In dieser Hausarbeit möchte ich mich mit Elementen aus Niklas Luhmanns ,,Realität der Massenmedien‘‘ beschäftigen. Ich werde nicht nur Definitionen liefern – auf den folgenden Seiten werde ich vielmehr versuchen, ausgewählte Definitionen in klar abgesteckten Bereichen anzuwenden. An manchen Stellen mögen ,,Sprünge‘‘ auftauchen; dem externen Leser, der nicht am oben vermerkten Seminar teilgenommen hat, in dessen Rahmen ich in einem Referat bereits Grundlegendes zu Luhmanns Theorie der Massenmedien sagte, lege ich deshalb die Lektüre von ,,Die Realität der Massenmedien‘‘ nahe. Dieses Werk ist – schon der Anzahl der Verweise nach – die Grundlage dieser Arbeit.
In den ersten Kapiteln beschäftige ich mich näher mit drei Luhmannschen Termini: Kommunikation, soziales Gedächtnis, Thema. Im letzten Teil werden Ergebnisse aus den vorangehenden Teilen aufgegriffen und unter der Metapher ,,Die Gesellschaft als Geschichte‘‘ aufeinander bezogen.
Inhaltsverzeichnis
1 Massenmedial garantierte Gesellschaftskommunikation
2 Das soziale Gedächtnis: Keine Fahrt ohne Fahrplan
3 Themen als ,,lokale Module‘‘
4 ,,Die Gesellschaft als Geschichte‘‘
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, zentrale Termini aus Niklas Luhmanns Theorie der Massenmedien – wie Kommunikation, soziales Gedächtnis und Thema – zu erläutern und auf konkrete gesellschaftliche Phänomene anzuwenden. Dabei wird untersucht, wie Massenmedien als moderne Institutionen durch die Konstruktion von Themen und die Bereitstellung eines sozialen Gedächtnisses die Gesellschaft strukturieren und operativ aufeinander abstimmen, wobei die Metapher „Die Gesellschaft als Geschichte“ zur theoretischen Rahmung dient.
- Grundlagen der Luhmannschen Systemtheorie
- Die Rolle der Massenmedien bei der Themenwahl und -strukturierung
- Funktionsweise des sozialen Gedächtnisses als Beobachtung zweiter Ordnung
- Konstruktion gesellschaftlicher Realität und zeitlicher Zusammenhänge
- Kritische Reflexion der „Gesellschaft als Geschichte“-Metapher
Auszug aus dem Buch
4 ,,Die Gesellschaft als Geschichte‘‘
Eine Geschichte erzählt man sich. Eine Geschichte ist etwas Zusammenhängendes, das man – wenn man es erzählt – vor einem anderen ausbreitet. Geschichtlich ist dabei das, was immer wieder Neues anbietet. Das Ausbreiten erschöpft sich also nicht in einem definitiven Akt; vielmehr öffnet sich ein Zimmer, mit wiederum mehreren geöffneten Türen: der geschichtliche Raum. Die Türen machen die Begrenztheit des geschichtlichen Raumes erfahrbar; der Blick durch sie hindurch lassen den Noch-Aufenthaltsraum als ,,alt‘‘ und den Nochnicht-Aufenthaltsraum als ,,neu‘‘ erscheinen. Im Thematisieren dieser Schwellenreflexionen sprechen wir von Umbrüchen, vom Entscheiden; das Charakteristikum des geschichtlichen Raums ist seine Selbstbegrenzung.
Wie begrenzt die Aussage z.B. eines einzelnen Fotos ist, stellen wir etwa fest, indem wir das Foto in seiner Aussagefunktion begreifen. So können wir das Foto als Aussage neben andere Aussagen setzen uns sagen: dieses Foto ist (in Relation zu anderen Aussagequellen) aussagekräftig. Eine Geschichte, ein schier endloses Bilderalbum, duldet diesen Vergleich, diese Relativierung außer im Moment des Umbruchs selbst nicht; sie weiß ihn mit aller Kraft zu verhindern. Eine Geschichte – sofern man sie als solche rezipiert – ist einzigartig.
,,Geschichtliche Ereignisse‘‘ werden zu Haufe zelebriert, ohne, dass geklärt würde, was man unter der Geschichtlichkeit eines Ereignisses zu verstehen hätte bzw. versteht. Allen Ereignissen, die explizit als ,,geschichtlich‘‘ charakterisiert werden ist dabei gemein, dass sie so nicht vorgesehen waren.
