Die Idee, dass in Deutschland eine Entwicklung hinzu mehr Ganztagsschulen gefördert werden muss, erhielt Aufwind durch die vernichtenden Ergebnisse, die unterschiedlichste Studien dem deutschen Bildungssystem attestierten. So wurden im internationalen Vergleich gravierende Mängel des deutschen Bildungssystems
offenbar: In Deutschland liegen die Lernergebnisse unter dem Durchschnitt der OECD-Länder, der Einfluss der sozialen Herkunft auf Bildungsabschlüsse ist überdurchschnittlich groß, und die Ausgaben für das Bildungssystem sind unterdurchschnittlich. Zugleich ist nach T. und W. Vogelsaenger die frühe Selektion und Aufteilung der Kinder in angeblich begabungshomogene Gruppen systembedingt stark ausgeprägt und wurde durch politische Entscheidungen der letzten Jahre noch weiter verstärkt.
Ganztagsschulen erfahren im Zuge der Gleichstellungspolitik und Diskussion um Chancengleichheit immer mehr Aufmerksamkeit. Das ganztägige Bildungs-, Erziehungs-, Förder- und Betreuungsangebot in den Ganztagsschulen stellt ein neues Erfahrungsfeld zum Lernen und Entwickeln sozialer Kompetenzen dar. Inbegriffen ist dort die Hausaufgabenbetreuung. Diese soll in der vorliegenden Arbeit
unter verschiedenen Aspekten in den unterschiedlichen Ganztagsschulformen betrachtet werden. Die Literaturauswahl für dieses Thema ist zeitlich gesehen relativ aktuell. Die Angaben beziehen sich größtenteils auf Sekundärliteratur. Bei meinen
Recherchen eröffnete sich mir ein breites Spektrum von Herangehensweisen an dieses Thema, so dass eine Auswahl an Gesichtspunkten getroffen werden musste.
Betrachtet wird die Primarstufe in Form der offenen Ganztagsschule und im Sekundarstufenbereich größtenteils die Gesamtschule. Durch die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur erfahren nun auch andere Schulformen (Haupt- und Realschulen, sowie Gymnasien) eine Umstrukturierung, da die erhöhte Stundenzahl am Nachmittag erbracht werden muss. Die gesichtete Literatur orientiert sich an der Form der Gesamtschule als Ganztagsschule. Die Theorie wird durch Beobachtung der Praxis in Form einer Hospitation bei der Hausaufgabenbetreuung in der UNESCO-Gesamtschule KampLintfort
näher betrachtet, so dass zusammenfassend ein exemplarischer Vergleich getroffen werden kann und damit eine Würdigung der Möglichkeiten und Potenziale einer Hausaufgabenbetreuung an Ganztagsschulen möglich ist.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1. Mögliche Aspekte der Hausaufgabenbetreuung in Ganztagsschulen
1.1 Deutung der Dimensionen der Ganztagsschule
1.2 Rahmenbedingungen und aktuelle Entwicklungen
1.3 Definitionen von Ganztagsschulen und Betreuung am Nachmittag
1.4 Offene Ganztagsschule im Primarbereich
1.5 Das Personal-Team der Hausaufgabenbetreuung & Kooperationen
2. Hausaufgaben - Sinn, Ziele und Konflikte
2.1 Hausaufgabenbetreuung – Die Organisationsebenen
2.2 Hausaufgabentypen
2.3 Hausaufgaben und Didaktik
2.4 Hausaufgaben und soziale Ungleichheit
2.5 Der soziale Kontext von Schülerinnen und Schülern
2.6 Hausaufgaben und Lernentwicklung in Bezug auf verschieden Lerntypen
3. Eigene Befunde durch Hospitation in der UNESCO-Schule in Kamp-Lintfort
3.1 Würdigung der Sichtweisen, Möglichkeiten und Potenziale der Hausaufgabenbetreuung an Ganztagsschulen – Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die konzeptionelle Gestaltung und den pädagogischen Sinn der Hausaufgabenbetreuung im Kontext von Ganztagsschulen. Dabei wird analysiert, wie Hausaufgaben als Lerninstrument in unterschiedliche Betreuungsformen eingebettet sind und welchen Einfluss sie auf die soziale Ungleichheit sowie die individuelle Lernentwicklung von Schülerinnen und Schülern haben.
- Strukturelle Anforderungen an die Ganztagsschule
- Didaktische Einbettung der Hausaufgaben
- Soziale Faktoren und Gerechtigkeit im Bildungssystem
- Rolle des Personals und Bedeutung von Kooperationen
- Empirische Einblicke durch Praxis-Hospitation
Auszug aus dem Buch
1. Mögliche Aspekte der Hausaufgabenbetreuung in Ganztagsschulen
Eine Graphik im Anhang (Abb. 1) stellt die umfassende Verzweigung der möglichen Aspekte und Herangehensweisen des Themas dar. Die folgenden Kapitel erläutern ihre Darstellung und greifen die einzelnen Inhalte auf.
