Die Prüfung der individuellen Leistungsfähigkeit (Belastungsuntersuchung) ist Teil der sportmedizinischen Untersuchung und Funktionsdiagnostik. Die wesentlichen Parameter Ergometrie, Belastungs-EKG, Laktatbestimmung und Spiro(ergo)metrie liefern Aussagen über die Ausdauerfähigkeit, Herzleistung, Lungen- und die Stoffwechselfunktion, einschließlich einer indirekten Kalorimetrie, von Sportlern, Probanden oder Patienten.
Sie erfordert allerdings entsprechende Voraussetzungen hinsichtlich der Laborkapazitäten, der apparativen Ausstattung und des Wissenstandes des Personals!
Um vergleichbare Ergebnisse zu erzielen, Verlaufsuntersuchungen nach Interventionen und eine valide, evaluierbare Trainingsanalytik zu ermöglichen sind Methoden mit adäquatem Vorgehen notwendig. Deshalb sind Standards erforderlich.
Basis des Untersuchungsprogrammes können die Leitlinien der DGSP, Ebene IV-03/2002 sein.
Die Praxis zeigt, dass sowohl im ambulanten als auch im stationären und rehabilitativen Bereich, die sportmedizinische Belastungsuntersuchung mit einem standardisierten integrativen Konzept noch häufiger genutzt werden kann.
Die exakte Bestimmung der individuellen Leistungsfähigkeit des kardiopulmonalen, und muskulären Systems, des Stoffwechsels und damit der Belastbarkeit von Sportlern und Patienten, mit dem Resultat der kontrollierbaren Verordnung von Belastungsreizen ist nicht nur notwendig im Sinne einer nahtlosen Einbindung in Gesamttherapiekonzepte, sondern vor allem auch ein wesentlicher Part im Kontext der primären, sekundären und tertiären Prävention und Rehabilitation. Es sind dabei Längs- und Querschnittuntersuchungen möglich, Gruppenvergleiche und ebenso Vergleiche verschiedener medizinischer Behandlungszentren bzw. Untersucher.
Im repititorischen Teil werden zunächst wichtige Grundlagen der Belastungsuntersuchungen und ihre Aussagefähigkeit wiederholt und daraus entsprechende Empfehlungen abgeleitet, die in der Regel durch eigene Erfahrungen in der Praxis, im Sprechstunden- und Trainingsalltag, entstanden sind.
Diese kleine Broschüre kann nicht und soll auch nicht das breite Feld der Möglichkeiten der klinischen und ambulanten sportmedizinischen Belastungsuntersuchungen und ihre komplexen wissenschaftlichen Hintergründe erklären und darstellen! Sie könnte vielleicht aber eine mögliche praktische Hilfe für die/den sportmedizinisch interessierte/n Kollegin/en sein.
Das Literaturverzeichnis gibt Anregung zum Weiteren recherchieren.
