Die deutsche Schulpädagogik besinnt sich seit den 80er Jahren verstärkt auf Konzepte der Reformpädagogik, unter dem Schlagwort „Öffnung von Unterricht“ wird nach Alternativen gesucht, Unterricht so zu gestalten, dass Schüler/innen entsprechend ihrer Interessen und Fähigkeiten den Lernprozess individuell und aktiv mitgestalten können. Diese Projektarbeit soll einen Teilbereich des Offenen Unterrichtes, nämlich den Projektunterricht genauer unter die Lupe nehmen. Der erste Teil meiner Arbeit wird sich vornehmlich den theoretischen Aspekten des Projektunterrichtes widmen, wie der komplexen Fragestellung der Begriffsdefinition, weiters wird auf die historisch-philosophische Entwicklung des Projektunterrichtes eingegangen und abschließend möchte ich die Chancen und Risken, die diese Art des Unterrichtens mit sich bringt, genauer beleuchten.
Im zweiten Teil dieser Arbeit berichte ich darüber, wie ich den theoretischen Input in meinen Unterricht einfließen ließ, in dem ich ein Projekt zum Thema „Printmedien in Österreich“ durchführte und selbiges mittels Umfrage unter den Schüler/innen einer kritischen Reflexion unterzog.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Offener Unterricht – Versuch einer Definition
3. Begriffsdefinition Projektunterricht
3.1.Ursprung und Geschichte des Projektunterrichtes
3.2. Projektmethode nach Karl Frey
3.3. Die sieben Komponenten der Projektmethode nach Karl Frey
4. Projektunterricht – zehn Merkmale nach Gudjons
4.1.Der Situationsbezug und die Lebensweltorientierung
4.2.Orientierung an den Interessen der Beteiligten
4.3.Selbstorganisation und Selbstverwaltung
4.4. Gesellschaftliche Praxisrelevanz
4.5.Zielgerichtete Projektplanung
4.6. Produktorientierung
4.7. Einbeziehen vieler Sinne
4.8. Soziales Lernen im Projekt
4.9. Interdisziplinarität
4.10.Grenzen des Projektunterrichtes
5. Praktischer Teil
5.1. Beschreibung und Charakteristik der Schule
5.2. Implementierung des Projektes
5.3. Evaluierung des Projektes
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept des Projektunterrichts als eine Form des offenen Lernens und evaluiert dessen praktische Anwendung im Rahmen eines Zeitungsprojekts im Deutschunterricht einer Hauptschule, um die Motivation und das Engagement der Schülerinnen und Schüler zu fördern.
- Grundlagen des offenen Unterrichts und Begriffsdefinitionen des Projektunterrichts.
- Historische Entwicklung und theoretische Modelle des Projektunterrichts nach Karl Frey und Herbert Gudjons.
- Praktische Implementierung eines Zeitungsprojekts in der 7. Schulstufe.
- Kritische Reflexion und Evaluierung des Projekterfolgs durch Schülerfeedback.
Auszug aus dem Buch
3.2. Projektmethode nach Karl Frey
Im deutschsprachigen Raum zählt vor allem der Pädagoge Karl Frey zu den prominentesten Befürwortern des offenen Lernens, der sich insbesondere mit der Projektmethode wissenschaftlich auseinandersetzte.
Obwohl Frey John Dewey und William Heard Kilpatrick als die Hauptvorbilder seiner Projektmethode betrachtet, ist er der Auffassung ein neues Konzept, basierend auf seiner Curriculumstheorie von 1972, entwickelt zu haben. Gemäß Freys Theorie sind die wesentlichen Merkmale, die alltägliches Handeln zu lernendem Handeln machen: eine Zielorientierung, Interaktion in einem vorher vereinbarten Rahmen, situative Distanz und spezifische Reflexion. Diese Begriffe werden im Folgenden näher erläutert.
Ein idealer curricularer Prozess findet nach Frey nur dann statt, wenn die zu Bildenden nicht von oben herab gebildet werden, wenn Bildung bildlich gesprochen nicht übergestülpt wird, sondern die Lernenden in die Planung ihrer Bildung möglichst von Anfang an einbezogen werden. Der Unterrichtende soll die Inhalte nicht allein bestimmen und präsentieren, der Bildungsprozess muss dialogisch, eben durch „Interaktion in einem vorher vereinbarten Rahmen,“ verlaufen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die theoretische Auseinandersetzung mit Projektunterricht und den Bericht über das in der Praxis durchgeführte Zeitungsprojekt.
2. Offener Unterricht – Versuch einer Definition: Dieses Kapitel definiert offenen Unterricht als Organisationsform, die Lernenden mehr Mitbestimmung bei Lerninteressen und sozialem Geschehen ermöglicht.
3. Begriffsdefinition Projektunterricht: Es wird die etymologische Herkunft des Projektbegriffs geklärt und die Komplexität einer eindeutigen Definition in der pädagogischen Literatur dargestellt.
3.1. Ursprung und Geschichte des Projektunterrichtes: Der geschichtliche Kontext wird von Comenius und Pestalozzi über den Gesamtunterricht von Berthold Otto bis zu John Deweys Arbeitsschulmodell nachgezeichnet.
