In die Internationalisierung und Erschließung neuer Märkte wurde seitens der Politik viel investiert. Die Welthandelsorganisation (WTO), der gegenwärtig 153 Länder angehören, setzt sich seit Ende des 2. Weltkrieges für die Beseitigung von Handelsbarrieren ein, um so einerseits den reibungslosen Handel mit Gütern und Dienstleistungen zu optimieren und andererseits durch die Beseitigung von Zöllen, Einfuhrbeschränkungen und weiteren Handelshemmnissen eine Verbesserung des Wohlstands in der Bevölkerung zu erlangen, da durch den Wegfall dieser Barrieren Güter und Leistungen günstiger angeboten werden können als zuvor (vgl. www.bmz.de/de/ 2007). Am Ende der Uruguay-Runde (1994) traf man ein spezielles Übereinkommen zur Liberalisierung des Handels, das ausschließlich den Dienstleistungssektor betraf. Dieses Abkommen ist das WTO-Dienstleistungsabkommen (GATS), welches im Januar 1995 in Kraft trat. Ziel des GATS ist es, die Märkte der WTO-Mitgliedsländer für den internationalen Handel mit Dienstleistungen zu öffnen und Zugangshindernisse zu minimieren oder gänzlich zu beseitigen. Das Abkommen beinhaltet alle Dienstleistungen vom Tourismus- bis hin zum Bankensektor, ausgenommen einiger staatlicher Dienstleistungen, wie z.B. Polizeiwesen, Schulwesen und Teilbereiche des Luftverkehrssektors (BMZ 2003, 4). Durch die Öffnung des Dienstleistungssektors entstehen für Dienstleistungsunternehmen auch im Ausland Absatzmärkte, in die unterschiedlich eingetreten werden kann. Diese unterschiedlichen Möglichkeiten sollen im Rahmen der Arbeit näher erläutert werden.
Nachdem in Kap. 2 die Begriffe der Internationalisierung, des Markteintritts und der Dienstleistung näher erläutert werden, widmet sich Kap. 3 den verschiedenen Alternativen eines Markteintritts. Hierbei wird zunächst jede Eintrittsmöglichkeit erklärt und anschließend auf ihre Eignung für die Internationalisierung von Dienstleistungen eingegangen. Kap. 4 schließt diese Arbeit mit einem Resümee der erlangten Erkenntnisse ab.
Inhaltsverzeichnis
1 Markteintrittschancen für Dienstleistungsunternehmen in ausländische Märkte durch die Handelsabkommen
2 Grundlagen zur Internationalisierung von Dienstleistungen
2.1 Der Begriff Internationalisierung
2.2 Definition von „Markteintrittsform“ und dessen Abgrenzung zu den Begriffen Markteintrittsstrategie und Marktbearbeitung
2.3 Begriffsklärung: Was ist eine Dienstleistung
2.4 Die Abgrenzung des Dienstleistungssektors und dessen Stellenwert in der Volkswirtschaft
3 Formen des Markteintritts und deren Bewertung für die Internationalisierung von Dienstleistungsunternehmen
3.1 Außenhandelsformen
3.1.1 Dienstleistungsexport
3.1.2 Lizenzierung
3.1.3 Franchising
3.2 Direktinvestitionen – Foreign Direct Investments
3.2.1 Kooperationen
3.2.2 Tochtergesellschaften und Auslandsniederlassungen
4 Resümee zu den Markteintrittsstrategien für die Internationalisierung von Dienstleistungsunternehmen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die verschiedenen Strategien und Formen des Markteintritts für Dienstleistungsunternehmen bei der Erschließung internationaler Märkte, wobei der Fokus auf der Auswahl der geeigneten Eintrittsmethode unter Berücksichtigung spezifischer Dienstleistungsmerkmale liegt.
- Analyse des Einflusses von Handelsabkommen auf Markteintrittschancen
- Systematisierung der Markteintrittsformen nach Ressourceneinsatz
- Unterscheidung zwischen Außenhandelsformen und Direktinvestitionen
- Bewertung von Vor- und Nachteilen verschiedener Internationalisierungsstrategien
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Dienstleistungsexport
Der Export von Dienstleistungen stellt die Basisform des Außenengagements mit dem höchsten Ausmaß an Kapital- und Managementleistung im Stammland dar (Wannig 1994, 176). Die im Heimatland erstellten Dienstleistungen können mittelbar oder unmittelbar exportiert werden. Als unmittelbarer Außenhandel wird direkter Export bezeichnet. „Direkt“ bezieht sich auf die Tatsache, dass keine Einschaltung von Handelsagenturen oder anderen Mittlern im Inland stattfindet. Es wird direkt mit dem ausländischen Käufer oder einem ausländischen Handelsmittler verhandelt. Im Gegensatz dazu werden beim indirekten bzw. mittelbaren Export Handelsagenturen bzw. Mittler eingesetzt, die sich mit dem grenzüberschreitenden Verkehr auseinandersetzen. Es handelt sich somit für den eigentlichen Exporteur lediglich um einen inländischen Verkauf an eine Handelsagentur. Man spricht auch von einem reinen Inlandsgeschäft (Kutschker/Schmid 2008, 17).
