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Hinter jeder Sucht steckt eine Sehnsucht. Zur Bedeutung von Wertefragen in der Arbeit mit alkoholsüchtigen Menschen

Titre: Hinter jeder Sucht steckt eine Sehnsucht. Zur Bedeutung von Wertefragen in der Arbeit mit alkoholsüchtigen Menschen

Mémoire (de fin d'études) , 2003 , 118 Pages , Note: 1,7

Autor:in: Jeanette Richter (Auteur)

Travail Social
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Résumé Extrait Résumé des informations

Diese Arbeit ist für all die Menschen geschrieben, die als Betroffene oder Angehörige unter einer Alkoholsucht leiden und denen mein ganzer Respekt und meine Wertschätzung gilt.

Bedingt durch meine eigene Geschichte, sind mir Menschen mit Alkoholproblemen, ihr „Suchen“, oft auch ihre Verzweiflung nicht unbekannt, sondern sehr vertraut.

In der Arbeit mit süchtigen Menschen traten immer wieder Werte- und Sinnfragen auf. Ich nahm diese auf und es entwickelten sich eher Gespräche, die dem Bereich der Spiritualität zuzuordnen wären, als dem der herkömmlichen Suchtberatung.

Dem anderen die Möglichkeit zu geben sich für diese ihm innewohnende „schöpferische Quelle“ zu öffnen oder sie ihm zugänglich zu machen, sah ich als das eigentliche Bestreben meiner Beratungsarbeit an und soll hier u.a. erstmals in Worte gekleidet werden.

Durch meine spätere Arbeit in der Psychosozialen Beratungsstelle als Honorarkraft stellte ich mehr und mehr fest, dass all diese Menschen auf einer Art „Suche“ sind. Wonach sie letztendlich suchten, war vielen zu Beginn noch gar nicht klar und ich verstand meine Aufgabe eher als eine Art „Fährtensucherin“, die ihnen bei ihrer „Suche“ behilflich sein wollte.

Ich möchte in dieser Arbeit ausführen, was hinter der Hypothese: „Hinter jeder Sucht steckt eine Sehnsucht“ steckt, was für sie spricht und was eventuell dagegen.

Ich versuche aufzuzeigen, welchen Stellenwert und welche Bedeutung „Wertefragen“ bei dieser Suche für die Klienten haben, welche Rolle die Einstellung des Beraters zu seinen eigenen Werten spielt und welche Auswirkungen diese Einstellung auf die „Hilfevermittlung“ hat.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. EINFÜHRUNG IN DAS THEMA „ALKOHOL-SUCHT“

