Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Spannungsfeld Fleischkonsum, Tierrechte und der damit einhergehenden persönlichen Einstellung.
Wirft man einen Blick in die vegane bzw. Tierrechts-Szene, so liest man vielerorts Aussage wie „Change is coming“. Diesem zugegebenermaßen doch recht subjektiven Eindruck scheinen Wirtschaft und Verbraucher jedoch immer stärker nachzukommen. So titelt die Onlineausgabe der WirtschaftsWoche für einen Artikel auf der Startseite im Juni unlängst „Pflanzendrinks immer beliebter. Die Milch macht’s nicht mehr“ und parallel dazu geht eine Pressemitteilung durch die Medien, dass die Fleischproduktion in Deutschland seit 2017 rückläufig ist und auch im letzten Jahr im Vergleich zum Vorjahr rund 2,4 % weniger produziert wurde. Auf der anderen Seite ordnen sich laut Statista (2021) inzwischen rund 1,41 Millionen Deutsche als Veganer bzw. als Mensch die weitgehend auf tierische Produkte verzichten ein, was einem Plus von 280.000 Menschen im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass Deutschland (neben Großbritannien) einen der global führenden Märkte für Neueinführungen im Sektor vegane Nahrungsmittel und Getränke darstellt und der Hersteller Rügenwalder Mühle bereits 2020 mit Veggie-Produkten mehr Umsatz machten als mit klassischen Wurst- und Fleisch-Produkten. Auch der Pro-Kopf-Konsum von Kuhmilch sinkt immer weiter und erreichte im vergangenen Jahr den niedrigsten Wert in der gesamtdeutschen Statistik seit 1991.
Die gesamte Thematik bzw. die gesellschaftliche Situation an diesen Punkten festzumachen wäre jedoch verkürzt. Die Bereiche Tierrechte und Fleischkonsum lassen sich klar dem Spektrum der Nachhaltigkeit zuordnen, einem Schlagwort der heutigen Zeit und weltweiten Megatrend. Ein Trend, der jedoch auch auf Ablehnung stößt und nicht wenige Deutsche kleben sich einen „Fuck you Greta“ Aufkleber auf den Diesel-SUV, leugnen den menschengemachten Klimawandel und zelebrieren einen Fleischkonsum in großem Umfang beim regelmäßigen Grillen. Grund genug also, auf Basis der vorliegenden statistischen Erhebungen einen gezielten Blick auf das Spannungsfeld Fleischkonsum, Tierrechte und eine damit einhergehende persönliche Einstellung zu werfen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen / Literaturanalyse
2.1 Forschungslage Tierrechte
2.2 Forschungslage Fleischkonsum / vegane Ernährung und Persönlichkeit
3 Hypothesen
4 Methodik
5 Ergebnispräsentation / Hypothesenanalyse
5.1 Deskriptive Analyse der Variablen
5.2 Hypothese 1
5.3 Hypothese 2
5.4 Hypothese 3
6 Fazit, Reflektion und Limitation
7 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Studienarbeit untersucht auf Basis einer quantitativen Online-Umfrage den Zusammenhang zwischen der persönlichen Einstellung zu Tierrechten, der individuellen Empfindsamkeit sowie dem Fleischkonsum. Ziel ist es zu analysieren, ob demografische Merkmale oder Persönlichkeitseigenschaften prädiktiv für das Ernährungsverhalten im Kontext des Tierschutzes sind.
- Analyse des Stellenwerts von Tierrechten in verschiedenen Altersgruppen.
- Untersuchung des Kausalzusammenhangs zwischen Tierrechts-Einstellung und Fleischkonsum.
- Erforschung des Zusammenhangs zwischen Warmherzigkeit und der Einstellung zu Tierrechten.
- Evaluierung der methodischen Herausforderungen bei sozialwissenschaftlichen Online-Befragungen.
Auszug aus dem Buch
2.1 Forschungslage Tierrechte
Gerade zwischen dem klassischen Tierschutz und der Tierrechtsbewegung besteht ein deutliches Spannungsfeld: Tierschützer gehen in großen Teilen der Auffassung nach, dass Tiere durch den Menschen in gewissen Rahmen und Umfang genutzt werden dürfen. Tierrechtler lehnen diese Art der Ungleichbehandlung zwischen Menschen und anderen Spezies grundsätzlich ab. Im Rahmen der Tierrechtsbewegung wird eine Unter-Kategorisierung als Nutztier oder Haustier kategorisch zurückgewiesen (Köpf, 1996).
