Überlegungen zur Verwendung der Erkenntnisse der sportlichen Bewegungslehre in der Instrumentalpädagogik


Diplomarbeit, 1997

116 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Teil: Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse der sportlichen Bewegungslehre
Funktion und Prinzipien der menschlichen Motorik
Wesensmerkmale sportlicher Bewegung
Bewegungskoordination als Regulation der Bewegungstätigkeit
Zum Begriff der Bewegungskoordination
Zur Komplexität der Bewegungskoordination
Koordinationtaktiken
Theoretisches Modell der Bewegungskoordination
Informationsaufnahme und -aufbereitung:
Sensorische Information und Rückinformation
Der Anteil der Analysatoren an der Information und Rückinformation
Der kinästhetische Analysator
Der taktile Analysator
Der statico-dynamische Analysator
Der optische Analysator
Der akustische Analysator
Das verbale Informationssystem
Folgerung für die Lehr und Übungspraxis
Programmierung des motorischen Verhaltens
Antizipation
Folgerung für die Schulung der motorischen Antizipation
Zum Sollwert-Istwert-Vergleich
Allgemeine Bewegungsmerkmale als Ausdruck der Bewegungskoordination
Die Struktur sportlicher Bewegungsakte
Allgemeine Grundstruktur sportlicher Bewegungsakte
Strukturvarianten bei azyklischen Bewegungsakten
Die Abwandlung der Grundstruktur bei zyklischen Bewegungsakten
Bewegungskombinationen
Objektive und subjektive Bewegungsstruktur
Anwendung der Strukturkenntnisse in der Lehr- und Übungspraxis
Bewegungsrhythmus
Bewegungsrhythmus als komplexes Merkmal sportlicher Bewegungsakte
Entwicklungsbedingungen und Genese sportlicher Bewegungsrhythmen
Bewegungskopplung (Merkmal des Zusammenhangs der Teilbewegungen und der Bewegungsübertragung)
Zur Arbeit mit dem Merkmal Bewegungskopplung in der Lehr- und Übungspraxis
Bewegungsfluß (Merkmal der Kontinuität im Bewegungsverlauf)
Bewegungspräzision
Bewegungskonstanz
Bewegungsumfang
Bewegungstempo
Bewegungsstärke
Zusammenfassung
Motorisches Lernen im Sport
Der motorische Lernprozeß als Grundvorgang der Ausbildung des motorischen Könnens
Kognitives und motorisches Lernen
Koordinativen und motorischen Fähigkeiten.
Lernen als Informationsverarbeitung
Lernaktivität und Motivation
Bedeutung des motorischen Ausgangsniveaus
Sportarten und deren Erlernen
Folgerung für die Lehr- und Übepraxis
Phasen des Lernverlaufes
Erste Lernphase: Entwicklung der Grobkoordination
Allgemeine Charakteristik
Zur Bewegungskoordination in der ersten Lernphase
Folgerung für die Lehr- und Übepraxis
Zweite Lernphase: Entwicklung der Feinkoordination
Allgemeine Charakteristik
Die Dritte Lernphase
Der komplexe Charakter des motorischen Lernens
Zur Transferenz und Interferenz beim motorischen Lernen
Motorisches Lernen als integrierender Bestandteil der sportlichen Leistungsentwicklung und der körperlichen Vervollkommnung
Folgerung für die Lehr- und Übepraxis
Koordinative Fähigkeiten und Beweglichkeit
Zum Begriff „Koordinative Fähigkeiten“
Koordinative Fähigkeiten und Bewegungsfertigkeiten (sporttechnische Fertigkeiten)
Ableitung und Charakteristik einzelner koordinativer Fähigkeiten
Differenzierungsfähigkeit
Kopplungsfähigkeit
Reaktionsfähigkeit
Orientierungsfähigkeit
Gleichgewichtsfähigkeit
Umstellungsfähigkeit
Rhythmisierungsfähigkeit
Allgemeine und spezifische Ausprägung
Strukturelle Beziehungen zwischen den Fähigkeiten
Erfassung koordinativer Fähigkeiten
Beweglichkeit als teilweise koordinativ bedingte motorische Fähigkeit
Folgerung für die Ausbildung koordinativer Fähigkeiten
Die motorische Entwicklung des Menschen von der Geburt bis ins hohe Alter
Das Säuglingsalter
Säuglingsalter: Geburt bis 3 Lebensmonat - Die Phase der ungerichteten Massenbewegung.
Säuglingsalter: 4. Lebensmonat bis zum 1. Lebensjahr - Die Phase der Aneignung erster koordinierter Bewegungen
Das Kleinkindalter Die Phase der Aneignung vielfältiger Bewegungsformen
Das Vorschulalter: Die Phase der Vervollkommnung, vielfältiger Bewegungsformen
Das frühe Schulkindalter - Die Phase schneller Fortschritte in der motorischen Lernfähigkeit
Das späte Schulkindalter - Die Phase der besten motorischen Lernfähigkeit in der Kindheit
Die erste Phase der Reifungszeit - Die Phase der Umstrukturierung von motorischen Fähigkeiten und Fertigkeiten
Die zweite Phase der Reifungszeit - Die Phase der sich geschlechtsspezifischen Differenzierung, der fortschreitenden Individualisierung und der zunehmenden Stabilisierung
Das Erwachsenenalter
Das frühe Erwachsenenalter - Das Jahr der relativen Erhaltung der motorischen Leistungsfähigkeit
Das mittlere Erwachsenen Alter - Die Jahre der allmählichen motorischen Leistungssteigerung
Das spätere Erwachsenenalter - Die Jahre der verstärkten motorischen Leistungsminderung
Das späte Erwachsenen- und Greisenalter

Zweiter Teil
Relevanz der Erkenntnisse der sportlichen Bewegungslehre für die Instrumenatalpädagogik
Zulässigkeit der Anwendung der Erkenntnisse der sportlichen Bewegungslehre auf die Instrumentalpädagogik
Relevanz der einzelnen Begriffe, Sichtweisen und Methoden der sportlichen Bewegungslehre für die Instrumentalpädagogik
Bedeutung der unterschiedlichen Sichtweisen von Bewegung der sportlichen Bewegungslehre angewendet auf musikalische Bewegungen
Bedeutung der Koordinationstaktiken angewandt auf die musikalische Bewegungen
Verwendung des Theoretisches Modell der Bewegungskoordination für die musikalische Bewegung
Bedeutung und Verwendung der Analysatoren der Bewegung im Instrumentalunterricht
Der kinästhetische Analysator
Der taktile Analysator
Der statico-dynamische Analysator
Der optische Analysator
Der akustische Analysator
Das verbale Informationssystem
Weiter Folgerungen für die Unterrichtspraxis
Folgen der Programmierung des motorischen Verhaltens für den Instrumentalunterricht
Zur Bedeutung des Sollwert-Istwert-Vergleich für den Instrumentallehrer
Bedeutung und Verwendung der allgemeine Bewegungsmerkmale als Ausdruck der Bewegungskoordination für den Instrumentallehrer
Die Bedeutung und Verwendung der Struktur sportlicher Bewegungsakte für den Instrumentallehrer
Verwendung und Bedeutung der „Allgemeinen Grundstruktur sportlicher Bewegungsakte“ für den Instrumentalunterricht
Bedeutung und Folgen der Vorbereitungsphase für den Instrumentalunterricht
Bedeutung und Folgen der Hauptphase für den Instrumentalunterricht
Bedeutung und Folgen der Endphase für den Instrumentalunterricht
Bedeutung und Folgen der Verschmelzung der Anfangsphase und Endphase für den Instrumentalunterricht
Die Verwendung und Bedeutung der Begriffe der azyklischen und zyklischen Bewegung für den Instrumentallehrer
Verwendung und Bedeutung des Begriffes der Bewegungskombination für den Instrumentalunterricht
Verwendung und Bedeutung des Begriffes Bewegungsrhythmus für den Instrumentalunterricht
Verwendung und Bedeutung des Begriffes Bewegungskopplung für den Instrumentalunterricht
Verwendung und Bedeutung des Begriffes Bewegungsfluß für den Instrumentalunterricht
Verwendung und Bedeutung des Begriffes Bewegungspräzision für den Instrumentalunterricht
Verwendung und Bedeutung des Begriffes der Bewegungskonstanz für den Instrumentalunterricht
Verwendung und Bedeutung des Begriffes Bewegungsgröße für den Instrumentalunterricht
Verwendung und Bedeutung des Begriffes Bewegungstempos für den Instrumentalunterricht
Verwendung und Bedeutung des Begriffes Bewegungsstärke für den Instrumentalunterricht
Zusammenfassung
Relevanz des motorischen Lernens unter den Aspekten der sportlichen Bewegungslehre für die Instrumentalpädagogik
Verwendung und Bedeutung des Begriffes motorisches und kognitves beziehungsweise mentales Lernen für den Instrumentalunterricht
Verwendung und Bedeutung des Begriffes „Motorische Fertigkeit“ und „koordinative Tätigkeit“ für den Instrumentalunterricht
Verwendung und Bedeutung des Begriffes „Lernen als Informationsverarbeitung in der sportlichen Bewegungslehre“ für den Instrumentalunterricht
Motivation
Verwendung und Bedeutung des Begriffes „motorisches Ausgangsniveau“ für den Instrumentalunterricht
Verwendung und Bedeutung der verschiedenen Sportarttypen für den Instrumentalunterricht
Bedeutung und Folgen der ersten Lernphase für den Instrumentalunterricht
Bedeutung und Folgender zweiten Lernphase für den Instrumentalunterricht
Bedeutung und Folgen der dritten Lernphase für den Instrumentalunterrichte
Bedeutung und Folgen der Komplexität des motorischen Lernens für den Instrumentalunterricht
Bedeutung und Folgen der Transferenz und Interferenz beim motorischen Lernen für den Instrumentalunterricht
Zusammenfassung
Verwendung und Bedeutung der koordinativen Fähigkeiten für den Instrumentalunterricht
Verwendung und Bedeutung des Begriffes der Differenzierungsfähigkeit für den Instrumentalunterricht
Verwendung und Bedeutung der Kopplungsfähigkeit für den Instrumentalunterricht
Verwendung und Bedeutung der Reaktionsfähigkeit für den Instrumentalunterricht
Bedeutung und Folgen der Orientierungsfähigkeit für den Instrumentalunterricht
Bedeutung und Folgen der Gleichgewichtsfähigkeit für den Instrumentalunterricht
Bedeutung und Folgen der Umstellungsfähigkeit für den Instrumentalunterricht
Bedeutung und Folgen der Rhythmisierungsfähigkeit für den Instrumentalunterricht
Bedeutung und Folgen der Allgemeine und spezifische Ausprägung der koordinativen Fähigkeiten für den Instrumentalunterricht
Bedeutung und Folgen der Strukturelle Beziehungen zwischen den Fähigkeiten für den Instrumentalunterricht
Bedeutung und Folgen Erfassung der koordinativer Fähigkeiten für den Instrumentalunterricht
Bedeutung und Folgen der Beweglichkeit als teilweise koordinativ bedingte motorische Fähigkeit für den Instrumentalunterricht
Bedeutung und Folgen der Möglichkeit zur Ausbildung der koordinativer Fähigkeiten für den Instrumentalunterricht
Zusammenfassung
Bedeutung der lebensalterbedingten motorischen Entwicklung für den Instrumentalunterricht
Bedeutung und Folgen des Vorschulalters für den Instrumentalunterricht
Bedeutung und Folgen der motorischen Entwicklung im frühen Schulkindalter für den Instrumentalunterricht
Bedeutung und Folgen der motorischen Entwicklung im späten Schulkindalter für den Instrumentalunterricht
Bedeutung und Folgen der motorischen Entwicklung in der ersten Phase der Reifungszeit für den Instrumentalunterricht
Bedeutung und Folgen der motorischen Entwicklung in der zweiten Phase der Reifungszeit für den Instrumentalunterricht
Bedeutung und Folgen der motorischen Entwicklung im Erwachsenenalter für den Instrumentalunterricht

