Das deutsche Gesundheitssystem befindet sich seit geraumer Zeit in einer Notlage. Die Gründe hierfür sind vielfältiger Natur und betreffen alle Bereiche des Gesundheitswesens. Als eines der größten Probleme ist die Finanzierungsseite des Gesundheitssystems anzusehen. Auf dieser sehen sich steigende Ausgaben sinkenden Einnahmen gegenübergestellt, was unter anderem der aktuellen demographischen Entwicklung der deutschen Bevölkerung geschuldet ist. Von Seiten vieler Experten werden
daher effektive Reformen gefordert, um das Gesundheitssystem aus dieser Misere zu befreien. Als einer der ersten Punkte zur Verbesserung der Lage wird häufig die Öffnung des Gesundheitsmarktes für den Wettbewerb gefordert. Durch das Wirken der so ermöglichten Marktprozesse sollen die festgefahrenen Strukturen der Krankenversicherung aufgebrochen
und damit die mannigfaltig vorhandenen Effizienz- und Effektivitätsreserven erschlossen werden. Effizienz bedeutet in diesem Zusammenhang, „ein gesellschaftlich optimales oder
die Wohlfahrt maximierendes Niveau an Gesundheitsleistungen kostenminimal bereitzustellen“. Effektivität dagegen befasst sich mit der „Fähigkeit, ein Bündel an Gesundheitsleistungen mit kostenminimalem Einsatz der Inputfaktoren (wie Personal,
Sachmittel, Wissen usw.) bereitzustellen“. Zwar wurden vom Gesetzgeber bereits Versuche unternommen, geeignete Reformen auf den Weg zu bringen, die Wirkungen allerdings blieben, mit Ausnahme weniger Teilerfolge, aus.
Ziel dieser Seminararbeit ist es zu untersuchen, ob und wie eine Einführung des Wettbewerbs die Probleme des deutschen Gesundheitssystems, zumindest partikulär, lösen
und dieses stärken kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das deutsche Gesundheitssystem
2.1 Kurze Einführung in das System der Krankenversicherung
2.2 Grundlegende Probleme des deutschen Gesundheitssystems
2.3 Effizienzpotentiale innerhalb des deutschen Gesundheitssystems
3 Wettbewerb im Gesundheitssystem
3.1 Eigenschaften und Besonderheiten des Wettbewerbs im Gesundheitssystem
3.2 Wettbewerbsfelder innerhalb des Wettbewerbs
3.2.1 Versicherungsmarkt – Wettbewerb zwischen Krankenkassen um Versicherte
3.2.2 Leistungsmarkt – Wettbewerb zwischen Leistungserbringern um Krankenkassen
3.2.3 Behandlungsmarkt – Wettbewerb zwischen Leistungserbringern um Patienten
3.3 Interaktionen der Wettbewerbsfelder
3.4 Empirische Untersuchung der Wirkung der Wettbewerbsfelder
3.4.1 Wettbewerb auf dem Versicherungsmarkt zur Kostendämpfung
3.4.2 Wettbewerb auf dem Leistungsmarkt zur Kostendämpfung
3.4.3 Wettbewerb auf dem Behandlungsmarkt zur Qualitätssteigerung
4 Erfahrungen aus dem Ausland
4.1 Das Gesundheitssystem der Niederlande
4.2 Das Gesundheitssystem der Schweiz
4.3 Implikationen für das deutsche Gesundheitssystem
5 Die Gesundheitsreform 2007 – Das GKV-WSG
5.1 Der Gesundheitsfonds: Herzstück der Gesundheitsreform 2007
5.1.1 Die Struktur des Gesundheitsfonds
5.1.2 Wettbewerbswirkungen des Gesundheitsfonds
5.2 Ausgewählte Neuerungen und deren Wirkung auf den Wettbewerb
5.2.1 Reformen im Bereich der Tarifgestaltung
5.2.2 Reformen im Bereich des selektiven Vertragsabschlusses
5.2.3 Reformen im Bereich des Arzneimittelmarktes
5.3 Fazit
6 Zusammenfassung der Ergebnisse
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung, ob und in welcher Form die Einführung von Wettbewerbselementen die Probleme des deutschen Gesundheitssystems, insbesondere hinsichtlich Finanzierung und Effizienz, lösen kann. Dabei wird analysiert, wie Marktprozesse innerhalb der Krankenversicherung initiiert werden können, ohne die Qualität der Versorgung zu gefährden.
- Strukturanalyse des deutschen Krankenversicherungssystems und seiner Effizienzreserven.
- Differenzierung der Wettbewerbsfelder (Versicherungs-, Leistungs- und Behandlungsmarkt).
- Vergleichende Analyse der Gesundheitssysteme in den Niederlanden und der Schweiz.
- Bewertung der Gesundheitsreform 2007 (GKV-WSG) und deren Auswirkungen auf den Wettbewerb.
- Identifikation von Implikationen für zukünftige Reformansätze.
Auszug aus dem Buch
3.1 Eigenschaften und Besonderheiten des Wettbewerbs im Gesundheitssystem
Die herausragenste Eigenschaft des Wettbewerbs liegt in der Fähigkeit „knappe Mittel auf miteinander konkurrierende Zwecke“ zu verteilen. Nun stellt sich die Frage, ob der Wettbewerb dieser Funktion auch im Gesundheitswesen nachkommen kann. Dies ist fraglich, da der Gesundheitsgütermarkt auf Grund seiner Komplexität einen besonderen Markt darstellt. Daher wird ein reiner Wettbewerb „nicht zu einer optimalen Allokation der Ressourcen führen“ können. Dies hat weitreichende Gründe. So existieren auf dem Gesundheitsmarkt u.a. erhebliche Informationsasymmetrien, z.B. zwischen Arzt und Patient, die ein Marktversagen hervorrufen können. Die Nachfrage liegt nicht in der Hand des Patienten, sondern wird vom Arzt bestimmt, da dieser einen Informationsvorsprung gegenüber dem Patienten besitzt, was beispielsweise Behandlungsmethoden anbelangt.
