Die Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2006 hat ergeben, dass im Jahr 2015 die arbeitende Gesellschaft in Deutschland ein Durchschnittsalter von 50 Jahren erreicht haben wird. Im Zuge dieses demografischen Wandels wird die Suche nach Fachkräften immer bedeutsamer. Die Unternehmen befinden sich in einem „War for talents“, der geprägt ist durch die Konkurrenz um Bewerber mit ähnlichen Qualifikationen.
Die im Zuge des durch Tim O´Reilly etablierten Begriffs „Web 2.0“ entstandene Social Software eröffnet den Unternehmen neue Rekrutierungswege, um gezielt Talente zu identifizieren und zu kontaktieren. Der klassische Bewerbungsprozess wird derzeit durch die Unternehmen mitunter umgedreht. Wer einen Job sucht,sollte sich nicht allein darauf verlassen, diesen nur auf dem traditionellen Wege zu finden. Vielmehr rücken soziale Netzwerke in den Mittelpunkt der Betrachtung. Derjenige, der sich beruflich weiterentwickeln möchte, muss bei der Jobsuche auch die sozialen Netzwerke im Internet berücksichtigen. Dabei zeigt sich, dass nicht nur die ehemals typischen sozialen Netzwerke wie Fußballverein oder Stammtisch genutzt werden. Mit der Verbreitung des Internets haben sich auch „digitale“ Netzwerke etabliert, deren Sinn einzig und allein darin besteht, ein Netzwerk aufzubauen und zu pflegen. Im Internet findet sich eine Vielzahl solcher professioneller sozialer Netzwerke. Für Networking
auf Basis von Web 2.0 hat sich der Begriff „Networking 2.0“ etabliert. Was liegt näher, als ein derartig professionalisiertes System von Netzwerken auch im Rahmen des Personalrecruitings einzubinden. Es drängt sich daher fast unweigerlich die Frage auf, welche Rolle Networking 2.0 bzw. soziale Netzwerke im Internet für die Personalbeschaffung spielen. Dementsprechend sind in der Literatur hierzu auch zahlreiche Veröffentlichungen zu finden. Allerdings untersucht die Literatur vorrangig die unternehmerseitige Nutzung des Internets für die Personalakquise. Die arbeitnehmerseitige Betrachtung in Bezug auf die Nutzung von sozialen Netzwerken im Internet stand bisher nicht im Fokus der Wissenschaft.
Die vorliegende Arbeit leistet einen Beitrag, um diese Lücke zu schließen. Hierfür wird eine empirische Erhebung bei ca. 160 Arbeitnehmern zum Thema Networking mit dem Anspruch durchgeführt, daraus Handlungsempfehlungen für die Personalbeschaffung ableiten zu können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Motivation
1.2 Zielsetzung
1.3 Struktur der Arbeit
2 Funktionsbereiche betrieblichen Personalmanagements
2.1 Personalstrategie
2.2 Personalplanung
2.3 Personaleinsatz
2.4 Personalentwicklung
2.5 Personalfreisetzung
2.6 Querschnittsaufgaben des betrieblichen Personalmanagements
3 Aufgaben der Personalbeschaffung
3.1 Der Demografische Wandel als Herausforderung an die Personalbeschaffung
3.1.1 Demografischer Wandel in Deutschland
3.1.2 Folgen für die Personalbeschaffung
3.2 Personalbeschaffung
3.2.1 Personalmarketing als konzeptionelle Grundlage
3.2.2 Personalgewinnung
3.2.3 Personalauswahl
3.3 E-Recruitment
4 Networking 2.0
4.1 Web 2.0
4.1.1 Begriffsbestimmung
4.1.2 Merkmale von Web 2.0-Anwendungen
4.2 Soziale Netzwerke
4.2.1 Hauptströmungen der Entwicklung
4.2.1.1 Sozialanthropologie
4.2.1.2 Formale Soziologie
4.2.1.3 Soziometrie und Feldtheorie
4.2.1.4 Die Theorie der strong ties und weak ties
4.2.1.5 Strukturelle Löcher
4.2.2 Begriffsbestimmung Soziales Netzwerk
4.2.3 Sozialkapital als Ertrag sozialer Netzwerke
4.3 Networking 2.0
4.3.1 Abgrenzung virtuelle soziale Netzwerke
4.3.2 Social Software – die sozialen Netzwerke im Internet
4.3.3 Begriffsbestimmung Networking 2.0
4.3.4 Erfolgsfaktoren beim Networking 2.0
5 Empirische Erhebung
5.1 Forschungsanliegen
5.2 Erhebungsinstrument und Durchführung der Erhebung
5.3 Ergebnis der Erhebung
5.3.1 Allgemeiner Teil
5.3.2 Chancen bei der Nutzung von sozialen Netzwerken im Internet
5.3.3 Risiken bei der Nutzung von sozialen Netzwerken im Internet
5.3.4 Zukünftige Bedeutung sozialer Netzwerke im Internet
6 Die Rolle sozialer Netzwerke für die Personalbeschaffung
6.1 Merkmale des Networking 2.0
6.2 Chancen bei der Nutzung von sozialen Netzwerken im Internet
6.3 Risiken bei der Nutzung von sozialen Netzwerken im Internet
6.4 Zukünftige Bedeutung sozialer Netzwerke im Internet
7 Der Networking 2.0-Mix als Personalbeschaffungsinstrument für soziale Netzwerke im Internet
8 Fazit und Ausblick
8.1 Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse
8.2 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, welche Rolle soziale Netzwerke im Internet für die moderne Personalbeschaffung spielen. Dabei liegt der Fokus darauf, wie Unternehmen durch das Konzept des "Networking 2.0" qualifizierte Arbeitnehmer erreichen können und welche Chancen sowie Risiken sich aus dieser digitalen Rekrutierungsmethode für beide Seiten ergeben.
