Verhaltensweisen, die zu einer angemessenen und erfolgreichen Kommunikation und Interaktion zwischen Mitgliedern verschiedener Kulturen führen. Erst die Bewusstheit der kulturellen Bedingtheit des eigenen Erlebens und Verhaltens ermöglicht die Wahrnehmung der Unterschiedlichkeiten. Zur Untersuchung dieser weltweiten kulturellen Unterschiede gibt es zahlreiche Studien, Modelle und Forschungen. Eine der bekanntesten Forschungen im Bereich der Kulturwissenschaften ist die des niederländischen Kulturwissenschaftlers Geert Hofstede. Er führte die bislang umfangreichste und am häufigsten zitierte Untersuchung zum interkulturellen Management in einem multinationalen Konzern, dem Computerhardware- und Softwarehersteller IBM, durch. Hofstedes Arbeit beruht auf Daten die zwischen 1969 und 1973 weltweit unter IBM Mitarbeitern erhoben wurden. Insgesamt wurden ca. 117.00 Fragebögen aus mehr als 70 Ländern, in 20 verschiedenen Sprachen in die endgültige Datenbank aufgenommen. Insgesamt fand die Erhebung in zwei Wellen statt (1967-1969 und 1971-1973), um eine Prüfung der Reliabilität der Ergebnisse zu ermöglichen; allerdings nahmen nur 30.000 Mitarbeiter an beiden Wellen teil. Die Fragebögen waren ursprünglich in Englisch verfasst und wurden dann von IBM-Mitarbeitern in die jeweilige Landessprache übersetzt. Das Ergebnis fasste er in fünf Kulturdimensionen zusammen und lieferte viele Erkenntnisse über zahlreiche Bereiche des menschlichen Zusammenlebens. Im Rahmen dieser Arbeit werde ich mich vertieft mit Hofstedes Theorien und Studie befassen. Hierbei soll der Fokus auf der direkten Analyse seiner Studien und deren praktischen Implikationen liegen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kultur: Begriffliche Herleitung und Erläuterungen
3. Das Kulturmodell von Geert Hofstede
3.1. Machtdistanz
3.2. Unsicherheitsvermeidung
3.3. Individualismus vs. Kollektivismus
3.4. Maskulinität vs. Feminität
3.5. Lang- vs. Kurzzeitorientierung
4. Interkulturelle Kompetenz
5. Kritik und Würdigung der Arbeit von Hofstede
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit setzt sich intensiv mit dem Kulturmodell von Geert Hofstede auseinander. Ziel ist es, die wissenschaftliche Fundierung des Modells zu analysieren sowie die praktischen Implikationen seiner fünf Kulturdimensionen für das interkulturelle Management und das Zusammenleben in globalisierten Gesellschaften kritisch zu beleuchten.
- Grundlagen der Kulturbegriffe und deren Bedeutung für das menschliche Handeln.
- Detaillierte Analyse der fünf Kulturdimensionen: Machtdistanz, Unsicherheitsvermeidung, Individualismus/Kollektivismus, Maskulinität/Feminität sowie Langzeit-/Kurzzeitorientierung.
- Untersuchung des Konzepts der "mentalen Programmierung" und deren Einfluss auf Wertesysteme.
- Diskussion zur Förderung interkultureller Kompetenz in modernen Bildungssystemen und Arbeitswelten.
Auszug aus dem Buch
3.2. Uncertainty Avoidance (UAI) - Unsicherheitsvermeidung
Uncertainty avoidance oder Unsicherheitsvermeidung steht für „die Art und Weise, mit Ungewissheit umzugehen, und zwar in Bezug auf die Kontrolle von Aggressionen und das Ausdrücken von Emotionen“. Unsicherheit ist der Grad, in dem die Mitglieder einer Kultur sich durch ungewisse oder unbekannte Situationen bedroht fühlen. Dieses Gefühl drückt sich u. a. durch nervösen Stress und einem Bedürfnis nach Vorhersehbarkeit aus, da jede Unsicherheit Angst schafft. Das Wesen der Unsicherheit oder Ungewissheit liegt darin, dass sie eine subjektive Erfahrung, ein Gefühl, darstellt. In jeder Institution und in jedem Land wird in der einen oder anderen Weise mit Unsicherheit umgegangen. Ein jeder Mensch muss sich damit abfinden, dass er nicht genau weiß, was Morgen oder in einem Monat geschieht, da die Zukunft stets ungewiss ist. Manche Gesellschaften sozialisieren ihre Mitglieder so, dass sie jeden Tag so nehmen, wie er kommt. Risikosituationen werden eher einfach hingenommen und akzeptiert, da sie zum Leben dazugehören.
