Projektunterricht als Teil des "Offenen Lernens" am Beispiel eines Zeitungsprojektes im Deutschunterricht


Projektarbeit, 2009

33 Seiten, Note: Bestanden


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Offener Unterricht - Versuch einer Definition

3. Begriffsdefinition Projektunterricht
3.1. Ursprung und Geschichte des Projektunterrichtes
3.2. Projektmethode nach Karl Frey
3.3. Die sieben Komponenten der Projektmethode nach Karl Frey

4. Projektunterricht - zehn Merkmale nach Gudjons
4.1. Der Situationsbezug und die Lebensweltorientierung
4.2. Orientierung an den Interessen der Beteiligten
4.3. Selbstorganisation und Selbstverwaltung
4.4. Gesellschaftliche Praxisrelevanz
4.5. Zielgerichtete Projektplanung
4.6. Produktorientierung
4.7. Einbeziehen vieler Sinne
4.8. Soziales Lernen im Projekt
4.9. Interdisziplinarität
4.10. Grenzen des Projektunterrichtes

5. Praktischer Teil
5.1. Beschreibung und Charakteristik der Schule
5.2. Implementierung des Projektes
5.3. Evaluierung des Projektes

6. Literaturverzeichnis

7. Appendix

1. Einleitung

Die deutsche Schulpädagogik besinnt sich seit den 80er Jahren verstärkt auf Konzepte der Reformpädagogik, unter dem Schlagwort „Öffnung von Unterricht“ wird nach Alternativen gesucht, Unterricht so zu gestalten, dass Schüler/innen entsprechend ihrer Interessen und Fähigkeiten den Lernprozess individuell und aktiv mitgestalten können. Diese Projektarbeit soll einen Teilbereich des Offenen Unterrichtes, nämlich den Projektunterricht genauer unter die Lupe nehmen. Der erste Teil meiner Arbeit wird sich vornehmlich den theoretischen Aspekten des Projektunterrichtes widmen, wie der komplexen Fragestellung der Begriffsdefinition, weiters wird auf die historisch- philosophische Entwicklung des Projektunterrichtes eingegangen und abschließend möchte ich die Chancen und Risken, die diese Art des Unterrichtens mit sich bringt, genauer beleuchten.

Im zweiten Teil dieser Arbeit berichte ich darüber, wie ich den theoretischen Input in meinen Unterricht einfließen ließ, in dem ich ein Projekt zum Thema „Printmedien in Österreich“ durchführte und selbiges mittels Umfrage unter den Schüler/innen einer kritischen Reflexion unterzog.

2. Offener Unterricht - Versuch einer Definition

Offener Unterricht ist eine Organisationsform des Unterrichtes. Dieser Terminus leitet sich ursprünglich von den aus den USA stammenden Ansätzen der „open education“ ab, die einen engen Bezug zur britischen Primarstufenreform darstellen, bei der eine Neugestaltung des Unterrichtes intendiert wurde.1 Die Bezeichnung „offener Unterricht“ soll darauf hinweisen, dass die jeweils angesprochene Unterrichtsform offener ist, als der herkömmliche Frontalunterricht. Offener Unterricht unterscheidet sich von anderen Unterrichtsformen dadurch, dass

1. die individuellen Lerninteressen der Schüler/innen das Lerngeschehen entscheidend mitbestimmen
2. das soziale Geschehen innerhalb einer Lerngruppe von den Schülerinnen selbst geregelt wird.
3. die Schüler/innen selbsttätig agieren und die Rolle des Lehrers in den Hintergrund rückt.

Je mehr Entscheidungen zusammen mit den Schüler/innen bzw. von diesen alleine gefällt werden, desto offener ist der Unterricht. Beim „offenen Unterricht“ handelt es sich um eine vielgestaltige Bewegung, in deren Verlauf die Wiederentdeckung reformpädagogischer Grundgedanken und Unterrichtsformen, wie Freiarbeit, Wochenplanarbeit und Projektarbeit einen besonderen Stellenwert einnehmen.

