Die Finanzkrise hat den Ruf nach Regulierung laut werden lassen - aber auf der anderen Seite auch gezeigt, dass einzelne Regulierungsmaßmaßnahmen bei einer globalen Krise keine Wirkung zeigen. Vor allem wenn verschiedene Regulierungen nicht aufeinander abgestimmt sind, kann dies in gegensätzlicher Weise Krisentendenzen verschlimmern. So stellt sich hier die Frage nach der richtigen Regulierung. Kann es ein Zuviel an Regulierung geben? Die derzeitige Krise, wie auch jede zukünftige wird von globaler Natur sein und daher ist es heute wichtiger als je zuvor, dass die einzelnen Akteure zusammenarbeiten und eine einheitliche Lösung gefunden wird – jedoch nicht um jeden Preis.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsdefinitionen
2.1 Bank/Finanzintermediär
2.2 Regulierung
3. Gründe für eine Regulierung des Finanzsektors
3.1 Wettbewerbsbedrohung
3.2 Informationsasymmetrien
3.3 Externe Effekte
4. Prinzipien der Regulierung
4.1 Informationspflichten
4.2 Einlagenversicherung
4.3 Eigenkapitalvorschriften
5. Schwächen der aktuellen Regulierung
5.1 Regulierungsarbitrage
5.2 Einzelinstitutsorientierung
5.3 Intransparenz
5.4 Prozyklizität
5.5 Zusammenfassung weiterer „Gaps“
6. Kritik am Konzept der Regulierung
7. Ausblick
8. Fazit
9. Appendix
10. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Notwendigkeit und Wirksamkeit der Bankenregulierung vor dem Hintergrund der Finanzkrise, mit dem Ziel, Schwachstellen im bestehenden regulatorischen Rahmen zu identifizieren und mögliche Lösungsansätze zu evaluieren.
- Grundlagen der Banken- und Finanzmarktregulierung
- Analyse der ökonomischen Begründungen für staatliche Eingriffe
- Kritische Evaluation der Basel II-Vorschriften und ihrer prozyklischen Wirkung
- Untersuchung von regulatorischen Schwachstellen („Gaps“) wie Regulierungsarbitrage und Intransparenz
- Diskussion aktueller politischer Entwicklungen und internationaler Aufsichtskonzepte
Auszug aus dem Buch
3.3 Externe Effekte
Allgemein kann das Entstehen externer Effekte durch zwei Theorien erklärt: Unvollständigkeit der Märkte oder der Argumentation der Neuen Institutionenökonomik folgend einer zu geringen Spezifizierung von Verfügungsrechten können demnach zu diesen führen. Es kommt dadurch zu Nutzenbeeinträchtigungen die von den Beeinträchtigten nicht selbst beeinflusst werden können. Staatliche Regulierung kann hier zur Internalisierung führen. Die Frage hierbei ist nun ob die Kosten der Regulierung und die privaten „costs of failure“ die insgesamt gesehenen Kosten des Marktversagens durch Externalitäten nicht überschreiten. Wenn dies der Fall ist, lohnt sich eine staatliche Regulierung nicht.
Wie das einführende Zitat schon andeutet ist gerade der dritte Punkt als besonders schwerwiegend zu erachten, weshalb ich diesen näher beleuchten möchte. Brunnermeier et al. identifizieren mindestens fünf verschiedene Formen der negativen Externalitäten, die Marktversagen hervorrufen.
1. „information contagion“: bei Problemen der Bank A wird dieses Problem auch auf Bank B, die eine ähnliche Geschäftsstruktur hat, zurückgeworfen, sozusagen durch „Nicht Wissen“ übertragen. Die Kunden verlieren Vertrauen zu beiden Banken, was zu Liquiditätsproblemen führt. Das Beispiel von Lehman Brothers kann hier zur Illustration dienen: auf deren Insolvenz strauchelten ebenfalls Merril Lynch, Goldman Sachs and Morgan Stanley in Folge der vermeintlich sinnvollen Informationsübertragung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert den wachsenden Ruf nach einer neuen Architektur für internationale Finanzmärkte infolge der Finanzkrise und legt den Fokus der Arbeit auf die Analyse von Regulierungslücken.
