In den letzten Jahren haben sich die weltweiten Bedingungen geändert. Durch Zusammenbruch des Ostblocks, Zusammenwachsens Europas und Globalisierung, um nur einige zu nennen, ist die Welt auf der einen Seite transparenter geworden, auf der anderen Seite aber auch komplizierter. So entscheiden Kunden oder auch Spender
heute bewusster über ihre Ausgaben. Sie informieren sich, wollen wissen was hinter den Unternehmen oder Organisationen steht. Sie überprüfen die Leistungen und bilden sich ihr eigenes Urteil. Die weltweite Vernetzung durch das Internet hilft, verwirrt aber auch die Kunden oder Spender auf der Suche nach Informationen. Diese
Arbeit greift das Thema Glaubwürdigkeit auf, warum es für Unternehmen und Organisationen heutzutage wichtig ist, glaubwürdig zu sein und wie dieses von Kunden oder Spendern aufgenommen werden kann. Glaubwürdigkeit wird immer wieder im
Zusammenhang mit Vertrauen genannt. So kaufen viele Kunden nur dort, wo sie Vertrauen zu einem Unternehmen haben oder den Produktqualitäten vertrauen. Demnach bildet Vertrauen bzgl. Glaubwürdigkeit ein Alleinstellungsmerkmal für ein Unternehmen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
1.1 Einleitung
1.2 Konzept der Arbeit
2 Nonprofit-Organisationen (NPOs)
2.1 Definition
2.2 Entstehung von NPOs
2.3 Stakeholder der NPOs
2.4 Leistungen der NPOs
2.5 Finanzierung der NPOs
2.6 Einordnung in die Institutionenökonomik
2.6.1 Principal-Agent-Theorie
2.6.2 Theorie relationeller Verträge
3 Glaubwürdigkeit
3.1 Definition
3.2 Glaubwürdigkeit nach Dixit und Nalebuff
3.2.1 Vertrauenswürdigkeit – Vertrauen
3.2.2 Kundenerwartungen
3.2.3 Faktoren zur Herstellung von Glaubwürdigkeit
3.2.4 Anwendung der Glaubwürdigkeit auf die Qualität
4 Qualität
4.1 Definition
4.2 Befähiger
4.3 Ergebnisse
5 Zusammenhang Glaubwürdigkeitsfaktoren mit Qualitätsfaktoren
5.1 EFQM-Modell Führung zu Glaubwürdigkeit
5.2 EFQM-Modell Politik und Strategie zu Glaubwürdigkeit
5.3 EFQM-Modell Mitarbeiter zu Glaubwürdigkeit
5.4 EFQM-Modell Partnerschaften und Ressourcen zu Glaubwürdigkeit
5.5 EFQM-Modell Prozesse zu Glaubwürdigkeit
5.6 EFQM-Modell kundenbezogende Ergebnisse zu Glaubwürdigkeit
5.7 EFQM-Modell mitarbeiterbezogende Ergebnisse zu Glaubwürdigkeit
5.8 EFQM-Modell gesellschaftsbezogende Ergebnisse zu Glaubwürdigkeit
5.9 EFQM-Modell Schlüsselergebnisse zu Glaubwürdigkeit
6 Exkurs: Anwendungsbeispiel im Fundraising
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Nonprofit-Organisationen (NPOs) ihre Glaubwürdigkeit gegenüber externen Akteuren, insbesondere Spendern, durch die gezielte Anwendung von Qualitätskriterien und institutionenökonomischen Mechanismen festigen und nach außen darstellen können.
- Struktur und Definition von Nonprofit-Organisationen
- Die Rolle von Stakeholdern und deren Einflussnahme
- Theoretische Fundierung von Glaubwürdigkeit und Vertrauen
- Analyse von Qualitätsmanagementmodellen (EFQM) im NPO-Sektor
- Praktische Implikationen für die Fundraising-Arbeit
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Vertrauenswürdigkeit – Vertrauen
Für Vertrauen gibt es vielfältige Definitionen. Schweer und Thies (2003: 6) geben an, dass Vertrauen immer mit dem Hintergrund der jeweilig untersuchenden Wissenschaft definiert wird. So gibt es „Vertrauen als personale Variable“, die u.a. besagt, dass „eine vertrauensvolle Grundhaltung als Ergebnis von Erfahrung“ bestehen muss. Diese ermöglicht es dem Individuum in Situationen einen Vertrauensvorschuss zu leisten. Weiterhin gibt es „Vertrauen als situative Variable“, welche Vertrauen als Kooperation definiert und meistens in der Spieltheorie Anwendung findet. Allerdings gibt es Kritik, da Entscheidungen nicht unbedingt als Vertrauensentscheidungen, sondern auch aus taktischen Überlegungen heraus gefällt werden können (Schweer und Thies, 2003: 7).