1.1 Begrifflichkeiten

1.1.1 Sucht/Abhängigkeit

1.1.2 Alkoholmissbrauch

1.1.3 Alkoholsucht

1.2 Kriterien der Alkoholsucht

1.3 Wirkungsweise von Alkohol

1.4 Erklärungsmodelle

1.4.1 Psychologische Erklärungsmodelle

1.4.1.1 Psychoanalytischer Ansatz

1.4.1.2 Objekt-beziehungstheoretischer Ansatz

1.4.1.3 Verhaltenstherapeutischer Ansatz

1.4.1.4 Familientherapeutischer Ansatz

1.4.2 Das Multifaktorielle Modell nach LOVISCACH

1.4.3 Verdeutlichung der Ursachen am Beispiel der Erwerbstätigkeit

1.4.3.1 Risikogruppen

1.4.3.2 Erwerbsleben und Suchtentwicklung

1.4.3.3 Arbeitslosigkeit

1.4.3.4 Sinnerfahrungen

2. „HINTER JEDER SUCHT STECKT EINE SEHNSUCHT?!“

2.1 Argumente zur Belegung der Hypothese

2.1.1 Ein Gedicht von SATIR

2.1.2 Die Bedürfnispyramide nach MASLOW

2.1.3 Die Selbstverwirklichungstendenz des Menschen

2.1.4 Eigene Überlegungen zur Sucht und Sehnsucht

2.1.4.1 Umkehrschluss

2.1.4.2 Zustände und Umstände

2.1.4.3 Geduld und Erwartungshaltungen

2.2 Argumente zur Widerlegung der Hypothese

2.2.1 Hormonelle Faktoren

2.2.2 Genetische Faktoren

2.2.3 Das „Sucht-Gedächtnis“

2.3 Zusammenfassende Bewertung

3. WERTEFRAGEN IN DER SUCHTHILFE

3.1 Bedeutung von „Werten“

3.1.1 Definition

3.1.2 Einfluss gesellschaftlicher Werte

3.2 Basis-Werte

3.2.1 Zunehmende Bewusstheit

3.2.2 Selbstannahme

3.2.3 Eigenverantwortung

4. DIE ARBEIT AN EINER SUCHTBERATUNGSSTELLE

4.1 Zielgruppen

4.2 Grundlagen der Einrichtung

4.2.1 Menschenbild

4.2.2 Suchtverständnis

4.2.3 Arbeitsansatz

4.3 Aufgabenbereiche der Suchtberatungsstelle

4.3.1 Diagnostik

4.3.2 Beratung

4.4 Die Rolle des Beraters

4.4.1 Grundhaltung des Beraters

4.4.1.1 Mein Menschenbild

4.4.1.2 Kennzeichen des personenzentrierten Ansatzes nach ROGERS

4.4.2 Ziele der Beratung

4.4.3 Einfluss der Werte des Beraters auf den Beratungsprozess

4.5 Verdeutlichung anhand einer Fallgeschichte

4.5.1 Die Geschichte von Frau Schneider

4.5.1.1 Vorgeschichte von Frau Schneider

4.5.1.2 Auszüge aus den Beratungsgesprächen

4.5.1.3 Weitere Entwicklung von Frau Schneider

4.5.2 Resümee

5. HANDLUNGSANSÄTZE

5.1 Ganzheitliche Schulung

5.2 Unterrichtsfach „Ethik“

5.3 Ausweitung der ambulanten Therapie

5.4 Arbeitskreis „Wertefragen in der Suchthilfe“

5.5 Einbeziehung der Medien

6. SCHLUSSWORT

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht die Hypothese, ob hinter jedem Suchtverhalten eine Sehnsucht steht, und welche fundamentale Bedeutung die Auseinandersetzung mit persönlichen Werten in der therapeutischen Arbeit mit alkoholkranken Menschen hat. Die Autorin hinterfragt dabei die reine Krankheitsbetrachtung und plädiert für einen ganzheitlichen Ansatz, der den Klienten in seiner Suche nach Sinn und Selbstverwirklichung stärkt.

  • Zusammenhang zwischen Sucht, Sehnsucht und dem menschlichen Antrieb zur Selbstverwirklichung
  • Bedeutung der Wertefragen in der Suchtberatung und das Bezugssystem von Klient und Berater
  • Rolle der Beraterpersönlichkeit und die ethische Fundierung der professionellen Begleitung
  • Methodische Ansätze zur Integration von Sinnfragen in der ambulanten Suchthilfe
  • Bedeutung von Bewusstheit, Selbstannahme und Eigenverantwortung im Genesungsprozess

Auszug aus dem Buch

2.1.1 Ein Gedicht von SATIR

Jeder Mensch sehnt sich mehr oder weniger nach Glück und Zufriedenheit, nach Anerkennung und Geborgenheit, nach Angenommensein und „Etwas-wert-sein“, nach Gesundheit und Harmonie, nach Liebe und Friede, nach Selbsterkenntnis – nach Selbstverwirklichung. FREITAG formuliert es so:

„Es ist für jeden Suchenden ein wunderbares Glück, die wahre Natur des Seins zu erfahren, zu erleben, wie vorher Unüberwindliches plötzlich so transparent wird, wie die klare Morgenluft an einem schönen Frühlingstag. Gehen Sie auf die größte Entdeckungsreise des Lebens. Was auch immer Sie suchen – Gott, das Glück, Reichtum, Erfolg, Liebe, Sie werden immer zum Ausgangspunkt Ihrer Suche zurückkommen. Sie werden immer nur das Eine finden – sich selbst. Sie werden sich selbst erkennen, und in dieser Erkenntnis liegt das Ziel.... Anfang und Ende Ihrer Suche sind Sie selbst...“ (FREITAG, 1991, S. 39 f.).

Der Begriff „Sehnsucht“ kann so verstanden werden, dass sich der Mensch „süchtig“ n a c h etwas „sehnt“; als eine Art „Abzielen“ a u f etwas.

Manche Menschen sprechen z.B. in der Liebe oft von einer „verzehrenden“ Sehnsucht. Von einer Art „Wunde im Innern, die verzehrend sein kann...“, wenn sie sich nach dem geliebten Menschen sehnen. Eine andere Form der Liebe beschreibt Paramahansa YOGANANDA in seinem Buch „Autobiographie eines Yogi“, wenn er u.a. über seine „schmerzliche“ Sehnsucht nach Gott schreibt. Sein Bestreben ist es, Gott zu suchen und auch zu finden. Östliche Lehren gehen davon aus, dass in jedem Menschen diese Sehnsucht nach Gott tief verwurzelt ist. Doch nur die „Weisen“ bzw. Wissenden oder Bewussten würden Gott wirklich suchen – die „Unwissenden“ bzw. Unbewussten würden dies aber nicht tun.

Das Denken, Fühlen und Handeln scheint in der Sehnsucht also von starken Gefühlen beeinflusst zu sein, die sich der willentlichen Entscheidungsfähigkeit weitgehend entziehen. Bleibt die Erfüllung der Wünsche und Sehnsüchte aber aus oder dauert diese Erfüllung zu lange, kann sich der Betroffene in ein Suchtmittel flüchten – Erlösung wird angestrebt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINFÜHRUNG IN DAS THEMA „ALKOHOL-SUCHT“: Das Kapitel definiert grundlegende Begriffe, Kriterien und Erklärungsmodelle der Alkoholsucht und setzt sich kritisch mit dem Krankheitsbegriff auseinander.

2. „HINTER JEDER SUCHT STECKT EINE SEHNSUCHT?!“: Es erfolgt eine detaillierte Untersuchung der Hypothese von Verginia Satir durch psychologische und philosophische Argumente sowie eine persönliche Bewertung der Autorin.

