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Zur Logik der institutionellen Diskriminierung. Polizei und Schule im Vergleich

Titre: Zur Logik der institutionellen Diskriminierung. Polizei und Schule im Vergleich

Thèse de Bachelor , 2022 , 38 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Jakob Nieder (Auteur)

Pédagogie - Divers
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Um die Mechanismen und Wirkungsweisen hinter institutioneller Diskriminierung zu verstehen, wird diese zunächst in Abgrenzung zu anderen Formen von Diskriminierung definiert. Am Begriff ‚Menschen mit Migrationshintergrund‘ soll die Macht der Sprache im Hinblick auf gesamtgesellschaftliche Denk- und Handlungsmuster skizziert werden, um anschließend die Institutionen Polizei und Schule vorzustellen. Hier werden neben dem organisatorischen Aufbau auch rechtliche Rahmenbedingungen, Ermessensspielräume, die institutionelle Zusammensetzung und Lebenswelt sowie die damit verbundenen Normalitätserwartungen beleuchtet. Darauf aufbauend wird aufseiten der Schule die Studie „Institutionelle Diskriminierung“ (Gomolla & Radtke) mit dem Forschungsprojekt „KORSIT“ (Hunold, Brauer & Dangelmaier) aufseiten der Polizei anhand ausgewählter Vergleichsmaßstäbe analysiert. Hier soll gezeigt werden, wie die Auslegungen der bewusst weit gefassten Ermessensspielräume, welche durch das institutionelle Wissen und die Normalitätserwartungen der Beamt:innen geprägt sind, zur (Re-) Produktion von Ungleichheit beitragen.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition Diskriminierung

2.1. Institutionelle Diskriminierung

2.2 Exkurs über die Problematik des Begriffs ‚Menschen mit Migrationshintergrund‘

3. Die Begründung für einen Vergleich zwischen den Institutionen Polizei und Schule

4. Aufbau und Organisation der Institution Polizei

4.1. Zusammensetzung und institutionelle Lebenswelt der Polizei

5. Aufbau und Organisation der Institution Schule

5.1. Zusammensetzung der Schule

6. Einführung Vergleichsmaßstäbe

6.1 Vergleichsmaßstab Schlussregeln und Begründungsmuster

6.2 Vergleichsmaßstab Ermessensspielraum

7. (Staatliche) Logik hinter institutioneller Diskriminierung

8. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Mechanismen institutioneller Diskriminierung mit Fokus auf die Institutionen Polizei und Schule. Ziel ist es aufzuzeigen, wie organisatorische Routinen, Normalitätserwartungen und Ermessensspielräume zur (Re-)Produktion von Ungleichheit und ethnischer Differenz beitragen, ohne dass dies zwingend auf individuellen Vorurteilen basieren muss.

  • Analyse der theoretischen Grundlagen von Diskriminierung
  • Vergleich der organisatorischen Strukturen und Logiken von Schule und Polizei
  • Kritische Reflexion der Rolle von Begründungsmustern und Ermessensspielräumen
  • Untersuchung des Einflusses von Sprache und Labeling auf gesellschaftliche Zuschreibungen
  • Diskussion der staatlichen Involviertheit bei der Herstellung ethnischer Ordnungen

Auszug aus dem Buch

6.1 Vergleichsmaßstab Schlussregeln und Begründungsmuster

Zum Vergleich soll aufseiten der Institution Schule die Schlussregel 14 zur Analyse eines Interviews dienen: „Wenn die Türken für sich leben und Türkisch sprechen, haben sie eine aggressive und feindselige Haltung gegenüber der deutschen Gesellschaft“ (SR 14 zit. n. Gomolla & Radtke 2009, S. 256). Hier handelt es sich um ein Entscheidungs- und Begründungsmuster an der Übergangsschwelle von der Primar- in die Sekundarstufe. Bei den Übergangsentscheidungen finden sich mehrfach Kontrastierungen unterschiedlicher Gruppen von ‚Migrant:innen‘, welche aufgrund sozialer Schichten, oder aber spezifischen Herkunftsländern festgemacht werden (vgl. ebd., S. 254). So wird im folgenden Interviewausschnitt die hohe Anzahl türkischer Kinder mit einem Übergang auf die Hauptschule durch den Schulleiter schlichtweg mit der hohen Anzahl türkischer Kinder begründet:

Das sind aber-, im Grunde sind das eben wirklich -, wir haben keine Italiener und wir haben im Grunde auch keine Jugoslawen, wir haben praktisch Türken und ein paar Marokkaner. Es handelt sich, kann man hier bei uns sagen, um türkische Übergänge. Wenn wir mal einen Italiener hatten, der war anders integriert, durch die Religion, durch die Sprache, durch das Spielen mit anderen Kindern, da war keine Ghettobildung zu erkennen, auch weil die nicht in Massen aufgetreten sind, wie die Türken bei uns. […] Oder auch diese Marokkaner, die wir bis jetzt hatten, die sind alle zur Realschule oder zum Gymnasium gegangen, weil die stärker vereinzelt sind, da ist auch ein stärkeres Bildungsbewußtsein da. Und die kapseln sich nicht ab, auch sprachlich nicht […]. Also ich denke, man muß viel stärker differenzieren zwischen Ausländern, zwischen islamistischem Umfeld und Hintergrund, und zwischen südeuropäisch-katholischer Population […] (Schulleiter der Grundschule A, zit. n. Gomolla & Radtke 2009, S. 254).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz diskriminierungsfreier Räume unter Berücksichtigung demografischer Veränderungen und führt in das Konzept der instititutionellen Diskriminierung ein.

