Noch vor 50 Jahren erlaubte das Bürgerliche Gesetzbuch der Bundesrepublik Deutschland dem Ehemann, das Arbeitsverhältnis seiner Frau zu kündigen. Doch seit Einführung/ Verabschiedung des Gesetzes zur Chancengleichheit hat sich für Frauen und Männer im Erwerbsleben viel verändert. Heute wollen viele Mädchen und Frau-en ihren Wunsch-Beruf erlernen, beruflich auf eigenen Beinen stehen und dafür die vielfältigen Bildungsmöglichkeiten nutzen. Inzwischen ist die Hälfte aller Abiturien-ten weiblich und insgesamt erreichen Frauen höhere und bessere formale Bildungs-abschlüsse als Männer. (Vgl. BMFSFJ 2008, 5) Obwohl diese positiven Tendenzen festzustellen sind, gibt es in Deutschland immer noch Unterschiede in den Führungs-positionen. Frauen sind hier deutlich unterrepräsentiert und noch keine Selbstver-ständlichkeit.
Ein erklärtes politisches Ziel der Bundesregierung sowie der Europäischen Union ist die Verbesserung der Chancen von Frauen auf dem Arbeitsmarkt. „Gemäß einer Vereinbarung auf dem Lissabon-Gipfel sollen die EU-Mitgliedsstaaten bis zum Jahr 2010 mit geeigneten politischen Maßnahmen dazu beitragen, die Erwerbsbeteiligung von Frauen auf 60 % zu steigern. Mit einer Erwerbstätigenquote1 von mehr als 60 % ist diese Zielvorgabe in der Bundesrepublik bereits erreicht.“ (IAB-Forschungsbericht [a] 2009, 6) Trotzdem gibt es im Erwerbsleben immer noch deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Die Auswertungen des IAB-Betriebspanels 2008 belegen, dass nur jede 25 Frau in der obersten Führungsebene arbeitet, im Gegensatz dazu, aber jeder zehnte beschäftigte Mann. Somit haben sich die Zahlen zum Forschungsbericht 2004 kaum verändert. Nach wie vor stehen die meisten Betriebe unter einer männlichen Führung. (Vgl. Ebd., 13)
Doch welche Aufstiegshindernisse haben Frauen zu überwinden? Welche Karriere-hemmenden Faktoren verhindern oder erschweren den beruflichen Aufstieg von Frauen?
Diesen Fragen wird in der vorliegenden Hausarbeit nachgegangen. Dazu wird im ersten Teil der Arbeit ein Ein- und Überblick über die aktuelle Führungssi-tuation in Deutschland gegeben. Anschließend werden mögliche Karriere-hemmende Faktoren vorgestellt. Dabei wird zunächst das familiäre Umfeld der Frauen betrachtet und nach folgend geschlechtsstereotypen Wahrnehmungen als mögliche Ursachen für einen erschwerten Aufstieg in Betracht gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Eine Situationsanalyse weiblicher Führungskräfte
3. Karrierehemmende-Faktoren weiblicher Führungskräfte
3.1 Familie und Beruf
3.2 Geschlechtsstereotype Wahrnehmungen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Hausarbeit untersucht die strukturellen und ideologischen Aufstiegshindernisse für Frauen in der deutschen Arbeitswelt, um zu klären, warum Frauen in obersten Führungspositionen weiterhin deutlich unterrepräsentiert sind.
- Aktuelle Führungssituation in Deutschland
- Karrierehemmende Faktoren für weibliche Führungskräfte
- Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als Doppelbelastung
- Der Einfluss von Geschlechtsstereotypen auf die Personalauswahl
- Das Phänomen der "gläsernen Decke" (Glass Ceiling)
Auszug aus dem Buch
3.1 Familie und Beruf
Ein traditionelles Rollenverständnis von Frauen und Männern bestimmt auch heute noch die klassische weibliche Erwerbsbiographie. Seit den 60er Jahren verläuft diese in Deutschland in drei Phasen. Die erste Phase wird von der Berufsausbildung und den ersten beruflichen Erfahrungen geprägt. Die zweite Phase stellt die Geburt des ersten Kindes und somit die Unterbrechung der Berufstätigkeit dar. In der dritten Phase kehrt die Frau, häufig ab dem 40. Lebensjahr, in den Berufsalltag zurück. Viele jungen Frauen versuchen heute frühzeitiger in den Beruf zurückzukehren. Meistens gelingt dies aber nur durch die Ausübung einer Teilzeitarbeit. (Vgl. Stüfe 2007, 30) Diese bedeutet aber in den meisten Fällen das Ende der Karriere, da das umfangreiche Aufgabengebiet von Führungskräften nicht mit einer Reduzierung der Wochenstunden vereinbar ist (vgl. ebd. 31).
