Die institutionelle Zersplitterung in der globalen Umweltpolitik ist so ausgeprägt wie in keinem anderen Politikfeld. Bi- oder multilaterale Abkommen zwischen zwei oder mehreren Staaten beschränken sich meist auf die sektorale Bearbeitung spezifischer Umweltprobleme. Dabei können einerseits Reibungsverluste zwischen verschiedenen Abkommen, die sich der Bearbeitung eines Problemfeldes widmen, anderseits Zielkonflikte zwischen den einzelnen Problemfeldern entstehen. Zur Lösung dieser Probleme plädieren einige Politiker und Wissenschaftler für die Gründung einer neuen politischen Körperschaft, die bestehende Regime in sich eingliedert und als institutionelle Dachorganisation auftritt. Die deutsche Bundesregierung ließ durch ihre umweltpolitische Sprecherin am 25. Januar 1999 verlauten: „Wir brauchen […] eine Bündelung der unübersichtlichen und zersplitterten internationalen Institutionen und Programme“. In der wissenschaftlichen Forschungsdebatte gibt es Befürworter einer solchen Entwicklung, die in einer institutionellen Bearbeitung globaler Umweltprobleme gemäß der politischen Idee „Global Governance“ die optimale Lösung sehen. Bei der möglichen Ausgestaltung einer Weltumweltorganisation reichen die Forderung von einer hierarchischen Organisation, nach Vorbild des Weltsicherheitsrat bis zu einer Organisation, die lediglich mit weichen Durchsetzungsmechanismen ausgestattet ist und vornehmlich Informationsstandards einführt, aber keinerlei Sanktionsgewalt besitzt (Biermann und Simonis: 2000).
Andere Wissenschaftler sehen keinerlei Zusatznutzen in der Aufhebung der institutionellen Zersplitterung und beschäftigen sich zunächst mit den Ursachen dieser Entwicklung.
Ist die sektorale Zersplitterung in der globalen Umweltpolitik ein Hindernis oder ein notwendiges aber unüberwindbares Übel bei der Bearbeitung der Problembereiche im Politikfeld Umwelt? Die Arbeit wird mit der Erkenntnis schließen, dass eine souveränitätseinschränkende Organisation mit weitreichenden Entscheidungskompetenzen und Eingriffsmöglichkeiten die optimale Bearbeitungsmethode für das Politfeld Umwelt darstellt und angesichts der immer gravierenderen globalen Umweltprobleme selbst im Kontext einer realistischen Grundhaltung internationaler Akteure nicht im Bereich der politischen Utopie anzusiedeln ist.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DIE INSTITUTIONELLE ZERSPLITTERUNG DER GLOBALEN UMWELTPOLITIK
2.1 Staatliche Vereinigungen zur Bearbeitung globaler Umweltprobleme
2.2 Staatliche Vereinigungen mit einem Schwerpunkt auf Umweltschutz
2.3 Nichtregierungsorganisationen
2.4 Fazit
3. AUFHEBUNG DER ZERSPLITTERUNG IM RAHMEN EINES GLOBAL GOVERNANCE-ANSATZ
4. DIE INSTITUTIONELLE ZERSPLITTERUNG ALS CHANCE ZUR VERBESSERUNG DER SEKTORALEN ZUSAMMENARBEIT
5. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob die institutionelle Zersplitterung in der globalen Umweltpolitik ein unüberwindbares Hindernis für effektiven Umweltschutz darstellt oder ob sektorale Ansätze zweckmäßig sind, und bewertet dabei die Notwendigkeit einer zentralen Weltumweltorganisation.
