politische Rehabilitierung
2.3 Der Weg vom Triumvirat zum zweiten Konsulat

3. Beziehungen zwischen dem Römischen Reich und dem der Parther

4. Die Parther
4.1 Das parthische Herrschaftsgebiet
4.2 Das parthische Heer

5. Klimatische und Geographische Bedingungen des Kriegsschauplatzes

6. Die Anfänge des Partherfeldzuges

7. Die Entscheidungsschlacht bei Carrhae und ihre Folgen

8. Fazit

9. Quellenverzeichnis

10. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Ausarbeitung beschäftigt sich nebst der Offensive gegen die Parther mit der Persönlichkeit des Crassus’ im Sinne einer recht ausführlichen Darstellung seines politischen und militärischen Werdegangs. Diese beleuchtet den römischen Feldherrn als Akteur im öffentlichen Leben Roms der späten Republik, so dass die erarbeiteten Informationen einer historischen Kontextualisierung dienlich sein werden. Mitunter wird so geklärt wie Crassus zu der Möglichkeit gelang diesen Feldzug eigenverantwortlich anzuführen.

Des Weiteren wird eine kurze Charakterisierung basierend auf den antiken Quellen vorgenommen. Diese lässt Rückschlüsse auf seine militärische wie auch politische Motivation zu, so dass sich die Erläuterungen seiner diesbezüglichen Rehabilitierung nahtlos anschließen lassen.

Ferner wird im Rahmen dieser Arbeit ein Rückblick auf die römisch-parthischen Beziehungen geboten, um aufzuklären, inwiefern Crassus möglicherweise eine Tradition imperialistischer Ostpolitik des römischen Reiches fortführte. Basierend auf diesen Ergebnissen kann im weiteren Verlauf der Darstellung die Frage nach einem bellum iniustum geklärt werden.

Des Weiteren wird ein lohnender Blick auf die vermeintlichen Feinde und deren Reich geworfen, um ein Verständnis der herrschenden Bedingungen während des Krieges zu verdeutlichen. Da die vorliegende Arbeit im Rahmen eines Hauptseminars, welches sich mit Kriegsschauplätzen im Altertum beschäftigte, verfasst wurde, wird eben dieser samt seinen klimatischen und topographischen Charakteristika ebenfalls in Augenschein genommen.

Die sich daran anschließende Darstellung ist dann dem in der Schlacht bei Carrhae gipfelnden Feldzug gewidmet. Hierbei wird ferner ein kurzer Ausblick auf die darauf folgende römische Partherpolitik geboten.

Als Grundlage für sämtliche Ausarbeitungen dienten im Wesentlichen die schriftlichen Überlieferungen von Cassius Dio und Plutarch, wobei letzterer überwiegend herangezogen werden konnte. Da diese als Hauptquellen genutzt wurden und sich insbesondere in Bezug auf jene - für Crassus tragisch endende - Schlacht in ihren Ausführungen kaum vereinbaren ließen, folgt hier eine relativ kurze Darstellung jener Ereignisse.

2. Biographisches zum politischen und militärischen Werdegang des Oberbefehlshabers

Crassus, eigentlich Marcus Licinius Crassus Dives, wurde entweder 115 oder 114 v. Chr. als jüngster Sohn des P. Licinius Crassus in eine Familie, die zweifelsohne zur alten römischen Nobilität zählten, hineingeboren[1]. Sein Vater bekleidete 97 v. Chr. das Amt des Konsuls und 89 v. Chr. das des Zensors, die politische Einflussnahme seiner Vorfahren lässt sich jedoch bis in das Konsuljahr des C. Licinius Varus, 236 v. Chr. zurück datieren[2].

Der junge Crassus genoss die gewohnte Ausbildung eines Senatorensohnes und sammelte seine ersten militärischen Erfahrungen unter seinem Vater, welcher als Prokonsul in den Jahren 96 bis 93 v. Chr. siegreich in Spanien gegen die Lusitaner kämpfte[3]. Die dort geknüpften Beziehungen verhalfen Crassus 87 v. Chr. in der Zeit der Revolutionswirren, denen sein Vater sowie sein Bruder zum Opfer fielen, sein Leben zu retten[4].

