Mediationsverfahren haben sich in der pädagogischen Praxis etabliert, genauer das Streit-Schlichtungs-Programm, ein Konzept für das Konfliktmanagement an Schulen.
In dieser Arbeit wird der Fragestellung nach gegangen, ob und in wieweit Schulmediation in der Grundschule dazu beitragen kann, Konflikte konstruktiv zu lösen. Die These dazu lautet: Mediation kann nicht in allen, aber in (nach klar definierten Kriterien) bestimmten Fällen zu einer konstruktiven Konfliktlösung in der Grundschule beitragen.
Beginnen werde ich mit der Fragestellung, was Schule kennzeichnet und welche Einwirkungen sie auf die Schüler hat. Nachfolgend widme ich mich der Konfliktanalyse. Anschließend werden wesentliche Elemente zum Erkennen, Verstehen und Bearbeiten von Konflikten, unter Berücksichtigung schulischer Konflikte und dem Umgang mit ihnen, untersucht.
Dabei wird ausführlich die Theorie der Konfliktanalyse und der -lösungsmöglichkeiten aufgezeigt, um bedeutende Merkmale bei der Regelung von Konflikten beachten zu können. Um die wesentlichen Informationen über Schulmediation sammeln zu können, wird zunächst das Verfahren der Mediation, ausgehend von Harvard-Konzept, in ihrer Grundidee und anhand wichtiger Methoden erläutert. Dabei werden besonders Methoden beschrieben, die wichtige Verhandlungstechniken beinhalten, um erfolgreich und konstruktiv Konflikte zu lösen. Beginnen wird das fünfte Kapitel mit den Grundzielen der Schulmediation, damit wird ein erster Rahmen möglicher Anwendungsbereiche eröffnet. Mediation als Konfliktlösungsverfahren an Schulen steht immer wieder in einem Spannungsfeld zwischen Pädagogik und Recht. Dazu werden der Studie von Simsa und Dittmann aus den Jahren 1996, 1999 und 2000 Erkenntnisse entnommen, die in der Zusammenfassung eine Perspektive für die Schule eröffnet. Ein kurzer Überblick beschreibt den aktuellen Stand der Studien zu Mediationsprojekten an Schulen. In der Literatur wird Schulmediation als erfolgreiche Konfliktlösung in der Schule kommuniziert, wie sieht das aber in der Praxis aus? Die Auswertung der jüngsten diesbezüglichen bundesweiten Studie von Behn und Anderen aus dem Jahr 2006 soll diese Frage beantworten helfen. Dem folgt die Vorstellung der Peer-Mediation, eines Mediationsverfahrens, welches sich bei den Untersuchungen als effektiv herauskristallisiert hat. Am Ende dieser Arbeit werden die wichtigsten Chancen und Grenzen der Mediation an Schulen zusammenfassend dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 SCHULE ALS ORT VON KONFLIKTEN
2.1 Schule als Institution
2.1.1 Schule als Teil des Rechtsstaates
2.2 Schule als Organisation
2.3 Akteure in der Schule
2.3.1 Schüler
2.3.2 Lehrer
2.4 Die Grundschule
2.5 Zusammenfassung
3 KONFLIKTE
3.1 Der Begriff Konflikt
3.2 Analyse von Konflikten
3.2.1 Konfliktarten
3.2.2 Konfliktrahmen
3.2.3 Konfliktverlauf - Eskalationsstufen
3.3 Konflikte in der Schule
3.4 Umgang mit Konflikten
3.4.1 Präventive Interventionen
3.4.2 Kurative Interventionen
3.4.3 Verhandeln in Konflikten – das Harvard Konzept
3.4.4 Umgang mit Konflikten in der Schule
4 MEDIATION - IN KONFLIKTEN VERMITTELN
4.1 Definition und Merkmale
4.2 Grundsätze der Mediation
4.3 Mediationsverlauf
4.3.1 Vorphase
4.3.2 Das Mediationsgespräch
4.3.3 Nachgespräch
4.4 Grundlegende Methoden der Mediation
4.5 Peer-Mediation
5 MEDIATION IN DER SCHULE
5.1 Ziele der Schulmediation
5.1.1 Mediation bei konkreten Konfliktsituationen
5.1.2 Mediation als Gesamtkonzept konstruktiver Konfliktbearbeitung
5.2 Schulmediation zwischen Pädagogik und Recht – ein Forschungsprojekt
5.2.1 Schulmediation als eine Alternative zu den bestehenden Schulordnungssanktionen?
5.2.2 Die Praxis der Schulmediation
5.2.3 Gesamtergebnis des Forschungsprojektes
5.3 Mediatorenauswahl
5.3.1 Auswahl der Mediatoren unter Schülern
5.3.2 Lehrkräfte als Mediatoren
5.4 Schulmediation in der Praxis
5.4.1 Überblick wissenschaftlicher Untersuchungen zur Schulmediation
5.4.2 Ist jeder Konflikt für Schulmediation geeignet?
5.4.3 Erfahrungen mit Lehrer-Mediationstraining
5.5 Das Streit-Schlichter-Programm – eine Möglichkeit in der Grundschule?
5.5.1 Das Konzept
5.5.2 Kooperatives Konfliktlösungstraining
5.5.3 Schüler-Streit-Schlichter- Ausbildung
5.5.4 Der Schlichtungsverlauf
5.5.5 Zusammenfassung
5.6 Chancen und Grenzen der Schulmediation
6 SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Anwendbarkeit von Mediation als Modell zur konstruktiven Konfliktlösung in der Grundschule, unter besonderer Berücksichtigung der Chancen und Grenzen in diesem spezifischen Lern- und Lebensumfeld. Die zentrale Forschungsfrage lautet, ob und inwieweit Schulmediation dazu beitragen kann, Konflikte in der Grundschule konstruktiv zu lösen, wobei die These vertreten wird, dass Mediation in bestimmten, klar definierten Fällen eine wirksame Unterstützung bietet.