Inhaltsverzeichnis
Teil 1
Einleitung
1. Voruntersuchungen/Anamnese
1.1. Allgemeine Grundlagen
1.1.1. Fragebögen für Sportler/Patienten
2. Indikationen
2.1. Anwendung von Belastungstests
2.1.1. Als Diagnostik
2.1.2. Als Therapieüberwachung
2.1.3. Zur Prognoseabschätzung
3. Definierte Kontraindikationen für Leistungstests
4. Zu bestimmende Standartparameter (allgemein)
5. Feldtests
5.1. Cooper-Test
5.2. Conconi-Test
6. Laktatbestimmung
6.1. Anaerobe Schwelle (ANS, anaerobic threshold, Laktatschwelle)
6.1.1. LTP (iANS, individuelle aerobe Schwelle)
6.2. Energiebereitstellung in Abhängigkeit von der Belastungsintensität
6.3. LTP 1 (aerobe Schwelle)
7. Physical Working Capacity (PWC)
7.1. Definition
7.2. Auswahlkriterien
7.3. Abbruchkriterien
7.4. Interpretation und Ergebnisrelevanz
8. Spiroergometrie (Goldstandart der Leistungsdiagnostik)
8.1. Anwendungsgebiete
8.2. Standartparameter
8.3. VO2max
8.3.1.Definition
8.3.2.Durchschnittswerte
8.3.3.Fick-Gleichung
8.3.4. Wertetabellen VO2max
9. Ergometrie („Arbeitsmessung“)
9.1.Aussagemöglichkeiten ergometrischer Untersuchungen (Ziele)
9.2.Untersuchungsbedingungen/Anforderungen
9.3.Übersichttests
9.3.1.Submaximaltest (Stufen- oder Dauertest)
9.3.2.Maximaltest (Stufentest)
9.3.3.Borg-Skala und RPE (received perception of exertion)
9.4. Ausbelastungszeichen/Abbruchkriterien ergonomischer Untersuchungen
9.4.1.Beurteilung der Ausbelastung
9.4.2.Hilfsgrößen
9.5.Beurteilung der laufenden EKG-Kontrolle
9.5.1.Beurteilung des pathologischen Belastungs-EKG
9.6.Fahrradergometrie (cycle-ergometry)
9.6.1.Bedingungen (basierend auf den DGSP Leitlinien)
9.6.2. Allgemeine Richtlinien zum Testdesign
9.6.3. Richtwerte zur Standartbelastung (maximale Sollleistung, „normale Leistungsfähigkeit“)
9.7.Laufbandergometrie (treadmill-ergometry)
9.7.1.Bruce-Programm
10.Qualitätsmanagement in der Ergometrie
11.Dokumentation in der Ergometrie
12.Empfehlungen für eine optimierte Leistungsanalyse (in der Praxis) Testvarianten
12.1.Untersuchungsbedingungen für die ergometrische LD
12.1.1.Voruntersuchung
12.1.2.Methode
12.1.3.Patienten/Sportler/Probanden
12.1.4.Abbruchkriterien
12.2.Richtlinien/Empfehlungen zur Laufbandergometrie
12.2.1.Bruce-Programm
12.2.2.Beurteilung der Leistungsfähigkeit (Laufband)
12.3.Richtlinien/Empfehlungen zur Fahrradergometrie
12.3.1.Bedingungen/Design
12.3.2.Empfehlung zur Diagnostik der Ausdauerfähigkeiten mittels Fahrradergometertest PWC, einschließlich Laktatbestimmung
12.3.2.1.Design
12.3.2.2.Auswertung PWC-Test/Schritte der Testauswertung
12.3.2.3.Normwerte für den PWC Test, Leistungszuordnung
12.3.2.4.Laktatanalyse
12.3.2.5.Spirometrie
13.Beurteilung der Leistungsfähigkeit – Zusammenfassung
13.1.Leistung in Watt
13.2.Herzfrequenz bei gegebener Leistung
13.3. Laktat, Spirometrie, RPE mittels Borg-Skala
14.Trainingsberatung (TB)/Testauswertung
14.1. Orientierungsbeispiele als Basis für TB und TPL
14.2. Beispiele zu Trainingsumfang/Intensität allgemein
14.2.1.Berechnung der optimalen Trainingsfrequenz – Karvonenformel
14.2.1.1.Extensiver Dauerlauf
14.2.1.2.Intensiver Dauerlauf
14.2.1.3.Tempodauerlauf
14.2.2.Trainingsempfehlung zum Radtraining nach PWC-Test
Zielsetzung und Themen
Ziel dieser Publikation ist es, Sportmedizinern und interessierten Praktikern einen strukturierten Leitfaden für die sportmedizinische Belastungsuntersuchung und Funktionsdiagnostik an die Hand zu geben. Die Arbeit zielt darauf ab, durch standardisierte Methoden der Leistungsanalyse valide Daten zu gewinnen, die sowohl für die individuelle Trainingssteuerung als auch für die primäre, sekundäre und tertiäre Prävention und Rehabilitation essenziell sind.