Zusammenfassung

Submodalitätsunterscheidungen

Visuell

Auditiv

Kinästhetisch

Vorwort

Da ich meinen Kenntnissen nach mit meiner Thematik ein noch unbekanntes Feld für den Instrumentalpädagogen betrete, möchte ich dieser Arbeit einige Erläuterungen voran stellen.

Diese Arbeit ist entstanden, da ich bei der Suche von Erkenntnissen über das Bewegungslernen, diese in für mich relevanter Weise in der Literatur der sportlichen Bewegungslehre gefunden habe.

Die Erfahrungen die ich mit verschiedenen Bewegungstechniken gemacht hatte, fand ich dort wieder, aber wesentlich präziser, systematischer, griffiger und umfassender formuliert. Die Erklärungsansätze, Modelle und Begriffe boten mir eine bessere Grundlage meine Technik zu reflektieren.

Als besonders wohltuend empfand ich den Wegfall der psychologsierenden und esoterischen Erklärungsmodelle. Dies ist auch ein Vorteil, weil in meiner Arbeit an Musikschulen konnte ich feststellen, daß nur ein bestimmtes Klientel auf die Erklärungsansätze der Bewegungstechniken anspricht. Über die Gründe möchte ich an diesem Ort nicht spekulieren.

All diese Erfahrungen ließen in mir den Wunsch keimen, die Überlegungen zur Nutzung der sportlichen Bewegungslehre als Instrumentallehrer schriftlich zu formulieren. Daraus entstand diese Arbeit.

Diese Arbeit wurde in zwei Teile gegliedert.

Der Erste umfaßt eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse der sportlichen Bewegungslehre. Im zweiten Teil wird erläutert, warum und wie diese Erkenntnisse für den Instrumentalpädagogen verwendbar sein könnten.

Diese Art der Gliederung führt aber dazu, daß viele Sachverhalte zweimal genannt werden, und die Arbeit eine gewisse Länge erhält. Doch dies halte ich für angebracht, um bei meinen Erklärungen und Überlegungen nicht auf Zukünftiges verweisen zu müssen.

Zusätzlich halte ich dies für eine Möglichkeit, daß das für den Leser wahrscheinlich neue Wissen besser vertiefbar ist. Auch wenn solch eine Pädagogisierung eigentlich nicht Aufgabe einer Diplom-arbeit ist.

Teilweise werden im ersten Teil Informationen erscheinen, welche im zweiten Teil kaum oder nicht verwendet werden. Diese Informationen wurden zu einem der Vollständigkeit halber aufgenommen, zum anderem da dieses Wissen vielleicht dem Leser manche seiner Erfahrungen erklärt und vielleicht mir wegen meiner instrumentalen Prägung in ungerechtfertigter Weise irrelevant oder marginal erscheint ,und deswegen nicht verwendet worden ist.

Weiter kann dies Wissen Anregungen, liefern weitere eigene Überlegungen zu dieser Problematik anzustellen.

Die Ergebnisse dieser Arbeit sind in der Wirklichkeit zu überprüfen, da diese auf Deduktion beruhen. Dieses bedeutet, die Ergebnisse können nur als Impulsgeber und Ideengeber betrachtet werden. Die Verwendbarkeit muß der Leser selbst in seinem Unterrichtsgeschehen überprüfen.

1. Teil: Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse der sportlichen Bewegungslehre

Funktion und Prinzipien der menschlichen Motorik

Wesensmerkmale sportlicher Bewegung

Sportliche Bewegung ist zielgerichtet und meistens eine Willkürbewegung.

Die Entwicklung einer sportlichen Bewegung ist durch die Gesetzmäßigkeit der Reafferenz (Rückinformation) geprägt. Änderungen und Variationen des Bewegungsablaufes werden in der Hoffnung auf mehr Erfolg erprobt und vorgenommen.

Diese Versuche führen auf Dauer zu einer höheren Präzision, Schnelligkeit und Sicherheit in der Handhabung der Bewegungsabläufe. Größere Geschicklichkeit und zunehmende Gewandtheit des ganzen Körpers ist eine weitere Folge dieses Vorgangs. Die Bewegungsabläufe werden in diesem Prozeß verfeinert und meist komplexer.

Der Lernerfolg bei diesem Prozeß hängt davon ab, wie aktiv der Lernende an diesem Geschehen teilnimmt. Hinzu kommt, wie sehr er sich dabei zu einem bewußt und denkenden Lernenden entwickelt.

Damit dieser Lernprozeß optimal ablaufen kann, verlangt er ein individuell abgestuftes Training. Deswegen sollte die sportliche Bewegung eine bewußte und planmäßige Ausbildung erfahren.

Im Stadium der Vervollkommnung wirkt die sportliche Bewegung in den meisten Sportarten mühelos und selbstverständlich.

Dieses motorische Können ist im Sport Voraussetzung für Höchstleistung. Es ist das Ergebnis zahlreicher Lernprozesse, die zum Erwerb von Bewegungsfertigkeiten, koordinativen und motorischen Fähigkeiten, Kenntnissen und Gewohnheiten führen. Wenn dieses Niveau erreicht worden ist, kann der Könner erfolgreich verschiedene Lösungsvarianten bewußt und gezielt bei variierender Aufgabenstellung verwenden.

Bewegungskoordination als Regulation der Bewegungstätigkeit

Sportliche Bewegungen sind Handlungen. Diese sind in sich abgeschlossene, zeitlich und inhaltlich strukturierte Einheiten, die zielgerichtet sind.

Eine Antizipation des Handlungsergebnisses und des Handlungsprogrammes ist notwendige Bedingung dieses Vorgangs .

Handlungen lassen sich aufteilen in:

1. Handlungsvorbereitung
2. Handlungsvollzug: Der Handlungsvollzug schließt die Kontrolle seiner Ausführung und seiner erreichten Ergebnisse mit ein.

Handlungen beruhen auf weiteren Komponenten:

1. Orientierung: Aufnahme aktueller Informationen und Aktualisierung gespeicherter Informationen
2. Antrieb: Dieser ergibt sich aus Einstellungen, Motiven, Gedächtnisbesitz und anderen psychischen Faktoren der agierenden Person. Der Antrieb entscheidet, ob die Bewegung und in welcher Qualität diese ausgeführt wird.
3. Kontrolle der Ausführung.

Diese Vorgänge finden auf drei Ebenen statt:

1. Intellektuelle Ebene
2. Perzeptive-begriffliche Ebene
3. Sensumotorischen Ebene[ZS1]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: nach Meinel, Schnabel, 1987, S.52

[ZS2]Folge dieses Prozesses sind im Sport Bewegungen, die in der Regel Willkürbewegungen, beziehungsweise „eine organisierte koordinierte Ortsveränderungen des Körpers beziehungsweise seiner Glieder als Folge sensomotorisch regulierter Muskeltätigkeit“ (Meinel, Schnabel, 1987, S. 51f) sind. „Ihre Organisation, das koordnierte Zusammenwirken verschiedener Teilbewewegungen - das versteht man im engsten Sinne unter Bewegungskoordination“ (Meinel, Schnabel, 1987, S.52)[ZS3]

Zum Begriff der Bewegungskoordination

Die Bewegungskoordination kann mit den Möglichkeiten verschiedener Sichtweisen beobachtet und beschrieben werden.

1. Sportpädagogische Sicht: Hier beschreibt man das äußere Erscheinungsbild des Zusammenspiels der Teilbewegungen oder Bewegungsphasen.[ZS4]
2. Physiologische Sicht: Sie beschreibt zu einem das Zusammenspiel der einzelnen Muskeln bei der Bewegung, „intermuskuläre Koordination“ genannt; zum anderen die Nerventätigkeit, „neuromusukuläre Koordination“ genannt. Die Physiologen verwenden noch die Betrachtungsweise der „intramuskuläre Koordination“. Mit dieser beschreiben sie das Zusammenspiel einzelner Muskelfasern.[ZS5]
3. Funktionelle anatomische beziehungsweise kinesiologische[1] Sicht: [ZS6]Hier versucht man zu beschreiben, was eine bestimmte Aktivität eines Muskels oder Muskelgruppe im Bewegungsablauf verursacht.
4. Biomechanische Sicht: [ZS7] Die Biomechanik stellt ein Modell darüber auf, woher die Kräfte einer Bewegung resultieren, und wie sie wirken. Zusätzlich stellt sie sich die Aufgabe, zuverlässige Aussagen zu treffen, wie die Kräfte optimal genutzt werden können.

Allen Sichtweisen ist gemeinsam, daß sie bei ihrer Betrachtung immer das Ziel der Bewegung beziehungsweise Teilbewegung formulieren.

[ZS8]

Zur Komplexität der Bewegungskoordination

Die Bewegungskoordination ist immer eine hochkomplexe Aufgabe, weil mannigfaltig viele Faktoren, wie

- Fliehkraft,
- Schwerkraft,
- umweltbedingte Kräfte,
- die Folgen sämtlicher Freiheitsgrade des Körpers in Form von Impulsübertragungen,
- Elastizität der Muskeln und Sehnen

bewältigt, ausgeglichen und kontrolliert werden müssen.

