Diese Arbeit thematisiert das Verbalisieren (können) orthographischen Wissens. Es handelt sich hierbei um eine empirische Arbeit, bei der mit mehreren Proband*innen Rechtschreibinterviews geführt und mittels der qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet wurden. Es wird die Frage untersucht, inwiefern die Bereiche des orthographischen Wissens (problemlösend, metakognitiv, deklarativ, prozedural) sich hierbei unterscheiden. Klassische Rechtschreibphänomene wie die Doppelkonsonantenbuchstabenschreibung, das Dehnungs-h, die Auslautverhärtung kamen dabei zur Anwendung.
Die Gestaltung des Orthographieunterrichts ist ein nicht zu vernachlässigender Aspekt. In der Deutschdidaktik wird die Methode Rechtschreibgespräche als erfolgversprechend gehandelt, um die orthographische Kompetenz von Schüler*innen zu fördern, da u.a. das Verbalisieren eigener Wissensbestände zum nachhaltigen Abspeichern dieser führe. Dabei kann das Versprachlichen orthographischen Wissens jedoch nicht ohne Weiteres vorausgesetzt werden.
Rechtschreibgespräche müssen in der Praxis sorgfältig vorbereitet und schrittweise in der Klasse etabliert werden. Dementsprechend muss eine Lehrkraft Rechtschreibstrategien und -regeln kennen, anwenden und vermitteln können und – im Sinne des Vormachens – die Kompetenz besitzen, über orthographische Probleme sprechen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Orthographie als System
2.1 Phonematisches Prinzip
2.2 Syllabisches Prinzip
2.3 Morphematisches Prinzip
3. Orthographische Phänomene und Strategien
3.1 Dehnungs-h
3.2 Auslautverhärtung
3.3 Konsonantengemination
3.4 Stammschreibung
3.5 Strategien
4. Wissen und Können im Bereich der Orthographie
4.1 Deklaratives Wissen
4.2 Prozedurales Wissen
4.3 Problemlösungswissen
4.4 Metakognitives Wissen
4.5 Zwischenresümee
5. Wissen verbalisieren (können) – explizites vs. implizites Wissen
6. Orthographisches Wissen und Können von (angehenden) Deutschlehrkräften und Sechstklässler*innen
6.1 Was müssen (angehende) Deutschlehrkräfte können und wissen?
6.2 Was müssen Schüler*innen der sechsten Klasse können und wissen?
7. Forschungsdesign
7.1 Fragestellung und Ziele
7.2 Stichprobenbeschreibung
7.3 Datenerhebung
7.3.1 Methodisches Vorgehen
7.3.2 Ablauf
7.4 Analyse des Erhebungsmaterials
7.5 Methodisches Vorgehen bei der Datenauswertung
8. Ergebnisse
8.1 Entwicklung des Kategoriensystems
8.2 Darstellung des Kategoriensystems
8.3 Ergebnisdarstellung
8.3.1 Carla: „
und kann man leicht verwechseln [...] hört sich gleich an aber ist halt_n unterschied“
8.3.2 Carla im Vergleich zur Gruppe der Schüler*innen
8.3.3 Jana: „ich glaub das nennt man auslautverhärtung“
8.3.4 Jana im Vergleich zur Gruppe der Studierenden
9. Zusammenfassung und Diskussion
9.1 Zusammenfassender Vergleich der beiden Proband*innengruppen
9.2 Einordnung der Ergebnisse in den Forschungsstand
9.3 Zusammenhang zwischen explizitem und implizitem orthographischem Wissen
9.4 Reflexion
9.5 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verbalisierungsvermögen von orthographischem Wissen bei Lehramtsstudierenden des Fachs Deutsch im Vergleich zu Schüler*innen der sechsten Klasse. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie explizites und implizites orthographisches Wissen in Fachgesprächen realisiert wird und welche Kompetenzen dies im Bereich der Rechtschreibberatung erfordert.
- Phonologische und morphologische Grundlagen der deutschen Orthographie
- Die Differenzierung zwischen deklarativem, prozeduralem und metakognitivem Wissen
- Qualitative Analyse von Verbalprotokollen zur Fehleridentifikation und -korrektur
- Vergleich der orthographischen Kompetenzprofile von Novizen (Schülern) und Experten (Studierenden)
- Anforderungen an die Diagnose- und Beratungskompetenz angehender Lehrkräfte
Auszug aus dem Buch
2. Orthographie als System
Grundlegend sei die deutsche Orthographie systematisch erklärbar. Allerdings sei sie aufgrund ihrer Eigenschaft als „historisch gewachsene[s] Gebilde“ als „System mit Idiosynkrasien (Ausnahmen)“ zu verstehen. Es gebe somit einen Teil, der systematisch aufgebaut ist und Regelmäßigkeiten aufweist, die erklärbar sind und einen idiosynkratischen Teil, der sich nicht diesen Regelmäßigkeiten zuordnen lässt. Daraus folge allerdings nicht, dass idiosynkratische Schreibungen nicht erklärbar sind. Auch die Begriffe Kernbereich und Peripherie werden in diesem Zusammenhang genutzt: Demnach sei der Kernbereich die Basis, also den phonographisch-silbischen und morphologischen Regularitäten entsprechend, durch welchen man „Einsichten in die Systematik der Wortschreibung im Deutschen“ erhalte. Der idiosynkratische Teil wird dabei als Peripheriebereich bezeichnet und enthält nicht reguläre Schreibungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet die Relevanz der Rechtschreibkompetenz und die Notwendigkeit, orthographisches Wissen verbalisieren zu können, um Schüler*innen beim Erwerb der Schriftsprache angemessen unterstützen zu können.