- Grundlagen der Leistungsdiagnostik und Voruntersuchungsanforderungen
- Methodik der Belastungstests (Ergometrie, Laktatbestimmung, Spiroergometrie)
- Interpretation von Belastungsdaten und Abbruchkriterien
- Qualitätsmanagement und Dokumentationsstandards
- Trainingsempfehlungen basierend auf individuellen Testergebnissen
Auszug aus dem Buch
6. Laktatbestimmung
Ziel der Erstellung einer Laktatleistungskurve ist sowohl im Leistunsgsport, als auch in der sportmedizinischen Rehabilitation eine Grundlage für die darauf folgende Trainingsplanung zu haben, alle medizinischen Daten für eine Gesundheitsberatung zu erhalten, die individuellen Stoffwechselbereiche erfassen zu können (Fettstoffwechseltraining), die individuelle aerobe und anaerobe Schwelle zu bestimmen, Trainingskontrollen durchzuführen Trainingsfortschritte zu dokumentieren, gesundheitliche Risiken zu erfassen (in Kombination mit Belastungsblutdruck, Belastungs-EKG, Spirometrie...)
Merke: eine Laktatbestimmung ist bei jedem Belastungstest möglich, egal ob bei Maximal oder Submaximal-Stufentests, auf Lauf/Gehband, Fahrradergometer…
6.1. Anaerobe Schwelle ( anaerobic threshold, Laktatschwelle) 4mmol/l: Höchstmögliche Belastungsintensität ohne Übersäuerung, Entspricht dem stady state Laktatbildung : Laktatabbau, Normalwert 4mmol/l mit individuellen Schwankungen (Ruhelaktatkonzentration 1 mmol/l), ANS ist nicht gleich iANS.
6.1.1. LTP 2 = iANS – individuelle aerobe Schwelle: Im Leistungssport für jeden Sportler bestimmbarer Wert nach versch. Modellen (Freiburger Modell, Dickhuth-Modell, siehe Literatur). Ist nicht trainierbar (genetisch determiniert), die dazu führenden Faktoren aber (z.B. Diff.kapazität für O2 durch die Zellmembran, Anzahl der Mitochondrien, O2 Bindungskapazität, O2 Transportkapazität....). Ausdauerbelastungen sollen so lange wie möglich unterhalb dieser Schwelle stattfinden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Voruntersuchungen/Anamnese: Definiert die notwendigen Basisuntersuchungen wie Anamnese, Ruhe-EKG und Fragebögen, die vor jeder weiterführenden Leistungsdiagnostik zwingend erforderlich sind.
2. Indikationen: Beschreibt die Einsatzgebiete von Belastungstests, insbesondere zur Diagnostik, Therapieüberwachung und Prognoseabschätzung bei Sportlern und Patienten.
3. Definierte Kontraindikationen für Leistungstests: Listet medizinische Ausschlusskriterien auf, bei denen eine Belastungsuntersuchung aufgrund gesundheitlicher Risiken nicht durchgeführt werden darf.
4. Zu bestimmende Standartparameter (allgemein): Nennt die zentralen Messgrößen wie Leistung, Herzfrequenz, Blutdruck und Laktat, die bei einer professionellen Leistungsanalyse erhoben werden müssen.
5. Feldtests: Erläutert einfache Testverfahren außerhalb des Labors, wie den Cooper- und Conconi-Test, zur orientierenden Beurteilung der Ausdauerleistungsfähigkeit.
6. Laktatbestimmung: Analysiert die physiologischen Grundlagen der Laktatbildung sowie die Bestimmung der aeroben und anaeroben Schwelle zur präzisen Trainingssteuerung.
7. Physical Working Capacity (PWC): Erklärt das PWC-Konzept als mechanische Leistung bei definierter Herzfrequenz und definiert die Auswahl- und Abbruchkriterien.
