Kreditderivate übertragen Risiken gegen Entgelt und verbessern durch eine breitere Verteilung die Fähigkeit des Finanzsystems, Schocks zu absorbieren. Credit Default Swaps stellen das am weitesten verbreitete und quantitativ bedeutendste Kreditderivat dar. Deren Einsatz kann die Risikosituation des Unternehmens in beide Richtungen beeinflussen. Daher liegt die Notwendigkeit einer adäquaten bilanziellen Darstellung auf der Hand. Allerdings enthalten weder die nationalen noch die internationalen Rechnungslegungsvorschriften
spezielle Regelungen für Kreditderivate, so dass eine Übertragung der allgemeinen
Grundsätze auf die Handhabung dieser Produkte notwendig ist. Jedoch ergeben sich dabei neben Abgrenzungs- auch Interpretationsschwierigkeiten. Ob diese eine sachgerechte Abbildung vor dem Hintergrund der Funktionen der beiden Rechnungslegungssysteme ermöglichen, soll im Folgenden untersucht werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Untersuchung
2 Grundlegende Vertragsstruktur eines CDSs
3 Bilanzielle Abbildung nach IFRS
3.1 Derivatives Finanzinstrument vs. Finanzgarantie
3.2 Bilanzierung als Finanzgarantie
3.3 Bilanzierung als derivatives Finanzinstrument
4 Bilanzielle Abbildung nach HGB
5 Kritische Würdigung
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die bilanzielle Abbildung von Credit Default Swaps (CDS) nach den internationalen Rechnungslegungsvorschriften (IFRS) sowie den nationalen Normen des HGB. Das Ziel ist es, die bestehenden Schwierigkeiten bei der sachgerechten Darstellung dieser Finanzinstrumente im Kontext der jeweiligen Rechnungslegungssysteme aufzuzeigen und zu analysieren.
- Grundlagen und Vertragsstruktur von Credit Default Swaps
- Abgrenzung zwischen Finanzgarantie und derivativem Finanzinstrument nach IFRS
- Bilanzierungspraxis für CDS nach HGB-Grundsätzen
- Kritische Analyse der Rechnungslegungsnormen und Auslegungsschwierigkeiten
- Ausblick auf zukünftige Entwicklungen im Bereich der Normenentwicklung
Auszug aus dem Buch
3.1 Derivatives Finanzinstrument vs. Finanzgarantie
Für die Bilanzierung von CDS nach IFRS ist die Abgrenzungsfrage, ob diese als derivative Finanzinstrumente oder als Finanzgarantie zu behandeln sind, ausschlaggebend, da erhebliche Unterschiede hinsichtlich der Bilanzierung nach internationalen Richtlinien bestehen. Nach IAS 39.9 muss ein derivatives Finanzinstrument bestimmte Merkmale aufweisen. Bei der Übertragung auf Kreditderivate lässt sich eine grundsätzliche Erfüllung feststellen. Dies schließt auch Produkte ein, die ein breiteres Spektrum an Risiken abdecken. CDSs hingegen transferieren ausschließlich das Ausfallrisiko, sodass zusätzlich die Kriterien einer Finanzgarantie erfüllt sein können. Hinsichtlich der Abgrenzung ist entscheidend, dass die zentrale Eigenschaft der Finanzgarantie in der Kompensation eines dem SN entstandenen tatsächlich eingetretenen Verlusts besteht.
