Die vorliegende Proseminararbeit befasst sich mit der Frage, inwiefern Galen Strawsons episodischer Zugang mit Marya Schechtmans Zugang der narrativen Selbstkonstitution vereinbar ist. Dazu werden am Beginn der Arbeit die unterschiedlichen Zugänge dieser beiden AutorInnen genauer dargestellt. Im Anschluss daran wird aufgezeigt, wie Episodizität und Narrativität unter einen Hut gebracht werden können.
Beschäftigt man sich mit der Frage nach personaler Identität, gibt es unterschiedliche Meinungen und Zugänge , die ins Auge gefasst werden können. Die vorliegende Proseminararbeit befasst sich mit zwei, auf den ersten Blick sehr unterschiedlichen Zugängen: dem episodischen Zugang von Galen Strawson und Marya Schechtmans "narrative self-constitution view". Diese werden im Folgenden näher erläutert, um im Anschluss die Frage, inwiefern Galen Strawsons episodischer Zugang mit Marya Schechtmans Zugang der narrativen Selbstkonstitution vereinbar ist, zu beantworten. Zu Beginn wird daher auf Galen Strawsons episodischen Zugang eingegangen, der in Abgrenzung zur diachronisch konnotierten Narrativität näher erläutert wird. Hierbei wird zudem auf die unterschiedlichen Formen der Selbstwahrnehmung verwiesen. Zum anderen wird Marya Schechtmans "narrative self-constitution view" in groben Zügen dargestellt und auf die Realitäts- und Artikulationseinschränkung sowie die vier Eigenschaften der Personalität und ihren Personenbegriff eingegangen. Im abschließenden Kapitel der Arbeit wird die Forschungsfrage zu beantworten versucht und gezeigt, dass Schechtmans und Strawsons Argumentation teilweise miteinander vereinbar sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Abstract
2. Einleitung
3. Galen Strawsons episodischer Zugang
3.1 Episodische Selbst-Erfahrung vs. Diachrone Selbst-Erfahrung
4. Marya Schechtmans „narrative self-constitution-view”
4.1 Vier Eigenschaften von Personalität
4.2 Personenbegriff
5. Vereinbarkeit von Episodizität (Strawson) und Narrativität (Schechtman)
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Vereinbarkeit zweier konträrer Ansätze der personalen Identität: Galen Strawsons episodischen Zugang und Marya Schechtmans narrative Selbstkonstitution, um zu klären, inwieweit das Erleben des Lebens als Geschichte mit einer episodischen Selbstwahrnehmung korreliert werden kann.
- Gegenüberstellung von episodischer und diachroner Selbstwahrnehmung
- Analyse der narrativen Selbstkonstitutionsansicht nach Schechtman
- Diskussion der zentralen Merkmale von Personalität
- Kritische Reflexion der moralischen Bewertung unterschiedlicher Identitätskonzepte
- Synthese der theoretischen Positionen zur Frage der Kompatibilität
Auszug aus dem Buch
3. Galen Strawsons episodischer Zugang
Ein episodisches Leben ist „ein wahrhaft unbekümmertes Leben, das die Dinge auf sich zukommen lässt“ (Strawson 2005, S. 20) und somit zu den „besten [gehört], die wir kennen, [da] es lebendig, gesegnet [und] tief [ist].“ (Strawson 2005, S. 20)
Strawson führt in seinem Aufsatz „Gegen die Narrativität“ den Begriff der episodischen Selbst-Erfahrung ein, mit welchem er gegen Marya Schechtmans Ansicht, dass das Leben narrativ strukturiert ist, argumentiert. Um aufzuzeigen, was die Gründe für Strawsons Annahme sind, wird im Folgenden erläutert, welche zwei verschiedenen Thesen der Narrativität es laut ihm gibt beziehungsweise weshalb er sie als falsch ansieht: Zum einen gibt es die ethische Narrativitätsthese, auch als normative These zu verstehen. Nach dieser soll ein Mensch sein Leben im Sinne einer Geschichte oder einer Erzählung erleben. Zum anderen gibt es die psychologische Narrativitätsthese, auch als deskriptive These zu bezeichnen, nach der ein Mensch sein Leben als eine Geschichte oder Erzählung erfährt. Strawson verwirft beide dieser zwei Narrativitätstheorien. (Vgl. Strawson 2005, S. 3f.) Sein Argument gegen diese beiden Theorien ist, dass beide falsch sind und die erste dazu noch gefährlich und schädlich ist, da sie alle anderen Lebensformen nicht akzeptiert beziehungsweise abwertet. Wichtig für das Argument gegen letztere ist dabei die Unterscheidung zwischen „derjenigen Erfahrung seiner selbst, in der man sich prinzipiell als ganzen Menschen betrachtet, und derjenigen Erfahrung seiner selbst, in der man sich prinzipiell als eine innere geistige Entität oder als „Selbst“ irgendeiner Art betrachtet“, auch als die eigene Selbst-Erfahrung zu verstehen. (Vgl. Strawson 2005, S. 4) Bei ersteren Erfahrung führt Strawson sich selbst als Beispiel an und erklärt, dass er sich selbst als Mensch „Galen Strawson“ wahrnimmt, da er sich dessen bewusst ist, dass er eine Vergangenheit und Zukunft besitzt. Dennoch empfindet er sein Leben aber nicht als Erzählung mit einer bestimmten oder ohne eine bestimmte Form, da er kein Interesse an Vergangenem oder Zukünftigem hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Abstract: Kurze Darlegung des Ziels der Proseminararbeit, die zwei gegensätzliche theoretische Zugänge zur personalen Identität vergleicht.
2. Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage und der methodischen Herangehensweise zur Untersuchung der Vereinbarkeit von Strawsons und Schechtmans Theorien.
3. Galen Strawsons episodischer Zugang: Diskussion des episodischen Lebensentwurfs und Kritik an narrativen Identitätstheorien anhand der Unterscheidung zwischen diachroner und episodischer Selbst-Erfahrung.
3.1 Episodische Selbst-Erfahrung vs. Diachrone Selbst-Erfahrung: Detaillierter Vergleich der beiden Selbstwahrnehmungsformen und deren Auswirkung auf das Verständnis von Zeit und Verantwortung.
4. Marya Schechtmans „narrative self-constitution-view”: Erläuterung der narrativen Sichtweise, bei der das Selbst durch die aktive Entwicklung einer Lebenserzählung konstituiert wird.
4.1 Vier Eigenschaften von Personalität: Auflistung der zentralen psychologischen Merkmale, die laut Schechtman für die Identität einer Person maßgeblich sind.
4.2 Personenbegriff: Differenzierung zwischen dem Konzept des Selbst und einer sozialen Auffassung von Person, die auf der Fähigkeit zur Interaktion und langfristigen Selbstwahrnehmung basiert.
5. Vereinbarkeit von Episodizität (Strawson) und Narrativität (Schechtman): Abschließende Synthese, die aufzeigt, dass trotz grundlegender Differenzen in der Bewertung die Positionen in ihrer Spezifizierung teilweise miteinander vereinbar sind.
Schlüsselwörter
Personale Identität, Galen Strawson, Marya Schechtman, Narrativität, Episodizität, Selbstwahrnehmung, narrative Selbstkonstitution, diachrone Identität, Lebensgeschichte, moralische Verantwortung, Selbst, Person, Episodiker, Diachroniker, Identitätskonstruktion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage nach der personalen Identität und vergleicht dazu zwei gegensätzliche theoretische Positionen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die episodische Selbstwahrnehmung nach Galen Strawson und die narrative Selbstkonstitution nach Marya Schechtman.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu untersuchen, inwiefern Strawsons episodischer Zugang und Schechtmans narrative Konzeption miteinander vereinbar sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literaturanalyse, die die Argumente zweier philosophischer Ansätze gegenüberstellt und kritisch hinterfragt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die beiden Theorien detailliert erläutert, Selbstwahrnehmungsformen unterschieden und abschließend die philosophische Debatte über deren Kompatibilität geführt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Personale Identität, Narrativität, Episodizität, psychologische Identitätstheorie und Selbstkonstitution sind die zentralen Begriffe.
Was unterscheidet den Episodiker vom Diachroniker nach Strawson?
Der Episodiker nimmt sich als Selbst ohne explizite Vergangenheit und Zukunft wahr, während der Diachroniker sich als ein über lange Zeit andauerndes Selbst konstituiert.
Warum hält Schechtman ihre narrative Sichtweise für überlegen gegenüber anderen psychologischen Ansätzen?
Sie argumentiert, dass die narrative Komponente notwendig ist, um zentrale Eigenschaften von Personalität wie moralische Verantwortung und vernünftige Sorge konsistent zu begründen.
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- Anonym (Autor), 2020, Die Frage nach personaler Identität. Ein Vergleich zwischen Galen Strawson und Marya Schechtman, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1382864