- Institutionelle Zersplitterung der globalen Umweltpolitik
- Vergleichende Analyse von Reformansätzen für die Weltumweltpolitik
- Rolle von Staaten, NGOs und internationalen Regimen
- Global-Governance-Ansätze versus zentrale Organisationen
- Effizienz, Flexibilität und Sanktionsmechanismen im Umweltschutz
Auszug aus dem Buch
2. Die institutionelle Zersplitterung der globalen Umweltpolitik
Der durch zunehmende Industrialisierungs- und Globalisierungsprozesse vom Menschen verursachte Global Change führt unter anderem zu einer Internationalisierung der Umweltprobleme. Anders als in anderen globalen Politikfeldern (z.B. Handel, Gesundheit oder Entwicklung) gibt es im Politikfeld Umwelt eine Vielzahl spezifischer Problembereiche. Diese umfassen den Schutz des Klimas und der Ozonschicht, der internationalen Gewässer, der Biodiversität sowie des Bodens in Trockengebieten. Bislang beschränkt sich die Bearbeitung von Umweltproblemen meist auf einen dieser spezifischen Teilbereiche. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges entstanden ein Bewusstsein zum Schutz der Umwelt und daraus zahlreiche Organisationen und Regime, die sich in unterschiedlicher Form und Ausprägung mit globalen Umweltproblemen auseinandersetzen. Diese verschiedenen Akteure, die auf verschiedenen Problembereichen und unterschiedlich integriert agieren, sollen nun in vier Kategorien unterteilt werden. Dabei unterscheide ich zwischen internationalen Vereinigungen, die sich ausschließlich oder teilweise mit Umweltschutz beschäftigen, Umweltregimen, die sich der Bearbeitung eines speziellen Umweltproblems widmen und private Vereinigungen und Unternehmensverbände von denen die bedeutendsten nun exemplarisch vorgestellt werden sollen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die Zersplitterung der Umweltpolitik und die wissenschaftliche Debatte darüber, ob eine zentrale Dachorganisation die Effektivität steigern kann.
2. DIE INSTITUTIONELLE ZERSPLITTERUNG DER GLOBALEN UMWELTPOLITIK: Dieses Kapitel kategorisiert die Akteure der internationalen Umweltpolitik, von staatlichen Vereinigungen bis hin zu NGOs, und analysiert deren Arbeitsweisen.
3. AUFHEBUNG DER ZERSPLITTERUNG IM RAHMEN EINES GLOBAL GOVERNANCE-ANSATZ: Hier werden Reformvorschläge, insbesondere der Aufbau einer Weltumweltorganisation zur besseren Koordination, erörtert und kritisch hinterfragt.
4. DIE INSTITUTIONELLE ZERSPLITTERUNG ALS CHANCE ZUR VERBESSERUNG DER SEKTORALEN ZUSAMMENARBEIT: Das Kapitel argumentiert auf Basis der Kooperationstheorie, warum eine sektorale Struktur möglicherweise effizienter als eine zentrale Organisation ist.
5. FAZIT: Das Fazit fasst die Pro- und Contra-Argumente zusammen und stellt die eigene Position für eine stärkere, sanktionsfähige Weltumweltorganisation dar.
Schlüsselwörter
Globale Umweltpolitik, Institutionelle Zersplitterung, Weltumweltorganisation, Global Governance, Umweltschutz, Nachhaltige Entwicklung, Internationale Organisationen, Umweltregime, Nichtregierungsorganisationen, Kooperationstheorie, Sanktionsmechanismen, Klimawandel, Biodiversität, Souveränität, Politikfeld Umwelt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die institutionelle Zersplitterung in der globalen Umweltpolitik und diskutiert, ob die Gründung einer zentralen Weltumweltorganisation eine sinnvolle Lösung für die Effizienzprobleme des Sektors darstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Rolle internationaler Akteure, der Vergleich zwischen sektoraler Bearbeitung und zentraler Steuerung sowie die Wirksamkeit von Umweltabkommen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, ob die sektorale Zersplitterung ein Hindernis oder ein notwendiges Übel darstellt und ob eine übergeordnete Organisation den Umweltschutz signifikant verbessern könnte.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive und analytische Ausarbeitung, die bestehende wissenschaftliche Fachbeiträge (u.a. von Biermann, Simonis, Gehring und Oberthür) gegenüberstellt und theoretisch einordnet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst der Status Quo der institutionellen Landschaft und deren Akteure skizziert, gefolgt von der Erörterung und Kritik verschiedener Ansätze zur Reform der Weltumweltpolitik.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Global Governance, institutionelle Reform, internationale Regime, sektorale Kooperation und Souveränitätsverlust.
Welche Position nimmt der Autor zur Gründung einer Weltumweltorganisation ein?
Der Autor positioniert sich gegen die Meinung der Autoren Gehring und Oberthür und plädiert für die Gründung einer Weltumweltorganisation, die idealerweise mit harten Durchsetzungsmechanismen ausgestattet sein sollte.
Wie unterscheidet sich der Ansatz des Autors von den diskutierten wissenschaftlichen Beiträgen?
Während die zitierten Autoren eine Weltumweltorganisation entweder als ineffektiv oder als politisch utopisch betrachten, sieht der Autor die Notwendigkeit, Souveränität zugunsten verbindlicher Standards und Sanktionen aufzugeben.
- Citation du texte
- Diplom Politologe Gerrit Rohde (Auteur), 2005, Brauchen wir eine Weltumweltorganisation?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142359