Diese Masterarbeit beschäftigt sich mit dem moralischen Sujet "Der Streit zwischen Laster und Tugend" innerhalb der mythologischen Episode um Herkules am Scheideweg des griechischen Sophisten Prodikos von Koes. Diese moralische Auseinandersetzung beschäftigt nicht nur Kunst, Literatur und Gesellschaft des Barocks, sondern auch und vor allem die Musik.
Die Komponisten Reinhard Keiser, Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel haben sich im Zeitraum 1713 bis 1749/50 mit dieser Thematik beschäftigt und jeweils ein Werk mit dem gleichen Titel, aber mit einer anderen Gattungsbezeichnung beschäftigt. So analysiert diese Arbeit schwerpunktmäßig das Concerto "Hercules auf dem Scheidewege" von Reinhard Keiser, das Dramma per Musica "Hercules am Scheideweg" von Johann Sebastian Bach und das englische Oratorio bzw. Musical Interlude 'The Choice of Hercules' von Georg Friedrich Händel.
Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung in die Thematik der Arbeit (Einleitung, Methodik und Forschungsstand)
Allgemeine Einführung
Darstellung des aktuellen Forschungsstandes
2) Die Erzählung von Herkules und die Entscheidung zwischen Laster oder Tugend
2.1 Wer war Herkules und wie passt die Figur zu Laster und Tugend?
2.2 Die Rezeption des Herkules-Mythos in Kunst, Literatur und Gesellschaft der Frühen Neuzeit
3) Concerto, Serenata oder Dramma per musica – die weltliche Kantate des Barocks
4) Reinhard Keiser – Hercules auf dem Scheidewege – Keisers Musikwerk als allegorischer Streit zwischen Laster und Tugend
4.1 Die Entstehungsgeschichte von Keisers Concerto „Hercules auf dem Scheide-Weg“
4.2 Die verschiedenen allegorischen Figuren und ihre jeweiligen Attribute
5) Die Musik in Keisers Hercules auf dem Scheidewege – wie wird der Streit zwischen Laster und Tugend musikalisch ausgedrückt?
5.1 Analyse 1 – Arie der Tugend „Der Wollust Schmeicheleien sind nur Betrügereien“
5.2 Analyse 2 – Rezitativ der Tugend „Zwar ist mein lang’ und ungebahnter Pfad“ und Rezitativ der Wollust „Ein Kluger sucht den nächsten Steg“
6) Berücksichtigung eines Vergleichswerks 1: Johann Sebastian Bach – Lasst uns sorgen, lasst uns wachen, oder: Herkules am Scheidewege (BWV 213)
6.1 Entstehungsgeschichte – wie wird der Herkules-Mythos in Bachs Herkules am Scheideweg eingefügt?
6.2 Analyse 1 – Arie des Herkules „Treues Echo dieser Orten“
6.3 Analyse 2 – Duett des Herkules/Tugend „Ich bin deine, du bist meine“ und Accompagnato-Rezitativ des Merkur „Schaut Götter, dieses ist ein Bild“
7) Berücksichtigung eines Vergleichswerks 2: The Choice of Hercules – Georg Friedrich Händels Musikwerk als allegorischer Streit zwischen Laster und Tugend
7.1 Entstehungsgeschichte – Besonderheit des Werks als Musical Interlude und die Behandlung der Herkules-Thematik im musikalischen Satz
7.2 Analyse 1 – Solo Pleasure und Chor „While for the arms that Beauty glows“
7.3 Analyse 2 – Air Trio Pleasure, Virtue, Hercules „Where shall I go?“
8) Vergleichende Betrachtung der drei Werke
9) Fazit der Erkenntnisse und Ausblick – Wie wird der Streit von Laster und Tugend auf die Musik des Barocks umgesetzt und welche Rolle spielt dabei Herkules?
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie der allegorische „Streit zwischen Laster und Tugend“ im Kontext der Herkules-Motivik in barocken Vokalwerken von Reinhard Keiser, Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel musikalisch dargestellt und dramaturgisch verarbeitet wird.
- Mythologische Rezeption des Stoffs „Herkules am Scheidewege“.
- Musikalischer Ausdruck von Tugend und Wollust als allegorische Gegenspieler.
- Vergleich der Gattungen (Concerto, Serenata, Dramma per musica) bei den drei Komponisten.
- Analyse der musikalischen Struktur, Rhetorik und Affektdarstellung in ausgewählten Solopassagen.
- Kontextualisierung der Herkules-Figur als barockes Herrscher-Ideal (z. B. bei August dem Starken).
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung in die Thematik der Arbeit
Wie wird der Streit von Laster und Tugend auf die Musik des Barocks umgesetzt und welche Rolle spielt dabei Herkules? – Dieser Frage soll in der vorliegenden Arbeit nachgegangen werden. So steht der „Streit zwischen Laster und Tugend“ im Vordergrund der musikalischen Analyse und wird vor allem bezogen auf die mythologische Erzählung von „Herakles/Hercules am Scheidewege“, der sich zwischen den zwei Wegen Laster oder Tugend entscheiden soll.
