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Gewohnheitsrecht in Albanien: Rolle und Herkunft des Kanun

Historischer Überblick über den Kanun bei den Albanern

Title: Gewohnheitsrecht in Albanien: Rolle und Herkunft des Kanun

Scientific Study , 2010 , 44 Pages , Grade: ""

Autor:in: Islam Qerimi (Author)

Law - Criminal process, Criminology, Law Enforcement
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Summary Excerpt Details

Seit wann kennt man das Gewohnheitsrecht bei den Albanern? Die Illyrer als Vorfahren der Albaner, die in vorhistorischer Zeit, und zwar in der ”paläo-indoeuropäischen“ Periode, auf dem Balkan gelebt haben, hatten die Sitten und Gebräuche als Hauptquelle des Rechts. Die nicht-schriftlichen juristischen Quellen oder das Gewohnheitsrecht (bei den Albanern der Kanun) greifen diese Regeln auf, die in einer früheren Entwicklungsphase der Gesellschaft geschaffen und mündlich von Generation auf Generation übermittelt worden sind, die faktisch angewandt worden sind (lat. Consuetudo), sowohl aufgrund ihrer Annahme durch alle, als auch im Sinne der Überzeugung der juristischen Notwendigkeit ihrer Umsetzung (lat. opinio necessitatis ose opinio iuris).

Die Mehrheit der Autoren, die sich mit dem Studium der Geschichte des albanischen Gewohnheitsrechts beschäftigt haben, sind der Auffassung, dass es ein von Generation zu Generation überliefertes illyrisch-dardanisch-albanisches Konglomerat ist. Im Gewohnheitsrecht fanden sich also Normen mit verfassungsmäßigen Charakter des Familien-, Zivil-, Straf- und Prozessrechts, daher wurde es auch als "Verfassung" der Albaner bezeichnet.

Unter den zahlreichen Kanones, die auf den albanischen Gebieten angewandt wurden, und die eine Besonderheit der Bergregionen sind und zugleich die Quelle des albanischen Gewohnheitsrechtes darstellen, sind hervorzuheben: Der Kanun von Arber oder von Skanderbeg (1405-1468), der Kanun des Hochlandes, der Kanun der Labëria (von Papa Zhuli), der Kanun von Lekë Dukagjini (KLD), die als albanischen Gewohnheitsrechtes bekannt sind.

POSITIVE UND NEGATIVE BESONDERHEITEN BEI DEN KANUNEN: Als Besonderheit dieser Kanune können diejenigen erwähnt werden, die eine positive Rolle bei der Entwicklung von juristischen Beziehungen zwischen den Bergbewohnern gespielt haben, als da sind: Der Eid, die Gastfreundschaft, die Ehre, die Mannhaftigkeit sowie diejenigen, die als negativ zu bewerten sind, wie Rache, Blutrache und Ungleichheit der Menschen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einführung

I. Historischer Überblick über den Kanun bei den Albanern

II. Der Begriff des Kanun

III. Die bei den Albanern angewandten Kanune

III.1. Der Kanun des Lekë Dukagjini

III.2. Der Kanun des Skandërbeg

III.3. Der Kanun der Labëria

III.4. Der Kanun des Großen Berglandes

III.5. Kurze Zusammenfassung

IV. Positive und Negative Besonderheiten bei den Kanunen

IV.1. Positive Besonderheiten

IV.1.1. Das Ehrenwort (alb. Besa)

IV.1.1.1 Der Eid (alb. Beja, Betimi)

IV.1.2 Die Gastfreundschaft (alb. Mikëpritja)

IV.1.3 Der Schutz (alb. Ndorja)

IV.1.4 Die Ehre (alb. Nderi)

IV.1.5 Mannhaftigkeit (alb. Burrëria)

IV.2 Negativauswirkende Merkmale

IV.2.1 Rache und Blutrache

IV.2.1.1 Die erlaubte Tötung und Blutracheausübung

IV.2.1.1.1 Nicht mit Strafe bedrohte Tötungen

IV.2.1.1.2 Strafbare Tötungen

IV.2.2 Die Ungleichheit

IV.2.2.1 Ausschluss der Kirche von der Verpflichtung gegenüber der Gemeinschaft (Gegend, Fahne)

IV.2.2.2 Die Stellung der Frau außerhalb des Kanun

V. Die Art und Form der Gesetzerlassung nach dem Gewohnheitsrecht

VI. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle, Herkunft und Bedeutung des albanischen Gewohnheitsrechts, bekannt als Kanun, als historisches und juristisches Regelungswerk, das über Jahrhunderte hinweg das gesellschaftliche Zusammenleben der Albaner prägte.

