Kinder in Armut. Spezifische Risikogruppen, Auswirkungen auf die Betroffenen und Strategien zur Bekämpfung von Armut


Hausarbeit, 2002

15 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.)Einleitung

2.)Definitionsproblematik des Begriffs „Armut“
2.1. Absolute und relative Armut
2.2. Messung von Armut
2.2.1. Ressourcenansatz
2.2.2. Lebenslagenansatz
2.3. Sichtbare Armut
2.4. „Bekämpfte“ und „verdeckte“ Armut
2.4.1. Bekämpfte Armut
2.4.2. Verdeckte Armut
2.5. Nicht monetäre Anzeichen für Armut
2.6. Armut auf Zeit
2.7. Lokale Unterschiede der Armut

3.)Spezifische Risikogruppen für Armut
3.1. Alleinerziehende
3.2. Kinderreiche Familien
3.3. Ausländische Familien

4.)Auswirkungen von Armut auf Kinder und Jugendliche
4.1. Psychische Folgen der Armut bei Kindern und Jugendlichen
4.2. Gesundheitliche Beeinträchtigung
4.3. Sozialentwicklung
4.4. Bildung und Schulleistung
4.5. Reaktion gegen sich selbst und gegen andere
4.6. Jugendgangs als Folge von Armut

5.)Strategien zur Armutsbekämpfung

6.) Literaturverzeichnis

1.) Einleitung

Im reichen Industrieland Deutschland sind immer mehr Menschen von Armut bedroht und die Angst vor Arbeitslosigkeit, Krankheit und finanziellen Notsituationen geht um. Von Armut ist schon lange nicht mehr nur das unterste Drittel der Gesellschaft betroffen. Armut nistet sich auch dort ein, wo man es gar nicht vermutet. Kinder und Jugendliche sind in einer besonders dramatischen Weise von der wachsenden Armut betroffen. Tatsächlich sieht es so aus, dass gerade Kinder in unserer Gesellschaft, aus unterschiedlichen Beweggründen, in Armut leben, womit nicht nur materielle Einschränkungen gemeint sind. Die Auswirkungen der Armut sind mehrdimensional, wie ich in der folgenden Arbeit darlegen werde.

Mein Ziel ist es zu untersuchen, in welchem Ausmaß Kinder und Jugendliche von Armut betroffen sind, welche Ursachen dieser Armut vorausgehen, welche Gruppen besonders betroffen sind und schließlich auch, wie die Folgen für die Betroffenen aussehen. Zum Schluß versuche ich noch einige Strategien vorzustellen, die zu einer Verbesserung und Sicherung der Lebensgrundlagen von Kindern und Jugendlichen beitragen können.

2.) Definitionsproblematik des Begriffs „Armut“

2.1. Absolute und relative Armut

Wer arm ist, und was unter Armut verstanden wird, ist in der öffentlichen, politischen sowie wissenschaftlichen Diskussion umstritten. Es existiert kein allgemein anerkannter Armutsbegriff. Fest stehen jedoch drei Grundaspekte hinsichtlich der Armut in Deutschland:

1. Armut in Deutschland ist in keiner Weise mit Armut in den Entwicklungsländern vergleichbar.

Sie tritt nicht zu einer bestimmten Zeit als ein Problem für die gesamte Gesellschaft auf. Vielmehr zeigt sich Armut in Deutschland als Erscheinung, die nur einen kleinen Teil der Gesellschaft betrifft, und überwiegend auf einen bestimmten Zeitraum begrenzt ist.

2. Armut ist in Deutschland kein absolutes sondern ein relatives Problem.

Bei den Betroffenen geht es nicht um Armut an existentiellen Dingen und um das physische Überleben, sondern um ein menschenwürdiges, chancengleiches Leben. Verglichen wird hierbei zwischen den Lebensgewohnheiten der Gesamtgesellschaft und den Lebensgewohnheiten der armen Bevölkerung.

3. Armut ist vielschichtig und nicht nur ein ökonomisch- materielles, sondern auch ein soziales, kulturelles und psychisches Phänomen.

Neben Aspekten der Unterversorgung wie Gesundheit, Bildung und Erwerbsstatus, kommt es zu einem Ausschluß der Armen von der Teilnahme an wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, politischen und kulturellem Leben.

In manchen Teilgruppen der Bevölkerung ist Armut weiter verbreitet als in anderen. Hierzu zählen alleinerziehende Mütter mit ihren Kindern, kinderreiche Familien und ganz besonders die verschiedenen Gruppen von Zuwandererfamilien.

2.2. Messung von Armut

Das Ausmaß der Armut wird mit zwei Ansätzen erfaßt: dem Ressourcen- und dem Lebenslagenansatz.

2.2.1.Ressourcenansatz

Der Ressourcenansatz versteht Armut als eine Unterausstattung an monetären (sämtliche Einkommen) bzw. nicht monetären Ressourcen (Ergebnisse hauswirtschaftlicher Produktion). Monetär ausgedrückt: Solange das verfügbare Haushaltseinkommen eine festgelegte Armutsgrenze überschreitet, gilt man nicht mehr als arm, obwohl durchaus Mangelerscheinungen und Unterversorgung auftreten können. Empirische Erhebungen konzentrieren sich jedoch fast ausschließlich nur auf eine Ressource, nämlich auf das verfügbare Einkommen. Dieser Ansatz ist die in der Bundesrepublik Deutschland am meisten angewendete empirische Messgrundlage, wobei man sich zumeist an der EG- Definition einer 50 %- Armutsgrenze orientiert (arm= weniger als 50 % gegenüber dem Durchschnitt).

