Maledicta (von lat. maledicere – „schimpfen“) ist ein Überbegriff für Schimpfwörter und die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit ihnen in der Linguistik. Gleichzeitig ist Maledicta der Name eines englischsprachigen, seit 1977 erscheinenden Journals, das sich der Studie sämtlicher Aspekte des Schimpfens und des vulgären Sprachgebrauchs in aller Welt befasst. Der Herausgeber des Journals und gleichzeitig Gründer der Maledictologie, also der Lehre vom Schimpfen und von Schimpfwörtern, der deutschstämmige Sprachwissenschaftler Reinhold Aman, nimmt dabei in seiner Forschung auf Tabubrüche und „political correctness“ keine Rücksicht (Aman 1996). Zugleich bemerkt er, dass das Forschungsfeld der Maledicta im Grunde wissenschaftlich vernachlässigt wurde, bis er sich in den siebziger Jahren dieses Themas annahm. Im Journal Maledicta steuern viele verschiedene Autoren aus vielen Teilen der Welt Aufsätze bei, die sich beispielsweise mit der prozentualen Verteilung einzelner Schimpfwörter auf die Geschlechter, ethnischen Verunglimpfungen im 18. Jahrhundert oder der verbalen Aggression von holländischen Schlafrednern beschäftigen. Diese Seminararbeit wird auf den folgenden Seiten eine Übersicht über einige grundlegende Erkenntnisse der Maledictologie geben und, unter anderem, darauf eingehen, was ein Schimpfwort genau ist, welche psychologischen Ursachen es für das Schimpfen gibt, wie Schimpfwörter entstehen, wie Schimpfwörter in verschiedenen Kulturen verwendet werden, auf welche Weise geschimpft wird und was damit angegriffen wird, welche juristischen Folgen Schimpfen haben kann und was es sonst noch für weiterführende Aspekte im Journal Maledicta gibt.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Was ist ein Schimpfwort?
III. Warum schimpft der Mensch?
IV. Wie sich „echte“ Schimpfwörter bilden
IV.1. Pejoration
IV.2. Weitere Arten von Schimpfwörtern
IV.2.1. Metaphorische Schimpfwörter
IV.3.2. Formale Schimpfwörter
V. Wie und worüber wird geschimpft?
V.1. Arten von Beschimpfungen
V.1.1. Direkte und indirekte Beschimpfungen
V.1.2. Formen von Beschimpfungen
V.2. Angriffspunkte
V.3. Semantische Felder von Beschimpfungen
VI. Schimpfwörter in verschiedenen Kulturen
VII. Juristische Aspekte beim Gebrauch von Schimpfwörtern
VIII. Einige ausgewählte Artikel aus dem Journal „Maledicta“
VIII.1. Andrew R. Sisson: Is French a sexist language?
VIII.2. Reinhold Aman: Gimp, Pimp, Simp & Wimp – Political pejoration past and present
VIII.3. Reinhold Aman: Nomen est Omen
IX. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die linguistischen und psychologischen Grundlagen des Fluchens sowie die Funktionen und Wirkungsweisen von Schimpfwörtern in der zwischenmenschlichen Kommunikation. Dabei wird analysiert, unter welchen Bedingungen Begriffe zu Schimpfwörtern werden, welche Rollen nonverbale Faktoren spielen und wie sich diese Phänomene kulturübergreifend sowie rechtlich darstellen.
- Psychologische Ursachen und Kausalketten des Schimpfens (Frustration – Affekt – Aggression)
- Linguistische Entstehungsprozesse (Pejoration, Metaphorik und formale Wortbildung)
- Kulturvergleichende Perspektiven auf verbale Aggression
- Juristische Relevanz und Strafbarkeit von Beleidigungen
Auszug aus dem Buch
III. Warum schimpft der Mensch?
Das Schimpfen ist ein Angriffsakt durch abwertende, beleidigende Worte (Aman 1972:153). Psychologisch gesehen werden drei Glieder einer im Folgenden dargestellten Kausalkette unterschieden, wobei die Handlung des Fluchens das letzte Glied bildet.
