Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht das zugrundeliegende Konzept der Gleichheit im politischen Werk des Thomas Hobbes, insbesondere im Leviathan. Das Postulat der natürlichen Gleichheit des Menschen, die Hobbes logisch aus dem Naturzustand deduzieren kann, und die auch im Gesellschaftszustand in einer prinzipiellen Gleichheit aller Untertanen resultiert, soll in diesem Sinne vor allem auf diejenige Gesellschaftsschicht hin überprüft werden, der sie am vielleicht wenigsten gelegen kommen kann – dem Adel.
Obwohl Hobbes sich Zeit seines Lebens im Kreise der Aristokratie, maßgeblich der Familie der Cavendishs, bewegt hat und somit eine Adel kennt, der sowohl an dem alten patriarchalem System mit der Verantwortlichkeit für sein Lehen, „seine Leute [...] und seine sozial Schwachen in seinen Dörfern“ festhält – ein System sozialer Fürsorge, die auch dem moralischen Hobbes in seinem Idealstaat wichtig ist – und zum anderen für neue geistige Strömungen offen ist , fällt Hobbes Bewertung über dessen sozialen Status paradoxerweise außerordentlich negativ aus.
Ziel dieser Hausarbeit ist es nun, Hobbes’ – innerhalb des Leviathan – alternativ zur Statushierarchie des 16. und 17. Jahrhunderts entworfenes System, das er selbst als eine Herrschaft über die Söhne des Stolzes bezeichnet, auf seine Konsequenzen für die Aristokratie und deren Privilegien zu untersuchen. Das städtische Bürgertum, vor allem aufsteigende Kaufleute und Handwerker, und das gemeine Volk werden dabei nicht thematisiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Thomas Hobbes – Vita, Werk, Methode
2.1. Vita
2.2. Werk
2.3. Methode und Theorie
3. Konzeptionen der Gleichheit
3.1. Politischer Aristotelismus
3.2. Konzeption der Gleichheit im Leviathan
4. Der Adel im Konzept der Gleichheit
4.1. Elisabethanisches Erbe und hierarchische Gesellschaftsstruktur
4.2. Stand und Beurteilung des Adels im Leviathan
4.3. Zur Theorie der Marktgesellschaft
5. Fazit: Herrscher über die Söhne des Stolzes
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Konzept der Gleichheit im politischen Werk von Thomas Hobbes, insbesondere im Leviathan, und analysiert dessen Auswirkungen auf den gesellschaftlichen Status und die Privilegien des Adels im England des 17. Jahrhunderts.
- Die natürliche Gleichheit des Menschen bei Thomas Hobbes.
- Abgrenzung der hobbesianischen Philosophie vom aristotelischen Denken.
- Die historische Rolle des Adels in der elisabethanischen Gesellschaftsstruktur.
- Kritik an ständischen Privilegien im Kontext eines souveränen Staates.
- Die Interpretation von Hobbes im Hinblick auf eine Marktgesellschaft.
Auszug aus dem Buch
3.1. Politischer Aristotelismus
Die politische Philosophie des Aristoteles und dessen Lehrstücke von der politischen Natur des Menschen und den richtigen bzw. politisch missratenen Verfassungen galten bislang als „verbindliche Philosophie des Menschen und der menschlichen Angelegenheiten“. Anthropos zoon politikon physei estin – der Mensch ist ein politisches Lebewesen von Natur aus, und nur in der Gemeinschaft der Bürger – welche die einzig naturangemessene Lebensweise des Menschen sein kann – lassen sich „die den Menschen ausmachenden natürlichen Fähigkeiten, seine Vernünftigkeit, Sprachfähigkeit und Handlungsfähigkeit“ entwickeln. Die Verwirklichung und Vollendung der menschlichen Natur ist der metaphysischen, den Lebewesen eingeschriebenen Naturteleologie nach also nur in der Partizipation am Gemeinwesen der Bürger, in der Politik zu erreichen.
