In der vorliegenden Arbeit wird die Anfang der 70er Jahre von Elisabeth Noelle-Neumann entwickelte Theorie der Schweigespirale vorgestellt. Die weltweit bekannte Demoskopin und Meinungsforscherin entwickelte nicht nur den Begriff der „Schweigespirale“ und damit verbunden ihren Bedeutungsgehalt, sondern sie versuchte darüber hinaus auch die Macht der Öffentlichen Meinung herauszuarbeiten. Wichtigste Literaturgrundlage für diese Arbeit ist demzufolge das Werk Noelle-Neumanns 1982:„Die Schweigespirale. Öffentliche Meinung – unsere soziale Haut“. Die Theorie der Schweigespirale zählt nicht nur zu den bekanntesten, sondern auch zu den umstrittensten sozialpsychologischen Konzepten. Sie wurde kontrovers diskutiert und weltweit kritisiert. Zu Beginn dieser Arbeit wird kurz auf die Entstehung der Theorie und ihren Ursprung bei den Bundestagswahlen 1965 sowie 1972 eingegangen. Anschließend schien es von großer Wichtigkeit, den Terminus der Öffentlichen Meinung genauer darzustellen, zumal die Schweigespirale als eine Theorie bekannt ist, die einerseits die Öffentliche Meinung zu erklären versucht und andererseits diese zum Schlüsselbegriff ihres Prozesses macht. Nachdem ein ausführlicher Überblick über den Terminus Öffentliche Meinung gegeben wird, werden im weiteren Verlauf die Grundannahmen bzw. Hypothesen der Theorie dargestellt und anschließend sowohl mit der Öffentlichen Meinung als auch zueinander in Verbindung gebracht. In Folge dessen kristallisierten sich drei Hauptaspekte der Schweigespirale heraus, die es näher zu untersuchen gilt: Der sozialpsychologische Aspekt, der soziologische Aspekt und der kommunikationswissenschaftliche Aspekt. Ferner soll auch die Rolle der Massenmedien nicht außer Acht gelassen werden, da diese nach Noelle-Neumann einen erheblichen Einfluss auf den Prozess der Schweigespirale haben und vor allem das Fernsehen die Wirkung der Massenmedien noch weiter verstärkt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Entstehung der Theorie der Schweigespirale
3.Öffentliche Meinung
4. Grundannahmen der Theorie
5. Die drei Aspekte der Schweigespirale
5.1 Der sozialpsychologische Aspekt
5.2 Der soziologische Aspekt
5.3 Der kommunikationswissenschaftliche Aspekt
6. Die Rolle der Massenmedien
7. Kritik an der Theorie
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit widmet sich der von Elisabeth Noelle-Neumann entwickelten Theorie der Schweigespirale. Ziel ist es, die Entstehung der Theorie, die Definition der Öffentlichen Meinung als Schlüsselbegriff sowie die zentralen Grundannahmen und Wirkungsweisen zu erläutern und kritisch zu hinterfragen.
- Historische Herleitung der Theorie anhand der Bundestagswahlen 1965 und 1972
- Analyse der Definition und Bedeutung der Öffentlichen Meinung
- Untersuchung der Isolationsfurcht als zentraler Antrieb menschlichen Verhaltens
- Darstellung der drei Hauptaspekte (sozialpsychologisch, soziologisch, kommunikationswissenschaftlich)
- Kritische Reflexion der Rolle der Massenmedien und bestehender Theoriediskussionen
Auszug aus dem Buch
3.Öffentliche Meinung
Der Terminus Öffentliche Meinung ist in Bezug auf die Theorie der Schweigespirale zu einem wichtigen Schlüsselbegriff geworden, den es zunächst zu klären gilt.
Bei der Öffentlichen Meinung handelt es sich jedoch um einen geheimnisvollen Wirkungsfaktor, dem trotz intensiver Bemühungen von Holtzendorff bis Habermas weder eine präzise noch eine überzeugende Definition zugeordnet werden konnte. „Man scheiterte an der Erscheinungsfülle und Vielschichtigkeit der zuerst durch Rousseau´s Schriften zur geistigen Macht gelangten „opinion publique“.“
So werden in den meisten Fällen, beispielsweise auch in der Publizistik-Wissenschaft, lediglich die Entstehung, Wirkung und Erscheinungsformen der Öffentlichen Meinung beschrieben.
Der langjährige Direktor der Journalistenschule der Columbia Universität (New York) W. Phillips Davison schrieb bereits in seinem 1968 in der „International Encyclopedia of the Social Sciences“ erschienen Artikel über Öffentliche Meinung, dass „es keine allgemein akzeptierte Definition für öffentliche Meinung“ gibt. „Dennoch“, so fuhr er fort „nimmt der Gebrauch dieses Begriffs immer mehr zu“.