  • Historische Entwicklung und Ursprünge des albanischen Gewohnheitsrechts
  • Die verschiedenen regionalen Ausprägungen der Kanune (z. B. Lekë Dukagjini, Skandërbeg, Labëria)
  • Analyse der zentralen ethischen Säulen: Besa (Ehrenwort), Gastfreundschaft, Ehre und Mannhaftigkeit
  • Kritische Betrachtung negativ wirkender Institutionen wie Blutrache und gesellschaftliche Ungleichheit
  • Der Kanun im Vergleich zu modernen Rechtsordnungen und seine heutige Bedeutung

Auszug aus dem Buch

IV.1.2 Die Gastfreundschaft (alb. Mikëpritja)

Die Institution der Gastfreundschaftwar in jedem Kanun besonders ausgeprägt.Der Kanun des Lekë Dukagjini widmete stolze 64 Paragraphen der Gastfreundschaft und dem Verhalten Freunden gegenüber.

Als Freund galt ein Bekannter oder Unbekannter, ein Geladener oder nicht Geladener, Fernstehender oder Verwandter, Einheimischer oder fremder Mensch ohne Unterschied von Alters und Geschlecht, sobald er sich an dein Haus wandte, um Unterkunft oder Schutz zu finden,oder auch nur um die Sehnsucht mit Verwandten zu stillen, oder um verschiedene Abkommen zu schließen.

Das Konzept der Gastfreundschaft finden wir bestens wiedergegeben in dieser Aussage des Kanun: “Das Haus des Albaners gehört Gott und dem Freund”. (Paragraph 602 des Kanun des Lek Dukagji festgelegt, “Shpija e shqyptarit asht e Zotit dhe e mikut”).Wohlgemerkt im Kanun ist der Gast im Haus Gott gleichgestellt. Weiter führt Paragraph 603 an „Miku nuk mund te hyje ne shtepi, pa bere za ne oborr“, (dt. Übersetzung „der Gast kann das Haus nicht betreten, ohne ihm Hof sich durch einen Laut anzumelden“). Gemäß Paragraph 604 war es die Aufgabe des Gastgebers: „Si te baje za miku, i zoti i shpise i pergjigjet e i del perpara“, (wenn der Gast laut gibt, wird ihm der Herr des Hauses oder sonst ein Hausbewohner antworten und entgegenkommen). Gemäß Paragraph 605 „falet me mik, armen i a merr, e i prin ne shpi“, (man begrüßt sich mit dem Freund, nimmt ihm die Waffe ab und führt ihn ins Haus).

Zusammenfassung der Kapitel

Einführung: Der Autor erläutert die Bedeutung des Gewohnheitsrechts (Kanun) für die albanische Gesellschaft und dessen Ursprung in mündlichen Überlieferungen von der Illyrer-Zeit bis zur Moderne.

I. Historischer Überblick über den Kanun bei den Albanern: Dieses Kapitel verortet die Wurzeln des albanischen Gewohnheitsrechts im Altertum und zeigt dessen Entwicklung sowie Bewahrung über Generationen hinweg auf.

II. Der Begriff des Kanun: Hier wird die etymologische Herkunft des Begriffs Kanun und dessen Entwicklung über verschiedene Kulturen und Sprachen bis hin zu seiner Funktion als juristisches Regelungssystem analysiert.

III. Die bei den Albanern angewandten Kanune: Eine detaillierte Vorstellung regionaler Kanune wie dem Kanun des Lekë Dukagjini oder dem Kanun der Labëria, die jeweils unterschiedliche gesellschaftliche Bereiche und Regionen abdeckten.