Daher wird der Arzt „mehr und/oder teurere Leistungen anbieten, als dies in einem funktionierenden Markt möglich wäre“, um sein Einkommen zu maximieren. Auch weitere Informationsasymmetrien wie ex-ante und ex-post moral hazard tragen dazu bei, dass ein reiner Wettbewerb keine effiziente Allokation herbeiführen kann (vgl. Abschnitt 2.2).
Dem reinen Wettbewerb gegenüber steht die reine staatliche Regulierung. Aber auch diese ist nicht in der Lage, eine effiziente Allokation der Ressourcen bereitzustellen, da die Gefahr eines Staatsversagens gegeben ist, z.B. aufgrund der Tatsache, dass bei einer staatlichen Regulierung „alle Anbieter medizinischer Leistungen fest angestellte Gehaltsempfänger sind, [daher] fehlt ihnen der Anreiz, Leistungen zu erbringen, und es kommt zu künstlichen Knappheiten und Warteschlangen der Nachfrager“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die aktuelle Notlage des deutschen Gesundheitssystems ein und definiert das Ziel, die Auswirkungen einer Wettbewerbseinführung zu untersuchen.
2 Das deutsche Gesundheitssystem: Dieses Kapitel erläutert die Struktur der Krankenversicherung sowie die grundlegenden Probleme wie Finanzierungsdefizite und Effizienzdefizite durch demographischen Wandel.
3 Wettbewerb im Gesundheitssystem: Hier werden die theoretischen Eigenschaften von Wettbewerb im Gesundheitswesen sowie die drei zentralen Wettbewerbsfelder (Versicherungs-, Leistungs- und Behandlungsmarkt) detailliert analysiert.
4 Erfahrungen aus dem Ausland: Es werden die Gesundheitssysteme der Niederlande und der Schweiz auf ihren regulierten Wettbewerb hin untersucht und Implikationen für Deutschland abgeleitet.
5 Die Gesundheitsreform 2007 – Das GKV-WSG: Das Kapitel befasst sich mit der zentralen Neuerung des Gesundheitsfonds und bewertet, ob die gesetzlichen Reformen den Wettbewerb tatsächlich stärken oder eher hemmen.
6 Zusammenfassung der Ergebnisse: Abschließend werden die zentralen Erkenntnisse gebündelt und die Notwendigkeit weiterer, über das GKV-WSG hinausgehender Reformen unterstrichen.
Schlüsselwörter
Gesundheitssystem, Wettbewerb, Krankenversicherung, Gesundheitsfonds, GKV-WSG, Effizienz, Risikoselektion, Leistungsmarkt, Managed Care, Kostendämpfung, Gesundheitsreform, Marktprozesse, Finanzierungslücke, Versorgungsqualität, Vertragsabschluss.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Grenzen eines regulierten Wettbewerbs innerhalb des deutschen Gesundheitssystems, um die dort bestehenden Ineffizienzen und Finanzierungsprobleme zu bewältigen.
Welche sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Finanzierungsstruktur der GKV, den Wettbewerb zwischen Krankenkassen, die Interaktion zwischen Leistungserbringern und Versicherten sowie die Bewertung der Gesundheitsreform 2007.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, zu analysieren, ob Wettbewerb ein geeignetes Instrument zur Steigerung der Effizienz im deutschen Gesundheitswesen darstellt und welche Lehren aus den Modellen der Niederlande und der Schweiz gezogen werden können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor stützt sich auf eine theoretische Analyse der Marktbedingungen im Gesundheitswesen und kombiniert diese mit einer empirischen Betrachtung von Wettbewerbseffekten sowie einem Ländervergleich (Niederlande/Schweiz).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Wettbewerbs, die Analyse verschiedener Wettbewerbsfelder, den Auslandsexkurs und die kritische Würdigung des GKV-WSG.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Neben dem zentralen Begriff des Wettbewerbs sind die Begriffe Gesundheitsfonds, Risikoselektion, Managed Care und Effizienzpotentiale maßgeblich für das inhaltliche Verständnis.
Wie bewertet der Autor den Gesundheitsfonds (GKV-WSG)?
Der Autor steht dem Gesundheitsfonds kritisch gegenüber und bezeichnet ihn als inkonsequenten Schritt, der in seiner jetzigen Form sogar wettbewerbsschädigende Wirkungen entfalten könnte.
Welche Rolle spielt die freie Arztwahl im Wettbewerb?
Die freie Arztwahl ist ein wichtiger Faktor für die Versorgungsqualität, kann jedoch bei selektiven Verträgen (z.B. in Managed-Care-Modellen) eingeschränkt werden, was zu einem Konflikt zwischen Kosteneffizienz und Patientenpräferenzen führt.
Warum ist eine Risikoselektion laut der Arbeit problematisch?
Die Risikoselektion führt dazu, dass Krankenkassen Anreize erhalten, eher gesunde Versicherte zu binden ("Rosinenpickerei"), anstatt in die Optimierung der Versorgung für chronisch Kranke zu investieren.
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- Jan Lampp (Autor), 2009, Wettbewerb im Gesundheitssystem, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141486