Der Titel dieser Arbeit lässt eigentlich schon jegliche Einleitung überflüssig erscheinen. Trotzdem soll an dieser Stelle auf die genaue Methodik dieser Arbeit eingegangen werden. Zunächst ist wichtig, dass die benutzten Quellen größtenteils englischsprachig sind, obwohl Der Untergang des Abendlandes (erschienen in zwei Bänden, 1918 und 1922) von Oswald Spengler ursprünglich ein deutschsprachiger Text ist. Der Grund hierfür ist der Ansatz, den eigentlich sehr umfangreichen und komplexen Diskurs1 nur auf seine englischsprachigen Bestandteile zu reduzieren.
Da The Waste Land (erschienen 1922) von T.S. Eliot ein poetischer, ein durch Form und Inhalt überdeterminierter Text ist, ist es ein illusorisches Unterfangen, ihn frei von Bedeutungsverlust übersetzen zu wollen. Beim Untergang/Decline2 stellt sich eine Übersetzung wesentlich weniger schwierig dar, speziell, da es nur bedingt ein literarischer, viel mehr ein geschichtswissenschaftlicher/philosophischer Text ist. Hinzu kommt, dass für diese Arbeit nur selten genaue Wortlaute einzelner Passagen wichtig sind, sondern eher das Geschichtsmodell, das Spengler speziell im ersten Band seines Buchs entwirft.
Außerdem beschäftigen sich die U.S.-amerikanischen Texte zu Spengler mehrheitlich relativ allgemein mit dem Untergang/Decline, während die deutschsprachigen Texte oft sehr spezielle Aspekte untersuchen, die für diese Arbeit nicht relevant sind.
Der einzige Sekundärtext, The Waste Land: A Possible German Source, der sich mit beiden Primärtexten dieser Arbeit beschäftigt, stammt von John Barry. Oft nutzt er aber auch andere Texte Eliots, Essays und Gedichte, um die Ideen Spenglers in Eliots Werk nachzuweisen. Diese Arbeit jedoch wird sich ausschließlich den nachweisbaren Einflüßen Spenglers Untergang/Decline in The Waste Land widmen4.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2. Geschichtsovrstellung Spenglers
3. A heap of broken images
3.1 „He passed the stages of his age and youth” Zyklische Muster in The Waste Land
3.1.1 IV. DEATH BY WATER
3.1.2 I. THE BURIAL OF THE DEAD
3.1.3 II. A GAME OF CHESS
3.1.4 III. THE FIRE SERMON
3.1.5 V. WHAT THE THUNDER SAID
3.1.6 Bewertung
3.2 „Trams and dusty trees” Städte bei Eliot und bei Spengler
3.3 „What shall we ever do?” Orientierungslosigkeit
4. Schlussfolgerungen
5. Ausblick
6. Bibliographie
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die strukturellen und inhaltlichen Parallelen zwischen T.S. Eliots Gedicht "The Waste Land" und Oswald Spenglers geschichtsphilosophischem Werk "Der Untergang des Abendlandes". Ziel ist es, anhand der zyklischen Geschichtsvorstellung Spenglers die Makrostruktur des Gedichts zu analysieren und nachzuweisen, inwiefern die Darstellung von Dekadenz, Unfruchtbarkeit und Orientierungslosigkeit bei Eliot als Spiegelbild spenglerscher Kulturkritik verstanden werden kann.