In anderen Gesellschaften und Kulturen versuchen die Mitglieder stets, der Zukunft einen Schritt voraus zu sein. Die mit dem Leben einhergehende Unsicherheit wird als ständige Bedrohung empfunden, die es zu bekämpfen gilt. Der Grad der Ängstlichkeit ist in diesen Gesellschaften höher, was sich durch allgemeine Nervosität, Emotionalität und auch Aggressivität zeigt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Themas und Erläuterung der Bedeutung interkultureller Kompetenz sowie der methodischen Herleitung von Hofstedes IBM-Studie.
2. Kultur: Begriffliche Herleitung und Erläuterungen: Definition des Kulturbegriffs und Einführung in die Theorie der mentalen Programmierung.
3. Das Kulturmodell von Geert Hofstede: Vorstellung des umfassenden Modells mit seinen fünf zentralen Dimensionen.
3.1. Machtdistanz: Untersuchung, wie verschiedene Gesellschaften mit Machtunterschieden und hierarchischen Strukturen umgehen.
3.2. Unsicherheitsvermeidung: Analyse des Umgangs mit Unbekanntem und dem Bedürfnis nach Kontrolle und Regeln.
3.3. Individualismus vs. Kollektivismus: Vergleich zwischen eigenverantwortlichem Handeln und der Einbindung in soziale Wir-Gruppen.
3.4. Maskulinität vs. Feminität: Analyse der soziokulturellen Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern und deren Auswirkung auf Werte.
3.5. Lang- vs. Kurzzeitorientierung: Untersuchung zeitlicher Horizonte bei der Zielsetzung und der Bewertung von Traditionen.
4. Interkulturelle Kompetenz: Diskussion der Notwendigkeit interkultureller Bildung in einer globalisierten Welt.
5. Kritik und Würdigung der Arbeit von Hofstede: Kritische Reflexion der Methodik bei gleichzeitiger Anerkennung der Pionierleistung für die interkulturelle Forschung.
Schlüsselwörter
Kulturdimensionen, Geert Hofstede, interkulturelles Management, Machtdistanz, Unsicherheitsvermeidung, Individualismus, Kollektivismus, Maskulinität, Feminität, Langzeitorientierung, interkulturelle Kompetenz, mentale Programmierung, kultureller Wandel, IBM-Studie, Kulturwerte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das bekannte Kulturmodell von Geert Hofstede und untersucht dessen Einfluss auf die interkulturelle Forschung und das Management.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die fünf Kulturdimensionen, die menschliche "mentale Programmierung", der interkulturelle Vergleich sowie die praktische Bedeutung für den Berufsalltag.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist eine tiefgehende Analyse der Hofstede-Studien sowie die Darstellung ihrer Implikationen für Kommunikation und Interaktion in verschiedenen kulturellen Kontexten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse und wertet die empirischen Daten von Geert Hofstede (IBM-Studie) sowie weiterführende kulturwissenschaftliche Literatur aus.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Definition und Erläuterung der fünf Kulturdimensionen sowie ein eigenes Kapitel zur interkulturellen Kompetenz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Machtdistanz, Individualismus, Unsicherheitsvermeidung und interkulturelle Kompetenz.
Welche Rolle spielt die "mentale Programmierung" bei Hofstede?
Hofstede beschreibt damit Denk-, Fühl- und Handlungsmuster, die in der Kindheit erlernt werden und die Wahrnehmung sowie das soziale Verhalten eines Individuums prägen.
Wie bewertet die Autorin die wissenschaftliche Kritik an Hofstede?
Die Autorin erkennt an, dass Hofstedes Modell in der Fachwelt nicht unumstritten ist, betont jedoch gleichzeitig seine Pionierrolle für die internationale Vergleichbarkeit von Kulturen.
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- Boyana Marinova (Author), 2009, Analyse der Kulturdimensionen von Geert Hofstede, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141156