- Grundlagen von Schule als Ort von Konflikten und Akteurskonstellationen
- Konfliktanalyse und Eskalationsmodelle im schulischen Kontext
- Vermittlungstechniken nach dem Harvard-Konzept und deren Anwendung
- Einsatzmöglichkeiten der Peer-Mediation und des Streit-Schlichter-Programms
- Abwägung von Mediation gegenüber traditionellen schulrechtlichen Sanktionen
Auszug aus dem Buch
3.1 Der Begriff Konflikt
Der Begriff Konflikt kommt aus dem Lateinischen und wird übersetzt mit Unstimmigkeit, Zusammenstoß und Kampf. Dieser Kampf tritt in zwischenmenschlichen Beziehungen auf, wenn zwischen mindestens zwei Personen eine Unvereinbarkeit von Zielen, Werten, Normen, Wünsche, Interessen, Erwartungen, Hoffnungen und Verhaltensweisen besteht. Nach Christoph Besemer sind Konflikte nicht unbedingt destruktiv oder bedrohlich, sondern viel mehr ein Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt und dass sich etwas verändern muss. Ein Konflikt bietet die Chance für Entwicklung und kann die gegenseitige Beziehung verbessern. Die Wahrnehmung und die Bearbeitung eines Konfliktes spielt eine entscheidende Rolle. Im System Schule wird der Konflikt meistens als unproduktiv für das Lehren und Lernen angesehen, sodass er zu vermeiden gilt. Damit werden die Lernchancen der Konfliktbearbeitung ungenutzt außer Acht gelassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Konflikte im Schulalltag und Darlegung der Fragestellung zur Wirksamkeit von Mediation in der Grundschule.
2 SCHULE ALS ORT VON KONFLIKTEN: Analyse schulischer Rahmenbedingungen, der institutionellen Struktur sowie der Rollen von Schülern und Lehrern als Grundlage für das Konfliktpotenzial.
3 KONFLIKTE: Theoretische Fundierung des Konfliktbegriffs, Analyse von Konfliktarten und Eskalationsstufen sowie Methoden des Umgangs mit Konflikten, inklusive des Harvard-Konzepts.
4 MEDIATION - IN KONFLIKTEN VERMITTELN: Definition der Mediation, Erläuterung der Grundsätze, des Ablaufs und methodischer Ansätze sowie die Vorstellung der Peer-Mediation.
5 MEDIATION IN DER SCHULE: Darstellung der Ziele und praktischen Anwendung von Schulmediation, Einordnung in pädagogische und rechtliche Kontexte sowie Bewertung der Chancen und Grenzen anhand von Forschungsprojekten.
6 SCHLUSSBETRACHTUNG: Zusammenfassendes Resümee der Ergebnisse und Diskussion der These zur Anwendbarkeit von Mediation in der Grundschule.
Schlüsselwörter
Mediation, Schulmediation, Grundschule, Konfliktlösung, Gewaltprävention, Peer-Mediation, Streit-Schlichter-Programm, Konfliktanalyse, Harvard-Konzept, Erziehung, Schulleben, Sozialkompetenz, Konfliktmanagement, Schulklima, Sanktionen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit dem Einsatz von Mediation als Modell zur konstruktiven Konfliktlösung im Setting der Grundschule.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Analyse schulischer Konfliktpotenziale, die Darstellung von Mediationsmethoden (insbesondere Peer-Mediation und Streit-Schlichter-Programme) sowie der Vergleich dieser Ansätze mit traditionellen schulrechtlichen Ordnungsmaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, ob und inwieweit Schulmediation in der Grundschule dazu beitragen kann, Konflikte konstruktiv zu lösen, wobei eine differenzierte Anwendung je nach Konfliktart befürwortet wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine theoretische Auseinandersetzung basierend auf fachwissenschaftlicher Literatur zu Konfliktmanagement und Mediation, ergänzt durch die Auswertung existierender Forschungsprojekte und Studien zur Praxis der Schulmediation.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Schule als Konfliktort, die theoretische Analyse von Konflikten, die Grundlagen und Methoden der Mediation sowie deren spezifische Umsetzung und Evaluation an Schulen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Schulmediation, Konfliktlösung, Gewaltprävention, Grundschule, Peer-Mediation und Interessenausgleich charakterisieren.
Was unterscheidet das Streit-Schlichter-Programm von anderen Ansätzen?
Es ist speziell auf die Grundschulstufe (5. bis 7. Klasse) angepasst und verbindet ein kooperatives Konflikttraining für die ganze Klasse mit einer gezielten Ausbildung ausgewählter Schüler zu Mediatoren.
Welche Rolle spielt die Schulleitung bei der Implementierung von Mediation?
Die Schulleitung nimmt eine Schlüsselrolle ein; erfolgreiche Mediationsprojekte benötigen Schulleitungen, die als Moderatoren und Koordinatoren den gesamten Einführungsprozess aktiv steuern und das Kollegium einbinden.
Warum ist die Unterscheidung zwischen "heißen" und "kalten" Konflikten wichtig?
Diese Unterscheidung ist für die Wahl der Interventionsmethode entscheidend, da das soziale Klima und die Kooperationsbereitschaft der Parteien bei "heißen" und "kalten" Konflikten grundlegend unterschiedlich sind.
- Citar trabajo
- Frank Clemenz (Autor), 2009, Mediation als Konfliktlösungsmodell in der Grundschule, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137476