Im Sinne einer konstruktivistischen Theorie ist kein Ereignis vorhersehbar; bei allen Erfahrungen handelt es sich um Konstruktionen. Ein geschichtliches Ereignis macht demnach das Medium offenbar, dass vorhersehen ließ, das sozialen Sinn stiftete: die jeweilige Geschichte. Vertreter des Historismus wiesen deshalb auf das jeweilige soziale Eingebundensein des Geschichtsschreibers hin.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Massenmedial garantierte Gesellschaftskommunikation: Dieses Kapitel erläutert, wie Massenmedien durch die Bereitstellung von Themen und die Reduktion von Komplexität als notwendige Grundlage für gesellschaftliche Anschlusskommunikation fungieren.
2 Das soziale Gedächtnis: Keine Fahrt ohne Fahrplan: Hier wird das soziale Gedächtnis als ein durch Massenmedien erzeugtes Beobachten zweiter Ordnung beschrieben, das durch die Vorgabe von Realitätsannahmen laufende Kommunikationen steuert und standardisiert.
3 Themen als ,,lokale Module‘‘: Das Kapitel analysiert, wie Themen als elastische Einheiten dienen, um strukturelle Kopplungen zwischen den Massenmedien und anderen Gesellschaftsbereichen herzustellen und situative Kontexte zu erzeugen.
4 ,,Die Gesellschaft als Geschichte‘‘: Abschließend wird die Metapher der „Gesellschaft als Geschichte“ genutzt, um zu zeigen, wie soziale Zusammenhänge durch zeitliche Konstruktionen gestiftet werden und wie diese zur Selbstbeschreibung der Gesellschaft beitragen.
Schlüsselwörter
Systemtheorie, Niklas Luhmann, Massenmedien, Kommunikation, Soziales Gedächtnis, Themenwahl, Gesellschaftsgeschichte, Konstruktivismus, Beobachtung zweiter Ordnung, Strukturelle Kopplung, Anschlusskommunikation, Gesellschaftsbeschreibung, Temporalstrukturen, Sinnstiftung, Realitätskonstruktion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht auf Basis der Systemtheorie von Niklas Luhmann, wie Massenmedien durch spezifische Mechanismen die Kommunikation in der Gesellschaft strukturieren und aufrechterhalten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Mittelpunkt stehen die Begriffe der Kommunikation, des sozialen Gedächtnisses, der Themenbildung sowie die Metapher einer „Gesellschaft als Geschichte“.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, ausgewählte Definitionen Luhmanns nicht nur theoretisch darzulegen, sondern deren operative Anwendung in klar abgegrenzten Bereichen zu veranschaulichen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Anwendung der systemtheoretischen Ansätze von Niklas Luhmann, ergänzt durch phänomenologische Aspekte und konstruktivistische Überlegungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse massenmedialer Kommunikationsprozesse, die Funktionsweise des sozialen Gedächtnisses, die Bedeutung von Themen als „lokale Module“ und eine abschließende Reflexion über die Gesellschaft als historisches Konstrukt.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Systemtheorie, soziale Selektion, Fremdreferenz, Selbstreferenz, Standardisierung und den gesellschaftlichen Kommunikationsprozess.
Wie unterscheidet der Autor zwischen „angemessenem“ und „unangemessenem“ Verhalten?
Der Autor führt dies auf das soziale Gedächtnis zurück, das durch die Massenmedien bereitgestellt wird und uns befähigt, Realitätsannahmen als bekannt vorauszusetzen, um zwischen Verhaltensweisen zu unterscheiden.
Warum wird die Metapher „Die Gesellschaft als Geschichte“ im Kontext der nordkoreanischen Diktatur kritisch hinterfragt?
Der Autor argumentiert, dass die Metapher dort an ihre Grenzen stößt, da die mediale Realitätskonstruktion in einem abgeschirmten System massiv von der dortigen Lebensrealität entkoppelt ist und keine „gemeinsame Geschichte“ im systemtheoretischen Sinne zulässt.
- Citation du texte
- Raphael Hoffmann (Auteur), 2009, Die Gesellschaft als Geschichte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142257