Koordinationtaktiken

Es gibt im Sport verschiedene Bewegungsaufgaben, die mit zwei Typen von Bewegungstaktiken, -koordinationen bewältigt werden:

1. Modellbezogene Bewegungskoordination: Beibehaltung eines Bewegungsablaufes trotz Störeinflüsse. Das Ziel dieser Bewegungstaktik ist die ausdrückliche Beibehaltung des Bewegungsmodelles, wie zum Beispiel beim Kunstturnen.
2. Zielbezogene Bewegungskoordination: Starke Variation des Bewegungsablaufes zur Kompensation von Störeinflüssen. Man wendet diese Bewegungstaktik an, wenn ein Ziel unter allen Umständen, wie zum Beispiel das Tor zu treffen, erreicht werden soll.

Diese Taktiken treten selten in Reinform auf. Beide können bei einer sportlichen Aufgabe beteiligt sein. Zum Beispiel beim Hochsprung ist der Ablauf des Absprunges immer wieder identisch, aber der Anlauf wird mit einer hohen Streubreite gestaltet.

Theoretisches Modell der Bewegungskoordination

Bewegungskoordination wird als Steuerung des motorischen Verhaltens auf der Grundlage von Systemregelungen[2] verstanden. Dieser Vorgang läßt sich in sechs Teilfunktionen unterteilen. [ZS9][ZS10]

1. Informationsaufnahme und -aufbereitung: Hier werden Ausgangssituation, Zwischenergebnisse und Endergebnisse einer Bewegung gewonnen und weitergeleitet.
2. Entwurf eines Bewegungsablaufes: Dies beinhaltet eine Vorhersage der Zwischen- und Endergebnisse.
3. Abfrage des motorischen Speichers und Speicherung von Ausführungs- und Korrekturmuster.[ZS11]
4. Die Verwirklichung der Steuerung und Regelung durch efferente Steuer- und Korrekturimpulse an die Muskulatur.
5. Bewegungsausführung.
6. Vergleich des Istwertes und des Sollwertes.

[ZS12]Wo genau diese Teilfunktionen im Menschen stattfinden, läßt sich zur Zeit nur teilweise sagen.

Informationsaufnahme und -aufbereitung:

Die Bewegungskoordination stützt sich nicht alleine auf ein Handlungsprogramm, sondern benötigt zusätzlich Informationen über die Situation. Deswegen ist die Informationsaufnahme und -aufbereitung von hoher Bedeutung für die Bewegungskoordination.

Die Qualität der Informationsaufnahme und -aufbereitung ist stark von der Antriebsstruktur des sich Bewegenden abhängig.

[ZS13]

Sensorische Information und Rückinformation

Der Mensch nimmt immer wahr. Das bedeutet, seine sensorischen Zentren werden immer mit einem nicht abreißenden Zufluß afferenter Informationen der Rezeptoren der Sinnesorgane versorgt. Diese Informationen unterliegen aber einer situationsbedingten Selektion.

Dieser Vorgang bildet die Grundlage von Anlaß- und Situationsafferenzen. Diese sind Auslöser für Handlungen und bestimmen die Art und Weise, wie diese Handlungen ausgeführt werden.

[ZS14]

Eine starre Programmierung des Bewegungsvollzuges, die „durchgehalten wird“, ist wegen der Komplexität der Bewegungskoordination nicht sinnvoll. Deswegen finden während des Bewegungsvollzuges Reafferenzprozesse statt, welche die Grundlage zur Modifikation der Handlungsprogrammierung bilden.

Es gibt zwei Typen von Reafferenz:

1. Bewegunkslenkende Reafferenz: Sie wird meist auf kinästehtischem Wege erzielt und gibt Auskunft darüber, ob und wie das Handlungsprogramm eingehalten wird.
2. Resultative Reafferenz: Sie meldet Erfolg oder Mißerfolg der Bewegungen und der Teilbewegungen.[ZS15]

Zusätzliche wichtige Informationen bezieht die Bewegungskoordination aus dem Gedächtnisapparat.

Der Abgleich all dieser Informationen wird mit Afferenzsynthese beziehungsweise Reafferenzsynthese bezeichnet.

Der Anteil der Analysatoren an der Information und Rückinformation

Die sportliche Bewegungslehre hält fünf Analysatoren für die motorische Koordination für beteiligt.

Der kinästhetische Analysator

Die Rezeptoren des kinästhetischen Analysator befinden sich in allen Muskeln und Sehnen des Bewegungsapparates.

Er zeichnet sich durch eine hohe Leitungsgeschwindigkeit aus und ist als einzige Analysator mit den Bewegungsorganen direkt verbunden. Den anderen Analysatoren ist der kinästhetische Analysator mit seinem Differenzierungsvermögen bezüglich der Bewegungsausführung deutlich überlegen. Deswegen ist er besonders geeignet für die reafferente Bewegungskontrolle.[ZS16]

Dieser Analysator stellt auch die meisten Informationen über die physikalischen Kraftverhältnisse des behandelten Gegenstandes zur Verfügung.

Bei der Feinabstimmung von Raum- und Zeitparametern spielt der kinästhetische Analysator eine wichtige Rolle. Diese Abstimmungsprozesse sind leider in der Regel nicht bewußtseinsfähig.

[ZS17]

Der taktile Analysator

Die Rezeptoren des taktilen Analysators sind in der Haut angebracht.

Er wird aktiviert, wenn die Bewegung mit Berührungen einhergeht. Zum Beispiel gibt er Information über die Oberflächenbeschaffenheit eines Gegenstandes, welche für die Griffestigkeit wichtig sein können.

In der Praxis

In der PraxisI ist der taktile Analysator aber jedoch schwer vom kinästhetischen Analysator zu unterscheiden.

[ZS18]

Der statico-dynamische Analysator

Dieser Analysator gibt Informationen darüber, wie man sich im Schwerefeld bewegt. Wie seine Anteile an der Bewegungskoordination sind, ist noch nicht klar.

Bisher hat er sich meist störend bemerkbar gemacht, weil er störende Reflexe bei abrupten Stellungswechseln auslöst.

[ZS19]

Der optische Analysator

Der optische Analysator ist wichtig zur Situatuionsanalyse und zum Erlernen von Bewegungsvorbildern.

Ein Großteil der Bewegungskontrolle aller Körperteile, die sich im Blickfeld befinden, werden von ihm bewerkstelligt. Dies Blickfeld beinhaltet auch das periphere Sehen, welches maßgeblich an der Bewegungssteuerung beteiligt ist.[ZS20]

Der visuelle Analysator dient dem kinästhetischen Analysator und den anderen Analysatoren als Vorhut, da ihm eine größere Reichweite als den anderen Analysatoren zu eigen ist. Durch ihn können rechtzeitig die anderen Analysatoren und deren Informationen für eine Bewegung aktiviert werden.

Der akustische Analysator

Seine Bedeutung im Sport ist gering. Doch Geräusche - wie die des Ballaufschlages - können die Bewegungskoordination beeinflussen.

[ZS21]

Das verbale Informationssystem

Mit dem verbale Informationssystem kann man die Inhalte der sensorischen Analysatoren zusammenfassen. Hierbei ist es möglich mit den Informationsinhalten der sensorischen Analysatoren zu agieren, ohne daß diese aktiviert sein müssen.

Im verbalen Zeichensystem werden die Informationen der anderen Analysatoren codiert. Wegen der Natur des verbalen Informationssystems ist mit diesem nur ein sequentieller Datenfluß möglich. Dies muß hervorgehoben werden, da die anderen Informationssysteme einen parallelen Datenfluß erzeugen[3]. [ZS22]

Die verbale Information stellt eine Abstraktion des sensorischen Datenflusses da, und verliert dabei aber an Informationsdichte[4].[ZS23] Die „Wirklichkeit“ geht in diesem Kodierungsprozeß verloren, weil die Sachverhalte angeordnet, differenziert und isoliert werden.

[ZS24]

Da die Speicherung von Bewegungserfahrungen überwiegend sensorisch-verbal stattfindet, entspricht die Systematik des motorischen Gedächtnisinhaltes dem der Sprache. Dies ermöglicht dem Menschen mehr neue motorische Bewegung zu speichern und über sie zu verfügen, als es Tieren möglich ist.[ZS25]

Auf Grund dieses Sachverhaltes entstehen im Trainingsprozeß bedingt-reflektorische Verbindungen, so daß verbale Information beim sportlich Geübten Bewegungserfahrungen ansprechen. Dies hat zur Folge, daß Bewegungsbeschreibungen Bewegungsvorstellungen[5] evozieren.[ZS26]

Dieser Sachverhalt zeigt sich auch darin, daß ein ungeübter Sportler Probleme hat, seine Bewegungserfahrung zu verbalisieren, während der geübte Sportler sie auch im Detail beschreiben kann[6].

[ZS27]

Folgerung für die Lehr und Übungspraxis

Da die Informationen der Analysatoren so wichtig für die Bewegung sind, sollten im Training

- Bedingungen geschafft werden, die die Bewegungswahrnehmung erleichtern,[ZS28]
- mit Aufmerksamkeitslenkungen auf die entscheidende Bewegungswahrnehmungen, -merkmale gearbeitet werden,[ZS29]
- eine Verfeinerung der sensorischen Informationsaufnahme erarbeitet werden.[ZS30]

Programmierung des motorischen Verhaltens

Als Folge und während der Informationsaufnahme und -verarbeitung werden Entscheidungen über die nachfolgende Handlung (Antizipation) gefällt. Bei diesem Vorgang werden auch die Grundlagen für den Sollwert-Istwert-Vergleich gelegt.

Antizipation

Antizipation ist die Vorwegnahme von Ergebnissen und Handlungen auf Grund weniger Informationen. Deswegen ist sie nur mit einem Mindestmaß von Erfahrung möglich.

[ZS31]

Die Antizipation wird aufgeteilt in

- Zielantizipation und
- Programmantizipation.

Die Qualität der Ergebnisse der Programmantizipation für eine neuartige Bewegungsaufgabe hängt vom Erfahrungsschatz[7] [ZS32]des Handelnden mit ähnlichen Bewegungsaufgaben ab. Sollte bei einer Bewegungsaufgabe überhaupt kein Erfahrungsschatz vorhanden sein, stellen die Vorbilder anderer Sportler keinen Ersatz für diesen Erfahrungsschatz dar[8].

[ZS33]

Die Bewegungsvorwegnahme ermöglicht, daß die Bewegung nicht nur über äußere Informationen, sondern auch über ein inneres Modell gesteuert wird.

Dieses innere Bewegungsmodell ist hauptsächlich kinästhetisch geprägt. Es ermöglicht eine Rückmeldung über den Erfolg der Bewegungsausführung[9].[ZS34]

Die Bewegungsantizipation wird aufgrund der Rückmeldungen über den Bewegungsablauf oder über den Erfolg der gewählten Teilziele während der Bewegung noch geändert.

