Das Spielen mit etwas, als etwas und um etwas und der damit verbundene Bereich der Bewegungsspiele und der Kleinen Spiele, ist ein sehr weit gefächertes Themengebiet. Es gibt dazu schon viele umfangreiche Sammlungen, theoretische Ansätze, Beiträge und Veröffentlichungen.
Diese Spiele sind sehr beliebt und werden in den verschiedensten Bereichen und Altersstufen eingesetzt. Neben dem Freizeit- und Breitensport, in Rehabilitation und Behindertensport, im Training von Leistungssportlern und im Vorschulbereich finden Bewegungsspiele vor allem in der Schule Verwendung (vgl. Döbler, 1998, S. 21 ff.). In ihnen steckt dabei hohes Potential in Bezug auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, welches jedoch nur selten und meist nicht effektiv genug durch die(Sport-)Lehrer genutzt wird.
Ich möchte mich deshalb nun speziell mit folgender Frage beschäftigen: „Wie kann es im Rahmen von Schule und Sportunterricht gelingen, die Potentiale von Bewegungsspielen und Kleinen Spielen optimal zu nutzen?“
Grund für die Auswahl genau dieser Fragestellung ist sowohl die, in meinen Augen, hohe Bedeutung für die Praxis von Sportlehrern, als auch die wichtige Rolle, die die Spiele in der Entwicklung der Schüler spielen können. Der Wert, den die Bewegungsspiele und Kleinen Spiele besitzen, wird dabei häufig zu gering geschätzt. Die Spiele haben oftmals nur eine Randstellung, werden also als Lückenfüller oder Belohnung am Ende der Stunde gebraucht (vgl. Dietrich, 1980, S. 13). Andererseits findet eine »Verzweckung« statt, das heißt die Kleinen Spiele werden „zielorientiert im Unterrichtsverlauf untergebracht und dort für andere Zwecke funktionalisiert, was ihnen [..] ihren Eigenwert und –sinn nimmt“ (Lange & Sinning, 2008, S. 342).
Im Folgenden werde ich mich der Fragestellung zunächst theoretisch nähern. Nachdem ich kurz auf das Spielen an sich eingehe, möchte ich die Bewegungsspiele und Kleinen Spiele genauer betrachten und systematisieren. Im Anschluss versuche ich darzulegen, welche Potentiale in den Spielen stecken und welche Möglichkeiten es in der Schule gibt, sie zur Entfaltung zu bringen. Im letzten Teil werde ich die gewonnen Ergebnisse in den Schlussbemerkungen noch einmal zusammenfassend darstellen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. GRUNDLAGEN DES SPIELS
2.1. BEGRIFFSBESTIMMUNGEN
2.2. MERKMALE DES SPIELS
3. KLEINE SPIELE UND BEWEGUNGSSPIELE
3.1. MERKMALE DER KLEINEN SPIELE UND BEWEGUNGSSPIELE
3.1.1. Merkmale der Kleinen Spiele
3.1.2. Merkmale der Bewegungsspiele
3.2. VERGLEICH KLEINER SPIELE UND BEWEGUNGSSPIELE
3.2.1. Gemeinsamkeiten
3.2.2. Unterschiede
3.3. SYSTEMATISIERUNGEN DER BEWEGUNGSSPIELE
3.3.1. Systematisierung nach Dietrich
3.3.2. Systematisierung nach Landau & Maraun
4. POTENTIALE VON BEWEGUNGSSPIELEN
4.1. SPIELPOTENTIALE
4.2. LERNPOTENTIALE IM BEREICH DES SPIELE ERFINDENS
4.3. POTENTIALE IN VERSCHIEDENEN ALTERSSTUFEN
5. SCHULE UND SPORTUNTERRICHT
5.1. BEWEGUNGSSPIELE IM SPORTUNTERRICHT
5.2. SPIELEN UND LERNEN
5.3. SPIELBEDINGUNGEN
6. SCHLUSSBEMERKUNGEN
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie das pädagogische Potenzial von Bewegungs- und kleinen Spielen im schulischen Sportunterricht optimal genutzt werden kann, um über eine bloße Funktion als Lückenfüller oder Vorbereitungseinheit hinauszugehen.
- Theoretische Fundierung und Merkmale des Spielbegriffs
- Systematisierung von kleinen Spielen und Bewegungsspielen
- Analyse der motorischen und sozialen Entwicklungspotenziale
- Lernpotenziale durch das aktive Erfinden von Spielen
- Optimierung der Rahmenbedingungen im Sportunterricht
Auszug aus dem Buch
3.1.1. Merkmale der Kleinen Spiele
Als »Kleines Spiel« bezeichnet man „eine von einem bestimmten Spielgedanken beziehungsweise einer Aufgabe ausgehende Folge von lustbetonten und freudvollen Handlungen, die in anregender und unterhaltender Form die körperlichen und geistigen Kräfte entwickeln und üben sollen.“ (Rammler & Zöller, 2003, S. 11)
Aus dieser Definition kann man schon das erste Merkmal der Kleinen Spiele herauslesen, nämlich die Entwicklung und Vervollkommnung allgemeiner koordinativer und konditioneller Fähigkeiten. Speziell im Kindesalter ist eine vielseitige Ausbildung in diesem Bereich von immenser Bedeutung für die weitere Entwicklung dieser Fähigkeiten, sowie für die Entfaltung anderer sportlicher Fertigkeiten. Daran schließt sich das nächste Merkmal der Kleinen Spiele an, die Möglichkeit, gewissermaßen Spiel begleitend sportbezogenes Wissen zu vermitteln, welches die Teilnehmer dann situationsspezifisch anwenden können.
