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"wilde rede" beim wilden Alexander

Title: "wilde rede" beim wilden Alexander

Term Paper , 2008 , 13 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Romy Knobel (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Wilde, wilt adj.: nicht von Menschen gepflegt und veredelt, wüst, ungezähmt, irre, unwahr, sinnlos, fremd, unheimlich Dies sind einige Bedeutungsvarianten des mittelhochdeutschen Wörterbuches für wilde. Die inhaltliche Vielfalt der Übersetzungsmöglichkeiten macht es sehr schwer dieses Wort zu fassen. Wie also ist die Platzierung von wilde im Namen eines Schriftstellers zu bewerten? Die Rede ist vom Wilden Alexander. Dieser heißt nicht nur wild, sondern artikuliert sich in seinen Texten auch mit Hilfe von wilder rede. Der Aufsatz „Wie dunkel ist wilde rede?“ von Sabine Schmolinsky beschäftigt sich damit, was genau sich hinter dieser Begrifflichkeit verbergen könnte. Sie meint, dass wilde rede „deutungsbedürftige Rede“ bzw. „allegorisches Sprechen“ mit „geistliche[r] Konnotation[…]“ umschreibt. Allerdings liegt dabei das Hauptaugenmerk ihrer Untersuchung auf nur einem Text Alexanders, „des richen küniges kint“(S.7; V.1), in dem wortwörtlich die Formulierung „wilde[…] rede“ vom Autor verwendet wird. Die Frage die sich zwangsläufig stellt, ist ob dieses Prinzip der Textgestaltung auch auf andere Texte anwendbar ist. Sabine Schmolinsky spricht sich eher dagegen aus. „Wieweit Alexander seinen Begriff der wilden rede auf seine anderen Spruchstrophen hätte ausgedehnt wissen wollen, lässt sich nicht ermessen.“ Vielleicht könnte man aber doch Belege finden, die den vorgestellten Ansatz der wilden rede auch in anderen Texten nachweisen. Der Suche nach solchen Parallelen will diese Hausarbeit sich zuwenden. Dazu erfolgt zuerst der Versuch am Königskindertext zu untersuchen, inwieweit das Adjektiv „deutungsbedürftig“ zutrifft und wie stark der biblische Einfluss tatsächlich ausgeprägt ist. Danach wird die Untersuchung auf weitere Texte ausgedehnt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Deutungsbedürftige Rede

2.1 Des richen küniges kint

3. Weitere Textbelege

3.1 Der trügehaft Antikrist

3.2 Kindheitslied

4. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der sogenannten "wilden rede" im Werk des mittelalterlichen Sangspruchdichters "Der Wilde Alexander", um zu klären, ob es sich dabei um eine allgemeine poetische Strategie oder eine Einzelerscheinung handelt. Dabei wird insbesondere geprüft, inwieweit allegorische Verfahren und biblische Motive als Grundlage für eine gezielte didaktische Belehrung des Publikums dienen.

  • Analyse des Begriffs "wilde rede" im Kontext des Autornamens und der Textgestaltung.
  • Untersuchung von Allegorien und biblischen Gleichnisstrukturen in ausgewählten Werken.
  • Herausarbeitung der moraldidaktischen Absicht hinter den "dunklen" und "deutungsbedürftigen" Texten.
  • Vergleich der Motivik zwischen verschiedenen Sangsprüchen des Autors.
  • Deutung der atmosphärischen Komponente („unheimlich“, „wirr“) als Mittel der Wissensvermittlung.

Auszug aus dem Buch

2.1 Des richen küniges kint

Dieser, nur in J überlieferte, Text beginnt nach dem einleitenden Imperativ „Seht“(1) mit einer Erzählung von zwei Prinzessinnen, die ihr behütetes Schloss „den küniclichen sal“(7) und ein, für sie vorbereitetes, Fest bzw. Hochzeitsfest verlassen um fernab vom Elternhaus auf die schiefe Bahn zu geraten. Sie geben sich der Prostitution(Vgl.V.18) hin und verkehren mit zwielichtigen Gestalten, die „kebesen unde triegen“(11). Der Erzählstrang wird dann durch drei metaphorische Zeilen, die erklären, dass das bisher gehörte nur eine Hülle war, durchbrochen. Das eigentlich wichtige, also der „Kern“(26) der Sache, soll folgen.