[ZS35]

Bei Mannschaftssportarten beziehungsweise Sportarten, bei denen man einen Gegner hat, ist der Antizipationsprozeß komplexer, weil man das schwer voraussagbare Verhalten seines Gegners oder Mannschaftskameraden im Handlungsentwurf berücksichtigen muß.

[ZS36]

Damit dieser Prozeß erfolgreich verläuft, ist es notwendig, daß man sich einen entsprechend großen Erfahrungsschatz angeeignet hat, der einem anhand kleinster Anzeichen sagen kann, was für eine Bewegung sich bei seinem Gegenüber anbahnt.

Sollten zwei Bewegungen aneinander gereiht werden, beeinflußt die zweite Bewegung die erste Bewegung und damit deren Bewegungsantizipation mit dem Ziel, daß der Übergang zwischen den Bewegungen möglichst reibungslos verläuft. In anderen Worten, in der ersten Bewegung wird die Zweite schon vorbereitet. Dies bedeutet, daß unterschiedliche Bewegungsprogramme bei einer Bewegungsaufgabe vorweggenommen werden können, wenn sich die Folgebewegungen unterscheiden.

[ZS37] [ZS38]

Folgerung für die Schulung der motorischen Antizipation

Hier sind folgende Punkte zu beachten:

- Man sollte trainieren, daß man rechtzeitig auf bestimmte Signale achtet.
- Man sollte trainieren, was diese Signale bedeuten.[ZS39]
- Bei komplizierten Bewegungsabläufen muß trainiert werden, daß man sich auf den inneren Vorlauf der Übung konzentriert.[ZS40]
- Wettkampfnahe Übungsformen um Situationsvarianten zu trainieren.[ZS41]
- Durch ideomotorisches Training wird die Antizipation für den Ernstfall gestärkt.[ZS42]
- Training der spezifischen Bedingungen der Sportart.[ZS43]

Zum Sollwert-Istwert-Vergleich

Damit das geplante Ergebnis erreicht wird, muß die Bewegungsausführung und deren Teilergebnisse mit dem Bewegungsplan verglichen werden. Dies geschieht durch einen Sollwert-Istwert-Vergleich von Bewegungsplan und Ausführung. Dies ist besonders dann nötig, wenn die Umgebungsvariablen nicht stabil sind und somit eine Modifikation des Bewegungsprogramms während der Ausführung notwendig wird[ZS44].

Es ist noch wenig darüber bekannt, wo und wie der Sollwert-Istwert-Vergleich genau stattfindet. Allen Erklärungsmodellen ist gemeinsam, daß ein Sollwert gespeichert wird, der immer wieder mit dem Istwert verglichen wird.

Wie schon gesagt, der Sollwert-Istwert-Vergleich kann zu Modifikationen des Bewegungsprogrammes führen. Dies hat beim Ungeübten oder Unerfahrenen zur Folge, daß er übermäßige Bewegungen macht, die zu keiner stabilen oder flüssigen Bewegung führen. Diese wirken auf den Beobachter sehr ungelenk.[ZS45]

Der Soll-Istwert-Vergleich kann nur indirekt durch die gezielte Schulung der reafferenten und afferrenten Informationsaufnahme und -verarbeitung, und Schulung der Bewegungsantizipation gestärkt werden.

[ZS46]

Der Soll-Istwert-Vergleich kann durch ein hohes Zusammenhangswissen[10] des Sportlers unterstützt werden.

[ZS47]

Aus Gründen der Lerneffiktivität sollte der Sportler beim Üben angehalten werden, besonders bei zyklischen Wiederholungen, einen Soll-Istwert-Vergleich bewußt anzustellen.

[ZS48]

Allgemeine Bewegungsmerkmale als Ausdruck der Bewegungskoordination

Die Sportliche Bewegungslehre stellt Begriffe zur Beschreibung von Bewegungen bereit. Denn im Lernprozeß müssen Fehler, Verbesserungsvorschläge durch brauchbare - also gut verständliche Beschreibungen - vermittelt werden.[ZS49] Wenn man solche Beschreibungen kreiert, ist darauf zu achten, daß

- manche Bewegungsmerkmale auf Grund der Geschwindigkeit der Bewegung vom Ausführenden nicht wahrgenommen werden können.
- der Sichbewegende meist nur dazu fähig ist, ein Bewegungsmerkmal zu beobachten.[ZS50]
- teilweise nur ein vorgegebenes Bewegungsmerkmal oder sehr wenige Bewegungsmerkmale verarbeitet oder motorisch umgesetzt werden können.[ZS51]
- Informationen zu einem Bewegungsverlauf nur verarbeitet werden können, wenn der Sportler Einfluß auf die Regulation eines Bewegungselementes hat.[ZS52]

Die sportliche Bewegungslehre hat zur Beschreibung von Bewegungen Merkmale entwickelt, mit welchen diese Problem umgangen werden können. Diese Merkmale sind geprägt dadurch, daß sie

- charakteristisch für die Mehrzahl sportlicher Handlungen sind.[ZS53]
- sich im Wesentlichen sichtbar ausdrücken. Also „morphologische“ Bewegungsmerkmale sind.[ZS54] [ZS55]

Die Struktur sportlicher Bewegungsakte

Die Struktur von Bewegungsakten ist immer prozeßhaft. Das heißt, wenn man eine Struktur eines Bewegungsaktes beschreiben und vermitteln will, hat man die Abfolge der Teilbewegungen und ihre Zusammenhänge festzustellen. Zusätzlich ist festzustellen, wie und was die Teilabschnitte und -bewegungen zur Erfüllung des Ziels beitragen.

[ZS56]

Allgemeine Grundstruktur sportlicher Bewegungsakte

Sportliche Bewegungsakte werden in drei Phasen aufgegliedert.

1. Vorbereitungsphase
2. Hauptphase
3. Endphase

Diese drei Phasen sind in ihrer Reihenfolge nicht austauschbar.

In der Hauptphase wird die eigentliche Aufgabe gelöst. Allgemein formuliert bedeutet das, dem Körper wird ein Bewegungsimpuls erteilt oder ein Endglied wird durch einen Kraftimpuls so beschleunigt, daß dadurch es selbst, ein Gerät oder Gegenstand einen Bewegungsimpuls erhält.

In der Vorbereitungsphase versucht man optimale Voraussetzungen für den Bewegungsvollzug zu schaffen.[ZS57] Im Sport ist es in der Regel eine Ausholbewegung.

Ausholbewegungen werden meistens in Gegenrichtung zur eigentlichen Bewegung ausgeführt. Sie sollen eine Position für einen optimalen Beschleunigungsweg schaffen.[ZS58]

Zusätzlich

ermöglicht die Ausholbewegung eine höhere Ausgangskraft.[ZS59][ZS60] Die Muskulatur wird durch die Ausholbewegung in eine höhere Ausgangsspannung, welche die höhere Ausgangskraft ermöglicht, versetzt.[ZS61]

Es wird folgender Zusammenhang genutzt. Bei der Umkehrung der Ausholbewegung in die Hauptphase muß gebremst werden. Das Abbremsen der Ausholbewegung erhöht bei weitem mehr die Muskelspannung, als dies der Fall wäre, wenn man den gesamten Bewegungszusammenhang mit nur einer Bewegungsrichtung ausführt.

[ZS62]

Weiter versucht man mit der Ausholbewegung seinen Körper oder seine Glieder in eine Position zu bringen, die ermöglicht äußere Kräfte optimal zu nutzen.

[ZS63]

Weitere Möglichkeiten zur Ausführung einer Vorbereitungsphase sind Anschwung-, Angleit- und Anlaufbewegungen[ZS64].

Diese drei Bewegungen werden verwendet, wenn keine Ausholbewegung möglich ist.

Allen ist gemeinsam, daß sie in Bewegungsrichtung der Hauptphase stattfinden. Sie nutzen den Impulserhaltungssatz. Dem Körperglied beziehungsweise dem Körper wird dadurch eine verwertbare Bewegungsenergie zur Verfügung gestellt.

[ZS65]

In der Endphase wird der Körper wieder ins Gleichgewicht gebracht. Sie stellt teilweise schon die Vorbereitung zum nächsten Bewegungsakt dar.

Die einzelnen Phasen einer Bewegungen lassen sich teilweise untergliedern. Dies ist insbesondere bei der Vorbereitungsphase beziehungsweise der Hauptphase, wenn mehrere Bewegungen kombiniert werden[11],[ZS66] möglich.

Die Hauptphase ist normalerweise in aufgabenbezogene Teilelemente aufgegliedert.[ZS67] Dabei ist zu beachten, daß die Ausführung der Teilelemente immer davon abhängt, was für ein Teilelement folgt[ZS68].

Strukturvarianten bei azyklischen Bewegungsakten

Azyklische[12] Bewegungen haben nur eine Hauptphase. Sie können mit Sonderformen der Ausholbewegungen einher gehen.

- Die mehrfache Ausholbewegung

Mehrfache Ausholbewegungen entstehen dann, wenn die Ausholbewegung durch eine Ausholbewegung vorbereitet wird.

- Die unterdrückte Ausholbewegung

Die unterdrückte Ausholbewegung erfüllt zwei Zwecke. Einerseits den der Finte, anderseits kann sie dazu dienen, Starts schneller zu machen.[ZS69] Die Unterdrückung hat aber zur Folge, daß die Bewegung, zum Beispiel der Wurf oder der Schlag, nicht so zielgerichtet und kraftvoll ist.[ZS70]

Das Unterdrücken einer Ausholbewegung muß trainiert werden. Dies Training erfordert einen sehr hohen Aufwand.

Die Abwandlung der Grundstruktur bei zyklischen Bewegungsakten

Zyklische Bewegungsakte sind dadurch gekennzeichnet, daß sie aus vielen identischen Einzelzyklen bestehen. Ein typisches Beispiel dafür ist das Gehen. Bei diesem kann man nur noch zwei Phasen beobachten , nämlich

- eine Hauptphase
- und eine Zwischenphase.

Aber es lassen sich bei zyklischen Bewegungsakten, wenn sie sehr langsam ausgeführt werden, die drei Bewegungsphasen erkennen. Bei schnellerer Ausführung findet dann eine Phasenverschmelzung der Vorbereitungs- und Endphase zu einer Zwischenphase statt.

[ZS71]

Die zyklischen Bewegungen werden in drei Gruppen aufgeteilt.

