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Gemeinschaft außerhalb der Gesellschaft. Eine Analyse alternativer Lebensformen von gesellschaftlich Ausgestiegenen

Título: Gemeinschaft außerhalb der Gesellschaft. Eine Analyse alternativer Lebensformen von gesellschaftlich Ausgestiegenen

Tesis (Bachelor) , 2021 , 99 Páginas , Calificación: 1,7

Autor:in: Lucia Ellmaier (Autor)

Sociología - Individuo, grupos, sociedad
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In dieser Arbeit soll sich der Frage gewidmet werden, ob und wie sich Gemeinschaft außerhalb der Gesellschaft realisieren lässt und welche Formen dies annehmen kann. Methodisch soll dies im Rahmen der Grounded Theory Methodologie durch die qualitative Analyse auf verschiedene Art festgehaltener Perspektiven auf gesellschaftliche Aussteiger_innen erfolgen; dazu dient eine Kurzreportage, die ihr zugehörigen Kommentare sowie verschiedene Ausschnitte eines Werks über Ausgestiegene in Indien. Den theoretischen Hintergrund der Arbeit bildet die Labelingtheorie nach Becker sowie der Begriff der gesellschaftlichen Integration.

Volle Leistung, harter Einsatz, stets eine optimale Performance und intensives Engagement – der Berufsalltag vieler Deutschen wird von diesen Leitwerten bestimmt. Die Erwerbsarbeit ist dabei weit mehr als ein reines Mittel zur Sicherung des Lebensunterhalts. Der berufliche Status einer Person definiert ihr Ansehen, ihre Stellung innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft in einem beträchtlichen Maße, der Lebensstil der hustle culture ist zum Standard geworden. Um hier mithalten zu können ist eine besondere Art der Leistung gefragt, es bedarf der Anpassung an vorgegebene Strukturen und der Erfüllung in Vorgesetzten tief verankerten Erwartungen, mit denen sich jedes Individuum früher oder später konfrontiert sieht. Konformität wird zu einer der wichtigsten Eigenschaften, um in dieser konkurrenzgeprägten Landschaft bestehen zu können.

Es existieren jedoch Alternativen dazu, dieses Spiel des Lebens innerhalb des Systems der Gesellschaft mitzuspielen und dessen Regeln mit dem ihnen einhergehenden immensen Druck fraglos zu akzeptieren. Die Rückbesinnung auf ein einfaches, entschleunigtes, entspanntes Leben ist ein Wunsch, welcher wohl so einige umtreibt. Doch die wenigsten entschließen sich dazu, diesem Gedanken in aller Konsequenz nachzukommen, ein neues Leben abseits der eingetretenen Pfade zu beginnen – auszusteigen.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

1. Einführung

II. Theoretischer Teil

2. Aussteiger_innen

2.1 Dimensionen des Aussteiger_innenbegriffs

2.2 Stand der Forschung zu gesellschaftlichen Aussteiger_innen

3. Gesellschaftliche Integration

4. Devianz und abweichendes Verhalten

4.1 Zur Definition abweichenden Verhaltens

4.2 Theorien abweichenden Verhaltens

4.2.1 Die theoretische Vielfalt der Devianzsoziologie

4.2.2 Der Labeling Approach nach Becker

III. Empirischer Teil

5. Forschungsgegenstand und Methodologie

5.1 Forschungsgegenstand und Fragestellung

5.2 Methodologie

5.3 Beschreibung des Samples

6. Ergebnisse

6.1 Alltag als Aussteiger_in

6.2 Kommunenleben

6.3 Bild der Aussteiger_innen

6.4 Verhältnis zur Gesellschaft

6.5 Ausstieg als Prozess

7. Diskussion

7.1 Methodenangemessenheit und Reflexion

7.2 Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die Arbeit untersucht, wie gesellschaftliche Aussteiger_innen alternative Formen der Gemeinschaft außerhalb bewährter gesellschaftlicher Strukturen konzipieren und welche Bedeutung diese für ihre Lebensgestaltung besitzen, ausgehend von der Fragestellung, ob eine solche Gemeinschaft realisierbar ist.