2. Definition Diskriminierung: Dieses Kapitel definiert verschiedene Formen von Diskriminierung (nach Feagin und Booher-Feagin) und grenzt institutionelle Diskriminierung als organisatorisches Strukturproblem ab.

3. Die Begründung für einen Vergleich zwischen den Institutionen Polizei und Schule: Es werden die Analogien zwischen Schule und Polizei hinsichtlich ihrer starken Reglementierung und dem hohen Diskriminierungspotenzial durch weit gefasste Ermessensspielräume dargelegt.

4. Aufbau und Organisation der Institution Polizei: Das Kapitel beschreibt die Aufgaben der Polizei und zeigt auf, wie interne Zielvorgaben und polizeiliche Lebenswelten die Praxis sowie die Adressierung der Bevölkerung beeinflussen.

5. Aufbau und Organisation der Institution Schule: Hier wird der staatliche Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule analysiert und diskutiert, wie Normalitätserwartungen und Selektionsroutinen die Schullaufbahnen beeinflussen.

6. Einführung Vergleichsmaßstäbe: Dieses Kapitel bereitet den Vergleich der beiden Institutionen anhand der methodischen Kategorien Schlussregeln und Ermessensspielräume vor.

7. (Staatliche) Logik hinter institutioneller Diskriminierung: Die Analyse verbindet die institutionellen Routinen mit einer staatlichen Logik der Reproduktion gesellschaftlicher Machtverhältnisse und ethnischer Ordnung.

8. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Bestätigung, dass beide Institutionen aktiv an der Herstellung ethnischer Differenz mitwirken und plädiert für ein Bewusstsein bezüglich der Macht von Sprache und organisatorischen Abläufen.

Schlüsselwörter

Institutionelle Diskriminierung, Polizei, Schule, Racial Profiling, Bildungsbiografie, Selektion, Normalitätserwartung, Migrationshintergrund, Ermessensspielraum, Schlussregeln, soziale Ordnung, Chancengleichheit, struktureller Rassismus, Macht der Sprache, institutionelle Lebenswelt.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie Institutionen wie Polizei und Schule durch ihre internen Strukturen, Routinen und Ermessensspielräume diskriminierende Prozesse fördern, selbst wenn diese nicht auf bewusstem individuellem Rassismus basieren.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Themen sind institutionelle Diskriminierung, die Rolle von Sprache bei der Konstruktion gesellschaftlicher Unterschiede, die Logik polizeilicher Arbeit sowie die Mechanismen der Selektion im deutschen Schulwesen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, ein tiefergehendes Verständnis dafür zu entwickeln, wie Institutionen aktiv an der Erzeugung von sozialer Ungleichheit und ethnischer Differenz beteiligt sind, anstatt diese lediglich als neutrale Orte der Chancengleichheit zu betrachten.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Untersuchung verwendet?

Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse und stützt sich auf etablierte Studien (wie jene von Gomolla & Radtke oder das Forschungsprojekt KORSIT), um theoretische Begründungsmuster und empirische Befunde zu vergleichen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst theoretische Begriffsdefinitionen geklärt, gefolgt von einer detaillierten organisationssoziologischen Analyse von Schule und Polizei. Dies schließt den Vergleich spezifischer Entscheidungspraktiken ein.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?

Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie institutionelle Diskriminierung, Selektion, Ermessensspielraum, Normalitätserwartungen und struktureller Rassismus definieren.

Inwiefern unterscheidet sich der Umgang mit Diskriminierung in Schule und Polizei?

Während die Schule ihre Diskriminierung häufig durch das Leistungsprinzip und wohlmeinende, aber exkludierende Schullaufbahnempfehlungen rechtfertigt, zeigt sich bei der Polizei öfter eine eher direkte, sanktionierende Praxis, die jedoch ebenfalls auf kollektiven Vorannahmen über Bevölkerungsgruppen basiert.

Wie spielt das Labeling von "Menschen mit Migrationshintergrund" eine Rolle?

Die Autorin verdeutlicht, dass Begriffe wie "Migrationshintergrund" als stigmatisierende Labels fungieren, die mit staatlicher Legitimität ausgestattet sind und somit zur verfestigten Zuschreibung einer "Andersartigkeit" beitragen.

Welche Rolle spielen "Ermessensspielräume"?

Ermessensspielräume dienen den Institutionen laut Arbeit dazu, ihre eigene Handlungsfähigkeit zu sichern, eröffnen jedoch gleichzeitig Räume für subjektive, oft diskriminierende Deutungen, da der Handlungsspielraum selten absolut neutral gefüllt wird.

Welche Schlussfolgerung zieht der Autor für die Praxis?

Es wird gefordert, dass Institutionen ihre unreflektierten Routinen und die Macht der verwendeten Sprache kritisch hinterfragen, um zumindest wohlmeinende, aber ungleiche Entscheidungen in der Zukunft zu vermeiden.

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Résumé des informations

Titre
Zur Logik der institutionellen Diskriminierung. Polizei und Schule im Vergleich
Université
Bielefeld University
Note
1,0
Auteur
Jakob Nieder (Auteur)
Année de publication
2022
Pages
38
N° de catalogue
V1359239
ISBN (PDF)
9783346876683
ISBN (Livre)
9783346876690
Langue
allemand
mots-clé
Polizei Diskriminierung Schule Instiutionen Ermessensspielraum Gleichbehandlung Ungleichbehandlung Migrationshintergrund Organisationen Rassismus Alltagsrassismus
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Jakob Nieder (Auteur), 2022, Zur Logik der institutionellen Diskriminierung. Polizei und Schule im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1359239
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Extrait de  38  pages
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