Frustration (vereitelnde Ursache) Affekt (Erregungszustand Aggression (Schimpfen, Feindseligkeit)
Die erste Stufe, die Frustration, ist „das Gefühl der Nichterfüllung von Wünschen, Hoffnungen und Bedürfnissen“, die Vereitelung eines Strebens nach einem Ziel durch wirkliche oder eingebildete Hindernisse“ oder die „gerechtfertigte oder ungerechtfertigte Überzeugung, dass die Ehre, Würde oder das Ansehen verletzt wurde“. Ursachen von Frustrationen sind vielfältig. Z.B. man hat am Tag eines geplanten Ausflugs schlechtes Wetter, man wird geärgert oder abgewiesen, man schneidet sich beim Kochen an einem Messer, man hat einen Autounfall, ein fauler Kollege wird bevorzugt behandelt, man stürzt eine Treppe herunter, ein Ticketautomat will einen Geldschein nicht annehmen, das Internet funktioniert nicht, man fühlt sich vernachlässigt, etc.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Einführung in das Forschungsfeld der Maledictologie und Vorstellung des Journals Maledicta durch Reinhold Aman.
II. Was ist ein Schimpfwort?: Erläuterung, dass die Definition eines Schimpfwortes stark von Tonfall, Mimik, Gestik und dem jeweiligen sozialen Kontext abhängt.
III. Warum schimpft der Mensch?: Darstellung der psychologischen Kausalkette von Frustration über Affekt bis hin zur Aggression als notwendiges Ventil.
IV. Wie sich „echte“ Schimpfwörter bilden: Analyse der Prozesse der Bedeutungsverschlechterung (Pejoration) sowie der Rolle von Metaphern und Affixen bei der Wortbildung.
V. Wie und worüber wird geschimpft?: Untersuchung der semantischen Muster, Kategorien und Angriffspunkte bei der Verwendung von Beleidigungen.
VI. Schimpfwörter in verschiedenen Kulturen: Vergleich der kulturübergreifenden Ähnlichkeiten im Fluchverhalten und der unterschiedlichen Wertvorstellungen bei Tabubrüchen.
VII. Juristische Aspekte beim Gebrauch von Schimpfwörtern: Erörterung der strafrechtlichen Konsequenzen von Beleidigungen und der Problematik der Beweisführung vor Gericht.
VIII. Einige ausgewählte Artikel aus dem Journal „Maledicta“: Kurzvorstellung spezifischer wissenschaftlicher Aufsätze zur Veranschaulichung der thematischen Breite des Journals.
IX. Zusammenfassung: Rekapitulation der wichtigsten Erkenntnisse zur Definition, psychologischen Funktion und sozialen Einordnung von Schimpfwörtern.
Schlüsselwörter
Maledicta, Schimpfwörter, Linguistik, Maledictologie, Frustration, Aggression, Pejoration, Tabubruch, Verbale Aggression, Semantik, Beleidigung, Psychologie, Kulturvergleich, Strafgesetzbuch, Wortbildung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit im Kern?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Schimpfwörtern, ihrer Definition, ihrer psychologischen Entstehung sowie ihrer soziokulturellen und rechtlichen Bedeutung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die Psychologie des Fluchens, die linguistischen Bildungsprozesse von Schimpfwörtern, deren Verwendung in verschiedenen Kulturen sowie die juristische Bewertung von Beleidigungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, einen fundierten Überblick über die Maledictologie zu geben und aufzuzeigen, warum und wie Menschen aggressiv kommunizieren und welche Funktionen das Fluchen in der Gesellschaft einnimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte Analyse, die sich primär auf die Erkenntnisse der Maledictologie, insbesondere auf Arbeiten von Reinhold Aman, stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Definitionen des Schimpfens, psychologische Kausalketten, linguistische Bildungsmechanismen wie Pejoration, eine Kategorisierung von Beschimpfungsarten und eine Analyse juristischer Rahmenbedingungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Pejoration, Tabubruch, Frustrations-Aggressions-Hypothese, verbale Aggression und Maledictologie charakterisiert.
Warum ist das Journal „Maledicta“ für diese Arbeit so wichtig?
Es gilt als das zentrale wissenschaftliche Standardwerk für die interdisziplinäre Untersuchung von Schimpfwörtern und liefert die theoretische Basis für die Ausführungen des Autors.
Welche Rolle spielt die psychologische „Tiefenperson“ beim Schimpfen?
Die Tiefenperson (das „Es“) steht für unbewusste, primitive Instinkte, die bei Frustration die Kontrolle übernehmen und sich unter anderem in aggressivem Sprachgebrauch äußern.
Warum ist die Unterscheidung zwischen „direkten“ und „indirekten“ Beschimpfungen rechtlich relevant?
Die Unterscheidung ist für die juristische Einordnung von Beleidigungen (§ 185 ff. StGB) entscheidend, da auch indirekte Äußerungen strafbar sein können, die Beweisführung jedoch oft komplexer ist.
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- Uwe Mehlbaum (Autor), 2008, Maledicta - Schimpfwörter, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142383