Als Beginn einer Tierrechtsbewegungen nach heutigem Maßstab kann man das 1975 erschienene Buch „Animal Liberation – Die Befreiung der Tiere“ des australischen Philosophen Peter Singer ansehen. Darin argumentiert er u.a., dass es keine moralische Rechtfertigung dafür gibt, Leid von Lebewesen, egal welcher Natur, nicht zu berücksichtigen. (Singer, 1975)
Der gleiche Autor definierte später mit dem „Speziesismus“ eine neue Begrifflichkeit, die „ein Vorurteil oder eine Haltung der Voreingenommenheit zugunsten der Interessen der Mitglieder der eigenen Spezies und gegen die Interessen der Mitglieder anderer Spezies.“ beschreibt (Singer, 1996, S.35). Tierrechts-Aktivisten übertragen dies als Kernelement in ihre Argumentation, dass es nicht richtig sei, Tiere nach ihrem Zweck für uns Menschen zu unterscheiden und in weiterer Folge auszubeuten. Zudem sehen sie hier eine direkte Verbindung zu weiteren gesellschaftlichen Problemen: „Speziesismus ist die menschliche Überzeugung, dass bestimmte Spezies anderen überlegen sind – also ein diskriminierendes Denkmuster gegenüber Lebewesen, die einfach anders sind als der Mensch. Hier liegt das Problem des Speziesismus (der sich nebenbei perfekt einreiht in degradierende Muster wie Rassismus, Sexismus und Co.).“ (PetaZwei, 2022)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die aktuelle gesellschaftliche Debatte um Tierrechte und nachhaltige Ernährung ein und skizziert den wachsenden Trend zum Fleischverzicht in Deutschland.
2 Theoretische Grundlagen / Literaturanalyse: Der Abschnitt erläutert die theoretischen Konzepte hinter Tierrechten, Speziesismus sowie den aktuellen Konsens der Forschung zur Persönlichkeit von Vegetariern und Veganern.
3 Hypothesen: Hier werden die drei wissenschaftlichen Hypothesen der Arbeit formuliert, die Altersunterschiede, Konsumverhalten und Persönlichkeitsmerkmale betreffen.
4 Methodik: Dieses Kapitel beschreibt das Design der quantitativen Online-Umfrage, die Datenbereinigung des Datensatzes sowie die eingesetzten statistischen Verfahren in der Software JASP.
5 Ergebnispräsentation / Hypothesenanalyse: In diesem Teil erfolgt die detaillierte Auswertung der erhobenen Daten mittels deskriptiver Statistik sowie die Überprüfung der Hypothesen mittels T-Test, Regression und Korrelationsanalyse.
6 Fazit, Reflektion und Limitation: Das Kapitel fasst die zentralen Ergebnisse zusammen, reflektiert die Limitationen der Studie bezüglich des Fragebogendesigns und skizziert künftige Forschungsfragen.
7 Literaturverzeichnis: Dieses Kapitel listet sämtliche in der Arbeit verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Referenzen auf.
Schlüsselwörter
Tierrechte, Fleischkonsum, Speziesismus, Nachhaltigkeit, Vegetarismus, Veganismus, Persönlichkeitsmerkmale, Warmherzigkeit, Inferenzstatistik, JASP, Ernährungsweise, Tierethik, Kausalität, Alterseinfluss, Umfrageforschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Studienarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der persönlichen Einstellung zu Tierrechten, Charaktereigenschaften wie Warmherzigkeit und dem tatsächlichen Fleischkonsum der Befragten.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Analyse?
Die zentralen Themen sind Tierrechte und Tierethik, das Ernährungsverhalten im Hinblick auf Fleischverzicht sowie die psychologische Korrelation von Persönlichkeitsmerkmalen mit ethischen Grundwerten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die statistische Überprüfung, ob ein hoher Stellenwert von Tierrechten direkt den Fleischkonsum beeinflusst und ob Alter oder Empathie eine Rolle in diesem Gefüge spielen.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde angewendet?
Es wurde eine quantitative Online-Umfrage durchgeführt. Die statistische Auswertung der 1394 Datensätze erfolgte mittels JASP, wobei T-Tests, Regressionsanalysen und Pearson-Korrelationen zum Einsatz kamen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte Literaturanalyse, die Ableitung der Hypothesen, die Beschreibung des methodischen Vorgehens und die anschließende detaillierte inferenzstatistische Hypothesenprüfung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Speziesismus, Tierrechtsbewegung, Veggie-Personality, Fleischverzicht und statistische Signifikanz.
Wurde die Annahme bestätigt, dass junge Menschen Tierrechte wichtiger finden?
Nein, der statistische Test ergab keinen signifikanten Unterschied im Stellenwert der Tierrechte zwischen der U25- und der Ü45-Gruppe.
Welchen Einfluss hat der Stellenwert der Tierrechte auf das Fleisch essen?
Die Analyse belegt einen negativen Einfluss: Ein höherer persönlicher Stellenwert der Tierrechte korreliert signifikant mit einer bewussten Reduktion des Fleischkonsums.
- Citation du texte
- Sebastian Everding (Auteur), 2022, Tierrechte, Fleischkonsum und Persönlichkeitsmerkmale, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1352010