[...] So trafen sich hier der Nord- und der Südeuropäische Handel.
Unsere zu untersuchende Urkunde von 1268 fällt in die Anfangszeit des hansischen Handels
mit Flandern, gleichzeitig auch die Anfangszeit von Brügges Aufstieg zum „Weltmarkt“. Ab
der Mitte des 13. Jahrhunderts begann Flandern, immer detailliertere Handelsrechte
auszuarbeiten, meist an spezielle Adressaten wie Händler einer Stadt oder eines Landes. In
dieser Arbeit geht es um einen beurkundeten Schiedsspruch der Gräfin von Flandern, in dem
Hamburger und flandrischen Kaufleuten Rechte und Pflichten auferlegt wurden. Dabei sollen
in erster Linie die Hamburger Kaufleute in Flandern beleuchtet werden.
Ausgehend von unserer Quelle wird versucht, die Handelsbeziehungen zwischen Hamburg
und Flandern um 1268 aufzuzeigen. Ferner soll untersucht werden, warum sich sowohl die
flandrischen als auch vor allem die Hamburger Kaufleute einer für sie fremden Macht – der
Gräfin von Flandern – für diesen Schiedsspruch unterworfen haben.
Nach einer Urkundenbeschreibung und -kritik wird das Gästerecht beleuchtet, dem die
Hamburger Kaufleute in Flandern, speziell in Brügge, unterworfen waren. Dann wird für
Hamburg eine Entwicklung der flandrischen Handelsprivilegien bis 1268 aufgezeigt.
Anschließend geht es um die Entscheidung Margarethas und die Umstände des
vorhergegangenen Rechtsstreites. Zum Schluss soll noch einmal der Im- und Export
Hamburgs mit Flandern beleuchtet werden, um ein Bild des gegenseitigen Güterverkehrs zu
vermitteln.
Die Handelsbeziehungen zwischen Hamburg und Flandern sind in der Forschung bisher nicht
ausführlich behandelt worden, doch findet sich einige Literatur über den deutschen Handel
mit Flandern, wenn auch oft erst im 14. Jahrhundert ansetzend.2 Unsere Urkunde von 1268
wird in der Hanseforschung eher vernachlässigt,3 was allerdings auch daran liegt, dass diese
Urkunde nur für eine einzelne Stadt gilt. Über die Bedeutung einiger den Deutschen gewährten Privilegien von 1253/54 gibt es eine
Kontroverse bezüglich der tatsächlichen Umsetzung für die Hamburger Kaufleute. Daran
möchte sich diese Arbeit beteiligen.
2 es sind zu erwähnen: K. Bahr, „Handel und Verkehr der Deutschen Hanse in Flandern während des vierzehnten
Jahrhunderts“ und H. Reincke, „ Die Deutschlandfahrt der Flandrer während der hansischen Frühzeit“.
3 so zum Beispiel im Standardwerk P. Dollingers: „Die Hanse“.
Inhaltsverzeichnis
1. Der Handel zwischen Hamburg und Flandern
2. Die Urkunde Margarethas an die Hamburger und flandrischen Kaufleute
3. Margharetha von Konstantinopel
4. Das Gästerecht
5. Die Entwicklung der Handelsprivilegien zwischen Hamburg und Flandern bis 1268
6. Die Umstände des Rechtsstreites bis zu Margarethas Schiedsspruch
7. Der Import und Export zwischen Hamburg und Flandern um 1268
8. Hamburg und Flandern
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand einer spezifischen Urkunde aus dem Jahr 1268 die Handelsbeziehungen zwischen Hamburg und Flandern im 13. Jahrhundert, wobei insbesondere die Rechtsstellung der Hamburger Kaufleute in Brügge sowie die Rolle der Gräfin Margaretha von Flandern als Schlichterin in Handelsstreitigkeiten analysiert werden.
- Historische Analyse der Handelsbeziehungen zwischen Hamburg und Flandern im 13. Jahrhundert
- Untersuchung der Rechtsstellung Hamburger Kaufleute durch das Gästerecht in Brügge
- Interpretation eines beurkundeten Schiedsspruchs der Gräfin Margaretha von Flandern
- Analyse der Import- und Exportgüter (insb. Tuch und Wein) sowie deren wirtschaftlicher Bedeutung
- Betrachtung der hanseatischen Frühzeit und der Rolle Hamburgs als bedeutender Handelspartner
Auszug aus dem Buch
Der Handel zwischen Hamburg und Flandern
Die Handelsbeziehungen zwischen Hamburg und Flandern stellen ein wesentliches Element der Hansegeschichte dar. Flandern und speziell die Stadt Brügge waren Mittelpunkt der europäischen Tuchindustrie und wurden auch durch ihren geographischen Standort zum „Weltmarkt“. So trafen sich hier der Nord- und der Südeuropäische Handel.