2. Begriffsdefinitionen: In diesem Kapitel werden grundlegende Definitionen für die Begriffe Bank, Finanzintermediär und Regulierung im Kontext der Aufsicht erläutert.
3. Gründe für eine Regulierung des Finanzsektors: Das Kapitel behandelt die ökonomischen Hauptgründe für Finanzregulation, namentlich Wettbewerbsbedrohung, Informationsasymmetrien und externe Effekte.
4. Prinzipien der Regulierung: Hier werden die fundamentalen Ziele und Instrumente der Regulierung, wie Informationspflichten, Einlagensicherung und Eigenkapitalvorschriften, vorgestellt.
5. Schwächen der aktuellen Regulierung: Dieses Kapitel identifiziert und analysiert spezifische Schwachstellen im bestehenden System, darunter Regulierungsarbitrage, Einzelinstitutsorientierung, Intransparenz und Prozyklizität.
6. Kritik am Konzept der Regulierung: Es wird die Gegenposition beleuchtet, die vor einer möglichen Überregulierung warnt und auf die Bedeutung freier, evolutorischer Marktentwicklungen verweist.
7. Ausblick: Der Ausblick skizziert aktuelle politische Bestrebungen und Reformvorschläge auf internationaler und europäischer Ebene zur Stärkung der Finanzaufsicht.
8. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer ökonomisch sinnvollen Nachregulierung ohne die destruktiven Folgen einer Überregulierung.
9. Appendix: Der Appendix gibt einen Überblick über die verschiedenen Akteure der Regulierung in Deutschland und Europa.
10. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Publikationen.
Schlüsselwörter
Finanzkrise, Bankenregulierung, Basel II, Marktversagen, Informationsasymmetrien, Externe Effekte, Regulierungsarbitrage, Systemrisiko, Einlagensicherung, Eigenkapitalvorschriften, Finanzmarktaufsicht, Systemrelevanz, Ratingagenturen, Transparenz, Finanzkonglomerate.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den theoretischen Grundlagen, den Zielen und den offensichtlichen Schwachstellen der aktuellen Bankenregulierung vor dem Hintergrund der Finanzkrise.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Begründungen für Regulierung, das Prinzip der Eigenkapitalunterlegung, die Problematik von Informationsasymmetrien sowie die Herausforderungen einer makroprudentiellen Aufsicht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, sogenannte „Gaps“ in der aktuellen Regulierung aufzudecken, zu analysieren und mögliche Lösungswege aufzuzeigen, die ökonomisch sinnvoll sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf der Auswertung aktueller Fachliteratur, OECD-Berichten und regulatorischen Dokumenten basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begründung von Regulierung, die Prinzipien (wie Basel II), die Identifikation von Schwachstellen und eine kritische Auseinandersetzung mit dem Regulierungskonzept an sich.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Finanzkrise, Bankenregulierung, Marktversagen, Regulierungsarbitrage und Systemrisiken bestimmt.
Warum wird Basel II in der Arbeit kritisiert?
Basel II wird kritisiert, da die Eigenkapitalvorschriften prozyklisch wirken und somit in guten Zeiten zu übermäßiger Risikobereitschaft führen und in schlechten Zeiten die Krise verschärfen können.
Welche Rolle spielen Ratingagenturen in der vorliegenden Untersuchung?
Ratingagenturen werden als unregulierter Akteur identifiziert, deren Geschäftsmodell und mangelnde Haftbarkeit wesentlich zur Intransparenz und damit zur Entstehung der Finanzkrise beigetragen haben.
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- Johannes Lenhard (Autor), 2009, Bankenaufsicht und Regulierung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142119