Diese Hausarbeit behandelt Methoden der Fehleranalyse zur Sprachstandsermittlung. Diese werden an einem Praxisbeispiel angewendet und in der Datenanalyse schließlich reflektiert.
Deutschland ist weltweit ein attraktives Zielland für viele Menschen aus unterschiedlichen Ländern mit verschiedenen Herkünften. Laut dem Statistischen Bundesamt wanderten von 1991 bis 2014 fast durchgängig mehr Menschen nach Deutschland ein als aus. Allein im Jahr 2014 zogen mehr als eine halbe Million Menschen nach Deutschland. Mit der sogenannten Flüchtlingswelle erreichte die Zahl der Einwanderer im darauffolgenden Jahr 2015 mit 890.000 ein neues Hoch; dem Höchsten seit 1992.
Dies stellt eine große Herausforderung bezüglich deren Spracherwerbs dar, da Schulen in Deutschland sowohl systematisch als auch didaktisch nicht genügend auf diese Situation vorbereitet waren. Dazu kommt, dass viele ohne Vorkenntnisse der deutschen Sprache nach Deutschland kamen. Kinder und Jugendliche müssen beschult werden, aber zuerst brauchen sie eine gewisse sprachliche Grundlage, um auch in anderen Fächern auf Deutsch unterrichtet werden zu können.
Dies erfolgt in den meisten Bundesländern über die sogenannte Vorbereitungsklasse oder einer Mischform aus separater Vorbereitungs- und Regelklasse. In den Vorbereitungsklassen bekommen aus dem Ausland zugezogene Kinder und Jugendliche "eine intensive Sprachförderung und werden auf den Wechsel in eine reguläre Klasse vorbereitet".
Ältere finden ihren Zugang zur deutschen Sprache meist über Deutschkurse für Erwachsene. Zum Spracherwerbserfolg tragen zahlreiche Faktoren wie die Kultur, die Motivation, das Alter, das Geschlecht, die Herkunft, die Erstsprache und das Vorwissen über die Zielsprache der Lernenden bei. Außerdem spielt das hiesige Schulsystem und dessen Ressourcen eine große Rolle bei der Entwicklung und dem Erwerb der deutschen Sprache. An Schulen, Hochschulen und in der Erwachsenenbildung sollte man ausreichend qualifizierte Lehrer im Bereich Deutsch als Zweit- und Fremdsprachen zur Verfügung stellen, um dem Bedarf an Bildung gerecht zu werden und die Sprachentwicklung der Lernenden in angemessener Form zu fördern. Grundlage und Ausgangspunkt für eine erfolgreiche und individuell passende Unterstützung ist die Ermittlung des Sprachstands der Lernenden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Fehleranalyse nach Corder
Fehleranalyse anhand einer Textproduktion aus der Praxis
Erklärungsansätze
Reflexion
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Analyse von Fehlern in der Textproduktion einer Deutschlernenden. Ziel ist es, mithilfe des Modells von Pit Corder den aktuellen Sprachstand der Schülerin systematisch zu erfassen, Fehlerursachen wie Transferphänomene oder Übergeneralisierungen zu identifizieren und daraus pädagogische Ableitungen für die weitere Sprachförderung zu gewinnen.
- Grundlagen der Fehleranalyse nach Pit Corder
- Methodische Anwendung der Fehlerklassifizierung (phonologisch, grammatisch, lexikalisch)
- Praktische Untersuchung einer Schülerarbeit unter Berücksichtigung von Syntax und Morphologie
- Reflexion des diagnostischen Nutzens und der Grenzen systematischer Fehleranalyse im Schulalltag
Auszug aus dem Buch
Fehleranalyse nach Corder
1973 entwickelte Pit Corder ein solches Instrument zur Sprachstandsermittlung, welche auf drei Prozessschritten basiert: 1. Ermittlung von Fehlern 2. Beschreibung von Fehlern 3. Erklärung von Fehlern. Der erste Schritt erfordert den Abgleich zwischen Ist und Soll. Das heißt, was hat der Lernende produziert und wie könnte es korrekt rekonstruiert werden.