Unsere zu untersuchende Urkunde von 1268 fällt in die Anfangszeit des hansischen Handels mit Flandern, gleichzeitig auch die Anfangszeit von Brügges Aufstieg zum „Weltmarkt“. Ab der Mitte des 13. Jahrhunderts begann Flandern, immer detailliertere Handelsrechte auszuarbeiten, meist an spezielle Adressaten wie Händler einer Stadt oder eines Landes. In dieser Arbeit geht es um einen beurkundeten Schiedsspruch der Gräfin von Flandern, in dem Hamburger und flandrischen Kaufleuten Rechte und Pflichten auferlegt wurden. Dabei sollen in erster Linie die Hamburger Kaufleute in Flandern beleuchtet werden.
Ausgehend von unserer Quelle wird versucht, die Handelsbeziehungen zwischen Hamburg und Flandern um 1268 aufzuzeigen. Ferner soll untersucht werden, warum sich sowohl die flandrischen als auch vor allem die Hamburger Kaufleute einer für sie fremden Macht – der Gräfin von Flandern – für diesen Schiedsspruch unterworfen haben.
Zusammenfassung der Kapitel
Der Handel zwischen Hamburg und Flandern: Einleitung in das Thema der hansischen Handelsbeziehungen und Zielsetzung der Untersuchung der Urkunde von 1268.
Die Urkunde Margarethas an die Hamburger und flandrischen Kaufleute: Analyse der Überlieferung und des Inhalts der Urkunde, die einen Rechtsstreit beilegt und Handelsfreiheiten festlegt.
Margharetha von Konstantinopel: Biografischer Überblick über die Gräfin von Flandern und deren machtpolitische sowie finanzielle Hintergründe.
Das Gästerecht: Erläuterung der rechtlichen Bestimmungen für fremde Kaufleute, insbesondere hinsichtlich Lagerraummiete und Handelsverboten.
Die Entwicklung der Handelsprivilegien zwischen Hamburg und Flandern bis 1268: Historischer Rückblick auf die Entwicklung der Privilegien und die Anfänge der Siedlungs- und Handelsbemühungen deutscher Kaufleute.
Die Umstände des Rechtsstreites bis zu Margarethas Schiedsspruch: Untersuchung der Motive für den Streit und die Gründe für die Akzeptanz des Schiedsspruchs durch den Hamburger Rat.
Der Import und Export zwischen Hamburg und Flandern um 1268: Detaillierte Betrachtung der gehandelten Güter, insbesondere Tuch, Wein und landwirtschaftliche Produkte.
Hamburg und Flandern: Fazit über die Bedeutung der Urkunde für die Handelsverflechtung und die Rolle Hamburgs innerhalb der Hanse.
Schlüsselwörter
Hamburg, Flandern, Hanse, 13. Jahrhundert, Brügge, Handelsbeziehungen, Schiedsspruch, Gräfin Margaretha von Flandern, Gästerecht, Tuchhandel, Kaufleute, Wirtschaft, Rechtsgeschichte, Handelsprivilegien, Mittelalter.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historischen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Hamburg und Flandern im 13. Jahrhundert, basierend auf einer Urkunde aus dem Jahr 1268.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung des hansischen Handels, der Rechtsstellung der Hamburger Kaufleute in Flandern und der Analyse von Handelsgütern wie Tuch und Wein.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Schiedsspruch der Gräfin Margaretha von Flandern zu interpretieren und zu verstehen, warum Hamburger Kaufleute sich dieser Rechtsentscheidung unterworfen haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der Quelleninterpretation einer spezifischen Urkunde, ergänzt durch die Auswertung vorhandener historischer Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Gästerechts, der Entwicklung von Privilegien, die Klärung der Umstände des Rechtsstreits und eine Analyse des gegenseitigen Warenverkehrs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Hanse, Flandern, Hamburg, Schiedsspruch, Tuchhandel, Mittelalter und Wirtschaftsbeziehungen sind die zentralen Begriffe der Arbeit.
Welche Rolle spielt Brügge in den Handelsbeziehungen?
Brügge wird als zentraler Handelsplatz für die europäische Tuchindustrie und als wichtigster Standort für Hamburger Kaufleute in Flandern hervorgehoben.
Warum wird die Rolle der Gräfin Margaretha besonders hervorgehoben?
Die Gräfin Margaretha von Flandern besaß die höchste Gerichtsgewalt in Flandern und fungierte als entscheidende Instanz bei der Beilegung des Handelsstreits von 1268.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2003, Die Untersuchung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Hamburg und Flandern im 13. Jhdt. - Quelleninterpretation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13490