Diese Arbeit befasst sich mit Zivilcourage in Bezug auf soziale Medien. Durch die Asynchronität der sozialen Medien entsteht eine Verantwortungsdiffusion, wodurch angenommen werden kann, dass die Persönlichkeit eines Menschen im Online-Kontext noch entscheidender ist als offline. Aufgrund dieser Überlegungen wurde die folgende Forschungsfrage formuliert: Inwieweit sagen die Persönlichkeitsmerkmale von Usern sozialer Medien (z.B. Instagram) zivil-couragiertes Eingreifen online vorher? Dieser Frage sollte in der Studie nachgegangen werde. Im Nachfolgenden wird der Forschungsprozess erklärt und dokumentiert. Dazu werden zunächst die theoretischen Hintergründe und die Methode erläutert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bystander Intervention und Persönlichkeit
2.1 Big Five Dimensionen Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit
2.2 Big Five Dimension Extraversion
2.3 Zivilcourage Online
3. Methode
3.1 Operationalisierung Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion
3.2 Operationalisierung Zivilcourage Online
4. Auswertung und Interpretation
4.1 Auswertung und Interpretation Hypothese 1
4.2. Auswertung und Interpretation Hypothese 2
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsmerkmalen (Big Five) und der Bereitschaft zu zivilcouragiertem Verhalten im digitalen Raum. Angesichts zunehmender Hate Speech in sozialen Medien zielt das Forschungsprojekt darauf ab, zu klären, ob Nutzer mit spezifischen Ausprägungen in den Dimensionen Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit und Extraversion eher dazu neigen, in Online-Konfliktsituationen einzugreifen.
- Einfluss der Big-Five-Persönlichkeitsdimensionen auf ziviles Engagement
- Dynamiken und Formen von Zivilcourage in sozialen Netzwerken
- Anonymität und Verantwortungsdiffusion im Online-Kontext
- Quantitative Analyse von intervenierendem Verhalten in digitalen Hassrede-Szenarien
Auszug aus dem Buch
2.3 Zivilcourage Online
Wichtig für beide Hypothesen ist auch Zivilcourage Online. Um besser zu verstehen, was digitale Zivilcourage umfasst, werden vorab pro- und antisoziale Verhaltensweisen definiert. Prosoziales Verhalten stellt eine Verhaltensweise dar, die für andere Menschen nützlich ist und basiert im Gegensatz zu Hilfeverhalten, welches z.B. beruflich bedingt sein kann, auf altruistischen oder egoistischen Motivationen (Levine & Manning, 2014). Eine spezifische Form von prosozialem Handeln ist die Zivilcourage. Eine Person, welche zivilcouragiert handelt, greift in eine Situation ein, die für jemand anderes bedrohlich ist, trotz möglicher negativer Konsequenzen für sich selbst (Jost et al. 2020).
Vorfälle, welche im Online-Kontext Zivilcourage erfordern, können auch als „digitale Notfallsituationen“ (Jost et al. 2020, S.5) betitelt werden oder, wie es vor allem in der englischsprachigen Literatur zu finden ist, unter dem Begriff Incivility zusammengefasst werden. Hierzu werden Verhaltensweisen gezählt, welche in irgendeiner Form die Normen eines zivilisierten, höflichen Diskurses verletzen (Frischlich et al. 2021). Der übergreifende Begriff der Incivility wird untergliedert in Unhöflichkeiten, die sich gegen ein Individuum, etwa im interpersonellen Kontext, und Beleidigungen, welche sich gegen Gruppen richten (ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die Relevanz von Hate Speech in sozialen Medien und leitet die Forschungsfrage über den Einfluss von Persönlichkeitsmerkmalen auf Zivilcourage im Netz ab.
2. Bystander Intervention und Persönlichkeit: Definiert die psychologischen theoretischen Grundlagen zu Bystander-Intervention, Persönlichkeitsmodellen und den Besonderheiten von Zivilcourage online.
3. Methode: Erläutert das Forschungsdesign einer quantitativen Online-Befragung bei 172 Teilnehmern sowie die Operationalisierung der Persönlichkeitskonstrukte und der digitalen Zivilcourageszenarien.
4. Auswertung und Interpretation: Präsentiert die statistische Analyse, welche zeigt, dass die aufgestellten Hypothesen zu den Zusammenhängen zwischen Persönlichkeit und Online-Intervention nicht bestätigt werden konnten.
5. Fazit: Reflektiert die Ergebnisse unter Berücksichtigung methodischer Einschränkungen und gibt Empfehlungen für zukünftige, experimentell ausgerichtete Forschungsansätze.
Schlüsselwörter
Zivilcourage, Online-Verhalten, Hate Speech, Big Five, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Prosoziales Verhalten, Bystander Intervention, Soziale Medien, Interventionsstrategien, Online-Diskussionen, Persönlichkeitspsychologie, Verantwortungsdiffusion, Digitale Notfallsituationen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Forschungsarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, ob bestimmte Persönlichkeitsstrukturen (Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit und Extraversion) die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Nutzer in sozialen Medien aktiv gegen Hate Speech oder andere negative Äußerungen vorgehen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Untersuchung verknüpft die Persönlichkeitspsychologie (Big Five Modell) mit der aktuellen Forschung zu digitaler Zivilcourage und dem Umgang mit Incivility in sozialen Online-Netzwerken.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: „Inwieweit sagen die Persönlichkeitsmerkmale von Usern Sozialer Medien (z.B. Instagram) zivilcouragiertes Eingreifen online vorher?“
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wurde eine quantitative Online-Befragung durchgeführt, bei der ein strukturierter Fragebogen mit 172 Teilnehmern genutzt wurde, um Zusammenhänge zwischen Persönlichkeitsskalen und hypothetischen Interventionsbereitschaften in digitalen Stresssituationen zu messen.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der untersuchten Persönlichkeitsmerkmale, die Definition von Zivilcourage im Internet, die methodische Darlegung der Erhebung sowie die statistische Auswertung der Hypothesen mittels Regressionsanalysen.
Welche Schlüsselbegriffe sind charakteristisch?
Die Arbeit fokussiert sich maßgeblich auf Begriffe wie "Digitale Zivilcourage", "Big Five", "Hate Speech" und "Prosoziales Verhalten".
Warum ließen sich die Hypothesen laut der Studie nicht bestätigen?
Die Ergebnisse zeigten keine signifikanten Korrelationen. Der Autor vermutet als Gründe u.a. die "soziale Erwünschtheit" bei Befragungen sowie die methodische Schwierigkeit, situationsabhängiges Verhalten im digitalen Raum mittels statischer Fragebögen adäquat abzubilden.
Welche Rolle spielt die Anonymität laut der Untersuchung?
Die Untersuchung diskutiert, dass die Anonymität im Internet zu einer Verantwortungsdiffusion führen kann, welche das Eingreifen (Bystander Intervention) im Vergleich zur Offline-Welt erschwert.
Was wird für zukünftige Forschungen empfohlen?
Der Autor empfiehlt, den Fokus künftig auf experimentelle Designs zu legen, in denen Probanden in Echtzeit-Situationen, statt nur theoretisch, bezüglich ihres Zivilcouragierten Handelns beobachtet werden können.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2021, Zivilcourage im Kontext sozialer Medien, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1371302