IV. Positive und Negative Besonderheiten bei den Kanunen: Dieses Kapitel analysiert die vier Grundpfeiler des Kanun (Ehrenwort, Gastfreundschaft, Ehre, Mannhaftigkeit) sowie problematische Institutionen wie Blutrache und soziale Ungleichheit.

V. Die Art und Form der Gesetzerlassung nach dem Gewohnheitsrecht: Die Erläuterung des Prozesses, durch den Ältestenräte und Versammlungen bestehende Normen auslegten, anpassten oder neue Gesetze unter Eidleistung erließen.

VI. Fazit: Die abschließende Einordnung des Kanun als historisch wertvolles Regelungswerk, das trotz kritischer Aspekte wie der Blutrache wesentlich zur Erhaltung der albanischen Identität und Kultur beitrug.

Schlüsselwörter

Kanun, albanisches Gewohnheitsrecht, Besa, Ehrenwort, Blutrache, Gastfreundschaft, Ehre, Lekë Dukagjini, Stammesgesellschaft, Rechtsgeschichte, Albanien, soziale Ordnung, Ältestenrat, Patriarchat, Tradition.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit dem ungeschriebenen Gewohnheitsrecht der Albaner, bekannt als Kanun, und dessen Rolle bei der Regelung des sozialen Zusammenlebens und der Identitätsbewahrung über Jahrhunderte hinweg.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Zentrale Themen sind die historischen Ursprünge der verschiedenen regionalen Kanune, die ethischen Prinzipien der albanischen Stammeskultur sowie die kritische Aufarbeitung von Blutrache und gesellschaftlicher Ungleichheit.

Welches Ziel verfolgt der Autor mit dieser Untersuchung?

Ziel ist es, den Stellenwert und die Funktionsweise des Kanun als juristisches System zu analysieren und ein Verständnis dafür zu schaffen, warum dieses Regelwerk trotz widriger Umstände über so lange Zeit Bestand hatte.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Der Autor nutzt eine rechtsvergleichende und historisch-analytische Methode, indem er Quellen aus der Literatur, ethnologische Studien und Originalparagraphen der Kanune auswertet.

Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?

Der Hauptteil widmet sich intensiv der Systematik der Kanune, den ethischen Säulen (Besa, Ehre, Gastfreundschaft, Mannhaftigkeit) sowie einer differenzierten Betrachtung der Blutfehde und der Frauenrolle innerhalb dieses Patriarchats.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?

Wichtige Begriffe sind Kanun, Besa, Blutrache, Ehre, Gastfreundschaft, soziale Identität und die historisch-juristische Entwicklung des albanischen Rechts.

Wie definiert der Autor das Ehrenwort (Besa)?

Besa wird als heiliges Institut des Gewohnheitsrechts beschrieben, das für die Albaner den wertvollsten Schatz darstellt und eine absolute Verpflichtung zur Einhaltung gegebener Versprechen oder geschlossener Friedensabkommen beinhaltet.

Wie wurde die Rolle der Frau nach dem Kanun bewertet?

Der Autor beschreibt die Stellung der Frau im klassischen Kanun als stark untergeordnet und rechtlich eingeschränkt, weist jedoch darauf hin, dass sie in manchen Bereichen, etwa als Vermittlerin bei Konflikten, eine wichtige soziale Rolle einnehmen konnte.

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Details

Title
Gewohnheitsrecht in Albanien: Rolle und Herkunft des Kanun
Subtitle
Historischer Überblick über den Kanun bei den Albanern
College
University of Vienna
Grade
""
Author
Islam Qerimi (Author)
Publication Year
2010
Pages
44
Catalog Number
V143858
ISBN (eBook)
9783640538034
ISBN (Book)
9783640537884
Language
German
Tags
Kanuni i Lek Dukagjinit Kanuni i Skenderbeut Kanuni i Laberise
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Islam Qerimi (Author), 2010, Gewohnheitsrecht in Albanien: Rolle und Herkunft des Kanun, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143858
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