Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem von Wolfgang Merkel maßgeblich entwickelten Konzept der „embedded democracy“ zur Erforschung von funktionierenden und „defekten“ Demokratien.
Hierfür wird das Forschungskonzept umfassend aufgearbeitet. Am Beginn steht eine Einordnung in den Kontext der Systemtransformationsforschung. Es schließt sich die Darstellung der Dimensionen, Teilregime und Kriterien des Konzeptes an. Die Funktionsbedingungen der „embedded democracy“ werden sodann dargestellt. Die Synthese von Dimensionen, Teilregimen, Kriterien und Indikatoren in Form eines strukturierten Schemas zur tatsächlichen Analyse wird darauf aufbauend gebildet. Schließlich gibt der letzte Teil einen Überblick über die Typen „defekter Demokratien“, die sich aus dem analytischen Set ergeben können.
Der dritte Teil behandelt Aspekte der Weiterentwicklung des Konzeptes der „embedded democracy“. Hierbei wird argumentativ angeregt, die Aspekte der politischen Kultur sowie der Regierungs- und Koalitionsfähigkeit in einem Staat in das Analyseschema miteinzubeziehen.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Das Forschungskonzept der „embedded democracy“
1. „embedded democracy“ im Kontext der Systemtransformationsforschung
2. Dimensionen, Teilregime und Kriterien der „embedded democracy“
2.1 Drei Dimensionen der „embedded democracy“
2.2 Fünf Teilregime der „embedded democracy“
2.3 Die Vertikale Dimension der Herrschaftslegitimation und -kontrolle
2.3.1 Teilregime A: Wahlregime
2.3.2 Teilregime B: Politische Teilhaberechte
2.4 Dimension des liberalen Rechts- und Verfassungsstaates
2.4.1 Teilregime C: Bürgerliche Freiheitsrechte
2.4.2 Teilregime D: Horizontale Gewaltenkontrolle
2.5 Dimension der Agenda-Kontrolle
2.5.1 Teilregime E: Effektive Regierungsgewalt
3. Funktionsbedingungen der „embedded democracy“
3.1 Staatlichkeit
3.2 Sozio-ökonomische Funktionsbedingungen
4. Synthese von Dimensionen, Teilregimen, Kriterien und Indikatoren
5. Typen „defekter Demokratien“
III. Aspekte der Weiterentwicklung des Konzeptes der „embedded democracy“
1. Der Aspekt der politischen Kultur
2. Der Aspekt der Regierungs- und Koalitionsfähigkeit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, das von Wolfgang Merkel entwickelte Konzept der „embedded democracy“ umfassend aufzuarbeiten, um ein strukturiertes Analyseschema zur Erforschung und Kategorisierung von Demokratien und deren Defekten bereitzustellen.
- Kontextualisierung der Systemtransformationsforschung
- Strukturmodell der „embedded democracy“ (Dimensionen und Teilregime)
- Definition und Identifikation von „defekten Demokratien“
- Erweiterungspotenziale des Konzepts durch politische Kultur und Koalitionsfähigkeit
Auszug aus dem Buch
1. „embedded democracy“ im Kontext der Systemtransformationsforschung
Das 20. Jahrhundert wird oftmals als das Jahrhundert der Demokratie bezeichnet, trotz aller zwischenzeitlichen Rückschläge. Insbesondere die dritte Demokratisierungswelle, die mit dem Ende der letzten Rechtsdikaturen in Westeuropa Mitte der 70er Jahre begann, in Lateinamerika in den 80er Jahren seine Fortsetzung fand, Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre die Länder des ehem. kommunistischen Ostblocks erfasste und auch Länder Afrikas berührte, trägt zu dieser Einschätzung besonders bei.
Diese Demokratisierungswelle hat zu einer Vielzahl empirischer Untersuchungen geführt. Diese konzentrierten sich vorwiegend auf Demokratie als nationales politisches System und legten ihren Schwerpunkt auf Demokratie als das Ergebnis (outcome) oder als abhängige Variable.
Die Systemtransformationsforschung ist ein Teilgebiet des breiten Feldes der empirischen Demokratietheorie, das seine Besonderheit durch den klar definierten Schwerpunkt auf Wahlen, oder genauer gesagt, auf den kritischen Schritt im Verlauf der Demokratisierung erhält, wenn ein Land die Schwelle mit dem Abhalten allgemeiner freier Wahlen für die wichtigsten politischen Ämter im Land überschreitet.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Konzept der „embedded democracy“ ein und erläutert den Aufbau der Untersuchung sowie das angestrebte Ziel der begrifflichen Weiterentwicklung.
II. Das Forschungskonzept der „embedded democracy“: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte Aufarbeitung der Dimensionen, Teilregime und Funktionsbedingungen des Analysemodells sowie eine Typologie defekter Demokratien.
III. Aspekte der Weiterentwicklung des Konzeptes der „embedded democracy“: Das abschließende Kapitel argumentiert für eine Erweiterung des Modells durch die Einbeziehung der politischen Kultur sowie der Regierungs- und Koalitionsfähigkeit.
Schlüsselwörter
Embedded Democracy, Systemtransformation, Defekte Demokratie, Demokratieforschung, Wahlregime, Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenkontrolle, Institutionelle Arrangements, Transformationsforschung, Politische Kultur, Regierungsfähigkeit, Demokratisierungswelle, Herrschaftslegitimation, Teilregime, Machtkontrolle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Aufarbeitung und Anwendung des von Wolfgang Merkel entwickelten Konzepts der „embedded democracy“ zur Analyse von Demokratien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Systemtransformationsforschung, die Strukturmerkmale stabiler Demokratien sowie die Kategorisierung von Demokratiedefekten.
Welches Ziel verfolgt der Verfasser?
Das Ziel ist es, ein präzises Analyserahmenwerk zu etablieren, das über rein elektorale Demokratiebegriffe hinausgeht und Ansätze zur Weiterentwicklung des Modells liefert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine deduktive Analyse des theoretischen Konzepts, ergänzt durch eine systematische Synthese von Dimensionen, Kriterien und Indikatoren.
Was behandelt der Hauptteil?
Im Hauptteil werden die internen und externen Einbettungsmechanismen, die fünf Teilregime der Demokratie sowie die Funktionsbedingungen detailliert dargestellt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind „embedded democracy“, „electoral democracy“, Transformationsforschung, horizontale/vertikale Kontrolle und defekte Demokratien.
Was zeichnet eine „defekte Demokratie“ laut dem Konzept aus?
Eine defekte Demokratie ist ein System, bei dem das Wahlregime zwar weitgehend funktioniert, aber in anderen Teilregimen Funktionsstörungen auftreten, die das demokratische Gefüge schwächen.
Warum schlägt der Autor eine Erweiterung des Konzepts vor?
Der Autor argumentiert, dass Aspekte wie die politische Kultur und die faktische Regierungsfähigkeit entscheidend für die Stabilität moderner Demokratien sind und daher im Modell berücksichtigt werden sollten.
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- Alois Maichel (Author), 2006, Embedded Democracy - Ein Konzept zur Erforschung von Demokratien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142425