Diese Form des Markteintritts eignet sich vornehmlich für kleine Dienstleistungsunternehmen ohne Exporterfahrung und für leicht exportierbare Leistungen. Hierzu zählen bspw. Dienstleistungen, die per Kommunikationsmedium übertragen werden, wie z.B. Marktstudien, Planungsleistungen, Bestelldienste und IT-Dienstleistungen. Weitere Dienstleistungsexporte stellen auch die in Waren annektierten Dienstleistungen wie bspw. Marketing, Design und Serviceverträge dar. Darüber hinaus zählen auch Schulungen, die in Verbindung mit dem Auslandsgeschäft stehen, zum Export (Deutscher Industrie- und Handelstag 2001, 22). Die Realisierung erfordert im Allgemeinen nur einen geringen Aufwand, wohingegen Kaptalinvestitionen in Tochtergesellschaften oder Beteiligungen nicht von Nöten sind. Des Weiteren besteht bei dieser Form des Markteintritts ein hoher Grad an Eigenständigkeit und sehr gute Kontrollmöglichkeiten (Kemper 2001, 86). Weitere Beispiele für Unternehmen, die in diesem Sektor möglicherweise agieren können, sind Dienstleister, im Bereich der Trägermedien wie Software (CD-Rom) oder im Entertainmentbereich auftreten. Für diese speziellen Sparten existieren jedoch auch andere Markteintrittsformen (Kemper 2001, 82). Abschließend werden in einer Tabelle die Vor- und Nachteile des Exports illustriert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Markteintrittschancen für Dienstleistungsunternehmen in ausländische Märkte durch die Handelsabkommen: Dieses Kapitel erläutert die Rolle internationaler Abkommen, insbesondere des GATS, beim Abbau von Handelshemmnissen für den Dienstleistungssektor.
2 Grundlagen zur Internationalisierung von Dienstleistungen: Es werden zentrale Begrifflichkeiten geklärt sowie der Dienstleistungssektor von der übrigen Volkswirtschaft abgegrenzt.
3 Formen des Markteintritts und deren Bewertung für die Internationalisierung von Dienstleistungsunternehmen: Dieses Kapitel stellt detailliert verschiedene Eintrittsformen wie Export, Lizenzierung, Franchising und Direktinvestitionen gegenüber und bewertet diese.
4 Resümee zu den Markteintrittsstrategien für die Internationalisierung von Dienstleistungsunternehmen: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Betrachtung der strategischen Herausforderungen und der Notwendigkeit einer individuellen Anpassung an Zielmärkte ab.
Schlüsselwörter
Internationalisierung, Dienstleistung, Markteintritt, Markteintrittsform, Export, Lizenzierung, Franchising, Direktinvestition, Joint Venture, Tochtergesellschaft, Dienstleistungsexport, Marktbearbeitung, GATS, Außenhandel, Internationales Management
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den strategischen Optionen und Rahmenbedingungen, die Dienstleistungsunternehmen bei einer Expansion in ausländische Märkte nutzen können.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Definition des Dienstleistungsbegriffs, die Systematik der Internationalisierung sowie den detaillierten Vergleich von Markteintrittsformen wie Export, Franchising und Direktinvestitionen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, den Entscheidungsprozess für die Wahl einer passenden Markteintrittsform für Dienstleistungsunternehmen systematisch darzustellen und die Eignung verschiedener Strategien zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Untersuchung gewählt?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse und die Auswertung bestehender theoretischer Konzepte und ökonomischer Modelle zum internationalen Management von Dienstleistungen.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der Internationalisierung, die Differenzierung von Eintrittsformen in Außenhandelsformen und Direktinvestitionen sowie deren kritische Würdigung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Markteintrittsstrategie, Dienstleistungsmanagement, Außenhandelsformen, Direktinvestitionen und Internationalisierungsgrad.
Inwiefern unterscheidet sich die Internationalisierung von Dienstleistungen vom Warengeschäft?
Dienstleistungen sind oft durch Immateriellität, Nichtlagerfähigkeit und die notwendige Integration externer Faktoren gekennzeichnet, was spezielle Anforderungen an den Markteintritt stellt.
Warum spielt das GATS-Abkommen eine Rolle für den Dienstleistungssektor?
Das GATS (General Agreement on Trade in Services) der Welthandelsorganisation ist entscheidend für die Öffnung von Märkten der Mitgliedsländer für den internationalen Handel mit Dienstleistungen.
Was unterscheidet Kooperationen von Tochtergesellschaften als Markteintrittsform?
Kooperationen basieren meist auf vertraglichen Arrangements ohne Kapitalbeteiligung oder mit geteilten Ressourcen, während Tochtergesellschaften eine stärkere vertikale Integration und meist vollständige Kontrolle bedeuten.
Welche Rolle spielt die Zeitkomponente bei der Marktbearbeitung?
Die sogenannte „Timingstrategie“ befasst sich nicht nur mit der Form des Markteintritts („Wie“), sondern auch mit dem optimalen Zeitpunkt („Wann“), um auf einem ausländischen Markt aktiv zu werden.
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- Ruben Engelhardt (Author), 2008, Bewertung von Markteintrittsformen für die Internationalisierung von Dienstleistungsunternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143105