8. Spiroergometrie (Goldstandart der Leistungsdiagnostik): Behandelt die Atemgasmessung zur Bestimmung der VO2max und weiterer kardiopulmonaler Parameter.
9. Ergometrie („Arbeitsmessung“): Detailliert die verschiedenen Verfahren, Bedingungen und Sicherheitsaspekte der Belastungsuntersuchung mittels Fahrrad- oder Laufbandergometrie.
10. Qualitätsmanagement in der Ergometrie: Definiert Anforderungen an Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität für eine valide Leistungsdiagnostik.
11. Dokumentation in der Ergometrie: Betont die Notwendigkeit standardisierter Belastungsprotokolle zur Sicherstellung der Qualität und Rechtssicherheit.
12. Empfehlungen für eine optimierte Leistungsanalyse (in der Praxis) Testvarianten: Bietet praxisorientierte Empfehlungen für den Versuchsaufbau und die Durchführung von Leistungstests unter Berücksichtigung von Leitlinien und praktischer Erfahrung.
13. Beurteilung der Leistungsfähigkeit – Zusammenfassung: Fasst die Kriterien zur Bewertung von Watt-Leistung, Herzfrequenzverhalten und weiteren physiologischen Daten zusammen.
14. Trainingsberatung (TB)/Testauswertung: Zeigt den Transfer der erhobenen Leistungsdaten in konkrete Trainingspläne und Empfehlungen für die Trainingsintensität auf.
Schlüsselwörter
Leistungsdiagnostik, Sportmedizin, Belastungstest, Ergometrie, Laktat, Spiroergometrie, Ausdauerfähigkeit, Trainingssteuerung, VO2max, PWC, Herzfrequenz, Sporttherapie, Rehabilitation, Prävention, Belastungs-EKG
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit dient als praktisches Repetitorium für Sportmediziner und Fachpersonal, um sportmedizinische Belastungsuntersuchungen standardisiert und evidenzbasiert durchzuführen und auszuwerten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Leistungsdiagnostik, Belastungsphysiologie, Testprotokolle (Ergometrie, Spiroergometrie), Trainingsplanung und die medizinische Sicherheit bei Belastungstests.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die Bereitstellung eines praxisnahen Leitfadens, um individuelle Leistungsfähigkeiten exakt zu bestimmen und daraus evidenzbasierte Empfehlungen für Prävention, Therapie und Training abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden gängige sportmedizinische Methoden wie die stufenförmige Belastungsergometrie, Laktatleistungsdiagnostik und Spiroergometrie sowie standardisierte Anamneseverfahren nach DGSP-Leitlinien genutzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die apparative und methodische Durchführung von Tests (Fahrrad/Laufband), die Bewertung physiologischer Parameter wie Laktat und VO2max sowie die anschließende Trainingsberatung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlüsselwörter sind Leistungsdiagnostik, Belastungs-EKG, Laktatbestimmung, Spiroergometrie, PWC, Trainingsintensität und sportmedizinische Rehabilitation.
Warum ist das Qualitätsmanagement in der Ergometrie so wichtig?
Qualitätsmanagement ist entscheidend, um valide, reproduzierbare Ergebnisse zu erhalten und die Sicherheit des Probanden während der körperlichen Ausbelastung zu garantieren.
Wie unterscheidet sich der extensive vom intensiven Dauerlauf in der Trainingssteuerung?
Der extensive Dauerlauf findet im aeroben Bereich (Laktat bis 2,5 mmol/l) statt und dient der Grundlagenausdauer, während der intensive Dauerlauf im Bereich der anaeroben Schwelle liegt und zur Schnelligkeitsentwicklung genutzt wird.
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- Ass. Prof. Dr. med. Rolf Gassel (Author), 2009, Sportmedizinische Grundlagen und Empfehlungen - Kleines Repititorium für die Praxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142175