Dieses politische Leben ist bei Aristoteles strikt von der privaten und ökonomischen Welt getrennt. Denn die im autonomen oikos bestehenden Herrschaftsbedingungen sind paternalisch und despotisch, das Familienoberhaupt ist Herr über die Mitglieder des oikos – es sind also Verhältnisse zwischen Ungleichen. Diese aber für den oikos bestehenden paternalischen und despotischen Muster dürfen nicht für das Politische, nicht für die Beziehungen innerhalb der polis geltend gemacht werden, denn die polis ist eine Gesellschaft von Bürgern, ihre Beziehungen sind die zwischen Freien und Gleichen, mit der Konsequenz, dass die Freiheit der staatlichen Ordnung „durch das bloße Vorhandensein willkürlicher Macht untergraben wird, denn diese hat zur Folge, die Mitglieder solcher Ordnungen vom Status freier Menschen in den Stand der Knechtschaft herabzusetzen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, Hobbes' Konzept der natürlichen Gleichheit kritisch auf den Adel anzuwenden.
2. Thomas Hobbes – Vita, Werk, Methode: Dieses Kapitel gibt einen biografischen Überblick und erläutert Hobbes' wissenschaftliche Methode, die den Menschen materialistisch aus Bewegungen ableitet.
3. Konzeptionen der Gleichheit: Hier wird der Bruch mit der aristotelischen Lehre vollzogen und Hobbes' deduktive Herleitung der natürlichen Gleichheit im Leviathan dargelegt.
4. Der Adel im Konzept der Gleichheit: Dieser Abschnitt analysiert das elisabethanische Ständesystem und wie Hobbes' Konzept des souveränen Staates bestehende adelige Privilegien delegitimiert.
5. Fazit: Herrscher über die Söhne des Stolzes: Das Fazit fasst zusammen, dass Hobbes eine Gesellschaft Gleicher vor dem Souverän fordert, wobei er den elitären Stolz des Adels als friedensgefährdend ablehnt.
Schlüsselwörter
Thomas Hobbes, Leviathan, Gleichheit, Adel, Naturzustand, Souveränität, Aristotelismus, politische Philosophie, Marktgesellschaft, Ständesystem, Privilegien, Naturrecht, Gesellschaftsvertrag, England, Bürgertum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das politische Denken von Thomas Hobbes im Leviathan, mit einem besonderen Fokus auf sein Verständnis von Gleichheit und die Konsequenzen, die sich daraus für den Adel seiner Zeit ergeben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die natürliche Gleichheit, den politischen Bruch mit dem Aristotelismus, die elisabethanische Sozialstruktur sowie die moderne Interpretation Hobbes' als Theoretiker einer Marktgesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, das von Hobbes alternativ zur Statushierarchie des 17. Jahrhunderts entworfene System der "Herrschaft über die Söhne des Stolzes" auf seine Folgen für aristokratische Privilegien zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit analysiert Hobbes' eigene "mos geometricus" bzw. analytische Methode, bei der Gesellschaft und Mensch auf ihre physikalischen Grundeinheiten reduziert und kausal neu zusammengesetzt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die Biografie, die Theoriebildung, den Gegensatz zum Aristotelismus, die historischen Hintergründe der englischen Gesellschaft vor dem Bürgerkrieg und Hobbes' ablehnende Haltung gegenüber adeligen Vorrechten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Gleichheit, Souveränität, Adel, Privilegien und Leviathan geprägt.
Warum bewertet Hobbes den Adel trotz seines eigenen sozialen Umfelds negativ?
Hobbes betrachtet den Adel als eine Gruppe, die durch Ruhmsucht und starre Traditionen den staatlichen Frieden gefährdet, was seinem Ideal der prinzipiellen Gleichheit aller Untertanen vor dem Souverän widerspricht.
Inwiefern beeinflusste der elisabethanische Kontext Hobbes?
Hobbes wuchs in einer von einer starren, hierarchischen Ordnung geprägten Welt auf, die er später als "frame of order" analysierte, um sie in seinem eigenen System der souveränen Macht zu dekonstruieren.
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- Student Angela Kunze (Author), 2008, Thomas Hobbes' Leviathan - Zur Konzeption der Gleichheit und ihrer Konsequenzen für den Adel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141857