Derzeit (2009) befinden sich etwa 1 Mio. m² Einzelhandelsverkaufsfläche im Genehmigungsverfahren. Der schon jetzt existenzbedrohende Wettbewerb im Einzelhandel verschärft sich zusehends. Es stellt sich insbesondere für KMU Handelsunternehmen die Frage, wie diese auf Dauer den Wettbewerb mit den "übermächtigen Discountern" bestehen können. Dem Sortiment kommt in diesem Zusammenhang eine erhebliche Bedeutung zu. Die Einführung eines Sortimentscontrollings könnte das KMU Management bei der Gestaltung wettbewerbsfähiger Sortimente unterstützen. Insbesondere gilt es, die latent vorhandene Wandlungsfähigkeit in den Sortimenten, speziell kleinerer Händler, auch planvoll zu nutzen.
Die vorliegende Arbeit wird zunächst grundlegende Begriffe des Untersuchungsraums klären. Insbesondere werden die herausragende Bedeutung des Sortimentes sowie der Sortimentspolitik aufgezeigt. Aus dieser Bedeutsamkeit ergibt sich nicht zuletzt das Erfordernis, ein professionelles Sortimentscontrolling zu betreiben. Der Verfasser wird diskutieren, warum ein strategisches Sortimentscontrolling dem operativen Sortimentscontrolling vorgelagert sein sollte. Anschließend werden je zwei strategische und zwei operative Instrumente besprochen, die der Handelscontroller zur methodischen Unterstützung des Sortimentsmanagements einsetzen kann. Dabei beschränkt sich der Verfasser bewusst auf solche Instrumente, die ohne teure Controllingsoftware angewendet werden können und die sich deshalb auch für KMU sinnvoll eingesetzt lassen. Im Anschluss an die theoretische Darstellung der einschlägigen, in der Literatur vorgeschlagenen Instrumente, wird der Verfasser überprüfen, wie diese in einem mittelständischen Einzelhandelsunternehmen konkret eingesetzt werden können. An konkreten Beispielen wird dargestellt, wie die strategischen und operativen Instrumente zum Einsatz gelangen können. Die Untersuchung wird aufzeigen, dass das Sortimentscontrolling eine wichtige Unterstützungsfunktion für das Handelsmanagement darstellt und dass es relativ unkompliziert implementiert werden kann. Zusammen mit einem Kurzplädoyer für den Einsatz des Controllings insbesondere im Handelsumfeld schließt der Verfasser diese Ausarbeitung.
Inhaltsverzeichnis
1. Quo Vadis – Einzelhandel ?
2 Filialisierter Einzelhandel
3 Kennzeichnung des Controllings
4 Besonderheiten des Handelscontrollings
5 Das Sortiment als Untersuchungsobjekt des Handelscontrollings
5.1 Kennzeichnung des Sortiments
5.2 Sortimentscontrolling
5.2.1 Kennzeichnung des Sortimentscontrollings
5.2.2 Sortimentsplanung
5.2.3 Sortimentssteuerung
5.2.4 Sortimentskontrolle
5.2.5 Sortimentscontrolling und Marketing
5.3 Strategisches Sortimentscontrolling
5.3.1 Strategie und Strategisches Controlling
5.3.2 Instrumente des strategischen Sortimentscontrolling
5.3.2.1 Handelsportfolios
5.3.2.2 Lebenszykluscontrolling
5.4 Operatives Sortimentscontrolling
5.4.1 Operatives Controlling
5.4.2 Instrumente des operativen Sortimentscontrollings
5.4.2.1 Deckungsbeitragsrechnung
5.4.2.2 Conjoint-Profit-Analyse
6 Einsatzmöglichkeiten der Instrumente in der Praxis
7 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Beitrag des Handelscontrollings zu einer methodisch fundierten und erfolgsorientierten Sortimentssteuerung in filialisierten Non-Food-Handelsunternehmen. Ziel ist es, Strategien und Instrumente aufzuzeigen, die trotz begrenzter Ressourcen (wie Controllingsoftware) einen messbaren Mehrwert für die Sortimentsgestaltung und Wettbewerbsfähigkeit bieten.
- Grundlagen des filialisierten Einzelhandels und Bedeutung des Handelscontrollings.
- Methodische Abgrenzung von strategischem und operativem Sortimentscontrolling.
- Einsatz von Handelsportfolios und Lebenszyklusanalysen zur strategischen Sortimentssteuerung.
- Anwendung von Deckungsbeitragsrechnungen und Conjoint-Profit-Analysen im operativen Alltag.
- Praxisbeispiel zur Implementierung dieser Instrumente in einem Handelsunternehmen.
Auszug aus dem Buch
5.3.2 Instrumente des strategischen Sortimentscontrolling
Chancen und Risiken unter Berücksichtigung der relevanten Umwelt- und Marktbedingungen mit Fokus auf das Sortiment im Rahmen der Informationsversorgungfunktion transparent zu machen, ist ein komplexes Anliegen. Der Handelscontroller bedient sich daher entsprechender Instrumente, die ihn bei seinen diesbezüglichen Aufgaben unterstützen. Im Folgenden werden zwei solcher Instrumente aufgezeigt, die für die Handelspraxis von Bedeutung sind.