2. Orthographie als System: Dieses Kapitel erläutert die phonematischen, syllabischen und morphematischen Grundprinzipien der deutschen Orthographie als Basis für ein systematisches Verständnis von Rechtschreibung.
3. Orthographische Phänomene und Strategien: Hier werden spezifische Bereiche der Rechtschreibung wie das Dehnungs-h oder die Auslautverhärtung dargestellt und die entsprechenden orthographiebezogenen Strategien für den Unterricht beschrieben.
4. Wissen und Können im Bereich der Orthographie: Das Kapitel definiert verschiedene Wissensformen – explizites (deklaratives), prozedurales, sowie metakognitives Wissen – und deren Bedeutung für die Rechtschreibsicherheit.
5. Wissen verbalisieren (können) – explizites vs. implizites Wissen: Hier steht die Herausforderung im Mittelpunkt, unbewusst vorhandenes Können in explizites Wissen zu überführen und sprachlich darzustellen.
6. Orthographisches Wissen und Können von (angehenden) Deutschlehrkräften und Sechstklässler*innen: Die Anforderungen an das Wissen von Lehrkräften werden den Lernvoraussetzungen von Sechstklässlern gegenübergestellt.
7. Forschungsdesign: Dieses Kapitel legt die methodische Vorgehensweise der qualitativen Untersuchung dar, inklusive der Erhebung mittels Verbalprotokollen (Lautes Denken) bei Studierenden und Schüler*innen.
8. Ergebnisse: Die Forschungsdaten werden ausgewertet, indem Fehleridentifikations-, Fehlerkorrektur- und Begründungsprozesse anhand eines Kategoriensystems analysiert werden.
9. Zusammenfassung und Diskussion: Die Ergebnisse werden im Vergleich der beiden Gruppen zusammengeführt und im Hinblick auf den Forschungsstand sowie für die didaktische Praxis reflektiert.
Schlüsselwörter
Deutsche Orthographie, Rechtschreibstrategien, Verbalisierung, prozedurales Wissen, explizites Wissen, Metakognition, Lehrerprofessionalität, Fehleranalyse, Auslautverhärtung, Dehnungs-h, Morphemkonstanz, Graphem-Phonem-Korrespondenz, Schreibdidaktik, Qualitatives Interview, Rechtschreibberatung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das übergeordnete Thema der Arbeit?
Der Fokus liegt auf der Untersuchung, wie orthographisches Wissen von angehenden Lehrkräften und Schüler*innen verarbeitet, reflektiert und verbal geäußert werden kann, um Fehler in der Rechtschreibung zu erklären.
Welche Wissensarten stehen laut der Arbeit im Zentrum?
Die Arbeit differenziert zwischen deklarativem Wissen (Regelwissen), prozeduralem Wissen (automatisierte Rechtschreibprozesse), Problemlösungswissen und metakognitivem Wissen (Wissen über das eigene Wissen).
Wie wird das Forschungsziel präzisiert?
Das primäre Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der tatsächlichen Rechtschreibkompetenz und der Fähigkeit, diese Kompetenz für didaktische Zwecke explizit zu machen, bei verschiedenen Probandengruppen zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es wurde eine qualitative empirische Untersuchung gewählt: Als Erhebungsmethode dienten leitfadengestützte Interviews mit der Technik des lauten Denkens (Verbalprotokolle).
Welcher Bereich macht den Hauptteil der inhaltlichen Untersuchung aus?
Der Hauptteil befasst sich mit der Analyse der Verbalprotokolle, bei denen die Teilnehmenden zu zwölf gezielt ausgewählten Fehlerwörtern aus einem Kurztext explizite Korrekturerklärungen abgeben mussten.
Welche zentralen Schlüsselwörter kennzeichnen die Arbeit?
Kritische Begriffe sind unter anderem Orthographie als System, prozedurales/explizites Wissen sowie didaktische Vermittlungskompetenz.
Wie unterscheiden sich Experten (Studierende) von Novizen (Schüler) in der Fehlerbegründung?
Die Studierenden zeigen einen bewussteren Umgang mit Fachtermini und können komplexere orthographische Strategien verbalisieren, während Schüler oft eher intuitiv oder auf Basis von Auslaut- und Silbenproben argumentieren.
Welche Herausforderung stellte sich bei der Verbalisierung besonders dar?
Viele Teilnehmer (auch Studierende) hatten Schwierigkeiten, ihr implizites Rechtschreibkönnen in fachsprachlich korrekte und didaktisch sinnvolle Erklärungen zu übersetzen, was auf eine Defizienz im expliziten deklarativen Fachwissen hinweist.
Welche Rolle spielt die Strategie des "Lautes Denken" für die Ergebnisse?
Die Methode des lauten Denkens erwies sich teils als fordernd, ermöglichte aber Einblicke in metakognitive Steuerungsprozesse bei der Korrektur fehlerhafter Wörter, die bei einer bloßen Auswertung von Endprodukten verborgen geblieben wären.
Was ergibt sich aus der Reflexion für die Lehrerbildung?
Die Arbeit schlussfolgert, dass die reine linguistische Fachkenntnis nicht ausreicht; angehende Lehrkräfte müssen gezielt darin geschult werden, ihre impliziten Prozesse zu explizieren, um in der späteren Schulpraxis kompetente Rechtschreibberatung leisten zu können.
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- Anonym (Autor), 2021, Orthographisches Wissen verbalisieren. Die Bearbeitung von Fehlern im Text zwischen Schüler*innen und Lehramtsstudierenden, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1377079