[...] Alle Königsdramen Shakespeares ranken sich um ein offensichtliches Zentralthema: den
direkten Kampf um und gegen die Krone, welcher im unmittelbaren Zusammenhang zur
Erbfolge und Legitimität anzusiedeln ist.
Welche Rolle die Frau als politische Funktion inne hatte markiert Shakespeare in seinen
Königsdramen nur allzu deutlich. Dennoch waren sich jene ihrer Möglichkeiten innerhalb der
Gesellschaft durchaus bewusst und wussten ihre Weiblichkeit einzusetzen. Schon die
Schichtzugehörigkeit der jeweiligen Frauengestalt gibt Auskunft über die Merkmale ihrer
Typologie2, wie man an Goneril, Regan und Cordelia eindeutig nachvollziehen kann.
Außerdem muten alle drei realistisch und menschlich an, trotz des Stereotyps, welchen sie in
ihrer Funktion als Frau in der Tragödie verkörpern.
Es ist mir wichtig mit meinen nun folgenden Ausführungen aufzuzeigen, dass alle drei
Königstöchter König Lears einem stereotypen Muster von Weiblichkeit nachempfunden sind
um eine bestimmte, ihnen zugewiesene Funktion innerhalb des Stückes zu erfüllen.
Natürlich wird es mir innerhalb dieser Arbeit lediglich möglich sein, dem Rezipienten einige
Ansatzpunkte zu liefern.
William Shakespeare ist meines Erachtens noch immer nicht vollkommen fassbar und wird
es auch niemals sein. Die Shakespeareforschung stagniert und scheint sich oftmals im Kreise
zu drehen. Unendlich viel oder auch nichts kann man zu den Werken Shakespeares sagen,
der es wie kein andere vor oder nach ihm je so vermocht hat, die menschliche Natur
auszuloten.
Inhaltsverzeichnis
Prolog
1. Goneril: Die Machthungrige
2. Regan: Die Lasterhafte
3. Cordelia: die Tugendhafte
Epilog
Bibliographie
Primärliteratur
Sekundärliteratur
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht die weiblichen Figuren in William Shakespeares "King Lear" unter dem Aspekt ihrer funktionalen Anlage innerhalb der Tragödie. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei darauf, inwieweit die drei Königstöchter – Goneril, Regan und Cordelia – trotz stereotyper Charakterisierungen als treibende Kräfte des Handlungsgeschehens fungieren und wie sie mit den ihnen zugewiesenen gesellschaftlichen Rollenbildern interagieren.
- Analyse der weiblichen Archetypen in Shakespeares Tragödien
- Charakterisierung von Goneril als machtorientierte, treibende Kraft
- Untersuchung von Regans Rolle als ausführende, grausame Akteurin
- Cordelia als Symbol der Tugend und ihre Rolle als Schlüsselfigur
- Der Konflikt zwischen weiblicher Autonomie und männlich dominierter Ordnung
Auszug aus dem Buch
Goneril: Die Machthungrige
Goneril ist die erstgeboren Tochter König Lears und die Gattin des Herzogs von Albany. Sie ist auch die erste, die dem König antwortet, als dieser fragt, welche seiner Töchter ihn am meisten liebt. Innerhalb der Tragödie ist sie treibende weibliche Kraft, was bereits in der Dialogführung zu erahnen ist, die vor kaum einer Grausamkeit zurückschreckt um ihre ehrgeizigen Ziele verwirklicht zu wissen, dafür ist sie sich keiner List zu schade. Als Gattin des Herzogs von Albany ist sie sich ihrer Funktion als dessen Ehefrau durchaus bewusst. Treibt ihren Mann aber an gemeinsam mit ihr nach weit höherem zu streben, nämlich dem gesamten Reich ihres Vaters. Doch auch ihr Ehemann, der Herzog von Albany wird sich schließlich von Goneril, ihrer Bosheit wegen, abwenden und zum König überlaufen. Goneril währenddessen wird sich nachdem, sie ihre jüngere Schwester Regan vergiftet hat selbst richten.