5.3.2.1 Handelsportfolios
Ihren Ursprung hat die Portfolioanalyse im finanzwirtschaftlichen Bereich. In diesem Zusammenhang stand und steht insbesondere die Frage im Mittelpunkt, wie ein optimales Wertpapierdepot sich aus einzelnen Wertpapieren zusammensetzen soll. Als optimal wird ein gewisser Ausgleich zwischen einer hohen Rendite sowie einem vertretbaren Risiko gesehen. Der Portfolioansatz wurde in modifizierter Form später auch in anderen Bereichen der Wirtschaft eingesetzt. So will die marktstrategische Portfolio-Analyse Handlungsempfehlungen zur optimalen Mischung eines Portfolios aus innovativen, reifen und alten Produkten geben. Analysiert werden aber nicht nur einzelne Produkte, sondern auch Produktlinien und Strategische Geschäftseinheiten. Unter einer Strategischen Geschäftseinheit wird eine Produkt-Markt-Relation verstanden, für die eine eigenständige Marktstrategie entwickelt werden kann (vgl. Wöhe, Döring 2005: 109f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Quo Vadis – Einzelhandel ?: Analyse der Marktsituation im stationären Einzelhandel, insbesondere hinsichtlich Umsatzstagnation, Konzentrationsprozessen und der wachsenden Bedeutung des Non-Food-Bereichs.
2 Filialisierter Einzelhandel: Definition und Abgrenzung des Terminus „Filialisierter Einzelhandel“ aus funktionaler und institutioneller Perspektive.
3 Kennzeichnung des Controllings: Herleitung einer praxisnahen Definition des Controllings als Managementunterstützung durch Information und Koordination basierend auf dem Controllerleitbild.
4 Besonderheiten des Handelscontrollings: Untersuchung der spezifischen Herausforderungen im Handelsumfeld, wie komplexe Abstimmungsprobleme zwischen Zentrale und Filialen sowie hoher Dynamik bei standortspezifischen Einflussgrößen.
5 Das Sortiment als Untersuchungsobjekt des Handelscontrollings: Zentrale Betrachtung der Sortimentsgestaltung als Hauptanpassungshebel des Handels sowie detaillierte Vorstellung strategischer und operativer Controlling-Instrumente.
6 Einsatzmöglichkeiten der Instrumente in der Praxis: Diskussion der Praxistauglichkeit der vorgestellten Instrumente in einem konkreten Unternehmensumfeld unter Einbeziehung der Zusammenarbeit zwischen Controlling und operativem Management.
7 Zusammenfassung und Ausblick: Resümee über die Notwendigkeit von Controlling im Handel und Empfehlung zur komplementären Nutzung von analytischen Methoden und dem Erfahrungswissen der Praktiker.
Schlüsselwörter
Handelscontrolling, Sortimentssteuerung, Sortimentsplanung, Filialsystem, Lebenszyklusanalyse, Handelsportfolio, Deckungsbeitragsrechnung, Conjoint-Profit-Analyse, Strategisches Controlling, Operatives Controlling, Sortimentspolitik, Warenwirtschaft, Wettbewerbsfähigkeit, Marktanalyse, Effizienzsteigerung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der methodischen Unterstützung des Sortimentsmanagements durch ein professionelles Handelscontrolling, um die Wettbewerbsfähigkeit von mittelständischen, filialisierten Einzelhandelsunternehmen zu sichern.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Felder sind die strategische und operative Steuerung von Warensortimenten, der Umgang mit Sortimentsdynamiken, die Analyse von Produktlebenszyklen sowie die Anwendung von Portfolio- und Profitabilitäts-Instrumenten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, den Nutzen und die einfache Umsetzbarkeit von Controlling-Instrumenten aufzuzeigen, um auch ohne teure Software eine fundierte, erfolgsorientierte Sortimentssteuerung zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse sowie auf einen anwendungsorientierten Ansatz, bei dem die erarbeiteten Instrumente anhand eines Praxisbeispiels (Unternehmen „M“) auf ihre Praxistauglichkeit geprüft wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst theoretische Grundlagen (Sortiment, Controlling-Begriffe) geklärt. Danach werden strategische Instrumente (Handelsportfolio, Lebenszyklusanalyse) und operative Instrumente (Deckungsbeitragsrechnung, Conjoint-Profit-Analyse) detailliert vorgestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Handelscontrolling, Sortimentssteuerung, Lebenszyklusanalyse, Handelsportfolios, Deckungsbeitrag und Conjoint-Profit-Analyse.
Wie bewertet der Autor den Einsatz von Conjoint-Profit-Analyse gegenüber der Deckungsbeitragsrechnung?
Die Conjoint-Profit-Analyse wird als überlegen eingestuft, da sie Verbundwirkungen zwischen Artikeln berücksichtigt, während eine reine Deckungsbeitragsrechnung isoliert betrachtet zu Fehlentscheidungen (z.B. bei der Sortimentsausdünnung) führen kann.
Warum betont der Autor die Notwendigkeit der Teamarbeit bei strategischen Entscheidungen?
Der Autor argumentiert, dass der Controller zwar die Analyse und Moderation übernimmt, die strategische Zielsetzung jedoch zwingend das Praxiswissen und die Erfahrungen der Filialleiter und Einkäufer einbeziehen muss, um realistische Ergebnisse zu erzielen.
- Quote paper
- Jan Buhrow (Author), 2009, Der Beitrag des Handelscontrollings zu einer methodisch fundierten und erfolgsorientierten Sortimentssteuerung im filialisierten Non-Food-Handel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134420