- Die erste Gruppe besteht aus allen nicht alternierende zyklischen Bewegungen[13] und alternierende Bewegungen, die aber die Grundstruktur der zyklischen Bewegungen[14] beibehalten.
- Die zweite Gruppe besteht aus zyklischen Bewegungen, die versuchen einen kontinuierlichen Antrieb für eine ökonomisch ausgeführte Höchstleistung zu erzeugen. Hier handelt es sich um Bewegungen, wie Kraulen und Radfahren. [ZS72]

Hauptunterscheidungsmerkmal zur ersten Gruppe ist, es gibt keine antriebslosen Phasen. Ein praktisches Merkmal ist, der Zweck der Bewegung läßt sich auch noch mit einer Körperhälfte bewerkstelligen. Deswegen betrachtet man solche Bewegungen als Zusammensetzungen von koordinierten Teilbewegungen.

- Bei der dritten Gruppe finden mehrere zyklische Bewegungen gleichzeitig statt, die zeitlich nicht synchronisiert sind. [ZS73]

Bewegungskombinationen

Von Bewegungskombinationen spricht man, wenn mehrere unterschiedliche Bewegungen aneinandergereiht werden. Wichtig ist, damit ein reibungsloser Ablauf stattfindet, müssen Endphase und Vorbereitungsphase der einzelnen Teilbewegungen verschmelzen.[ZS74]

Die daraus entstehende Zwischenphase kann sogar verschwinden, wenn die Teilelemente nah genug aufeinanderfolgen.

Damit dieser hohe Grad der Verschmelzung stattfinden kann, müssen die Teilelemente rechtzeitig antizipiert werden[ZS75].

Bewegungskombinationen können Grundsteine für einen zyklischen Bewegungsablauf auf höherer Ebene bilden.

Es gibt natürlich auch die Möglichkeit zur Simultankombinationen von Bewegungen.

[ZS76][ZS77]

Objektive und subjektive Bewegungsstruktur

Der Sportler nimmt die selbe Bewegungsstruktur war, aber er wertet sie durch die subjektiv wahrgenommenen Schwierigkeiten anders. Das heißt zum Beispiel, die für ihn schwierige Endphase ist der markante Teil und damit für ihn die Hauptphase der Bewegung.

Deswegen sind die subjektiven Grenzen der Bewegungsphasen des Sportlers nicht unbedingt identisch mit den Objektiven. Für das Muskelgefühl ist zum Beispiel der Bremsstoß der Ausholbewegung und der Beschleunigungsstoß der Hauptbewegung eins.

Die Sportliche Bewegungslehre empfiehlt, damit die Informationen des Trainers besser verstanden werden, müssen dem Lehrenden wie Lernenden die objektiven und subjektiven Grenzen der Bewegungsphasen klar sein.[ZS78]

Anwendung der Strukturkenntnisse in der Lehr- und Übungspraxis

Die Sportliche Bewegungslehre fordert, daß der Lehrende weiß, wie die drei Phasen bei einer geübten Bewegung aussehen, wie sie sich bedingen[ZS79] und was sie bewirken und bezwecken. Dies erleichtert ihm den Überblick und er kann zielgerichtete Korrekturen anbringen.

Bewegungsrhythmus

Bewegungsrhythmus als komplexes Merkmal sportlicher Bewegungsakte

Mit Bewegungsrhythmus wird die „spezifische, charakteristische zeitliche Ordnung eines sportlichen Aktes“ (Meinel, Schnabel, 1987, S.113) bezeichnet. Am deutlichsten ist der Bewegungsrhythmus an der Akzentuierung der Muskeldynamik erkennbar. Der Bewegungsrhythmus wird geprägt durch die Abfolge der Gewichtsverteilung. Als wesentliches Merkmal des Bewegungsrhythmuses gilt der sportliche Bewegungslehre der Wechsel von Spannung und Entspannung in der Muskeltätigkeit.

Der Bewegungsrhythmus ist ein differenzierteres Strukturmerkmal als die Grundstruktur.

Es gibt einen objektiven und subjektiven Bewegungsrhythmus. Der objektive Bewegungsrhythmus läßt sich in Kennlinien der Beschleunigung und Kraft darstellen. Der subjektive Bewegungsrhythmus ist meist unterbewußt oder wird nur teilweise erfaßt. Aber er kann durch Selbstbeobachtung voll bewußt gemacht werden.

Der Lernprozeß einer Bewegung gestaltet sich effektiver, wenn der subjektive Bewegungsrhythmus dem Objektiven entspricht. Dies ist der Fall, wenn das subjektive Bewegungsgefühl die objektive Kennlinie widerspiegelt.[ZS80]

Um den Begriff des Bewegungsrhythmuses zu verdeutlichen, soll er an verschiedenen Bewegungsaufgaben illustriert werden.

- Zyklische symmetrische Ganzkörperbewegung:

Beim Rudern folgt einer konzentrierten Muskelarbeit eine Phase geringer Muskeltätigkeit. Bei diesem Beispiel entsteht durch das Eintauchen ein synchroner, akustischer Rhythmus. Der Atemrhythmus ist ebenso synchron zu der Ruderbewegung. Rhythmen, wie die des Ruderns, werden als zweigliedrig bezeichnet.

- Alternierende zyklische Bewegungen:

Beim Paddeln folgt einer konzentrierten Muskelarbeit eine geringe Muskeltätigkeit. Auf der anderen Körperseite erfolgt dann der selbe Bewegungsablauf. Objektiv gesehen ist hier ein zweigliedriger Rhythmus gegeben. Subjektiv wird dieser Rhythmus gerne als ein Viergliedriger betrachtet.

- Als Beispiel für einen einfachen azyklischen Bewegungsakt kann der Startsprung im Schwimmen dienen.

Hier beginnt die Bewegung mit einer konzentrierter Muskelarbeit, die aus einem Bremsstoß und der Absprungbewegung entsteht. Diesen Teilbewegungen folgt eine Streckbewegung des Körpers, die in eine entspannte Flugbewegung übergeht.[ZS81]

Bei kombinierten, nicht synchronen Bewegungsakten ist der Bewegungsrhythmus sehr komplex. Es empfiehlt sich deswegen bei diesen den Gesamtbewegungsrhythmus in die einzelnen Bewegungsrhythmen der einzelnen Körperteile aufzulösen.

[ZS82]

Den Bewegungsrhythmus nimmt man wahr, indem man die Bewegungsvollzüge des zu Beobachtenden innerlich miterlebt. Diese Möglichkeit der Beobachtung basiert auf dem Carpentereffekt. Voraussetzung für den Carpentereffekt ist in diesem Fall, daß ein genügend hohes Interesse und Teilnahme des Beobachtenden gegeben ist.

Die Sportliche Bewegungslehre empfiehlt jedem Trainer die Bewegungsvollzüge seiner Schützlinge innerlich mitzuvollziehen. Dies erleichtert dem Lehrer Bewegungsrhythmusfehler zu erkennen und Korrekturen an den Bewegungsakten anzubringen.

Diese Beobachtungsmethode kann auch als Lernmedium eingesetzt werden, indem der Schüler bei einer Bewgegungsdemonstration den Bewegungsrhythmus seines Trainers innerlich mitvollzieht.

Entwicklungsbedingungen und Genese sportlicher Bewegungsrhythmen

Bewegungsrhythmen werden durch die Anatomie, Aufgabenstellung und normalerweise dem Ziel der Bewegungsökonomie bestimmt. Der Bewegungsrhythmus ist zurückzuführen auf das Alternieren der einzelnen Glieder[15]. Im Wechselspiel der äußeren und inneren Kräfte wird der Bewegungsrhythmus ausgeprägt.

[ZS83]

Der Bewegungsrhythmus wird ausgebildet, während man sich mit einer Bewegungsaufgabe auseinandersetzt. Diese Entwicklung ist bedingt durch die Erkenntnisfähigkeit des Schülers von Bewegungsrhythmus. [ZS84]Indem man die Aufmerksamkeit des Schülers auf den Bewegungsrhythmus lenkt, fördert man die Entwicklung des Selben.

Je gekonnter eine Bewegung ist, desto markanter ist der Bewegungsrhythmus. Er ist in einem geringen Maße individuell ausgeprägt[ZS85].

Die Sportliche Bewegungslehre kann nur allgemeine Regeln für einen optimalen Bewegungsrhythmus bieten.

Bei Kraft- und Schnellkraftleistungen (Sprünge und Würfe) ist eine Optimierung des Bewegungsrhythmuses besonders wichtig. Besonders dann, wenn sie in Abfolge erfolgen. Denn bei dieser Art von Leistungen kann die geringste Anspannung zum falschen Zeitpunkt den Gesamtbewegungsablauf stören.

Die optimale Ausprägung des Bewegungsrhythmuses ist erreicht, wenn der gesamte Bewegungsablauf mühelos wirkt.[ZS86] Dies Bewegungsrhythmusoptimum ist als erstes im Training anzustreben. Sobald der Bewegungsrhythmus beherrscht wird, ist das weitere Ziel, ihn aus taktischen Gründen oder auf Grund veränderter Aufgabenstellung[ZS87] variieren zu können.

Wenn eine Bewegung gelehrt wird, muß der Schüler als erstes den Bewegungsrhythmus erfassen. Deswegen sollte der richtige Grundrhythmus als erstes gelehrt werden, erst dann geht man auf die Feinheiten der Bewegung ein.

[ZS88]

Der Bewegungsrhythmus läßt sich besonders gut vermitteln, wenn man ihn akustisch vorgibt und zeitgleich optisch demonstriert.

[ZS89]

BeiBBBei der weiteren Ausbildung des Bewegungsrhythmuses ist es wichtig, daß der Lehrer die Fehler des Bewegungsrhythmuses schnell erfaßt, indem er den Bewegungsrhythmus des Schülers innerlich miterlebt und sofort mit einer Korrektur reagiert, indem er den Bewegungsrhythmus richtig vormacht und mitmacht.

Da der Bewegungsrhythmus so bedeutend für die Bewegungsqualität ist, sollte immer die Fähigkeit zur Wahrnehmung und Gestaltung des Bewegungsrhythmuses ausgebildet werden.

[ZS90]

Bewegungskopplung (Merkmal des Zusammenhangs der Teilbewegungen und der Bewegungsübertragung)

Meist wird der gesamte Körper bei einem sportlichen Bewegungsakt benutzt. Eine unabhängige, auf ein Körperglied isolierte Bewegung ist fast immer auf Grund der menschlichen Anatomie unmöglich. Falls dies doch möglich sein sollte, ist diese Art der Ausführung normalerweise äußerst unökonomisch[16].