  • Analyse des Begriffs der gesellschaftlichen Aussteiger_innen
  • Untersuchung von Modellen zur gesellschaftlichen Integration und Desintegration
  • Anwendung des Labeling Approachs nach Howard S. Becker auf Aussteiger-Phänomene
  • Qualitative Auswertung von dokumentarischen Daten und persönlichen Erfahrungsberichten
  • Reflexion über die Suche nach Unabhängigkeit und Freiheit im Kontext gesellschaftlicher Teilhabe

Auszug aus dem Buch

Die theoretische Vielfalt der Devianzsoziologie

Bei makrosoziologischen Ansätzen konzentriert sich die Untersuchung auf dem Individuum übergeordnete gesellschaftliche Strukturen und deren Rolle bei der Generierung von Devianz. So vertreten Theorien der Subkultur die Annahme, dass soziale Abweichung ihren Ursprung in der unterschiedlichen Akzeptanz sozialer Normen besitzt (vgl. Lamnek 2007, S. 147). Es existieren nur wenige grundlegende Werte, welche von dem kompletten System der Gesellschaft geteilt werden, vielmehr unterscheiden sich viele davon von Subsystem zu Subsystem. Dadurch kommt es bei Begegnungen von Angehörigen einer Subkultur mit Außenstehenden zu als deviant bezeichnetem Verhalten, da jeweils andere Moralvorstellungen gelten. Kritik lässt sich an dem begrenzten Maß der Erklärung üben, welche die Subkulturtheorien anbieten, ebenso wird die Entstehung der Subsysteme nicht erläutert und dadurch nicht das komplette Ausmaß der Abweichung erfasst (vgl. Lamnek 2007, S. 259).

Theorien, welche Devianz aus einer marxistischen Perspektive betrachten, konzentrieren sich auf den Prozess ihrer sozialen Konstruktion. Wie und weshalb manche Gruppen als abweichend definiert werden und wie ihr Verhalten durch die Anwendung des Gesetzes illegal wird, sind die zentralen Fragestellungen (vgl. Inderbitzin et al. 2013, S. 377). Devianz dient hier als Mittel, um bestimmte Gruppen zum Erhalt des kapitalistischen Systems kontrollieren zu können, da die konstruierte Devianz von Angehörigen unterer Klassen von dem eigentlich schädlichen Verhalten der oberen Gesellschaftsschichten ablenkt und es somit zu sozialen Spaltungen kommt. Dabei wird jedoch übersehen, dass manche Gesetze nicht nur den Eliten, sondern allen Mitgliedern einer Gesellschaft nutzen können. Dazu kommt die sehr unklare Grenze von soziologischer Theorie und politischen Äußerungen ihrer Vertreter (vgl. Inderbitzin et al. 2013, S. 389). Diese Eigenschaft erschwert die Verwendung eines ansonsten äußerst interessanten, da für die Betrachtung heutiger gesellschaftlicher Konditionen sehr relevanten Ansatzes.

Eine der prominentesten und meistmodifizierten makrosoziologischen Ansätze stellt die Anomietheorie dar. Als eine der ersten soziologischen Erklärungen der Ursachen devianten Verhaltens konzentriert sie sich auf die sozialen Muster, welche auftreten, wenn Personen und Gruppen auf Zustände reagieren müssen, über die sie wenig Kontrolle haben. Die grundsätzliche Frage ist dabei, wie genau die gesellschaftliche Struktur das Verhalten beschränkt und dadurch Devianz erzeugt (vgl. Inderbitzin et al. 2013, S. 146).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Das Kapitel führt in die Thematik der kapitalistischen Leistungsgesellschaft und den Wunsch nach einem Ausstieg ein, um ein entschleunigtes Leben abseits fester Strukturen zu ermöglichen.

2. Aussteiger_innen: Hier werden der Begriff des Aussteigers definiert sowie verschiedene historische und aktuelle Dimensionen des Ausstiegsphänomens in Wissenschaft und Gesellschaft beleuchtet.

3. Gesellschaftliche Integration: Dieses Kapitel diskutiert soziologische Konzepte zur Integration und Desintegration und ordnet das bewusste Aussteigen aus dem Gesellschaftssystem theoretisch ein.