Nachdem er sich über Monate hinweg in einer Höhle auf dem Landgut des befreundeten Vibius Paciacus’ versteckt gehalten hatte, erhielt er die Nachricht, dass das Ende der Schreckensherrschaft der damaligen Konsulen Lucius Cornelius Cinna und Gaius Marius durch den Tod des erstgenannten beendet seien[5]. Daraufhin gelang es Crassus eine kleine Armee zusammen zu stellen und nach Rom zurück zu kehren[6]. Dort stellte er sich Lucius Sulla, welcher sich in blutigen Auseinandersetzungen mit den Mariusanhängern befand, zur Verfügung[7]. In der Schlacht am Collinischen Tor im Jahr 82 v. Chr., in der Sulla unter Bedrängnis geraten war, konnte Crassus, welcher das Kommando des rechten Flügels der Schlachtordnung erhalten hatte, die gewinnbringende Wendung erzielten[8].

Nach diesem militärischen Verdienst erregte er während der Proskriptionen aufgrund seiner Bereicherungssucht das öffentliche Ärgernis und verschuldete schließlich selbst seine politische Kaltstellung durch unbefugte Proskriptionsmaßnahmen in Bruttium[9].

2.1 Vorherrschende Charaktereigenschaften in den Quellen

Die angedeuteten raffgierigen Verhaltensweisen nahmen antike Autoren zum Anlass den Crassus mit eben solchen negativen Charaktereigenschaften zu attributieren und damit erheblich die neuzeitliche Betrachtung seiner Persönlichkeit zu prägen. Nachhaltigen Widerklang in der modernen Forschungsliteratur[10] findet beispielsweise Plutarchs Einschätzung, dass Crassus’ herausragendste Eigenschaft die Habsucht gewesen sei[11]. Der griechische Verfasser der Crassusbiographie beginnt nicht nur seine Darstellung mit der Beschreibung dieser Charaktereigenschaften, sondern widmet ihnen im Vergleich zu seinen Ausführungen vermeintlich positiver Wesenszüge mehr als doppelt soviel Raum[12].

Im Einklang mit Plutarch bietet Cassius Dio in seiner Geschichtsschreibung ebenfalls das Bild eines durch „Verschwendungssucht“[13] politisch wie auch militärisch motivierten Crassus, der „so großes Gewicht aufs Geld gelegt [hatte], daß er selbst diejenigen als arme Teufel bemitleidete, die nicht eine regelrecht ausgehobene Legion aus eigenen Mitteln unterhalten konnten.“[14]. Besondere Bedeutung kommt jedoch allen voran Ciceros Worten[15] zu, da diese, wie Gelzer richtig feststellt, die politische Zweckbestimmung[16] des scheinbar unermesslichen Reichtums darstellen.

Crassus’ zusammengeraffter Reichtum an Geld, Ländereien, Mietskasernen, Silbermienen und Sklaven ermöglichte es ihm zinsfreie Darlehen an Freunde zu geben[17]. Neben dieser steten Hilfsbereitschaft in finanzieller Hinsicht zeichnete er sich durch Sorgfalt und Fleiß hinsichtlich der ihm übertragenen Angelegenheiten vor Gericht und seiner leutseligen Art im Umgang mit seinen Mitbürgern aus[18]. Der zunehmende Einfluss des Crassus’ auf das öffentliche Leben Roms bedingte verständlicherweise dieser eifrigen Patronatstätigkeit und der daraus erwachsenden Beliebtheit seiner Person. Die charakteristische Korruptionsbereitschaft innerhalb der politischen Kreise der späten römischen Republik begünstigte letztendlich die Verquickung von Politik und Geschäft, die sich der reichste Mann Roms für seine machtpolitischen Zielsetzungen offenbar erfolgreich zu Nutze machte[19].

2.2 Crassus’ militärische und politische Rehabilitierung

Im Jahr 73 v. Chr. begann der so genannte Spartakusaufstand, benannt nach seinem thrakischen Anführer, der binnen kurzer Zeit zum größten und gefährlichsten Sklavenaufstand, welcher Rom je zu bewältigen haben sollte, anwuchs[20]. Crassus hat bis dato die Magistraturenlaufbahn bis zum Amt des Prätors durchschritten[21] und wurde 72 v. Chr. als fähigster Mann der „gerade zur Stelle war“[22] mit einem prokonsularischen Imperium zur Niederschlagung des Aufstandes ausgestattet.