3. Begriffsdefinition Projektunterricht

Das Wort „Projekt“ leitet sich vom lateinischen Terminus „proiectum“ ab und bedeutet so viel wie „ das nach vorne Geworfene“. Doch mit dieser wortwörtlichen Transkription ist es nicht getan, zumal in der Literatur keine eindeutigen Definitionen zu finden sind. Anstelle einer übereinstimmenden Sprachregelung stehen Begriffe wie „Projektunterricht“, „Projektmethode“, „Projektidee“, „Projektarbeit“ bzw. projektorientierter Unterricht häufig undifferenziert nebeneinander.2

Die DIN 69901 definiert ein Projekt als ein „Vorhaben, das im Wesentlichen durch Einmaligkeit der Bedingungen in ihrer Gesamtheit gekennzeichnet ist ...". Diese Einmaligkeit bezieht die DIN 69901 auf die Zielvorgabe, Begrenzungen (zeitlich, finanziell, personell), Organisationsform oder ganz einfach auf die Abgrenzung gegenüber anderen Vorhaben. In der Praxis wird ein Projekt im Wesentlichen durch folgende Begrenzungen definiert: Ein Projekt ist ein Vorhaben, das in vorgegebener Zeit und mit beschränktem Aufwand ein eindeutig definiertes Ziel erreichen soll, wobei der genaue Lösungsweg weder vorgegeben noch bekannt ist. Alternativ kann die „Einmaligkeit" auch unter dem Gesichtspunkt bestehender Risiken (Terminrisiko, Kostenrisiko oder Qualitätsrisiko) definiert werden.3

Diese und andere Begriffserläuterungen sind tendenziell im technischen sowie im wirtschaftlichen Umfeld zu finden, wo Projekte grundsätzlich als in Auftrag gegebene Produkte oder Dienstleistungen verstanden werden. In diesen Fällen sind Zeit und Mittel begrenzt und die Kompetenzen innerhalb der Projektgruppe klar verteilt.

Um nun einen Zusammenhang zum pädagogischen Bereich herzustellen, ist es von Nöten, sich an den Anfängen der Projektmethode zu orientieren. John Dewey und William H. Kilpatrick bezeichnen ein Projekt als ein planvolles Handeln, das von dem gesamten personalen Impetus getragen wird und in einer sozialen Umwelt abläuft.4

Darunter versteht man eine Unterrichtsform in Gruppen, die darauf abzielt, dass die Rahmenbedingungen nicht von außen aufoktroyiert werden, sondern aus den Interessensgebieten der Schüler/innen resultieren. Lernen wird hier als das Sammeln von Erfahrungen und Informationen betrachtet und als reine Vorbereitung auf das spätere Leben angesehen. Michael Schart formuliert angesichts der vielen verschiedenen Begrifflichkeiten eine pädagogische Definition, in der die unterschiedlichen Kennzeichen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner reduziert werden: Als Projekte gelten zeitlich begrenzte und auf ein bestimmtes Ziel gerichtete Unternehmungen im Rahmen von institutionalisierten Lehr - und Lernprozessen, bei denen die selbstständige Aktivität der Lernenden eine herausgehobene Rolle spielt.5

3.1. Ursprung und Geschichte des Projektunterrichtes

Die ersten Anfänge des Projektunterrichtes finden sich bereits bei Comenius, Rousseau und Pestalozzi, die sich mit dem selbstständigen bzw. selbsttätigen Lernen, basierend auf den Interessen der Schüler/innen, auseinandersetzten. Auf diesem Fundament des Lernens entwickelte Berthold Otto im ausgehenden

19. Jahrhundert seinen „Gesamtunterricht“, der sich an den Erfahrungen und Interessen der Kinder anlehnt, die diese in ihrem unmittelbaren Umfeld bereits erlebt haben. Auch Georg Michael Kerschensteiner orientierte sich an dieser Art des Lernens und konzipierte daraus sein Modell der Arbeitsschule, bei dem das Hauptaugenmerk auf Konstruktivität und Eigenständigkeit gelegt wird. Als Gründervater des Projektunterrichtes gilt im Allgemeinen der amerikanische Philosopie - und Pädagogikprofessor John Dewey. 1896 eröffnete er mit finanzieller Unterstützung einer Gruppe von Eltern eine Versuchsschule in Chicago, die laboratory school, eine Laborschule, die der Universität angeschlossen war. Diese wirkte als Vorbild für die Bielefelder Laborschule Hartmut von Hentigs. Nach Streitigkeiten über die Verwaltung der Schule verließen John und Alice Dewey, die beide Gründungsmitglieder waren, Chicago und zogen nach New York. 1904 wurde John Dewey in New York Professor für Philosophie an der Columbia University und lehrte am Teachers College in New York Pädagogik. Das Lernen muss seiner Meinung nach ganz und gar auf Erfahrung aufgebaut sein. Daher berufen sich auch heute noch viele Reformpädagogen auf ihn. Kinder lernen hier experimentierend in einer Lernumwelt aus Materialien, Werkstätten, Bibliothek und Schulgarten die Realität, sich selbst entdecken und Kooperation kennen. Dem Lehrer kommt dabei nicht die Rolle der Wissenden und Bevormundenden zu, sondern die des Mitarbeiters.

