Diese Arbeit erörtert die Frage, ob und inwieweit sich die Merkmale der Biomedizin in den kindlichen U-Untersuchungen abzeichnen. Für ein aufschlussreiches Fazit wird ein Blick auf das biopsychosoziale Modell geworfen, das für eine ganzheitlich orientierte Medizin steht. An dieser Ganzheitlichkeit orientiert, folgt die Analyse der U-Untersuchungen und die gewonnenen Implikationen für die medizinische Praxis.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hauptteil
2.1 Biopsychosoziales Modell
2.1.1 Das Salutogenesemodell
2.1.2 Charakteristika der erweiterten biopsychosozialen Arbeitsweise
2.2 U-Untersuchungen – ein Vergleich
2.2.1 Diagnostik – Untersuchungsgegenstände
2.2.2 Therapie und Intervention
3 Fazit und Implikationen für die U-Untersuchungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit das biomedizinische Modell die Praxis der kindlichen U-Untersuchungen in Deutschland prägt und diskutiert im Vergleich dazu das biopsychosoziale Modell als ganzheitliche Alternative, um die gesundheitliche und soziale Chancengleichheit durch eine erweiterte medizinische Praxis zu fördern.
- Analyse der biomedizinischen vs. biopsychosozialen Perspektive auf Gesundheit
- Untersuchung der Struktur und Methodik aktueller U-Untersuchungen
- Rolle von Stressfaktoren und Widerstandsressourcen für die kindliche Entwicklung
- Kritische Reflexion der ärztlichen Gesprächsführung und Gesundheitsberatung
- Potenziale zur Weiterentwicklung des Vorsorgesystems im Sinne der Gesundheitsförderung
Auszug aus dem Buch
2.1 Biopsychosoziales Modell
Die Frage, wie die Beziehung zwischen Körper und Geist zu erklären ist, wird von dem inzwischen revidierten und erweiterten biopsychosozialem Modell der Gesundheit dominiert, das eine Theorie der Körper-Geist-Einheit ist und bei dem es sich um eine ganzheitlich orientierte Medizin handelt, die darum bemüht ist, ihren naturwissenschaftlichen Ansatz „[…] durch die Hinzunahme der psychologischen und ökosozialen Bedingungen für Gesundheit und Krankheit zu erweitern (vgl. Egger 2017, S. 16). Diese systemtheoretische Überlegung begreift die Natur als eine hierarchische Ordnung von dynamischen Systemen (oder Ganzheiten), die nach ihrer Größe und Komplexität geordnet sind (vgl. ebd., S. 17)5.
Dabei existieren diese Systeme keineswegs isoliert, sondern sind miteinander verbunden, was zur Folge haben kann, dass sich strukturelle Besonderheiten auf einer dieser Ebenen (z.B. sozioökonomischer Status) aufgrund paralleler Verschaltungen der Wirklichkeitsebenen auf die familiäre Lebensform (z.B. Arbeitsverhältnisse, Wohnsituation, Ernährung o.ä.) auswirken. Aufgrund der Verbundenheit der Regulationssysteme des Organismus (vgl. ebd., S. 18) bzw. seiner Körper-Geist-Funktionseinheit6 können die Besonderheiten der familiären Lebensformen wiederum Einfluss auf die körperliche sowie psychische Konstitution einer Person nehmen (z.B. Schwächung des Immunsystems sowie die Bildung von Einstellungen oder der Entwicklung von Verhalten/Gewohnheiten) (vgl. ebd., S. 17/18), worin auch eine Erklärung für die sozialen Unterschiede in der Gesundheit und im Gesundheitsverhalten von Kindern und Jugendlichen vermutet wird (vgl. Lampert/Kunz 2019).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die medizinische Dominanz des biomedizinischen Modells und begründet die Notwendigkeit, aufgrund zunehmender Belastungen für Kinder dessen Auswirkungen auf die U-Untersuchungen kritisch zu hinterfragen.
2 Hauptteil: Der Hauptteil analysiert theoretisch das biopsychosoziale Modell sowie das Salutogenesemodell und vergleicht diese mit der derzeitigen Durchführung, Diagnostik und Interventionspraxis der U-Untersuchungen.
3 Fazit und Implikationen für die U-Untersuchungen: Das Fazit fasst zusammen, dass die U-Untersuchungen primär biomedizinisch geprägt sind, und leitet Vorschläge ab, wie durch eine stärkere Gesundheitsorientierung eine integrativere medizinische Praxis gestaltet werden könnte.
Schlüsselwörter
Biopsychosoziales Modell, Biomedizin, U-Untersuchungen, Salutogenese, Gesundheitsförderung, Prävention, Kindergesundheit, Stress, Widerstandsressourcen, Ganzheitlichkeit, Körper-Geist-Einheit, ärztliche Gesprächsführung, Patientenorientierung, Gesundheitsdynamik, soziale Determinanten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretische und praktische Ausrichtung der kindlichen U-Untersuchungen in Deutschland im Hinblick auf deren Dominanz durch das biomedizinische Modell.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind der Vergleich zwischen dem biomedizinischen und dem biopsychosozialen Krankheitsmodell, die Rolle von Widerstandsressourcen sowie die kritische Reflexion der aktuellen Früherkennungsmedizin.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, inwieweit biomedizinische Merkmale die Praxis der U-Untersuchungen prägen und wie diese für eine ganzheitliche Gesundheitsförderung weiterentwickelt werden könnten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die relevante Fachliteratur zum biopsychosozialen Modell mit der offiziellen Praxis und den Leitlinien der kindlichen Vorsorgeuntersuchungen in Beziehung setzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erläuterung des biopsychosozialen Modells sowie der Salutogenese und analysiert anschließend anhand der Diagnose- und Interventionsstruktur, wie diese Modelle – oder deren Abwesenheit – die medizinische Praxis bestimmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird wesentlich durch die Begriffe Biopsychosoziales Modell, U-Untersuchungen, Gesundheit, Krankheit und Gesundheitsförderung charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Rolle des Arztes in den beiden Modellen?
Im biomedizinischen Modell agiert der Arzt als medizinischer Experte, der Anweisungen gibt, während er im biopsychosozialen Modell eine kooperativere und unterstützende Rolle bei der Förderung der Handlungsfähigkeit des Patienten einnimmt.
Was wird unter der "Ausschlussdiagnostik" verstanden?
In der Biomedizin bedeutet dies, dass Gesundheit primär über die Abwesenheit von nachweisbaren organischen oder klinischen Defektbefunden definiert wird, was eine strikte Grenze zwischen gesund und krank zieht.
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- Nessa Ahmadkhani (Author), 2022, Das biopsychosoziale Modell. Chancen und Perspektiven für die medizinische Praxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1349078