Nach Prüß, Kortas und Schöpa (2006) befinden sich viele Schulen unterschiedlichen Typs in einem Veränderungsprozess hin zur Ganztagsbildung, indem sie „Bildung, Betreuung und Erziehung“ (Vgl. BMFSFJ 2005) als Einheit sehen und dementsprechend eine neue Schulkultur entwickeln. Dazu sind organisatorische, personelle, räumliche, zeitliche und sächliche Voraussetzungen erforderlich. (...) Jede dieser Dimensionen bildet bereits einen Bereich für sich und kann dennoch nur im Zusammenhang mit allen anderen umgesetzt werden. Wenn Schüler/innen individuell stärker gefördert und gefordert werden sollen, müssen die notwendigen Voraussetzungen für eine verbesserte Lern- und Leistungsbereitschaft geschaffen werden“ (s.a. Knauer & Durdel, 2006, S. 41).
Die Entwicklung von ganztägigen Bildungs- und Betreuungseinrichtung erstreckt sich bereits über Jahrzehnte. Eindeutigere, Struktur gebende Anleitungen und Richtlinien werden erst seit den genannten Ergebnissen der Schulleistungsvergleichsstudien mit mehr Engagement betrachtet. Deutschland befasste sich jahrelang nicht mit nötigen Reformen und hält bis heute am gegliederten Schulsystem fest. Die bestehenden Ganztagsschulen, meist in Form von Gesamtschulen, sind oft noch in der Experimentierphase in puncto ganzheitliche Ausgestaltung der ganztägigen Bildung. Nach Artelt, H. sollte der Freizeit- und Wahlbereich einer Ganztagsschule folgende Funktionen abdecken (Höhmann & Holtappels, 2006, S. 125):
Zusammenfassung der Kapitel
1. Mögliche Aspekte der Hausaufgabenbetreuung in Ganztagsschulen: Dieses Kapitel erläutert die organisatorischen Dimensionen der Ganztagsschule und definiert verschiedene Modelle der Nachmittagsbetreuung.
2. Hausaufgaben - Sinn, Ziele und Konflikte: Der Abschnitt beleuchtet die pädagogische Relevanz von Hausaufgaben sowie deren Auswirkungen auf soziale Gerechtigkeit und Lernentwicklung.
3. Eigene Befunde durch Hospitation in der UNESCO-Schule in Kamp-Lintfort: Hier werden die Ergebnisse einer praktischen Hospitation vorgestellt und abschließend mit einer Würdigung der Potenziale der Hausaufgabenbetreuung verknüpft.
Schlüsselwörter
Ganztagsschule, Hausaufgabenbetreuung, pädagogische Förderung, Schulkultur, soziale Ungleichheit, Lernentwicklung, Schulpraxis, Bildungsgerechtigkeit, Kooperation, Lehrerprofessionalität, Ganztagsbildung, Unterrichtsentwicklung, individuelle Förderung, Hospitation, Schulentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Anliegen dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Effektivität und Gestaltung der Hausaufgabenbetreuung an Ganztagsschulen, um deren Rolle im modernen Bildungssystem kritisch zu hinterfragen.
Welche unterschiedlichen Modelle der Ganztagsschule werden unterschieden?
Es werden primär drei Modelle definiert: die additive Ganztagsschule, die Schule mit offenen Ganztagsangeboten und die gebundene bzw. integrierte Ganztagsschule.
Welche Forschungsfrage steht im Fokus?
Die Arbeit fragt nach dem pädagogischen Mehrwert und der organisatorischen Umsetzung der Hausaufgabenbetreuung, insbesondere im Hinblick auf die Verbindung von Unterricht und Nachmittagsbetreuung.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Neben einer umfassenden Literaturanalyse stützt sich die Arbeit auf eine qualitative Hospitation in einer Gesamtschule, um die Theorie mit der Unterrichtspraxis zu vergleichen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt Didaktik, die Rolle des Personals, die Bedeutung des sozialen Kontextes der Schüler und die Auswirkungen auf die Bildungsgerechtigkeit.
Wie lässt sich die Arbeit anhand von Schlüsselwörtern charakterisieren?
Kernbegriffe sind Ganztagsschule, Hausaufgabenbetreuung, Bildungsgerechtigkeit, individuelle Förderung und Schulentwicklung.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Personals in der Hausaufgabenbetreuung?
Der Autor betont, dass eine hohe pädagogische Qualifikation und die kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften, Sozialpädagogen und externen Partnern entscheidend für den Erfolg sind.
Warum wird die Einbettung von Hausaufgaben in den Unterricht als vorteilhaft erachtet?
Durch die Integration in den Unterricht können Lehrkräfte die Aufgaben besser steuern, soziale Disparitäten abmildern und den Lernprozess ganzheitlicher begleiten.
- Quote paper
- Alexandra Zippler (Author), 2008, Hausaufgabenbetreuung in Ganztagsschulen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143903