Diese Arbeit verdeutlicht, daß Techno keine revolutionäre neue Erfindung ist. Techno ist vielmehr eine logische Konsequenz und das (vorläufige) Ende einer relativ linearen Entwicklung, die mit den ersten Experimenten Kraftwerks begann, in Elektro und House seine Fortsetzung fand und letztendlich in Techno mündete. Beachtlich ist auch die inzwischen vorhandene stilistische Vielfalt dieses Genres. Meiner Meinung nach bietet Techno für jeden Musikgeschmack etwas.
Eine Feststellung, die ich auch während meines Unterrichtsversuches im März 1998 gemacht hatte: Einem Schüler, der sonst Heavy-Metal hörte, gefiel besonders Gabber, einer Jazz hörenden Schülerin, eher Intelligent Drum & Bass. Ich selbst habe eine „Hör-entwicklung“ bei mir festgestellt und bin nach anfänglicher Distanz inzwischen begeistert von den ungewöhnlichen und minimalistischen Tracks eines Aphex Twin oder Jeff Mills. Nicht nachzuvollziehen ist für mich deshalb die Ignoranz der Musikwissenschaft gegenüber Techno. Ich stieß auf lediglich sechs Aufsätze zum Thema Techno, die unter musikwissenschaftlichen Aspekten geschrieben wurden. Mittlerweile ist jedoch eine gestiegene Akzeptanz festzustellen, die sich in der zunehmenden Anzahl der Veröffentlichungen in den letzten zwei Jahren zeigt.
Die Skepsis der Wissenschaft ist insofern verständlich, als meiner Ansicht nach tatsächlich eine Reihe von Techno-Tracks existieren, die nur aus lieblos am Computer aneinandergereihten Elementen bestehen und daher kaum eine nähere Untersuchung verdienen. Jedoch sollte deswegen nicht die gesamte Techno-Musik als wertlos abgehandelt werden. Wie ich in meiner Arbeit dargestellt habe, gibt es trotz allem Produktionen, die auch höheren künstlerischen Ansprüchen genügen.
Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort
2 Geschichtliche Entwicklung
2.1 Die Avantgardisten
2.2 Disco
2.3 HipHop
2.4 Punk, Industrial und EBM
2.5 Elektro
2.6 Chicago-House und Garage
2.7 UK-House und Italo-House
2.8 Crossover
2.9 Acid-House
3 Techno - ein neuer Musikstil
3.1 Verschiedene Wurzeln einer Pflanze
3.2 Detroit Techno
3.3 Techno - Die ersten Jahre
3.4 Techno wird Pop
3.5 Die Technokultur und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft
4 Stilistische Differenzierungen
4.1 Techno als Produktionsmethode
4.1.1 Der Techno-Satz
4.2 Intelligent- und Minimal-Techno
4.3 Trance
4.3.1 Goa
4.4 Ambient und Chill Out
4.5 Euro-Techno, Euro-Beat und Euro-Dance
4.6 Drum & Bass
4.6.1 TripHop & Big Beats
4.7 Gabber und Happy Hardcore
5 Schluß
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht die Entstehungsgeschichte der Musikrichtung Techno, analysiert deren musikalische Entwicklung ausgehend von der elektronischen Popularmusik um 1970 und beleuchtet die soziokulturellen Auswirkungen dieser Bewegung auf die Gesellschaft sowie deren spezifische stilistische Differenzierungen.
- Entwicklung der elektronischen Popularmusik und DJ-Kultur
- Soziokulturelle Bedeutung der Technobewegung
- Techno als Produktionsmethode und musikalischer Stil
- Detaillierte Analyse verschiedener Techno-Subgenres
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Avantgardisten
Die Geschichte der populären elektronischen Musik begann in den späten sechziger Jahren. Die Beat-Musik hatte an Bedeutung verloren, und in den deutschen Charts „jault ein kleiner Junge 'Mama' in die Mikros und singt sich damit in die Herzen von Millionen.“ 32 Wochen lang war Heintje auf Platz eins der Hitparaden gefolgt von Roy Black, Peter Alexander und Udo Jürgens. Von moderner Rockmusik war keine Spur. In dieser Zeit formierten sich in verschiedenen deutschen Städten junge Musiker, um das durch die Studentenbewegung von 1968 gewonnene Selbstbewußtsein in experimenteller Weise fortzusetzen und einen eigenen deutschen Rockmusik-Stil zu entwickeln.