Wegen der obengenannten anatomischen Bedingungen wirkt fast jede Teilbewegung eines Körpergliedes auf die anderen Körperglieder und deren Teilbewegungen zurück. Ziel eines Trainings ist es, dies Wechselspiel optimal aufeinander abzustimmen.

Dies läßt sich am Beispiel des Knieumschwunges erläutern. Man schwingt ein Bein vor, sobald dies abgebremst wird, überträgt sich der Schwung auf den sich noch langsam bewegenden Rumpf, der dadurch beschleunigt wird. Hier soll man aber darauf achten, daß die „Schwungübertragung“ stattfinden kann. Wird der Rumpf fixiert oder die Fixierung des Selben zu spät gelöst, kann die Energie des Beinschwunges nicht ausgenutzt beziehungsweise der Impuls nicht übertragen werden.

[ZS91][ZS92]

Treten bei Bewegungsabläufen solche Bewegungskopplungen auf, beginnen in aller Regel die Teilbewegungen nicht gleichzeitig, sondern zeitlich verschoben.[ZS93] Das heißt zum Beispiel, wenn die Arme schon in der Hauptphase sind, dann ist der Rumpf noch in der Vorbereitungsphase.

Diese zeitlich asynchronen Bewegungskopplungen können die selbe Funktion wie eine Ausholbewegung erfüllen.

Ein anderer Grund für diese Bewegungskopplung ist, daß ein kräftigeres Körperteil einen Anfangsimpuls erzeugt, um das schwächere Körperteil zu entlasten. Ein Beispiel dafür ist das Gewichtheben. Der Rumpfeinsatz gibt dem Gewicht einen Impuls, damit die Arme weniger zu arbeiten haben.

Der Rumpf wird zur Bewegungskopplung besonders gerne eingesetzt. Es gibt drei Formen des Rumpfeinsatzes, die als Beispiele für andere Körperteile gelten können.

[ZS94]

- Der translatorische Rumpfeinsatz:

Hier erwirtschaftet der zeitlich vorgezogene Rumpfeinsatz einen hohen Anfangsimpuls, den die eigentlich agierenden Glieder nicht von selbst erzeugen können.

- Rumpfeinsatz durch Beugen und Strecken:[ZS95]

Diesen Rumpfeinsatz erzeugt man dadurch, daß man sich streckt oder beugt. Hier werden wiederum höhere Energien und Impulse erzeugt, um sie auf andere Körperglieder zu übertragen.

- Rumpfeinsatz durch Verwringung[ZS96]

Von Verwringung spricht man, wenn der Schultergürtel gegenüber dem Beckengürtel oder umgekehrt verdreht wird. Hier kann durch die erhöhte Muskelspannung mehr Kraft, die in einen höheren Impuls umgesetzt wird, erzeugt werden. Dieser erhöhte Impuls kann dem eigentlichen genutzten Körperteil zu Gute kommen.

Der Kopf wird meistens aus Gründen der optischen Orientierung bewegt und ist deswegen den Bewegungen zeitlich immer etwas voraus.

Durch diese Halsdrehung wird der sogenannten „Halsreflex“ ausgelöst. Er verursacht eine Tonus­anspannung, die die eigentliche Bewegung unterstützt.

Es gibt auch eine falsche Bewegungskopplung mit dem Kopf. Anfänger bewegen ihren Kopf, weil sie glauben, dies würde die Bewegung unterstützen, obwohl diese Aktion den Bewegungsablauf stört[ZS97].

Zur Arbeit mit dem Merkmal Bewegungskopplung in der Lehr- und Übungspraxis

Die Bewegungslehre stellt auch hier wieder die Forderung auf, daß der Trainer ein explizites Wissen über die Zusammenhänge der Bewegungskopplung besitzt. Denn falsche Bewegungskopplungen sind eine weitere wichtige Fehlerquelle für sportliche Bewegungsakte.

Die Phasenverschiebung von Teilbewegungen braucht sehr selten ein gesondertes Training, da die Bewegungskopplung durch Selbstregulation entsteht. Es gibt aber Bewegungskopplungen, wo der Phasenverschiebung, die durch Selbstregulation entsteht, im Training entgegengewirkt werden muß. [ZS98]

Bewegungsfluß (Merkmal der Kontinuität im Bewegungsverlauf)

Bewegungsfluß ist ein schwer faßbarer Begriff. Er ist eine Eindrucksgröße, mit der man beschreibt, wie „glatt“ ein Bewegungsverlauf aussieht.

Bewegungsfluß läßt sich aber auch durch Kennlinien von Weg-Zeit-Verläufen, Kraft-Zeit-Verläufen und Weg-Verläufe objektivieren. Im Sport geht man sogar soweit, einen Wert aus diesen Verläufen für den Bewegungsfluß zu berechnen.

[ZS99]

Der Bewegungsfluß ist ein Maß dafür, wie gut eine Bewegung beherrscht wird. Denn je besser die Bewegungskoordination ist, desto höher ist der Bewegungsfluß, weil die End- und Vorbereitungsphase der Teilbewegungen verschmelzen.[ZS100] Hinzu kommt, daß die Muskeldynamik und Bewegungskopplung optimal ausgeprägt sind, so daß die Wendepunkte eines Bewegungsablaufes „rund“ wirken.

Der Bewegungsfluß macht sich auch subjektiv bemerkbar. Je höher der Bewegungsfluß, desto mehr genießt der Sportler seine Bewegungen[17]. Bei einem schlechten Bewegungsfluß treten Unlustgefühle auf.

Da die subjektive Wahrnehmung des Bewegungsflusses durch den Sportler emotional gefärbt ist, ist es sehr lohnend, seine Aufmerksamkeit darauf zu lenken. Dies stärkt sein Bewegungsempfinden und verbessert damit seine Bewegungskoordination. Auch beim teilnehmenden Zuschauer entstehen die selben Gefühle.

Ein[ZS101]

Ein hoher Bewegungsfluß ist wichtig, da bei Richtungswechseln ein fließender Übergang zweckmäßig ist.

[ZS102]

Es ist wichtig, daß der Trainer sich über die Bedeutung des Bewegungsflusses im Klaren ist. Der Bewegungsfluß ist ein wichtiges Ziel des Trainings. [ZS103]

Bewegungspräzision

Bewegungspräzision drückt sich zu einem durch Treffgenauigkeit aus, zum anderem durch die Einhaltung der Kennlinien der Knotenpunkte der Bewegung. Ein allgemeineres Merkmal der Bewegungspräzision ist, wie sehr das Ergebnis der gestellten Aufgabe entspricht.

Diese Ergebnispräzision ist ein Maßstab der Entwicklung der Bewegungskoordination.

Präzisionsleistungen gehen sehr oft mit einer starken Einengung des Bewegungsumfanges einher. Es tritt meist der Typus der geführten Bewegung auf.[ZS104] Das heißt, die Antagonisten sind gleichzeitig tätig, um die millimetergenaue Bewegung zu ermöglichen.

Doch sind auch schwungvolle und kraftvolle Bewegungen als Präzisionsbewegungen möglich. Zum Beispiel einen Baum mit einer Axt zu fällen.

Auch hier tritt beim Anfänger das Phänomen auf, daß möglichst viele Freiheitsgrade des Körpers eingeschränkt werden, und die Bewegungen verlangsamt stattfinden. Diese Einschränkungen lassen mit zunehmender Übepraxis nach[ZS105].

Wichtig ist, daß dem Übende ein Wissen über erfolgsversprechende Ausgangssituationen und deren Gestaltung vermittelt wird.[ZS106]

Wenn an der Bewegungspräzision gearbeitet wird, ist dem Sportler möglichst schnell die Differenz zwischen Sollwert und Istwert bekannt zu geben.[ZS107]

Eine weitere Methode zur Erarbeitung von Bewegungspräzision ist die Kontrastmethode. Man nimmt zwei Werte, die um das Ziel herum liegen, die im Lauf des Übens immer mehr angenähert werden.

[ZS108]

Bewegungskonstanz

Bewegungskonstanz zeichnet sich bei zyklischen Bewegung dadurch aus, daß der Bewegungszyklus in ein und der selben Größe und dem selben Tempo ausgeführt wird. Schritte von hoher Bewegungskonstanz unterscheiden sich zum Beispiel in der Schrittlänge nur um Millimetern. Die Schrittfrequenz ist konstant. Das heißt auch, das sportliche Ergebnis ist konstant.

Das Phänomen der Bewegungskonstanz gibt es auch bei azyklischen Bewegungen und Bewegungskombinationen. Hier läßt sich die Bewegungskonstanz daran messen, wie gering die Abweichung des Ergebnis bei einer Serie von Versuchen ist.

Bewegungskonstanz ist ein Zeichen der Qualität der Bewegungsbeherrschung.[ZS109]

Als weitere Kriterien für Bewegungskonstanz kann man die Einhaltung der bisher genannten Bewegungsmerkmale nennen.

[ZS110]

Die Bewegungskonstanz entwickelt sich in folgender Hierarchie:

1. Die Konstanz des Bewegungsergebnisses
2. Die Konstanz der Bewegungsstruktur
3. Die Konstanz der Bewegungsparameter[ZS111]

Bewegungskonstanz ist eine Grundlage für Ausdauer- und Schnelligkeitsleistungen. Den Bewegungskonstanz ist ökonomischer, da weniger Irritationen im Bewegungsablauf vorhanden sind, die zu Eingriffen in den Bewegungsablauf zwingen und diesen stören.

[ZS112]

Für das Selbstvertrauen des Sportlers ist die Bewegungskonstanz wichtig, weil sie ihm Ergebnissicherheit vermittelt.[ZS113]

Bewegungskonstanz ist selten ein Thema des Trainingsprozesses - außer bei Ausdauerleistungen, aber sie ist ein Ergebnis des Selben.

Hohe Bewegungskonstanz beim Anfänger, lassen eine Begabung in der Bewegungskoordination erkennen.

Bewegungsumfang

Der räumlichen Umfang des Bewegungsablaufes wird als Bewegungsumfang bezeichnet.

Wird eine Bewegung erlernt, weicht der Bewegungsumfang deutlich vom Optimum ab.

Die Bewegung kann am Anfang des Lernens zu klein oder zu groß sein. Hier gibt es keine Regel.

Es gibt kaum Gesetzmäßigkeiten für das Optimum des Bewegungsumfanges.[ZS114] Aber es zeigt sich, daß dies Optimum nicht notwendigerweise in den Extremen des Bewegungsumfanges liegt.

Es läßt sich aber beobachten, daß bei Bewegungen, die einen hohen Gesamtimpuls brauchen, sich das Optimum dem Maximum des Bewegungsumfanges nähert.[ZS115] Wenn es um hohe Reaktionsschnelligkeit geht, benutzt man kleinräumige Bewegungen. Diese geht aber auf Kosten der Treffgenauigkeit und Kraft.