- Vergleich zyklischer und linearer Geschichtsmodelle
- Analyse von "The Waste Land" als Abbild eines kulturellen Niedergangs
- Die Rolle der Großstadt als Symptom für den Zerfall einer Zivilisation
- Existenzielle Orientierungslosigkeit in der Moderne
- Intertextuelle Bezüge zwischen literarischen und philosophischen Diskursen
Auszug aus dem Buch
3.2 „Trams and dusty trees” (Eliot, 66, Zeile 292) - Städte bei Eliot und bei Spengler
Die zweifellos am öftesten angeführte und am ausgiebigsten beschriebende Stadt in The Waste Land ist London. Für viele annähernd szenisch gestaltete Abschnitte des Gedichts dient sie als Setting, beispielsweise für den letzten Absatz der I. Strophe (Eliot, 59, die Zeilen 60-76). Sowohl in diesem Absatz, der I. BURIAL OF THE DEAD abschliesst, als auch in III. THE FIRE SERMON wird eine Passage über London mit ähnlichen Formulierungen begonnen: „Unreal City / Under the brown fog of a winter dawn” (Eliot, 59, Zeilen 60f), „Unreal City / Under the brown fog of a winter noon” (Eliot, 63, Zeilen 207f). Eine Repetition zweier fast gleicher Phrasen, über die Strophengrenzen hinweg kommt nicht noch einmal vor, womit diesen Phrasen ein besonderer Stellenwert nicht abgesprochen werden kann. Die Farbe Braun beschreibt Spengler als „the characteristic colour of the soul, and more particularly of a historically-disposed soul” (Spengler, zitiert in Barry, 431). Auch hier verstärken die spenglerschen Konnotationen wieder deutlich die Bilder Eliots, zum Beispiel im bereits erwähnten letzten Absatz der I. Strophe:
Unreal City,
under the brown fog of a winter dawn,
A crowd flowed over London Bridge, so many,
I had not thought death had undone so many. (Eliot, 59)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung erläutert die methodische Herangehensweise und begründet die Konzentration auf englischsprachige Quellen bei der Analyse von Spenglers und Eliots Werken.
2. Geschichtsovrstellung Spenglers: Hier werden die theoretischen Grundlagen des zyklischen Geschichtsmodells dargelegt und der Begriff des Untergangs im Kontext biologischer Lebensphasen einer Kultur definiert.
3. A heap of broken images: Dieses Kapitel bildet den Hauptteil und untersucht durch die Anwendung der Spenglerschen Phasenlehre auf die Strophen von The Waste Land die zyklischen Muster, die Bedeutung der Großstadt sowie die vorherrschende Orientierungslosigkeit.
4. Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse werden zusammengeführt, wobei die Unausweichlichkeit der Geschichte und die auswegslose Situation in beiden Werken als verbindendes Element hervorgehoben werden.
5. Ausblick: Der Autor regt an, den Diskurs über spenglersche Einflüsse in der Sekundärliteratur zu Eliots Werk zukünftig stärker zu berücksichtigen.
6. Bibliographie: Ein Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Literatur und Quellen.
Schlüsselwörter
Oswald Spengler, T.S. Eliot, The Waste Land, Der Untergang des Abendlandes, Zyklisches Geschichtsmodell, Dekadenz, Kulturpessimismus, Moderne, Großstadt, Orientierungslosigkeit, Unfruchtbarkeit, Intertextualität, Geschichtsphilosophie, Literaturanalyse, Zivilisationskritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die inhaltlichen und strukturellen Übereinstimmungen zwischen T.S. Eliots Gedicht "The Waste Land" und der kulturphilosophischen Theorie von Oswald Spengler.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf dem zyklischen Geschichtsverständnis, dem Motiv der Dekadenz, der Darstellung der entfremdeten Großstadt sowie dem Gefühl existenzieller Leere.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist der Nachweis, dass "The Waste Land" wesentliche Züge von Spenglers Geschichtsmodell reflektiert und das Gedicht als Ausdruck eines kulturellen Niedergangs gelesen werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literaturanalyse, die Spenglers geschichtsphilosophische Begriffe als interpretatives Raster für die literarische Analyse von Eliots Text nutzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil wird eine detaillierte Phasenanalyse der Strophen von "The Waste Land" durchgeführt, gefolgt von einer Untersuchung der städtischen Symbolik und der thematisierten Orientierungslosigkeit der Individuen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie zyklische Geschichtsbilder, Dekadenz, Zivilisationskritik, kultureller Untergang und existenzielle Entfremdung charakterisiert.
Inwiefern beeinflusst Spenglers "Untergang des Abendlandes" die Interpretation der Stadt in "The Waste Land"?
Spenglers Theorie der Großstadt als Endstadium einer Kultur dient dazu, Londons Darstellung bei Eliot als Anzeichen für den drohenden Zusammenbruch der europäischen Zivilisation zu deuten.
Warum betrachtet der Autor die Vierteilung des Gedichts als interpretativen Ansatz?
Der Autor schlägt eine Einteilung des Werks in vier Phasen vor, um eine Analogie zu den vier Lebensabschnitten einer Kultur – analog zu Spenglers biologischem Modell – aufzuzeigen.
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- Frieder Krauß (Author), 2007, Parallele Strukturen in 'The Waste Land' und dem spenglerschen Geschichtsbild, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143726