Diese Metapher bezeichnet, laut Sabine Schmolinsky, zusammen mit der „schaln“(27), den „Gegensatz von außen und innen, von Wortbedeutung und verborgenem Sinn“. So stehen die zwei Akteurinnen für „ein geistlich unde ein werltlich leben“(30), das Königsschloss symbolisiert das „himelriche“(32) und das Tal, dass die beiden betreten, ist ein „sündic tal“(33). Vor uns liegt also eine klassische Belehrung nicht vom rechten Weg abzukommen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Adjektiv "wild" und setzt sich kritisch mit dem Forschungsstand zur "wilden rede" bei Alexander auseinander, wobei die Forschungsfrage nach der Anwendbarkeit dieses Prinzips auf andere Texte formuliert wird.

2. Deutungsbedürftige Rede: Dieses Kapitel analysiert das Werk "Des richen küniges kint" als Paradebeispiel für allegorisches Erzählen, bei dem eine vordergründige Handlung als Bild für eine biblisch fundierte moralische Lehre dient.

3. Weitere Textbelege: In diesem Abschnitt werden weitere Werke wie "Der trügehaft Antikrist" und das "Kindheitslied" untersucht, um zu belegen, dass die komplexe, deutungsbedürftige Bildsprache ein systematisches Merkmal von Alexanders Schaffen darstellt.

4. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert, dass die "wilde rede" kein zufälliges Merkmal ist, sondern eine bewusste literarische Chiffrierung, die durch eine dunkle, unheimliche Atmosphäre die didaktische Wirkung auf das Publikum verstärkt.

Schlüsselwörter

Wilde Alexander, wilde rede, Sangspruchdichtung, Mittelalter, Allegorie, Deutungsbedürftigkeit, Biblische Motive, Didaktik, Moral, Gleichnis, Antichrist, Heilsgeschichte, Literaturwissenschaft, Interpretation, Textanalyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die poetische Technik des mittelalterlichen Dichters „Der Wilde Alexander“, speziell seinen Gebrauch der sogenannten „wilden rede“.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Untersuchung bewegt sich im Spannungsfeld zwischen literarischer Textanalyse, mittelalterlicher Sangspruchdichtung, Bibelauslegung und moraltheologischen Lehrinhalten.

Was ist die zentrale Forschungsfrage?

Es wird gefragt, ob die von der Forschung als „deutungsbedürftig“ eingestufte „wilde rede“ eine bewusste, durchgehende Strategie in Alexanders Werk ist oder nur eine isolierte Erscheinung.

Welche methodische Vorgehensweise wählt die Autorin?

Die Autorin kombiniert eine textimmanente Analyse der Sangsprüche mit dem Abgleich von biblischen Motiven (z.B. Gleichnisse, Offenbarung) und zieht dabei bestehende Forschungsliteratur heran.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse konkreter Textbeispiele, beginnend mit dem „Königskinder“-Text, über den „Antikrist“ bis hin zum „Kindheitslied“, um die Konsistenz der Bildsprache zu prüfen.

Was charakterisiert die Arbeit inhaltlich?

Sie zeichnet sich durch die detaillierte Untersuchung allegorischer Verfahren aus, die den Zuhörer bzw. Leser dazu anhalten, den hintergründigen moralischen Sinn der Erzählungen zu entschlüsseln.

Inwiefern spielt der Begriff „dunkel“ eine Rolle bei der Interpretation?

Der Begriff wird sowohl inhaltlich (unergründliche Tiefe) als auch atmosphärisch (gruselige Stimmung/Angst) gedeutet, um die Wirkung der Lehre auf das mittelalterliche Publikum zu erklären.

Warum spielt die Tierbildlichkeit im Zusammenhang mit dem Antichristen eine wichtige Rolle?

Die detaillierte Beschreibung von Tierkörperteilen dient als literarisches Mittel der „Chiffrierung“, um die Gefahr der Verführung durch das Böse bildhaft und für das zeitgenössische Publikum erkennbar zu machen.

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Details

Title
"wilde rede" beim wilden Alexander
College
http://www.uni-jena.de/  (Literaturwissenschaft)
Course
ÄDL 2
Grade
1,7
Author
Romy Knobel (Author)
Publication Year
2008
Pages
13
Catalog Number
V139337
ISBN (eBook)
9783640492688
ISBN (Book)
9783640492473
Language
German
Tags
Wilder Alexander wilde Rede wilde alexander
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Romy Knobel (Author), 2008, "wilde rede" beim wilden Alexander, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139337
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