[ZS116]

Insgesamt läßt sich sagen, der Bewegungsumfang wird durch die Aufgabe bestimmt.

Die Bewegungsgröße ist indirekt ein Thema der Trainings. Ist der Bewegungsumfang falsch, läßt das auf Fehler in der Bewegungsdynamik, Bewegungsrhythmus, oder Bewegungskopplung schließen.

[ZS117]

Bewegungstempo

Das Bewegungstempo gibt an, in was für einer Zeit eine Bewegung vollführt werden soll. Sie ist ein wichtiges Kriterium im Trainingsprozeß, weil falsche Tempi bei Teilbewegungen oder der Gesamtbewegung gefährden den Erfolg oder den ästhetischen Eindruck einer Übung.

[ZS118]

Es gibt das Problem der Schnelligkeitsbarriere. Für diese gibt es mannigfaltige Gründe. Es kann sich um einen konditionellen Mangel, insbesondere der Schnellkraft, handeln. Mangelnde koordinative Fähigkeiten, Unbeweglichkeit, bis zu technischen Fehler in der Grundstruktur der Bewegung sind ein weitere Grund für diese Barriere.

[ZS119]

Das geeignete Bewegungstempo erreicht man leichter, wenn man an der Bewegungskopplung beziehungsweise an dem Bewegungsrhythmus arbeitet, anstatt am Bewegungstempo selbst.

Bewegungsstärke

Die Bewegungsstärke ist ein Ausdruck für den Krafteinsatz einer Bewegung. Die Differenzierung dieser Größe spielt eine besonders wichtige Rolle, wenn nicht ein maximales Ziel, sondern verschiedene Zielvarianten gefragt sind[ZS120]. Die Bewegungsstärke vermittelt sich dem Trainer durch sein Mitempfinden. Er gibt anhand dieses Eindruckes Korrekturhilfen.

Hier sind zur Beobachtung besonders Bewegungsrhythmus und Bewegungskopplung geeignet. Denn durch diese vermittelt sich der Krafteinsatz.

Die notwendige Stärke des Krafteinsatzes muß dem Sportler von Anfang an klar gemacht werden.[ZS121]

Zusammenfassung

Die Grundstruktur ist die allgemeinste Beschreibungsform einer Bewegung.

Bewegungsrhythmus und Bewegungskopplung sind Beschreibungen sehr komplexer Art und lassen sich nicht in Kennzahlen wiedergeben.

Die anderen Merkmale sind in Kennzahlen ausdrückbar und beachten meist nur einen Aspekt der Bewegung.

Wichtig ist, daß alle Parameter im Trainingsprozeß beachtet werden müssen, weil jeder etwas anderes beschreibt. Das nur teilweise Beachten der Bewegungsmerkmale führt zu Fehlentwicklungen im Bewegungslernen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: nach Meinel, Schnabel, 1987, S.170

[ZS122]

Motorisches Lernen im Sport

Der motorische Lernprozeß als Grundvorgang der Ausbildung des motorischen Könnens

Das Wissen über die Trainingspraxis ist ähnlich dem der Instrumentalpädagogik, es ist sehr viel Erfahrungswissen, welches sich aber im Gegensatz zur Instrumentalpädagogik schon seit den dreißiger Jahren auf dem Prüfstand der empirischen Untersuchung befindet. Aus diesen Untersuchungen resultiert fundiertes Material über das motorische Lernen und seiner Genese. Themen die der sportlichen Bewegungslehre sehr wichtig sind, da sie Konsequenzen auf die Lehrmethoden haben.

Um diesen Komplex verstehen zu können, werde ich nun die relevanten Begriffe der sportlichen Bewegungslehre zu diesem Thema erläutern. Hierbei kommen natürlich auch Begriffe der „normalen“ Pädagogik vor. Doch ich halte es wichtig, daß diese auch im Kontext mit dem sportlichen Bewegungslernen erläutert werden.

Kognitives und motorisches Lernen

Lernen ist der Erwerb von neuartigen Fähigkeiten. Dieser Prozeß kann bei

- Spieltätigkeiten
- Arbeitstätigkeiten
- Lerntätigkeiten

stattfinden.

Man unterscheidet zwischen

- kognitiven, in der Ostblocklitaratur „mentalem“, Lernen und
- motorischem Lernen.

Beide Formen des Lernens hängen sehr eng zusammen. Motorisches Können kann um so besser und schneller verbessert werden, je mehr Wissen[18] der Lernende über die Zusammenhänge, Gesetzmäßigkeiten einer Bewegung hat.

[ZS123]

Motorisches Lernen ist die „Entwicklung, Anpassung und Vervollkommnung von Verhaltensweisen und -formen, speziell von Handlungen und Fertigkeiten, deren Hauptinhalt die motorische Leistung ist.“ (Meinel, Schnabel, 1987, S.173)

[ZS124]

Motorisches Lernen bedeutet primär, daß das Lösen einer Bewegungsaufgabe das Ziel ist, die geistigen Fähigkeiten und Inhalte sind Mittel, um dieses Ziel zu erreichen. Dies Wissen und diese geistigen Fähigkeiten gehören zu den Bildungszielen des Sportes.

[ZS125]

DemDDem motorischem Lernen geht es um Könnenserwerb.

Dieser Könnenserwerb beziehungsweise das motorische Lernen bedarf der Fähigkeit des Schülers zur Selbstkritik und Eigeninformation, aus welchen die notwendige Selbstverbesserungsfähigkeit des Schülers resultiert.

Im Gegensatz dazu, geht es beim kognitiven Lernen um Wissenserwerb, das hauptsächlich durch Fremdinformation stattfindet. Deswegen ist e

ein guter Schüler in der Schule nicht automatisch ein guter Schüler im Sport, wie andersherum. Denn beide Lernformen benötigen unterschiedliche Fähigkeitskonzepte .

Koordinativen und motorischen Fähigkeiten.

Die Bewegungslehre unterscheidet zwischen

- koordinativen
- und motorischen Fähigkeiten.

Koordinative Fähigkeiten sind Fähigkeiten, um eine Klasse von Bewegungsaufgaben zu lösen. Mit einer motorische Fähigkeit kann man nur eine bestimmte Bewegungsaufgabe lösen und sie dient dem Erreichen eines bestimmten Ziels[ZS126].

Fertigkeiten sind automatisierte Komponenten des bewußten Handelns des Menschens. Diese entstehen durch wiederholtes Üben, und laufen nach einem bestimmten Zeitraum automatisch ohne Bewußtsein ab[ZS127].

Sportliche Handlungen sind hiermit Fertigkeiten, „die durch wiederholtes Üben weitgehend gefestigt wurden oder zumindest teilweise automatisch, ohne bewußte Konzentration der Aufmerksamkeit ablaufen“ (Meinel, Schnabel, 1987, S.174). Diese Fertigkeiten beruhen auf automatisierte Steuer- und Regelungsprozesse.

[ZS128]

Maßstab für den Automatisierungsgrad ist, mit welcher Sicherheit die Bewegung immer wieder ausgeführt wird.

[ZS129]

Lernen als Informationsverarbeitung

Lernen basiert grundsätzlich auf der Aufnahme, Verarbeitung und Speicherung von Information. Auf die Grundregeln der Informationsverarbeitung des motorischen Lernens bin ich schon unter dem Punkt “Bewegungskoordination als Regulation der Bewegungstätigkeit“ eingegangen. Da es sich bei dem motorischen Lernen um einen Regelkreis handelt, benötigt man bei dieser Art des Lernens Rückinformation[ZS130].

Die Bewegungslehre unterscheidet für ihre Zwecke drei Formen der Rückinformation.

1. Die Rückinformation über das Ergebnis der Lerntätigkeit;

darunter sind alle Informationen zu verstehen, die den erreichten Stand nach einer bestimmten Zeit betreffen

2. Die Rückinformation über das Ergebnis eines Handlungsvollzuges;

Sie beinhaltet zum Beispiel die Information darüber, ob mit dem jeweiligen Versuch im Weitsprung, die angestrebte oder geforderte Weite erreicht wurde oder nicht, im Wurf das Ziel getroffen wurde oder ob die Täuschung des Gegners gelungen ist.

3. die Rückinformation über die Einzelheiten der Bewegungsausführung selbst;

Das heißt unter anderem Rückinformation über noch vorhandene Fehler oder ihre Beseitigung:

[ZS131](Aus Meinel, Schnabel, 1987, S.175)

[ZS132]

Die Rückinformation über das Ergebnis der Lerntätigkeit kann Auswirkungen auf die Motivation des Schülers haben.

Die Rückinformation über die Einzelheiten der Bewegungsausführung benötigt der Schüler, um Bewegungskorrekturen vornehmen zu können.

[ZS133]

Im langfristigen Unterrichtsprozeß kann man feststellen, daß der Schüler beim Beginn des Lernens ein sehr subjektives Erleben der Bewegung hat. Objektive Größen, wie zum Beispiel die Bewegungsmerkmale, weiß er anfänglich nicht umzusetzen.

[ZS134]Mit zunehmender Unterrichtszeit kann der Schüler immer besser mit diesen objektiven Angaben der Rückinformation umgehen.

[ZS135]

Um diese Fähigkeit zu fördern, empfiehlt die sportlichen Bewegungslehre, den Schüler zur Selbstbewertung anzuhalten[ZS136] und diese durch Rückinformation zu korrigieren.

Da der kinästhetische Analysator die differenziertesten Informationen über die Bewegungsausführung gibt, ist dieser Analysator besonders wichtig für das motorische Lernen. Deswegen sollte der Trainer den kinästhetischen Analysator immer wieder bei der Rückinformation mit einbeziehen.

Die Grundlagen der motorischen Entwicklung und damit die Lernerfolge auf dem Gebiet des motorischen Lernens eines Menschens hängen auch vom seinem gesellschaftlichen Umfeld ab. Dies gilt insbesondere, weil eine Gesellschaftsordnung die Bedingungen für das motorische Lernen ihrer Mitglieder schafft. Je mehr Möglichkeiten der motorischen Betätigung eine Gesellschaft fordert und bietet, um so mehr Bewegungserfahrung stehen dem Lernenden zur Verfügung. Dies erleichtert ihm wiederum das Erlernen weiterer Bewegungen.

[ZS137]

Einen zusätzlichen Einfluß nimmt die Gesellschaft durch ihre Sprache auf das motorische Lernen. Sie kann je nach Gesellschaftssituation mehr oder weniger geeignet sein, Bewegungserfahrungen zu transportieren.