Die Entschädigungszahlung einer Finanzgarantie ist somit nur dann zu leisten, wenn der Schuldner bei Fälligkeit tatsächlich nicht leistet und wird demnach (ausschließlich) durch den zum Zeitpunkt des Eintritts des Kreditereignisses bestimmbaren Verlust des SNs ausgelöst. Ist hingegen vertraglich vereinbart, dass die Zahlung an die Veränderung eines Bonitätsratings oder eines Kreditindexes gebunden ist, werden die Kriterien einer Finanzgarantie nicht erfüllt. Zudem setzt die bilanzielle Abbildung eines CDSs unter den Bestimmungen von Finanzgarantien voraus, dass der SN im Besitz des gegen den Forderungsausfall abgesicherten Referenzaktivums ist. In beiden Fällen mangelt es bei Eintritt des Kreditereignisses am geforderten tatsächlichen Verlust. CDSs sind demnach als derivative Finanzinstrumente zu kategorisieren, falls die Ausgleichszahlung durch ein anderes Kreditereignis als den alleinigen Zahlungsausfall des Schuldners ausgelöst wird oder sich das Referenzaktivum nicht im Besitz des SNs befindet. Erfüllt ein CDS jedoch die Kriterien beider Bilanzierungsalternativen ist er als Finanzgarantie zu bilanzieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Einleitung in die Problematik der bilanziellen Erfassung von Credit Default Swaps und Erläuterung des weiteren Vorgehens in der Arbeit.
2 Grundlegende Vertragsstruktur eines CDSs: Erläuterung der Funktionsweise von Credit Default Swaps als Sicherungskontrakte und deren Ausgestaltungsvarianten.
3 Bilanzielle Abbildung nach IFRS: Untersuchung der Bilanzierung von CDS unter IFRS, differenziert nach der Einstufung als Finanzgarantie oder derivatives Finanzinstrument.
4 Bilanzielle Abbildung nach HGB: Analyse der Behandlung von Credit Default Swaps unter Berücksichtigung der handelsrechtlichen Grundsätze des HGB.
5 Kritische Würdigung: Kritische Analyse der bestehenden Bilanzierungspraxis und der Herausforderungen bei der Anwendung der aktuellen Rechnungslegungsnormen.
6 Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Ausblick auf künftige Entwicklungen in der internationalen Normenentwicklung.
Schlüsselwörter
Credit Default Swaps, CDS, IFRS, HGB, Finanzgarantie, Derivate, IAS 39, Bilanzierung, Kreditrisiko, fair value, Anschaffungskosten, BilMoG, Risikotransfer, Sicherungsgeber, Sicherungsnehmer
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die komplexe bilanzielle Darstellung von Credit Default Swaps (CDS) sowohl nach internationalen (IFRS) als auch nach nationalen deutschen (HGB) Rechnungslegungsvorschriften.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Vertragsstruktur von CDS, die Differenzierung zwischen Finanzgarantien und derivativen Finanzinstrumenten sowie die kritische Reflexion der aktuellen Bilanzierungsnormen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel besteht darin, die Schwierigkeiten bei der sachgerechten bilanziellen Abbildung von CDS zu identifizieren, da es an spezifischen Regelungen für Kreditderivate in den Rechnungslegungswerken mangelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Analyse der aktuellen Fachliteratur, Rechnungslegungsstandards (IAS/IFRS) sowie der relevanten nationalen Gesetzgebung (HGB/BilMoG), um die bilanzielle Behandlung methodisch fundiert abzuleiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Kriterien zur Klassifizierung von CDS nach IAS 39 sowie die spezifische handelsrechtliche Abbildung unter Beachtung der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wesentlichen Begriffe sind Credit Default Swaps, Finanzgarantie, Derivate, IFRS, HGB und fair value Bewertung.
Wie unterscheidet sich die Bilanzierung unter IFRS von der nach HGB?
Unter IFRS steht die Abgrenzung zwischen Derivat und Finanzgarantie im Vordergrund, während das HGB stärker von einer Gläubigerschutzorientierung und dem Vorsichtsprinzip geprägt ist.
Welche Rolle spielt der Besitz des Referenzaktivums?
Nach IFRS-Kriterien ist der Besitz des Referenzaktivums eine wesentliche Voraussetzung, um einen CDS als Finanzgarantie bilanzieren zu können.
Warum ist die Bilanzierung von CDS in der Praxis so schwierig?
Die Schwierigkeit ergibt sich aus einer Kombination von mangelnden expliziten Standardregelungen, Interpretationsspielräumen bei der fair value-Ermittlung und der hohen Abhängigkeit von individuellen Vertragsgestaltungen.
- Citation du texte
- Sebastian Krug (Auteur), 2009, Abbildung von Credit Default Swaps nach HGB und IFRS, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143459