In seiner an Adolf Reichwein und Maria Montessori erinnernden Reformpädagogik hat er vor allem durch den bekannten pädagogischen Ansatz „Learning by doing“ Popularität erlangt. Manchmal wird dieser scherzhaft in pädagogischen Kreisen auch als „learning bei dewey-ing" bezeichnet. William Heard Kilpatrick, Schüler des Philosophie- und Didaktikprofessors John Dewey, der im Jahr 1918 sein Buch „ The Project Method“ veröffentlichte, geht in einer früheren Definition der Projektmethode davon aus, dass sich Unterricht vollkommen auf die Motivation der Lernenden zu konzentrieren habe. Dewey hingegen stellte die Verantwortung der Lehrenden in Bezug auf den Bildungsprozess nie in Frage. Des Weiteren beschreibt er nicht das Agieren an sich, sondern die Art und Weise, wie es kritisch denkend bewältigt wird, als das zentrale Element im Bildungsprozess.6

3.2. Projektmethode nach Karl Frey

Im deutschsprachigen Raum zählt vor allem der Pädagoge Karl Frey zu den prominentesten Befürwortern des offenen Lernens, der sich insbesondere mit der Projektmethode wissenschaftlich auseinandersetzte.

Obwohl Frey John Dewey und William Heard Kilpatrick als die Hauptvorbilder seiner Projektmethode betrachtet, ist er der Auffassung ein neues Konzept, basierend auf seiner Curriculumstheorie von 1972, entwickelt zu haben. Gemäß Freys Theorie sind die wesentlichen Merkmale, die alltägliches Handeln zu lernendem Handeln machen: eine Zielorientierung, Interaktion in einem vorher vereinbarten Rahmen, situative Distanz und spezifische Reflexion. Diese Begriffe werden im Folgenden näher erläutert.

Ein idealer curricularer Prozess findet nach Frey nur dann statt, wenn die zu Bildenden nicht von oben herab gebildet werden, wenn Bildung bildlich gesprochen nicht übergestülpt wird, sondern die Lernenden in die Planung ihrer Bildung möglichst von Anfang an einbezogen werden. Der Unterrichtende soll die Inhalte nicht allein bestimmen und präsentieren, der Bildungsprozess muss dialogisch, eben durch „Interaktion in einem vorher vereinbarten Rahmen,“ verlaufen.7

Eine weitere Voraussetzung für Bildung besteht für Frey darin, sich als Lernender von einem Bildungsfeld distanzieren zu können, darüber zu diskutieren, oder sich vollkommen davon zu lösen.

Die spezifische Reflexion beinhaltet laut Frey das Nachdenken während oder zur Distanzierung vom Lerngegenstand und während der Interaktion. In diesem Zusammenhang ist auch das Innehalten und Bewusstmachen von Handlungen, damit diese zu Lernhandlungen werden und nicht nur zur Imitation geraten, gemeint.8

3.3. Die sieben Komponenten der Projektmethode nach Frey

Die sieben Komponenten, die für Karl Frey von essentieller Bedeutung sind, werden im Folgenden kurz vorgestellt. Sie haben ihren Ursprung in der Bildungsauffassung Freys, in seiner Allgemeinen Curriculumtheorie. Bei der ersten Komponente handelt es sich um die so genannte Projektinitiative: Schüler/innen und Lehrer/innen bringen eine Idee, eine Anregung, ein Problem oder einen Wunsch vor. Das Entscheidende an der Projektinitiative besteht darin, dass sie eine offene Ausgangslage darstellt. Dabei lernen die Schüler/innen, ein Interessensgebiet selbsttätig zu strukturieren, eigenständig nach Bearbeitungsoptionen zu suchen und die Beschaffung von Informationsmaterial selbstständig zu organisieren. Als zweite Komponente folgt die Auseinandersetzung mit der Projektinitiative. Nachdem die Schüler/innen ihre Wünsche artikuliert haben, muss nun geklärt werden, inwiefern diese realisierbar sind. Die Schüler/innen wählen zusammen mit der Lehrperson eine Projektinitiative aus. Sie präzisieren selbige mit Hilfe von Stichwörtern, grenzen sie ein, formulieren das Projektvorhaben genauer bzw. setzen Schwerpunkte, daraus lässt sich dann eine Projektskizze entwickeln.