2.2.2. Lebenslagenansatz

Der Lebenslagenansatz, geprägt von Gerhard Weisser, geht von der Bereitstellung von Mitteln zur Erfüllung der sinnlichen und geistig- kulturellen Interessen und Bedürfnissen aus. Die Lebenslage eines Menschen wird durch den Spielraum bestimmt, der einem Mensch oder einer Gruppe durch äußere Umstände zur Befriedigung der Interessen geboten wird, die für ihn den Sinn des Lebens darstellen. Es werden somit weitere Indikatoren wie Arbeitslosigkeit, Bildung, Wohnen und Gesundheit einbezogen, die Aufschluß auf weitere Unterversorgungslagen - neben der Einkommensarmut- geben können. Der Lebenslagenansatz unternimmt den Versuch, eine Häufung bestimmter Unterversorgungslagen herauszufinden (z.B. Kombination schlechte Wohnsituation/niedriger Bildungsabschluß) und so neben der rein materiellen Kategorie des Einkommens weitere nicht- materielle, kulturelle Indikatoren zu berücksichtigen und in Beziehung zueinander zu setzen.

All diese Definitionen machen es deutlich, wie schwer es ist, empirisch verwertbare Ergebnisse zu gewinnen, so dass im weiteren Verlauf meiner Ausarbeitung hauptsächlich der Ressourcenansatz zum Tragen kommt.

2.3. Sichtbare Armut

Sichtbare Armut bezeichnet Personen die in Wohnungs- oder Obdachlosigkeit leben. Obdachlose sind nicht in der Lage, aus eigener Kraft eine eigene Wohnung zu finanzieren und leben somit in sehr dürftigen Unterkünften, Notquatieren oder Obdachlosenheimen.

„Besonders kinderreiche Familien, alleinerziehende Mütter sowie Kinder und Jugendliche sind von der Obdachlosigkeit betroffen. In den 70-er Jahren machten die Familien mit mindestens drei Kindern 40 bis 50 Prozent der Bewohner von Obdachlosensiedlungen aus, in der Gesamtbevölkerung allerdings nur sieben Prozent.“ (Geißler,S. 191)

Durch die angespannte Wohnungsmarktsituation in der Bundesrepublik Deutschland dürfte der Anteil Jugendlicher und Kinder unter den Obdachlosen inzwischen wieder ansteigen, nachdem er lange Zeit rückläufig war. 1993 lag er mit ca. 31 Prozent schon deutlich über dem der Gesamtbevölkerung.

Während die Obdachlosen schon eine der ärmsten Klassen der Bevölkerung darstellen, bilden die Wohnungslosen unter diesen Armen noch einmal die Ärmsten. Außer ein paar Habseeligkeiten besitzen sie nichts. Sie leben im Freien, übernachten in Parks oder in nicht genutzten Wohnungen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG) schätzt, dass 1996 ca. eine Millionen Personen in der BRD von Wohnungs- und Obdachlosigkeit betroffen waren. Ahlen sind jedoch ungenau, da beispielsweise anerkannte Asylbewerber in Notunterkünften und die große Anzahl von verdeckten Obdachlosen fehlen. Unter verdeckten Obdachlosen versteht man Personen deren Wohnverhältnisse unzumutbar sind, deren Wohnverhältnisse jedoch nicht erfasst werden. Daher könnte über die Anzahl von Kindern und Jugendlichen, die in Wohnungs- bzw. Obdachlosigkeit leben müssen, nur spekuliert werden.

2.4. „Bekämpfte“ und „verdeckte“ Armut

2.4.1. Bekämpfte Armut

Mit bekämpfter Armut sind Personen gemeint, die als Sozialhilfeempfänger anerkannt sind und Sozialhilfe beziehen. Es wäre falsch Armut mit Sozialhilfeempfängern gleichzusetzen. Allerdings ist die Anzahl der Sozialhilfeempfänger in einer sozialen Gruppe ein Indikator für das Armutsrisiko dieser Gruppe. Man spricht deshalb auch von Risikogruppen.1993 waren dies in der BRD mehr als fünf Millionen Menschen- das entsprach einer Sozialhilfeempfängerquote von 6,5 Prozent in den alten Bundesländern und 4,8 Prozent in den neuen Bundesländern. Ungefär 10 Prozent der Bevölkerung steht weniger als die Hälfte des Durchschnitteinkommens zur Verfügung. Nur ein Teil dieser Menschen sind dauerhaft arm, ein beträchtlich größerer Teil ist zeitweilig von Armut betroffen.

[...]

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Details

Titel
Kinder in Armut. Spezifische Risikogruppen, Auswirkungen auf die Betroffenen und Strategien zur Bekämpfung von Armut
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Fachbereich Erziehungswissenschaften)
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2002
Seiten
15
Katalognummer
V13463
ISBN (eBook)
9783638191234
ISBN (Buch)
9783638746373
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kinder, Armut, Eine, Untersuchung
Arbeit zitieren
Wiebke Boden (Autor), 2002, Kinder in Armut. Spezifische Risikogruppen, Auswirkungen auf die Betroffenen und Strategien zur Bekämpfung von Armut, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13463

Kommentare

  • Gast am 11.2.2008

    Ein hoch.

    prima!
    ein hoch auf den verfasser

Im eBook lesen
Titel: Kinder in Armut. Spezifische Risikogruppen, Auswirkungen auf die Betroffenen und Strategien zur Bekämpfung von Armut



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