Der Wettkampfcharakter dieser Form der Bewegungsspiele, der infolge des direkten Vergleichs auftritt, reizt zum höchsten Einsatz, ohne Sieg oder Niederlage zu überbewerten. Damit steht der Spaß am Spiel im Vordergrund und es werden vor allem auch die sozialen Kompetenzen ausgebildet.
Wie schon angedeutet, sind die Spielregeln der Kleinen Spiele in Anzahl und Komplexität nicht mit denen der großen Sportspiele vergleichbar. Aufgrund des meist einfachen Spielgedankens, genügen wenige, einfache Regeln um ein Spiel zustande kommen zu lassen. Demzufolge bedarf es weder einer langen Anlaufzeit, noch sind viele Hilfsmittel und Geräte erforderlich. Die Spiele sind dadurch sowohl mit sehr kleinen, als auch sehr großen Gruppen durchführbar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung von Bewegungsspielen im schulischen Kontext und formuliert die Fragestellung zur optimalen Nutzung dieser Potenziale.
2. GRUNDLAGEN DES SPIELS: Dieses Kapitel definiert den Spielbegriff und erläutert zentrale Merkmale wie Zweckfreiheit, Freiwilligkeit und Ambivalenz.
3. KLEINE SPIELE UND BEWEGUNGSSPIELE: Der Abschnitt klassifiziert und vergleicht kleine Spiele und Bewegungsspiele anhand verschiedener wissenschaftlicher Systematisierungsansätze.
4. POTENTIALE VON BEWEGUNGSSPIELEN: Hier werden die motorischen, sozialen und kreativen Entwicklungsmöglichkeiten, insbesondere durch das Erfinden eigener Spiele, detailliert dargelegt.
5. SCHULE UND SPORTUNTERRICHT: Die Arbeit diskutiert die Herausforderungen bei der Umsetzung dieser Spiele im Unterrichtsalltag und fordert verbesserte Rahmenbedingungen.
6. SCHLUSSBEMERKUNGEN: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und plädiert für eine Aufwertung der Spiele gegenüber anderen Inhalten des Sportunterrichts.
Schlüsselwörter
Bewegungsspiele, Kleine Spiele, Sportunterricht, Spielpädagogik, motorische Entwicklung, Sozialkompetenz, Spiele Erfinden, Spielsystematik, Spielfähigkeit, Lernprozesse, Schulsport, spielerisches Lernen, kindliche Entwicklung, Spieltheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Ausarbeitung?
Die Arbeit analysiert die Rolle von Bewegungs- und kleinen Spielen im Sportunterricht und untersucht Wege, deren pädagogisches Potenzial effektiver zu nutzen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zu den Kernbereichen gehören die Definition des Spielbegriffs, die Systematisierung verschiedener Spielformen sowie die Analyse der Lernpotenziale in der kindlichen Entwicklung.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt, wie es gelingen kann, die Potenziale von Bewegungsspielen und kleinen Spielen innerhalb von Schule und Sportunterricht optimal zur Entfaltung zu bringen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Der Autor stützt sich auf eine theoretische Analyse bestehender Literatur und pädagogischer Ansätze, um eine fundierte Einordnung und Empfehlung für die Sportpraxis abzuleiten.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil befasst sich mit der Abgrenzung von Spielarten, der Systematisierung nach Dietrich sowie Landau & Maraun und beleuchtet die Bedeutung der Spiele für die soziale und motorische Entwicklung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten über die Begriffe Bewegungsspiele, Sportdidaktik, Schulsport, soziale Kompetenz und spielerisches Lernen definieren.
Warum kritisierte der Autor die aktuelle Verwendung von Spielen im Sportunterricht?
Der Autor kritisiert, dass Spiele häufig nur als Lückenfüller oder zur Belohnung eingesetzt werden, wodurch ihre Eigenwertigkeit verloren geht und ihr volles pädagogisches Potenzial ungenutzt bleibt.
Welche Bedeutung kommt dem Bereich "Spiele Erfinden" zu?
Das Erfinden von Spielen fördert laut Arbeit die Innovationskapazität, das autonome Handeln und die Entscheidungsfähigkeit der Schüler, was für ihre Persönlichkeitsentwicklung essenziell ist.
Welchen Einfluss haben schulische Rahmenbedingungen auf das Spiel?
Institutionelle Zwänge wie Stundenpläne, begrenzte Sporthallenkapazitäten und die Verbindlichkeit des Sportunterrichts schränken die Möglichkeiten für freies, "wildes" Spiel oft stark ein.
- Citation du texte
- Frank Herzer (Auteur), 2009, Spielen mit etwas/ als etwas/ um etwas, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133926