3. WERTEFRAGEN IN DER SUCHTHILFE: Der Fokus liegt auf der Bedeutung von Werten, deren Einfluss auf das menschliche Handeln und der Identifikation von Basis-Werten wie Eigenverantwortung.

4. DIE ARBEIT AN EINER SUCHTBERATUNGSSTELLE: Das Kapitel bietet einen Einblick in die Praxis der Suchtberatung, die Rolle des Beraters und verdeutlicht diese anhand einer ausführlichen Fallgeschichte.

5. HANDLUNGSANSÄTZE: Hier werden konkrete Möglichkeiten aufgezeigt, um Sinn- und Wertefragen in der Suchthilfe sowie im Bildungswesen zu verankern.

6. SCHLUSSWORT: Die Autorin reflektiert ihre persönliche Entwicklung während des Schreibprozesses und wirft weiterführende Fragen zur Rolle der Sucht in unserer Gesellschaft auf.

Schlüsselwörter

Alkoholsucht, Sehnsucht, Selbstverwirklichung, Wertefragen, Suchtberatung, Eigenverantwortung, Psychosoziale Beratung, Sinnfindung, Suchtprävention, Personenzentrierter Ansatz, Verhaltensänderung, Selbstannahme, Sucht-Gedächtnis, Humanistische Psychologie, Lebenssinn.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Diplomarbeit untersucht die Bedeutung von Werten und Sehnsüchten in der Arbeit mit alkoholsüchtigen Menschen und hinterfragt, ob Sucht als Ausdruck einer verdrängten Sehnsucht nach Sinn und Selbstverwirklichung verstanden werden kann.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen gehören die theoretischen Erklärungsmodelle von Sucht, die Bedeutung von Werten in der Sozialarbeit sowie die konkrete Beratungspraxis in einer psychosozialen Beratungsstelle.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die Hypothese „Hinter jeder Sucht steckt eine Sehnsucht“ zu prüfen und aufzuzeigen, wie die Einbeziehung von Sinn- und Wertefragen die Beratung von Suchtkranken effektiver und ganzheitlicher gestalten kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert primär auf einer Literaturanalyse, die spirituelle, psychologische und fachspezifische Quellen einbezieht, ergänzt durch eigene berufliche Erfahrungen der Autorin in der Suchtberatung.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Suchtverständnisses, die Validierung der Kernhypothese, die Analyse der Bedeutung von Werten sowie die Darstellung praktischer Ansätze in der Suchtberatung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Sucht, Sehnsucht, Selbstverwirklichung, Wertefragen, Eigenverantwortung und eine personenzentrierte Grundhaltung in der Suchthilfe.

Warum verwendet die Autorin den Begriff „Alkoholsucht“ statt „Alkoholabhängigkeit“?

Die Autorin wählt diesen Begriff, da sie darin eine Zielrichtung und Absicht erkennt, die über das rein klinische Konzept der Abhängigkeit hinausgeht und den suchenden Charakter des Suchtverhaltens besser beschreibt.

Welche Rolle spielt die Fallgeschichte von Frau Schneider?

Die Fallgeschichte dient dazu, die theoretischen Ausführungen zur Bedeutung der Wert- und Sinnorientierung in der Beratung praktisch zu illustrieren und den individuellen Genesungsprozess einer Klientin nachvollziehbar zu machen.

Welche Bedeutung haben „Wertekonflikte“ für Suchtkranke?

Wertekonflikte entstehen, wenn das Individuum vorgelebte gesellschaftliche Werte nicht in Einklang mit den eigenen Bedürfnissen bringen kann, was zu Identitätsverlust und im Extremfall zur Flucht in die Sucht führen kann.

Was schlägt die Autorin für die Suchtprävention im Bildungswesen vor?

Sie schlägt eine Neubelebung und Ausweitung des Ethikunterrichts vor, um Kinder und Jugendliche frühzeitig in ihrer Wert- und Handlungsorientierung zu stärken und sie somit resilienter gegenüber Suchtentwicklungen zu machen.

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Résumé des informations

Titre
Hinter jeder Sucht steckt eine Sehnsucht. Zur Bedeutung von Wertefragen in der Arbeit mit alkoholsüchtigen Menschen
Université
University of Applied Sciences Esslingen
Note
1,7
Auteur
Jeanette Richter (Auteur)
Année de publication
2003
Pages
118
N° de catalogue
V142169
ISBN (ebook)
9783668177543
ISBN (Livre)
9783668177550
Langue
allemand
mots-clé
alkohol alkoholsucht alkoholiker selbsthilfe diplomarbeit suchthilfe suchtberatung sucht gesundheit spiritualität esoterik werte sehnsucht angehörige therapie studium angst sorgen trinken rausch co-abhängig selbstverwirklichung selbstwert bewusstsein
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Jeanette Richter (Auteur), 2003, Hinter jeder Sucht steckt eine Sehnsucht. Zur Bedeutung von Wertefragen in der Arbeit mit alkoholsüchtigen Menschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142169
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Extrait de  118  pages
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