4. Devianz und abweichendes Verhalten: Die theoretische Basis wird durch die Definition von Devianz und die Anwendung des Labeling Approachs nach Becker gelegt, um das Verhalten der Aussteiger_innen soziologisch analysieren zu können.

5. Forschungsgegenstand und Methodologie: Dieser Abschnitt beschreibt das methodische Vorgehen mittels Grounded Theory sowie die Auswahl des empirischen Materials, bestehend aus Video- und Bildband-Daten.

6. Ergebnisse: Die empirische Analyse zeigt die gelebte Realität der Aussteiger_innen, gegliedert in Kategorien wie Alltag, Kommunenleben, Wahrnehmung durch die Gesellschaft und den Ausstieg als Prozess.

7. Diskussion: Das abschließende Kapitel reflektiert die gewählte Methodik, ordnet die gewonnenen Erkenntnisse kritisch ein und gibt einen Ausblick auf künftige Forschungsansätze.

Schlüsselwörter

Aussteiger, Soziologie, Grounded Theory, Devianz, Labeling Approach, Gesellschaftliche Integration, Kommune, Work-Life-Balance, Lebensentwurf, Soziale Normen, Gemeinschaft, Konsens, Selbstverwirklichung, Kapitalismuskritik, Qualitative Forschung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Phänomen von gesellschaftlichen Aussteiger_innen, die sich bewusst aus dem kapitalistischen System und der Erwerbsarbeit entfernen, um alternative Lebens- und Gemeinschaftsformen zu erproben.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind die soziale Integration, das Verständnis von abweichendem Verhalten (Devianz), die Motive für einen Lebenswandel sowie die Dynamiken innerhalb von Alternativgemeinschaften.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt danach, wie Aussteiger_innen alternative Gemeinschaften abseits der Mainstream-Gesellschaft konzipieren und welche Bedeutung diese Modelle für ihre individuelle Lebensgestaltung haben.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Forschungsarbeit nutzt die Methodik der Grounded Theory, eine qualitative Forschungsstrategie, um durch die Analyse von Videomaterial und literarischen Quellen eine materiale Theorie zu generieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst theoretische Grundlagen zu Devianztheorien erarbeitet, gefolgt von einem empirischen Teil, der die Ergebnisse aus Kommentarsektionen, Videos und Bildbänden analysiert und in Kategorien verdichtet.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Aussteiger, Devianz, Labeling Approach, soziale Integration, Gemeinschaft, Freiheit sowie die kritische Auseinandersetzung mit Leistungsdruck.

Welche Rolle spielt die "Labelingtheory" bei der Analyse der Aussteiger_innen?

Der Labeling Approach nach Howard S. Becker dient als theoretische Grundlage, um zu verdeutlichen, dass Aussteigen nicht nur eine subjektive Handlung ist, sondern von der Mehrheitsgesellschaft als abweichendes, regelverletzendes Verhalten markiert und stigmatisiert wird.

Was sind die zentralen Schlussfolgerungen des Autors zur Kommune als Alternative zur Gesellschaft?

Die Autorin kommt zu dem Fazit, dass Kommunen oft nur sehr begrenzt als Ersatz für die Gesellschaft fungieren können, da der hohe individuelle Freiheitsdrang der Bewohner häufig mit dem Bedürfnis nach verbindlichen, integrierten Strukturen kollidiert.

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Detalles

Título
Gemeinschaft außerhalb der Gesellschaft. Eine Analyse alternativer Lebensformen von gesellschaftlich Ausgestiegenen
Universidad
University of Constance  (Geisteswissenschaftliche Sektion)
Calificación
1,7
Autor
Lucia Ellmaier (Autor)
Año de publicación
2021
Páginas
99
No. de catálogo
V1433532
ISBN (PDF)
9783346986979
ISBN (Libro)
9783346986986
Idioma
Alemán
Etiqueta
Aussteiger Devianz Becker Grounded Theory Strauss Glaser Videoanalyse
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Lucia Ellmaier (Autor), 2021, Gemeinschaft außerhalb der Gesellschaft. Eine Analyse alternativer Lebensformen von gesellschaftlich Ausgestiegenen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1433532
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