Die dritte Komponente befasst sich mit der Entwicklung des von den Schüler/innen ausgewählten Interessengebietes. In dieser Phase entsteht ein so genannter Arbeitsplan. Um diesen zu realisieren, ist es von Nöten, das Thema/Interessensgebiet genauer zu definieren sowie geeignete Verfahren und Durchführungsstrategien zu entwickeln. Der daraus resultierende Projektplan beschreibt nicht nur die Reihenfolge der Handlungen, um das vereinbarte Ziel zu erreichen, sondern auch die Art und Weise, „die Qualität der Tätigkeit.“9

Bei der vierten Komponente geht es um die Realisierung des Projektplanes. Die Schüler/innen führen entweder den Plan aus, oder sie verstärken ihre Aktivitäten, die sie bereits mit Vorübungen, Probestücken, Simulationen und anderen Anlauftätigkeiten begonnen haben. Letztere Art entspricht all jenen Bereichen, bei denen Fertigkeiten, Know-how, Techniken, Verfahren und künstlerische Leistungen inkludiert sind. Des Öfteren merken die Projektteilnehmer/innen erst im Arbeitsprozess, ob und inwieweit geplante Vorstellungen realisierbar sind und müssen dann wiederum entscheiden, ob und wie der Plan zu modifizieren ist.

Die fünfte Komponente umfasst das Ende des Projektes, unabhängig davon, ob es erfolgreich oder unerfolgreich verlaufen ist, kann es zu einem bewussten Abschluss oder zum Auslaufen lassen kommen.10 Der bewusste Abschluss bedeutet ein tatsächliches Ende des Projektes, wie beispielsweise durch Fertigstellung eines Produktes. In Bezug auf das Auslaufen lassen ist ein offenes Ende gemeint, möglicherweise wird nach einem Tierschutzprojekt ein Tierschutzverein gegründet, um die Projektarbeit weiterzuführen, oder es werden andere Aktivitäten angeschlossen.

Bei der sechsten Komponente handelt es sich um Fixpunkte, so genannte Schaltstellen des Projektes. Sie dienen als Gelegenheit zur Pause, zum Analysieren des Fortschrittes in Bezug auf den Gesamtplan und sind vor allem bei zeitaufwendigen Großprojekten von Bedeutung, um einer möglichen Orientierungslosigkeit oder einer fehlender Abstimmung entgegenwirken zu können.

Die siebte und letzte Komponente, die Metainteraktion, dient der Auseinandersetzung mit dem Projektgeschehen sowie der Analyse des sozialen Umgangs miteinander. Im Zuge der Metainteraktion sollen die Teilnehmer/innen durch kritische Reflexion eine gewisse Distanz zur eigenen Arbeit erzielen. Nach Freys Auffassung kann ich "eine Arbeit erst durch die Metainteraktion zu einer bildenden Handlung entwickeln.“

[...]


1 Jürgens, Eiko: Die neue Reformpädagogik und die Bewegung Offener Unterricht. S. 40ff

2 Schart, Michael: Projektunterricht - subjektiv betrachtet. S.68

3 /www.projektmagazin.de/glossar/gl-0059.html

4 Stripf , Rainer: Fächerverbindender Unterricht und Lernen in Projekten. S. 55

5 Schart, Michael: Projektunterricht - subjektiv betrachtet. S.68

6 Schart, Michael: Projektunterricht-subjektiv betrachtet S.69

7 Frey, Karl: Die Projektmethode. S. 27

8 Ebd.

9 Frey, Karl: Die Projektmethode. S 140

10 Ebd. S. 175

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Projektunterricht als Teil des "Offenen Lernens" am Beispiel eines Zeitungsprojektes im Deutschunterricht
Hochschule
Pädagogische Hochschule Oberösterreich  (Institut APS für Fort-und Weiterbildung)
Note
Bestanden
Autor
Jahr
2009
Seiten
33
Katalognummer
V141220
ISBN (eBook)
9783640532131
ISBN (Buch)
9783640532346
Dateigröße
629 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Bei Lehrgängen an der PH-Oberösterreich werden Projektarbeiten entweder mit "Bestanden" oder mit "Nicht Bestanden" beurteilt.
Schlagworte
Projektunterricht, Teil, Offenen, Lernens, Beispiel, Zeitungsprojektes, Deutschunterricht, Bestanden
Arbeit zitieren
Mag. Wolfgang Bilewicz (Autor), 2009, Projektunterricht als Teil des "Offenen Lernens" am Beispiel eines Zeitungsprojektes im Deutschunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141220

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