Dass die kulturelle Beschäftigung der Frühen Neuzeit mit dem Mythos um Herkules immens war, zeigen nicht nur zahlreiche Beispiele aus Bildender Kunst und Architektur, sondern eben auch mehrere Beispiele aus der Musik. Mit der Vertonung der Erzählung „Hercules am Scheidewege“ zeigen die Komponisten Reinhard Keiser, Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel ihre künstlerische Auseinandersetzung mit dem mythologischen Stoff und betten diesen in mehrere vokale oder instrumentale Passagen ein.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung in die Thematik der Arbeit: Einführung in die Fragestellung und den wissenschaftlichen Kontext des Herkules-Mythos im Barock.
2 Die Erzählung von Herkules und die Entscheidung zwischen Laster oder Tugend: Beleuchtung der mythologischen Grundlagen und der ikonographischen Tradition des Themas seit der Antike.
3 Concerto, Serenata oder Dramma per musica – die weltliche Kantate des Barocks: Definition und gattungsgeschichtliche Einordnung der barocken weltlichen Vokalmusik.
4 Reinhard Keiser – Hercules auf dem Scheidewege – Keisers Musikwerk als allegorischer Streit zwischen Laster und Tugend: Analyse von Keisers Werk hinsichtlich Entstehung und allegorischer Figurengestaltung.
5 Die Musik in Keisers Hercules auf dem Scheidewege – wie wird der Streit zwischen Laster und Tugend musikalisch ausgedrückt?: Detaillierte musiktheoretische Untersuchung der Charakterisierung von Tugend und Wollust.
6 Berücksichtigung eines Vergleichswerks 1: Johann Sebastian Bach – Lasst uns sorgen, lasst uns wachen, oder: Herkules am Scheidewege (BWV 213): Analyse der dramaturgischen Integration des Mythos in Bachs Kantate.
7 Berücksichtigung eines Vergleichswerks 2: The Choice of Hercules – Georg Friedrich Händels Musikwerk als allegorischer Streit zwischen Laster und Tugend: Untersuchung von Händels Oratorium im Kontext seiner englischen Spätphase.
8 Vergleichende Betrachtung der drei Werke: Synopse der unterschiedlichen Herangehensweisen und dramaturgischen Konzepte der drei Komponisten.
9 Fazit der Erkenntnisse und Ausblick – Wie wird der Streit von Laster und Tugend auf die Musik des Barocks umgesetzt und welche Rolle spielt dabei Herkules?: Zusammenfassende Beantwortung der zentralen Forschungsfrage und Reflexion der Ergebnisse.
Schlüsselwörter
Hercules am Scheidewege, Herkules-Mythos, Laster, Tugend, Barock, Reinhard Keiser, Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel, Vokalmusik, Kantate, Dramma per musica, Allegorie, Musikanalyse, Musikdramaturgie, Musikgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die barocke musikalische Vertonung des mythologischen „Streits zwischen Laster und Tugend“ am Beispiel der „Herkules am Scheidewege“-Motivik bei Keiser, Bach und Händel.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die mythologische Erzählung, die barocke Gattungshistorie weltlicher Vokalmusik sowie die spezifische dramaturgische Ausgestaltung der moralischen Entscheidung des jungen Herkules.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu klären, wie die Allegorien von Tugend und Laster musikalisch charakterisiert werden und welche Rolle Herkules als Identifikationsfigur im barocken Zeitgeist spielt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine musikwissenschaftliche Arbeit, die historische Forschung mit einer musikdramaturgischen und textanalytischen Untersuchung der ausgewählten Werke kombiniert.
Was beinhaltet der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in Einzelanalysen der Werke von Keiser, Bach und Händel sowie eine vergleichende Synopse ihrer dramaturgischen Konzepte.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?
Begriffe wie Affektdarstellung, Allegorie, dramatische Kantate, moralische Instanzen und die spezifische musikalische Umsetzung der Wahl des Herakles sind essenziell.
Welche Bedeutung hat das „Echo“ in Bachs Werk?
Das Echo in Bachs Kantate fungiert musikalisch als Spiegel der Unsicherheit des Herkules und unterstreicht die psychologische Zerrissenheit der Titelfigur.
Wie unterscheidet sich die Rolle von Herkules bei den drei Komponisten?
Während Herkules bei Keiser und Bach stark im Mittelpunkt der Entscheidung steht, ist er bei Händel teilweise stärker in die dramatische Struktur eingebettet, wobei die Gewichtung der Allegorien ebenfalls variiert.
- Arbeit zitieren
- Felix Haberland (Autor:in), 2023, Herkules-Motivik bei Keiser, Bach und Händel. Der Streit zwischen Laster und Tugend in der Musik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1352500