Aber die Lernfähigkeit von Bewegung hängt auch vom Sprachschatz, des Lernenden und Lehrenden, der seine Quelle in der Sprache ihrer Gesellschaft hat, [ZS138]ab. Sprache ist Grundlage für den notwendigen Kommunikationsprozeß im Training. Denn sie ist die Basis zur Übermittlung von Bewegungserfahrungen. In der Auseinandersetzung und für den Kenntnisgewinn über einen Bewegungsakt ist die Sprache ein weiterer wichtiger Baustein. Die Sprache bietet dem Trainer eine Möglichkeit zur schnellen Übertragung des Erfahrungsschatzes von Bewegungen.

Sprache erleichtert den Bewußtmachungsprozeß von Bewegungen, der unabdingbar für den Lernprozeß ist. Voraussetzung dafür ist, daß eine Verbindung zwischen den verbalen und sensorischen Informationen besteht.[ZS139] Diese Verbindung entsteht nicht durch zahlreiches, monotones Wiederholen einer Übung, sondern durch eine sprachlich genau und exakt formulierte Aufgabenstellung des Trainers pro Übungsversuch[ZS140].

Diese sprachlichen Informationen müssen so präsentiert werden, daß der Schüler sie seinen Bewegungen zuordnen kann. Damit diese Möglichkeiten der Sprache optimal genutzt werden können, müssen die Begriffe eindeutig und einmalig zugeordnet und verwendet werden.

Für das Bewegungslernen ist es notwendig, daß die Bewegung bewußt miterlebt wird. Je höher der Bewußtheitsgrad, desto höher der Lerneffekt.

Einschränkend ist zu sagen, daß entscheidende Prozesse der Informationsverarbeitung und - Speicherung auf sensomotorischer Ebene, nicht bewußtseinspflichtig, teilweise nicht bewußtseinsfähig sind. Zum Beispiel die kinästhetisch regulierten Muskelsynergien. Trotzdem gilt, je intensiver die Bewegung miterlebt wird, desto höher der Lernerfolg.

Um diese Bewußtheit zu fördern, empfiehlt die Bewegungslehre,

- der Schüler muß Klarheit gewinnen über die Merkmale einer Technik und deren Sinn[ZS141].
- der Sinn von Übungsaufgaben und Beobachtungsaufgaben im Lernprozeß müssen dem Schüler mit vermittelt werden.[ZS142][ZS143].

Deswegen definiert die Bewegungslehre das Üben als „bewußtes Lösen einer motorischen Aufgabe“ (Meinel, Schnabel, 1987, S. 180), so kommt es zu einer „Wiederholung ohne Wiederholung“ (Bernstein, 1975, S. 156)

Eine motorische Lernaufgabe muß möglichst genau erfaßt werden. Das heißt, sie muß

- sinnvoll[ZS144]
- verständlich[ZS145]
- und gegenstandsbezogen[ZS146]

sein.

Lernaktivität und Motivation

Für jedes Bewegungslernen ist unabdingbar, daß eine Aktivität stattfindet, bei der die Bewegung ausgeführt wird.

Das eine Bewegung gelernt wird, setzt nicht nur voraus, daß die Bewegungsaufgabe verstanden wird, sondern auch, daß der Schüler bereit ist sie auszuführen. Er muß ein Motiv haben diese auszuführen.

[ZS147]

Motivation kann in zwei Teile aufgeteilt werden.

- Habituelle Motivation: „Relative konstante, habbituelle Richtungsdispositionen des menschlichen Verhaltens, die die Handlungsrichtung und gleichzeitig die Wahrnehmungs- und Denkweise bestimmen.“ (Kossakowski, 1973, S. 56)
- Aktuelle Motivation: Das sind die aktuellen Einstellungen und Motive die aus der momentanen Situation entstehen.

Deswegen ist der Unterricht in Fern- und Nahzielen zu gliedern.

Bedeutung des motorischen Ausgangsniveaus

Jeder Lernprozeß einer Bewegung baut auf bereits vorhandenen Grundlagen auf. Jeder, der beginnt eine Bewegung zu lernen, hat ein bestimmtes motorisches Leistungsniveau. Dieses Ausgangsniveau bestimmt wie schnell sich der Lernprozeß vollzieht.

Das motorische Ausgangsniveau wird in der Bewegungslehre untergliedert.

- Niveau der konditionellen Fähigkeiten: Dieses kann entscheidende Bedeutung für den Lernprozeß haben, wenn Kraftfähigkeit eine wesentliche Voraussetzung zum Gelingen einer Übung ist.
- Niveau der koordinativen Fähigkeiten und der bereits verfügbaren motorischen Fähigkeiten. Mit diesen Begriffen wird die Funktionsreife der Steuerungsorgane und andererseits der Schatz der Bewegungserfahrungen bezeichnet. Je höher die Funktionsreife ausgebildet und je größer der Erfahrungsschatz ist desto schneller ist der Lernerfolg.

Die Funktionsreife und die Bewegungserfahrung bedingen sich gegenseitig.

Für den Lernerfolg ist auch die Beweglichkeit von großer Bedeutung. Die Beweglichkeit wird durch

- koordinative Fähigkeiten und
- physiologische Gegebenheiten

bestimmt.

Physiologischen Gegebenheiten können das Erlernen einer Bewegung sogar verhindern.

[ZS148]

Für das motorische Lernen sind auch die intellektuelle Fähigkeiten von Bedeutung. Der Sportler muß fähig sein, anhand des gegebenen Wissens seine Bewegungen zu reflektieren, damit er seine Wiederholungen nicht stumpfsinnig wiederholt. Deswegen entsteht für den Trainer die Aufgabe, die Voraussetzungen für ein „Denkendes Lernen“ (Meinel, Schnabel, 1987, S. 185) zu schaffen.[ZS149]

Sportarten und deren Erlernen

Die sportliche Bewegungslehre unterscheidet drei Sportartengruppen, die sich auch im Lernprozess unterscheiden:

- Ausdauersportarten (Zum Beispiel Langlauf, Klettern)
- Kraft-Schnellkraft-Sportarten (Wurf-, Stoß-, Sprungsportarten)
- technische Sportarten (Zum Beispiel Geräteturnen, Gymnastik)

Die ersten zwei Arten kennzeichnen sich dadurch, daß die Bewegungsabläufe in der Sportlichen Grundausbildung erworben werden, und dann nur verfeinert werden.

Bei der dritten Art werden immer wieder neue Bewegungsvollzüge entwickelt oder neu kombiniert.

[ZS150]

Folgerung für die Lehr- und Übepraxis

„Motorisches Lernen … ist in allen Phasen als Einheit von Wissens- und Könnensaneignung zu planen und zu gestalten,…“ (Meinel, Schnabel, 1987, S. 186) Ziel dieses Lernprozesses ist die Beherrschung einer Bewegung, die Wissensvermittlung über den Bewegungsakt sind Mittel zum Zweck.

Große Bedeutung kommt der „Organisation effektiver Informationsprozesse“ (Meinel, Schnabel, 1987, S. 186) zu. Dabei kommt der Sicherung, Verstärkung und Ergänzung des Lernergebnisses durch lernwirksame Rückinformation eine hohe Bedeutung zu. Damit der Schüler diese Information nutzen kann, muß seine Bewegungswahrnehmung geschult werden.

[ZS151]

Dem Lernenden sind Kenntnisse über Ziele, Inhalte, Gründe und Ursachen für Forderungen und Fehler, beziehungsweise der Methoden und Maßnahmen zu vermitteln.

Aus Gründen der Motivation sollten die Aufgaben im Trainingsprozeß immer gegenstandsbezogen sein; die Anforderungen müssen eine steigende Tendenz besitzen.

Bei Planung und Gestaltung des Unterrichts ist das motorische Ausgangsniveau einzuplanen. Hierbei ist immer die Frage zu stellen, müssen erst gewisse Fähigkeiten durch Vorübungen erarbeitet werden.

[...]


[1] Ist nicht mit der Bewegungstechnik Kinesiologie zu verwechseln.

[2] Regelkreis

[3] Man sieht gleichzeitig eine Frau und einen Apfel, sagt aber: „Ich sehe einen Apfel und eine Frau.“

[4] Der Geschmack eines Braten ist wirklicher als der Bericht davon.

[5] Bewegungsvorstellungen als innerlich erlebte Bewegungen, bei denen das Spiel der Muskeln andeutungsweise abläuft.

[6] Gute Sportler geben, wenn sie über ihre Bewegungen sprechen, weniger sinnliche Erfahrungen an, sondern räumliche, zeitliche und dynamische Informationen an.

[7] Erfahrungsschatz ist zu einem das Wissen über die Zusammenhänge der Bewegungen, aber auch wie die Umwelt reagiert.

[8] Dies ist nicht gleichbedeutend, daß diese keine Hilfe sind.

[9] Nicht das Ziel, sondern die geplante Art und Weise.

[10] Ein Problem der Vermittlung des Zusammenhangswissen ist, daß dieses sehr oft ein Kinästhetisches ist, welches teilweise sehr schwer verbalisiert werden kann.

[11] Zum Beispiel Salto und nachfolgende Schraube.

[12] Zyklische Bewegungen haben viele identische Einzelzyklen.

[13] Brustschwimmen

[14] Rumpfdrehen

[15] Ist eine Raumfigur einer Bewegung noch so komplex, sie ist auf das Alternieren der Einzelglieder zurückzuführen.

[16] Fixierung von Gelenken benötigt eine hohe Muskelarbeit.

[17] Ausführlichere Beschreibungen in der Literatur ähneln sehr den Beschreibungen des Flowgefühls.

[18] Wichtig ist, daß zum Beispiel eine physikalische Erklärung wirklich verstanden werden muß, um Auswirkungen auf das Bewegungslernen zu haben.

Ende der Leseprobe aus 116 Seiten

Details

Titel
Überlegungen zur Verwendung der Erkenntnisse der sportlichen Bewegungslehre in der Instrumentalpädagogik
Hochschule
Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main  (Instrumentalpädagogik)
Note
1
Autor
Jahr
1997
Seiten
116
Katalognummer
V13374
ISBN (eBook)
9783638190473
ISBN (Buch)
9783638888332
Dateigröße
1266 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sportliche Bewegungslehre Instrumentalpädagogik Instrumentalunterricht
Arbeit zitieren
Stephan Zitzmann (Autor), 1997, Überlegungen zur Verwendung der Erkenntnisse der sportlichen Bewegungslehre in der Instrumentalpädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13374

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Titel: Überlegungen zur Verwendung der Erkenntnisse der sportlichen Bewegungslehre in der Instrumentalpädagogik



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