Er konnte den nach Süditalien gezogenen Spartakus samt seinen zehntausenden Anhängern durch den Bau ausgedehnter „Schanzwerke“[23] zwischen dem Ionischen und Tyrrhenischen Meer einschließen, wo ihnen der Übergang nach Sizilien durch den Statthalter Verres blockiert wurde[24]. Auf Crassus’ Anregung hin rief der Senat auf Crassus’ Anregung hin, Pompeius aus Spanien und Lucullus aus Thrakien zur Hilfe herbei[25]. Ersterer sollte die sich nach Norden durchschlagenden Aufständischen von Oberitalien aus angreifen[26]. Sehr zu Crassus’ Verdruss gelang es etwa 5 000 Sklaven tatsächlich sich gen Norden durchzuschlagen und dem Pompeius direkt in die Hände zu laufen[27]. Diesem gelang es die Entflohenen zu vernichten - im Vergleich zu Crassus’ bisherigem Erfolg ein eher als geringfügig zu bezeichnender - und als Siegesruhm verbuchen zu können, nachdem er dem Senat gemeldet hatte, „in offener Schlacht habe Crassus die entlaufenen Sklaven besiegt, er aber habe die Wurzel des Krieges ausgerottet“[28].

Zweifelsohne wurde hier ein weiterer Grundstein für die Eifersucht auf und das Konkurrenzdenken gegenüber Pompeius gelegt, welche in Plutarchs Ausführungen bereits im Zusammenhang mit den militärischen Diensten der beiden Männer unter Sulla erwähnt werden[29]. Jedenfalls erhielt Pompeius für seine militärischen Siege in Spanien einen Triumphzug, wohingegen Crassus lediglich einen kleinen Triumph zu Fuß feierte[30].

Dennoch bewertet Gelzer zu Recht Crassus’ Wahl zum Konsul im Jahr 70 v. Chr. als die „natürliche Krönung“[31] seines zuvor erzielten Erfolgs. Noch kurz vor den Konsulwahlen arrangierte sich Crassus mit Pompeius, so dass sie in ihrer gemeinsamen Amtszeit die unter Sullas Diktatur erlassenen Beschränkungen des Volkstribunats aufheben ließen und die Censur wiedereinführten[32]. Doch die eigentlich zu Grunde liegende Uneinigkeit der beiden Amtsträger trat bald offen zu Tage und verhinderte weiteres konstruktives politisches Handeln[33]. Auch der herbeigeführte Versöhnungs-versuch eines Mannes aus dem römischen Ritterstand, bei dem Crassus wohl dem Pompeius symbolisch die Hand reichte[34], schien zunächst nichts an der Beziehung der beiden Konkurrenten zu verändern.

[...]


[1] Gelzer, Crassus, 295.

[2] Marshall, Crassus, 5.

[3] Gelzer, Crassus, 296.

[4] Plut. Crass. 4.

[5] Plut. Crass. 6.

[6] Ebd.

[7] Ebd.

[8] Gelzer, Crassus, 297.

[9] Plut., Crass. 6.

[10] Vgl. Mommsen, Römische Geschichte, 7; Heuß, Römische Geschichte, 187; Gelzer, Crassus 299f.

[11] Plut. Crass, 2.

[12] Plut. Crass, 1-4.

[13] Cass. Dio. XXXIX 36, 2.

[14] Cass. Dio. XL 27,3.

[15] Cic. I, 25.

[16] Gelzer, Crassus, 300.

[17] Plut. Crass., 2-3.

[18] Ebd.

[19] Gelzer, Crassus, 301.

[20] Christ, Römische Republik, 243.

[21] Gelzer, Crassus, 302.

[22] Christ, Römische Republik, 246.

[23] Plut. Crass., 10.

[24] Christ, Römische Republik, 246.

[25] Plut. Crass., 11.

[26] Christ, Römische Republik, 246.

[27] Plut. Crass., 11.

[28] Ebd.

[29] Plut. Crass., 7.

[30] Plut. Crass., 11.

[31] Gelzer, Crassus, 306.

[32] Marshall, Crassus, 53.

[33] Plut. Crass., 12.

[34] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Der Partherkrieg des Crassus
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Irak, Iran und Afghanistan als Kriegsschauplätze im Altertum
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
20
Katalognummer
V133366
ISBN (eBook)
9783640401604
ISBN (Buch)
9783640466573
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Römische Expansion, Carrhae, Partherfeldzug
Arbeit zitieren
Bianca Müller (Autor), 2009, Der Partherkrieg des Crassus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133366

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