Zunächst wird der Terminus „Öffentlichkeit“ betrachtet, der aus sozialpsychologischer Sichtweise gesehen jenen Zustand bezeichnet, bei dem jedes Individuum sowohl von allen gesehen als auch beurteilt wird. Die Beurteilung bzw. die Bewertung ist die wesentliche Aufgabe „der Meinung“. Der Begriff der Meinung meint die in einem Menschen bestehende subjektive Ansicht oder Einstellung zu Zuständen, Personen oder bestimmten Situationen, die sich in einer Aussage äußert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Theorie der Schweigespirale von Elisabeth Noelle-Neumann vor und skizziert die zentralen Forschungsfragen sowie die methodische Herangehensweise der Arbeit.
2. Die Entstehung der Theorie der Schweigespirale: Das Kapitel erläutert den Ursprung der Theorie, der auf Beobachtungen des Meinungsklimas bei den Bundestagswahlen 1965 und 1972 basiert.
3.Öffentliche Meinung: Hier wird der komplexe Terminus der Öffentlichen Meinung als Schlüsselbegriff analysiert und durch verschiedene Teildefinitionen von Noelle-Neumann näher beleuchtet.
4. Grundannahmen der Theorie: Dieses Kapitel behandelt die zentralen Hypothesen der Theorie, insbesondere die Isolationsfurcht und das „quasi-statistische Wahrnehmungsorgan“.
5. Die drei Aspekte der Schweigespirale: Die Arbeit differenziert zwischen sozialpsychologischen, soziologischen und kommunikationswissenschaftlichen Perspektiven der Theorie.
5.1 Der sozialpsychologische Aspekt: Fokus auf das Individuum, Konformität und die psychologischen Mechanismen der Isolationsfurcht.
5.2 Der soziologische Aspekt: Betrachtung der Gesellschaft als System sozialer Steuerung und die Rolle sozialer Kontrolle.
5.3 Der kommunikationswissenschaftliche Aspekt: Untersuchung der Verbindung von Schweigespirale und Medienwirkungsforschung.
6. Die Rolle der Massenmedien: Dieses Kapitel analysiert die Integrations- und Artikulationsfunktion der Massenmedien sowie deren Einfluss auf die Umweltwahrnehmung.
7. Kritik an der Theorie: Eine kritische Auseinandersetzung mit der Theorie, wobei insbesondere die Vernachlässigung individueller Persönlichkeitsmerkmale hervorgehoben wird.
8. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Theorie sowie eine kritische Reflexion des Medieneinflusses und der Rolle der Isolationsfurcht.
Schlüsselwörter
Schweigespirale, Elisabeth Noelle-Neumann, Öffentliche Meinung, Isolationsfurcht, Meinungsklima, Massenmedien, Konformität, Artikulationsfunktion, Sozialpsychologie, Soziologie, Medienwirkung, Redebereitschaft, Bundestagswahl, Politische Kommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der von Elisabeth Noelle-Neumann entwickelten Theorie der Schweigespirale, die erklärt, wie öffentliche Meinung entsteht und wie sie das Verhalten von Menschen beeinflusst.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Rolle der Isolationsfurcht, die Funktion des Meinungsklimas, die Bedeutung der Massenmedien sowie die Dynamik von Mehrheits- und Minderheitsmeinungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die theoretischen Grundlagen der Schweigespirale zu durchdringen, die Begriffe präzise zu definieren und die Stärken sowie Schwächen des Konzepts wissenschaftlich zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse, insbesondere des Standardwerks von Noelle-Neumann, sowie auf den Einbezug zahlreicher empirischer Studien und kritischer Forschungsbeiträge.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Herleitung, die Untersuchung der drei Aspekte (sozialpsychologisch, soziologisch, kommunikationswissenschaftlich) sowie die Analyse des Medieneinflusses.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Schweigespirale, Isolationsfurcht, quasi-statistisches Wahrnehmungsorgan und Artikulationsfunktion definiert.
Welche Rolle spielt die Isolationsfurcht laut Noelle-Neumann?
Die Isolationsfurcht gilt als der grundlegende Instinkt, der Menschen dazu antreibt, sich den herrschenden Mehrheitsmeinungen anzupassen, um soziale Ausgrenzung zu vermeiden.
Wie unterscheidet sich die Berichterstattung in Medien von der persönlichen Beobachtung?
Noelle-Neumann spricht vom „doppelten Meinungsklima“, bei dem Individuen ihre eigenen Beobachtungen der Umwelt mit den durch Fernsehen und Massenmedien vermittelten Eindrücken abgleichen müssen.
Warum wird die Theorie der Schweigespirale in der Fachwelt kritisch diskutiert?
Kritiker bemängeln insbesondere, dass die Theorie individuelle Persönlichkeitsmerkmale zu stark vernachlässigt und den Einfluss der Medien auf Meinungsumschwünge teilweise nicht ausreichend empirisch belegen kann.
- Citar trabajo
- Julia Zelonczewski (Autor), 2009, Die Theorie der Schweigespirale von Elisabeth Noelle-Neumann, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139957