3.2. Projektmethode nach Karl Frey: Das Kapitel stellt Karl Freys curriculares Konzept vor, das auf Zielorientierung, Interaktion, situativer Distanz und spezifischer Reflexion basiert.
3.3. Die sieben Komponenten der Projektmethode nach Karl Frey: Die sieben Phasen von der Projektinitiative bis zur Metainteraktion werden detailliert als essenzielle Schritte des Projektverlaufs erläutert.
4. Projektunterricht – zehn Merkmale nach Gudjons: Gudjons' Ansatz, den Projektbegriff nicht starr zu definieren, sondern durch zehn charakteristische Merkmale einzukreisen, wird hier thematisiert.
4.1. Der Situationsbezug und die Lebensweltorientierung: Dieses Kapitel betont die Bedeutung lebensnaher Problemstellungen für den Projektunterricht.
4.2. Orientierung an den Interessen der Beteiligten: Es wird erläutert, wie wichtig es ist, die Interessen von Lehrern und Schülern in das Projekt einzubinden.
4.3. Selbstorganisation und Selbstverwaltung: Das Kapitel hebt die geteilte Verantwortung für den Projekterfolg hervor.
4.4. Gesellschaftliche Praxisrelevanz: Hier wird die Notwendigkeit aufgezeigt, den Bezug zu außerschulischen Erfahrungen und Adressaten herzustellen.
4.5. Zielgerichtete Projektplanung: Planungselemente wie Ziel-, Zeit-, Material- und Kostenplanung werden in ihrem Kontext zum Projektunterricht erklärt.
4.6. Produktorientierung: Es wird erklärt, warum die Erstellung eines sichtbaren oder erfahrbaren Ergebnisses für die Identifikation mit dem Projekt zentral ist.
4.7. Einbeziehen vieler Sinne: Dieses Kapitel beschreibt den integrativen Ansatz, bei dem geistige und körperliche Kräfte durch vielseitige Lernformen zusammengeführt werden.
4.8. Soziales Lernen im Projekt: Der Wandel von hierarchischen Strukturen hin zu demokratischer Kooperation und Konsensfindung steht hier im Fokus.
4.9. Interdisziplinarität: Es wird dargelegt, wie Projekte über Fachgrenzen hinweg in den Schulalltag integriert werden können.
4.10. Grenzen des Projektunterrichtes: Das Kapitel benennt Hürden wie mangelnde Zeit, Lehrplanvorgaben oder fehlendes Engagement als Gründe für das Scheitern von Projekten.
5. Praktischer Teil: Die Einbettung der Theorie in das schulische Projekt über Printmedien wird praxisorientiert dargestellt.
5.1. Beschreibung und Charakteristik der Schule: Das schulische Umfeld der Hauptschule Wels-Pernau mit ihren Schwerpunkten und Klassenstrukturen wird charakterisiert.
5.2. Implementierung des Projektes: Dieser Abschnitt beschreibt den konkreten Ablauf des Zeitungsprojekts, von der Themenwahl über Stationenbetriebe bis hin zum Expertenbesuch.
5.3. Evaluierung des Projektes: Die Auswertung der Schülerbefragungen gibt Aufschluss über den Projekterfolg und die Akzeptanz bei den Lernenden.
Schlüsselwörter
Projektunterricht, Offener Unterricht, Karl Frey, Herbert Gudjons, Zeitungsprojekt, Medienkompetenz, Schülerinteresse, Projektmethode, Selbstorganisation, Interdisziplinarität, Produktorientierung, Projektarbeit, Evaluierung, Pädagogik, Deutschunterricht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den theoretischen Grundlagen und der praktischen Anwendung des Projektunterrichts als Form des offenen Unterrichts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den pädagogischen Theorien zum Projektunterricht, der Bedeutung von Schülermitbestimmung und der konkreten Durchführung eines Zeitungsprojekts.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu zeigen, wie Projektunterricht als Teil des offenen Lernens gestaltet werden kann und wie dieser von den Schülern in der Praxis angenommen wird.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung fachwissenschaftlicher Literatur und einer projektbegleitenden, retrospektiven Evaluierung mittels Schülerfragebogen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst sowohl die theoretische Fundierung nach Frey und Gudjons als auch den praktischen Teil inklusive Schulcharakteristik, Projektumsetzung und Auswertung der Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Projektunterricht, offener Unterricht, Zeitungsprojekt, Projektmethode, Schülerpartizipation und Evaluierung.
Wie bewerten die Schüler das Zeitungsprojekt?
Die Mehrheit der Schüler beurteilte die Themenwahl und das Projekt positiv, wobei insbesondere das rätselbasierte Lernen und die Plakatherstellung Anklang fanden.
Welche Herausforderungen gab es bei der Umsetzung?
Herausforderungen bestanden in der hohen Inhomogenität der Klasse, der teilweise zu theoretischen Gestaltung des Materials sowie der unterschiedlichen Motivation bei Gruppenarbeiten.
Warum wurde die "Metainteraktion" als wichtig erachtet?
Nach Karl Frey ist die Metainteraktion zentral, um durch kritische Reflexion des eigenen Handelns eine "bildende Handlung" überhaupt erst zu ermöglichen.
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- Mag. Wolfgang Bilewicz (Author), 2009, Projektunterricht als Teil des "Offenen Lernens" am Beispiel eines Zeitungsprojektes im Deutschunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141220