Schweer und Thies (2003: 11) haben neben allen Vertrauensdefinitionen Eckpunkte herausgearbeitet, die in den meisten Definitionen zu finden sind. Dazu gehören „die dem Vertrauen zugeschriebene Funktion, das dem Vertrauen immanente Risiko sowie die Bedeutung der Beziehungsgeschichte […]“ Nicht zu vergessen das Verhältnis von Vertrauen und Misstrauen. Laut Ripperger (1998: 6) gehen Psychologen bei Vertrauen von einer „subjektiven Erwartungshaltung“ aus. Spieltheoretiker verstehen Vertrauen als Kooperation (wie schon oben in der Definition von Schweer und Thies beschrieben). Ripperger (1998: 268) definiert eine ökonomische Erklärung des Vertrauens: „Vertrauen ist die freiwillige Erbringung einer riskanten Vorleistung (durch den Vertrauensgeber) unter Verzicht auf explizite vertragliche Sicherungs- und Kontrollmaßnahmen gegen opportunistisches Verhalten (Vertrauenshandlung), in der Erwartung, daß der Vertrauensnehmer freiwillig auf solches Verhalten verzichtet (Vertrauenserwartung).“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Vorstellung des Themenfeldes, der Relevanz von Glaubwürdigkeit in einer komplexen Welt sowie der Konzeption der Arbeit.
2 Nonprofit-Organisationen (NPOs): Definition, Entstehung, Stakeholder-Analysen sowie die Einordnung der NPO-Finanzierung und -Struktur in die Institutionenökonomik.
3 Glaubwürdigkeit: Untersuchung theoretischer Ansätze zu Glaubwürdigkeit, Vertrauen und Erwartungen unter Berücksichtigung von Informationsasymmetrien.
4 Qualität: Definition von Qualitätsbegriffen sowie die Übertragung der Dimensionen der Dienstleistungsqualität auf Nonprofit-Organisationen.
5 Zusammenhang Glaubwürdigkeitsfaktoren mit Qualitätsfaktoren: Zusammenführung der EFQM-Modell-Bereiche mit spezifischen Mechanismen zur Glaubwürdigkeitsstärkung wie Reputation oder vertragliche Selbstbindung.
6 Exkurs: Anwendungsbeispiel im Fundraising: Transfer der theoretischen Ergebnisse in eine praktische Anwendung für die Fundraising-Kommunikation.
7 Fazit: Zusammenfassung der Kernergebnisse und Ausblick auf die ständige Herausforderung, Glaubwürdigkeit in der NPO-Arbeit operativ zu verankern.
Schlüsselwörter
Nonprofit-Organisationen, NPO, Glaubwürdigkeit, Vertrauen, Qualität, EFQM-Modell, Fundraising, Institutionenökonomik, Stakeholder, Informationsasymmetrie, Reputation, Selbstbindung, Dienstleistungsqualität, Spendenmotivation, Unternehmensführung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, warum Glaubwürdigkeit für NPOs essenziell ist und wie Organisationen diese durch messbare Qualitätsfaktoren und institutionelle Mechanismen gegenüber Spendern etablieren können.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Im Zentrum stehen die Definition und Entstehung von NPOs, das Vertrauensmanagement, die Anwendung von Qualitätsmodellen wie dem EFQM-Excellence-Modell und die konkrete Anwendung im Fundraising.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie NPOs ihre Glaubwürdigkeit als strategisches Alleinstellungsmerkmal durch Selbstbindung und Qualitätsmanagement nach außen kommunizieren und absichern können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, nutzt spieltheoretische Ansätze (Dixit/Nalebuff) und bezieht die Institutionenökonomik (Principal-Agent-Theorie) ein, um die Vertrauensbeziehung zwischen Spender und NPO zu modellieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Glaubwürdigkeit, die Definition von Qualitätsdimensionen in NPOs und die detaillierte Verknüpfung der EFQM-Kriterien mit den acht Faktoren zur Glaubwürdigkeitsstärkung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Konzepte sind Glaubwürdigkeit, Vertrauensgüter, EFQM-Modell, Informationsasymmetrie, Principal-Agent-Problematik sowie die verschiedenen Arten von Spendenmotiven.
Welche Rolle spielt das EFQM-Modell in dieser Untersuchung?
Das EFQM-Modell dient als systematischer Rahmen, um interne Prozesse (Befähiger) und externe Wirkungen (Ergebnisse) so zu strukturieren, dass sie das Vertrauen der Stakeholder durch Nachvollziehbarkeit und Standardisierung stärken.
Warum ist das Thema Glaubwürdigkeit speziell für NPOs wichtig?
Da NPOs häufig Vertrauens- oder Glaubensgüter produzieren, bei denen die Qualität der Leistung für den Spender vor oder nach der Transaktion schwer beurteilbar ist, stellt Glaubwürdigkeit die notwendige Basis für die Mittelakquise dar.
Wie werden Informationsasymmetrien in der Arbeit erklärt?
Die Arbeit verwendet die Principal-Agent-Theorie, um darzustellen, dass NPOs über mehr Informationen über ihren Leistungsprozess verfügen als Spender. Durch Signalling und Screening (z.B. durch Siegel) werden diese Asymmetrien reduziert.
Welchen konkreten Rat gibt der Autor für das Fundraising?
Der Autor empfiehlt, Glaubwürdigkeit prozessorientiert in die tägliche Arbeit zu integrieren, etwa durch Transparenz bei der Verwendung von Spenden, das Einholen von unabhängigen Prüfsiegeln und eine klare Kommunikation der Organisationsmission.
- Quote paper
- Sven Vandreike (Author), 2009, Herstellung von Glaubwürdigkeit in Nonprofit-Organisationen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139375