Ich erwähnte bereits zu Anfang, dass den drei Töchtern King Lears stereotype Charakteranlagen zugrunde liegen, die es ihnen erst ermöglichen, die ihnen zugedachte Funktion als Katalysatoren und Auslöser der Handlung in der Tragödie zu fungieren. Dennoch: eine rigide Schematisierung von Shakespeares Frauengestalten wird sich als Unterfangen der Unmöglichkeit herausstellen. Zumal jede Einzelne von ihnen eine Vielzahl von Zuordnungsmöglichkeiten und Interpretationsansätzen eröffnet.
Zusammenfassung der Kapitel
Prolog: Einführung in die Thematik der Weiblichkeit in Shakespeares Tragödien und die Funktion der Töchter als wichtige Protagonistinnen, die über Stereotype hinausgehen.
1. Goneril: Die Machthungrige: Analyse von Gonerils Charakter als machtbewusste Frau, die durch List und ehrgeiziges Handeln aktiv in das politische Geschehen eingreift.
2. Regan: Die Lasterhafte: Untersuchung von Regans Rolle als ausführende Kraft der Bosheit, die Gonerils Pläne umsetzt und deren Handlungen von Grausamkeit geprägt sind.
3. Cordelia: die Tugendhafte: Beleuchtung von Cordelias Funktion als tugendhaftes Gegenstück, deren moralische Strenge und Wahrheitsliebe sie zur tragischen Schlüsselfigur machen.
Epilog: Resümee über die Charakteranlage der Protagonistinnen, die durch ihre mangelnde Passivität und ihren Tatendrang die männliche Ordnung in King Lear gefährden.
Bibliographie: Auflistung der verwendeten primären und sekundären Quellen zur Unterstützung der literaturwissenschaftlichen Analyse.
Schlüsselwörter
William Shakespeare, King Lear, Weiblichkeit, Charakteranlage, Tragödie, Goneril, Regan, Cordelia, Macht, Geschlechterrollen, Stereotype, Handlungsfunktion, Aristokratie, Literaturwissenschaft, Frauenbild.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die weibliche Figurenanlage in William Shakespeares "King Lear" und untersucht, wie die drei Töchter Lears durch ihre spezifischen Charakterzüge die Handlung der Tragödie maßgeblich vorantreiben.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Spannung zwischen traditionellen Rollenzuweisungen an Frauen und dem tatsächlichen, machtorientierten Handeln der Charaktere Goneril, Regan und Cordelia.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass alle drei Königstöchter trotz vorgegebener stereotyper Muster eine eigene, funktionale Dynamik innerhalb des Stückes entwickeln, die über bloße Passivität weit hinausgeht.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die auf der Untersuchung von Textstellen der Primärliteratur sowie der Auswertung einschlägiger Sekundärliteratur zu Shakespeares Königsdramen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei Kapitel, die jeweils eine der drei Schwestern detailliert analysieren und ihre jeweilige Funktion als Katalysator der Handlung beleuchten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den zentralen Begriffen zählen Shakespeares "King Lear", Geschlechterrollen, weibliche Autonomie, Machtstreben und die archetypische Charakterisierung der drei Töchter.
Wie unterscheidet sich Cordelia in ihrer Rolle von ihren Schwestern?
Während Goneril und Regan durch Machtstreben und List agieren, symbolisiert Cordelia das Tugendhafte und Gute, was sie jedoch in eine isolierte und letztlich tragische Rolle innerhalb des höfischen Gefüges drängt.
Welche Bedeutung kommt der "vermännlichten Frau" in der Argumentation der Autorin zu?
Die Arbeit diskutiert, dass der Tatendrang der Töchter als "männlich" konnotiert wird, was dazu führt, dass ihre Weiblichkeit in einer von Männern dominierten Gesellschaft als Bedrohung oder Monstrosität wahrgenommen wird.
Inwiefern beeinflussen Goneril und Regan das Schicksal von Gloucester?
Sie agieren als treibende Kräfte hinter der brutalen Blendung Gloucesters, wobei sie ihre Machtbefugnisse nutzen, um vermeintlichen Hochverrat an der Krone zu bestrafen und ihre eigene politische Position zu festigen.
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- Julia Kulewatz (Author), 2009, Zu William Shakespeares "King Lear", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143205