Im nächsten Schritt wird der Fehler beschrieben und klassifiziert. Hierfür nutzt Corder zur besseren Übersicht eine Tabelle mit folgenden Fehlerkategorien: Weglassung, Hinzufügung, Selektion und Anordnung auf der einen Seite und der folgenden Einteilung nach sprachlichen Ebenen: phonologisch/orthographisch, grammatisch und lexikalisch. Im dritten und letzten Schritt werden die Fehler analysiert und mögliche Ursachen ermittelt. Corder unterscheidet dabei zwischen drei möglichen Gründen warum Fehler entstehen: Transferfehler, Übergeneralisierung und Fehler, die aufgrund des Sprachunterrichts entwickelt werden.
Anhand dieser erhobenen Daten kann die Lehrkraft nun wertvolle Informationen zum Lern- und Wissensstand der Lernenden ableiten und daraus Maßnahmen zur weiteren Unterstützung entwickeln. Corder sieht in Fehlern also kein Defizit bzw. Missstand, sondern eher ein Potential zur Weiterentwicklung.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Herausforderungen bei der Beschulung von Kindern und Jugendlichen ohne Deutschkenntnisse und betont die Bedeutung einer qualifizierten Sprachstandsermittlung.
Fehleranalyse nach Corder: Der theoretische Ansatz von Pit Corder zur methodischen Erfassung, Klassifizierung und Erklärung von Sprachfehlern wird hier eingeführt.
Fehleranalyse anhand einer Textproduktion aus der Praxis: Anhand einer konkreten Hausaufgabe einer Schülerin wird eine detaillierte tabellarische Fehleranalyse nach Kategorien wie Syntax, Lexik und Morphologie vorgenommen.
Erklärungsansätze: Dieses Kapitel interpretiert die Ergebnisse der Fehleranalyse und ordnet die Sprachkompetenz der Lernenden in Erwerbssequenzen ein, wobei Transferprobleme und Übergeneralisierungen diskutiert werden.
Reflexion: Der Autor hinterfragt kritisch den Prozess der Fehleranalyse, beleuchtet die Schwierigkeiten bei der objektiven Korrektur und bewertet den Nutzen der Methode für die eigene Unterrichtspraxis.
Schlüsselwörter
Fehleranalyse, Pit Corder, Sprachstandsermittlung, Deutsch als Zweitsprache, Transferfehler, Übergeneralisierung, Syntax, Lernersprache, Sprachförderung, Textproduktion, Grammatik, Morphologie, Lehrerhandeln, DaZ, Mehrsprachigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die sprachlichen Fehler einer Schülerin mit Arabisch als Erstsprache bei der Produktion eines schriftlichen Berichts und analysiert diese wissenschaftlich.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die Fehlererfassung, die Klassifizierung von Sprachfehlern sowie die diagnostische Ableitung von Fördermaßnahmen im Kontext von Deutsch als Zweitsprache.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den individuellen Lernstand einer Schülerin durch systematisches Clustern von Fehlern zu bestimmen und zu verstehen, welche Strategien die Lernende bei der Sprachproduktion anwendet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird die Methode der Fehleranalyse nach Pit Corder angewandt, welche eine dreistufige Vorgehensweise (Ermittlung, Beschreibung, Erklärung) umfasst.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der datengestützten Analyse einer konkreten Textprobe, gefolgt von einer linguistischen Interpretation der Fehlerursachen hinsichtlich Erwerbsstufen und Transferphänomenen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Fehleranalyse, Transferfehler, Übergeneralisierung, Sprachstandsermittlung und die didaktische Reflexion.
Welche Rolle spielt die Erstsprache der Schülerin bei der Analyse?
Die Erstsprache Arabisch wird als eine mögliche Quelle für Transferfehler diskutiert, insbesondere bei der Satzstellung und dem Gebrauch von Präpositionen.
Warum betont der Autor die Schwierigkeit der Korrektur?
Der Autor möchte den authentischen Charakter der Schülerproduktion bewahren und nicht zu stark in die Intention der Lernenden eingreifen, was bei der Interpretation von Kontexten eine große Herausforderung darstellt.
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- Anonym (Autor), 2022, Fehleranalyse nach Corder. Deutsch als Zweitsprache, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1394752