- Demografischer Wandel und Fachkräftemangel als Herausforderungen
- Grundlagen des Web 2.0 und soziale Netzwerke
- Theoretische Fundierung (Social Capital, Strong & Weak Ties)
- Empirische Analyse des Nutzerverhaltens in Netzwerken
- Entwicklung eines Networking 2.0-Mix als Beschaffungsinstrument
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Demografischer Wandel in Deutschland
Die Struktur der Bevölkerung ändert sich laufend. Jeder gestorbene, geborene, ab- bzw. zugewanderte Mensch beeinflusst prinzipiell die strukturelle Größe und Zusammensetzung. Die Bevölkerung Deutschlands ist mittlerweile mit über 82 Millionen so groß wie nie zuvor. Die jährliche Zahl der Geburten liegt seit Jahrzehnten unter der Zahl der Sterbefälle, was durch Zuwanderungen aus dem Ausland zunächst kompensiert wurde. Wenn die Geburtenzahl jedoch weiter stetig sinkt und die Zuwanderung auf dem jetzigen Niveau stagniert, wird die Bevölkerungszahl in Deutschland spätestens 2020 sinken.
Diese demografischen Trends werden am Arbeitsmarkt deutliche Spuren hinterlassen, da mit abnehmender Bevölkerungszahl die arbeitsfähigen Bürger zurückgehen und der Altersdurchschnitt der arbeitenden Bevölkerung steigen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Hinführung zum Thema des demografischen Wandels und Darstellung der Forschungsziele.
2 Funktionsbereiche betrieblichen Personalmanagements: Überblick über die klassischen Aufgaben des Personalmanagements als theoretischer Rahmen.
3 Aufgaben der Personalbeschaffung: Analyse des Einflusses des demografischen Wandels auf die Personalgewinnung und Einführung in das E-Recruitment.
4 Networking 2.0: Theoretische Auseinandersetzung mit Web 2.0, sozialen Netzwerktheorien und dem Begriff Networking 2.0.
5 Empirische Erhebung: Darstellung der Methodik und Durchführung der Online-Befragung sowie Präsentation der erhobenen Daten.
6 Die Rolle sozialer Netzwerke für die Personalbeschaffung: Interpretation der Umfrageergebnisse im Kontext der personalwirtschaftlichen Nutzung von Netzwerken.
7 Der Networking 2.0-Mix als Personalbeschaffungsinstrument für soziale Netzwerke im Internet: Vorstellung eines modifizierten Marketing-Mix für die zielgerichtete Rekrutierung.
8 Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Ausblick auf zukünftige Entwicklungen im Bereich Online-Recruiting.
Schlüsselwörter
Personalbeschaffung, Networking 2.0, soziale Netzwerke, Web 2.0, Social Software, Demografischer Wandel, Personalmarketing, Personalgewinnung, Sozialkapital, Strong Ties, Weak Ties, E-Recruitment, Employer Branding, Fachkräftemangel, Arbeitgeberattraktivität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet die strategische Bedeutung von sozialen Netzwerken im Internet als neues Instrument der betrieblichen Personalbeschaffung vor dem Hintergrund des demografischen Wandels.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen die Personalgewinnung, die Theorie sozialer Netzwerke, die Auswirkungen des Web 2.0 sowie die empirische Analyse des Nutzerverhaltens bei der Jobsuche.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Ableitung von Handlungsempfehlungen für Unternehmen, wie sie soziale Netzwerke (Networking 2.0) effektiv nutzen können, um qualifizierte Fachkräfte zu identifizieren und zu gewinnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Datenerhebung verwendet?
Der Autor führt eine eigene, zielgerichtete Online-Befragung bei Internetnutzern durch, um das Verhalten und die Einstellungen gegenüber sozialen Netzwerken im beruflichen Kontext zu validieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen (wie Sozialanthropologie und soziologische Netzwerktheorien) die Ergebnisse der empirischen Studie analysiert und in einen strategischen Mix für die Personalarbeit überführt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?
Personalbeschaffung, Networking 2.0, soziale Netzwerke, Web 2.0 und Demografischer Wandel.
Wie bewerten die Befragten das Risiko von Datenmissbrauch in sozialen Netzwerken?
Die Mehrheit der Teilnehmer (70 %) äußert die Sorge, dass ihre in sozialen Profilen hinterlegten Daten durch Dritte missbraucht werden könnten.
Welches spezifische Instrument zur Personalbeschaffung schlägt der Autor vor?
Der Autor entwickelt den sogenannten "Networking 2.0-Mix", der Elemente wie Social Software, Talent-Pools und Employer Branding kombiniert, um den Rekrutierungsprozess zu optimieren.
- Quote paper
- Marco Meisen (Author), 2009, Networking 2.0: Untersuchung der Rolle sozialer Netzwerke für die Personalbeschaffung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135491