Die erste Band, die internationale Beachtung fand, war die 1968 gegründete Gruppe Can. Die vier Musiker kamen aus unterschiedlichen Stilrichtungen. Irmin Schmidt und Holger Czukay waren Schüler des Pioniers der Elektronischen Musik Karlheinz Stockhausen, Michael Karpli spielte früher Beat, Jacki Liebezeit Jazz. Das Anliegen von Can und anderen Bands war nicht eine simple Stilkopie britischer oder amerikanischer Bands, sondern die Bildung einer eigenen Identität, die weitab jener Vorbilder und weitab vom Mief deutscher Musik – des Schlagers – sein sollte. Sie bewegten sich frei von den Grenzen herkömmlicher Stilrichtungen. Can „strapazierte das konventionelle Gefüge von Melodie, Harmonie und Rhythmus; verwendete exotische Instrumente wie Sitar und Maultrommel, machte daraus mit elektroakustischen Gags und Tonexperimenten meist ohne vorherige Festlegung ein Sound-Happening nach ihrem Geschmack.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Vorwort: Der Autor erläutert seine persönliche Motivation und die Wahl des Themas Techno für seine Examensarbeit.
2 Geschichtliche Entwicklung: Dieses Kapitel zeichnet die Ursprünge der elektronischen Popularmusik seit 1970 nach, inklusive Disco, HipHop und der Entwicklung des Industrial-Sounds.
3 Techno - ein neuer Musikstil: Hier wird die Etablierung von Techno als eigenständiger Stil, seine Wurzeln in Detroit und der Aufstieg zur populären Jugendkultur thematisiert.
4 Stilistische Differenzierungen: Dieser Abschnitt analysiert Techno als Produktionsmethode und beschreibt die spezifischen Merkmale diverser Subgenres von Trance bis Gabber.
5 Schluß: Eine abschließende Betrachtung, die Techno als logische Konsequenz der elektronischen Musikentwicklung einordnet und den Einfluss der Bewegung auf die Gesellschaft reflektiert.
Schlüsselwörter
Techno, Elektronische Musik, Musikgeschichte, DJ-Kultur, Detroit Techno, House, Trance, Drum & Bass, Gabber, Musikproduktion, Sampler, Synthesizer, Jugendkultur, Rave, Musiktheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung der elektronischen Popularmusik und dem Aufstieg von Techno zu einer einflussreichen Jugendkultur seit den späten 1960er Jahren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die historische Genese elektronischer Musik, die technische Entwicklung von Instrumenten wie Synthesizern und Samplern, sowie die soziokulturelle Bedeutung der Technoszene.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Entwicklung von Techno als logische Folge der Musikgeschichte aufzuzeigen und zu untersuchen, ob Techno eine revolutionäre Neuerung oder das Ergebnis einer stringenten musikalischen Evolution ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse der Fachliteratur sowie auf die Auswertung von Diskussionen in einer Newsgroup, um das Selbstverständnis der Technoszene zu erfassen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl die geschichtlichen Vorläufer (wie Disco oder Industrial) als auch die spezifischen musikalischen Merkmale und die kommerzielle Entwicklung des Techno in den 1990er Jahren analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie elektronische Musik, Produktionsmethode, Subgenres, technologische Revolution, soziokulturelle Werte und DJ-Kultur charakterisiert.
Warum war die Stadt Detroit so wichtig für die Entstehung von Techno?
Detroit diente aufgrund seiner sozialen Krise nach dem Niedergang der Automobilindustrie als Nährboden für die harten, futuristischen Klänge von Techno, die die soziale Realität der Stadt widerspiegelten.
Welche Rolle spielt die Technik für den Technostil?
Technik ist fundamental: Instrumente wie der Sampler, der Sequenzer und die Roland TB-303 haben die Komposition und den Klang von Techno maßgeblich definiert und neue Produktionsweisen ermöglicht.
Wie veränderte sich das Bild des DJs durch Techno?
Der DJ wandelte sich vom reinen Plattenaufleger zu einem kreativen Musiker und Idol der Massen, was die Techno-Bewegung zu einer der ersten globalen Jugendkulturen machte.
- Citation du texte
- Elmar Stamm (Auteur), 2000, Techno als Stilentwicklung in der Rockmusik?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142822