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stellt für viele Frauen eine enorme Doppelbelastung dar und ist nach wie vor ein Hindernis für viele Frauen, um in Führungspositionen zu gelangen. „Während für die meisten männlichen Führungskräfte die Kinderbetreuung von den Ehepartnerinnen übernommen wird, bedeutet Erziehungsarbeit für weibliche Führungskräfte einen enormen Organisationsaufwand. Die Kinderbetreuung ist daher ein zentrales Problem bei der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.“ (Stüfe 2007, 3f.) Das belegen auch die Ergebnisse der IAB-Führungskräftestudie. Noch immer übernehmen hauptsächlich die Frauen die Verantwortung für die Erziehung des Kindes und kommen den familiären Pflichten nach. Aufgrund fehlender Angebote für die Kinderbetreuung reduzieren Frauen ihre Arbeitszeit oder verzichten gänzlich auf den beruflichen Erfolg (vgl. IAB-Forschungsbericht [a] 2009, 11).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Veränderung der Frauenrolle und stellt fest, dass trotz verbesserter Bildungsabschlüsse eine deutliche Unterrepräsentation von Frauen in Führungspositionen besteht.
2. Eine Situationsanalyse weiblicher Führungskräfte: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Führungskraft und belegt anhand aktueller Studien die fortwährende Unterrepräsentanz von Frauen in deutschen Vorständen und Aufsichtsräten.
3. Karrierehemmende-Faktoren weiblicher Führungskräfte: Hier werden die strukturellen und ideologischen Barrieren, insbesondere die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie geschlechtsstereotype Wahrnehmungen, als Ursachen für den erschwerten Aufstieg analysiert.
3.1 Familie und Beruf: Dieser Abschnitt untersucht die Auswirkungen traditioneller Erwerbsbiographien und die Doppelbelastung durch Erziehungsarbeit auf die Karrierechancen von Frauen.
3.2 Geschlechtsstereotype Wahrnehmungen: Das Kapitel analysiert, wie tief verwurzelte gesellschaftliche Stereotype über Geschlechterrollen die Beurteilung und Auswahl von Führungspersonal beeinflussen.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass gesellschaftliche Rollenzuschreibungen den Aufstieg von Frauen hemmen und fordert Maßnahmen wie Mentoring und eine stärkere Unterstützung bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Schlüsselwörter
Frauen in Führungspositionen, Karrierehemmnisse, gläserne Decke, Glass Ceiling, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Geschlechterrollen, Arbeitsmarkt, Führungskraft, Personalverantwortung, Geschlechtsstereotype, berufliche Aufstiegsbarrieren, Erwerbsbiographie, Karriereentwicklung, Sozialisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Analyse der Unterrepräsentation von Frauen in Führungspositionen innerhalb der deutschen Wirtschaft und Gesellschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die aktuelle Führungssituation, die Herausforderungen bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie der Einfluss von Geschlechtsstereotypen auf die Karriereentwicklung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die spezifischen Aufstiegshindernisse und Faktoren zu identifizieren, die den beruflichen Aufstieg von Frauen in Führungspositionen in Deutschland verhindern oder erschweren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Analyse auf Basis existierender Studien und Literatur, insbesondere Auswertungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil wird zunächst die Ausgangslage analysiert, bevor detailliert auf Karrierehemmnisse wie familiäre Pflichten und ideologische Barrieren durch Stereotype eingegangen wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "gläserne Decke", "Vereinbarkeit von Familie und Beruf", "Karrierehemmnisse" und "Geschlechtsstereotype" charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Betreuungssituation zwischen männlichen und weiblichen Führungskräften?
Während männliche Führungskräfte meist auf die Unterstützung durch ihre Ehefrauen bei der Kinderbetreuung zählen können, stellt die Erziehungsarbeit für weibliche Führungskräfte einen enormen organisatorischen Eigenaufwand dar.
Warum erweisen sich Geschlechtsstereotypisierungen laut Arbeit als so resistent?
Die Arbeit führt dies auf Denkgewohnheiten, frühe Habitualisierung und die ständige interaktive Reproduktion dieser Rollenbilder zurück, die tief in sozialen Systemen verwurzelt sind.
Welche Rolle spielen Vorbilder wie Ursula von der Leyen oder Angela Merkel für die Schlussfolgerung?
Sie dienen als Beispiele dafür, dass trotz der Barrieren eine erfolgreiche Karriere möglich ist, und symbolisieren den gesellschaftlichen Wandel sowie die existierenden Chancen für Frauen.
- Citation du texte
- Nadine Schlimper (Auteur), 2009, Frauen in Führungspositionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139926