Luther stand den Passionsspielen kritisch gegenüber, denn die Passion sei für Christus kein Spiel gewesen, sondern Ernst. So qualifiziert er auch die Sonntagsprozession als Schauspiel, was für Luther eine negative Konnotation bezeichnet. Luther kann allerdings beschränkt auf die religiöse Erziehung der Kinder solche "Spiele" in der Praxis zulassen, wenn sie nicht als ernsthaft oder gar heilsnotwendig erachtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Luther und das geistliche Drama
1.1 Judith und Tobias
2. Das protestantische Drama
3. Die Lutherdramen
4. Martin Rinckhart: „Der eislebische christliche Ritter“ (1613)
4.1 Inhalt
4.2 Textstellen
5. Johann Stricker: „De Dudesche Schlömer“
5.1 Leben
5.2 Das Werk
5.3 Das Buch „Der Düdesche Schlömer“
5.4 Textstellen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung und Funktion des protestantischen Dramas in der Reformationszeit und dem darauffolgenden Zeitalter. Im Zentrum steht die Frage, wie religiöse Inhalte durch das Medium Theater zur Glaubensstärkung, katechetischen Belehrung und Identitätsbildung eingesetzt wurden, wobei Martin Rinckharts „Der eislebische christliche Ritter“ und Johann Strickers „De Dudesche Schlömer“ als zentrale Fallbeispiele analysiert werden.
- Rolle des Theaters als ergänzendes Medium zur Predigt in der Reformation.
- Pädagogische Konzepte des Lernens durch Spiel und bildliche Vorstellungen.
- Funktion lutherischer Dramen zur Abgrenzung und Identitätsstiftung.
- Analyse des Einflusses von Luthers Lehren auf die dramatische Literatur.
- Untersuchung der formalen Gestaltung und allegorischen Symbolik in den untersuchten Dramen.
Auszug aus dem Buch
Das protestantische Drama
In der Berufung auf Jesu Lehren in Gleichnissen zur Begründung der dramatischen Literatur auf dem Felde der religiösen Bildung ist Luther traditionsbildend geworden. Luther steht der Aufführung eines Passionsspiels oder der Auferstehung ablehnend gegenüber, denn das versteht Luther unter sacramentum und ist kein exemplum – also ein Beispiel für richtiges Verhalten. Für Luther ist ein sacramentum etwas, was von Seiten Gottes zum Heil des Menschen geschieht, ein exemplum ist ein gutes Beispiel, dem man folgen soll.
Für Luther ist die Ständekatechese von zentraler Bedeutung für die Theaterpraxis, andererseits geht das geistliche Drama aber nicht in der Ständekatechese auf, denn es geht – wie schon in der Vorrede zu Judith gesagt – um die Stärkung des Gottvertrauens. Eine Aufführung hat damit die gleiche Funktion wie eine Predigt. „Das geistliche bzw. biblische Drama dient der Glaubensstärkung und soll die innere Beteiligung am dargestellten Inhalt befördern.“2
Zusammenfassung der Kapitel
Luther und das geistliche Drama: Skizziert Luthers ambivalente Haltung gegenüber dem Schauspiel und seine Befürwortung biblischer Dramen zur pädagogischen Unterstützung des Glaubens.
Das protestantische Drama: Erläutert die theoretische Begründung der dramatischen Literatur im Protestantismus, wobei der Fokus auf katechetischen Zielsetzungen und Abgrenzung zu sakramentalen Darstellungen liegt.
Die Lutherdramen: Untersucht die Rolle der Dramatik bei der Identitätsbildung und Gedenkfeiern, wie etwa dem hundertjährigen Jubiläum von 1617.
Martin Rinckhart: „Der eislebische christliche Ritter“ (1613): Analysiert die Struktur, die allegorische Gestaltung und die inhaltliche Mission dieses Lutherdramas.
Johann Stricker: „De Dudesche Schlömer“: Beschreibt das Leben des Autors, die wesentlichen Merkmale des Werkes und die didaktische Absicht des geistlichen Spiels zur Bußvorbereitung.
Schlüsselwörter
Protestantisches Drama, Martin Luther, Martin Rinckhart, Johann Stricker, Ständekatechese, Reformationszeit, geistliches Spiel, Schuldrama, Schuld und Buße, Glaubensstärkung, Allegorie, Theaterpraxis, Didaktik, Konfessionelle Identität, Biblisches Drama.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie das Protestantische Drama der Reformationszeit als pädagogisches und erbauliches Medium genutzt wurde, um religiöse Kernwahrheiten zu vermitteln und den Glauben zu stärken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören das Verhältnis Luthers zum Theater, die Funktion des Dramas als ergänzendes Medium zur Predigt sowie die Verwendung von Drama zur Konfessionsbildung und moralischen Unterweisung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die didaktische und pastorale Funktion des geistlichen Theaters in der Reformationszeit aufzuzeigen und zu analysieren, wie zentrale Akteure wie Martin Rinckhart und Johann Stricker biblische und moralische Themen dramatisch umgesetzt haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine textanalytische Untersuchung historischer Dramen unter Einbeziehung theologischer und theatergeschichtlicher Kontexte, ergänzt durch die Auswertung zeitgenössischer Vorreden und Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur lutherischen Sicht auf das Drama sowie in vertiefende Analysen der Dramen „Der eislebische christliche Ritter“ und „De Dudesche Schlömer“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind protestantisches Drama, Glaubensstärkung, Allegorie, Ständekatechese, Katechese und Reformationsschauspiel.
Welche Bedeutung kommt der Figur des ‚Ritters‘ in Rinckharts Drama zu?
Die Figur des Ritters dient als Symbol für Martin Luthers Standhaftigkeit, Treue und Bescheidenheit, wobei er als heroischer Vertreter des rechten Glaubens gezeichnet wird.
Wie unterscheidet sich Strickers ‚Schlömer‘ in seiner pädagogischen Intention?
Im Gegensatz zu den eher historischen und heldenhaften Zügen der Lutherdramen konzentriert sich Stricker in ‚De Dudesche Schlömer‘ auf die Läuterung eines einzelnen Sünders durch die Konfrontation mit dem Tod und göttlicher Gerechtigkeit.
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- Dietmar Schneidergruber (Autor:in), 2022, Protestantisches Drama. Luther zum Drama und Spielen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1377747