Allgemeinsprachliche deutsche Entlehnungen im amerikanischen Englisch und die historischen Gründe ihrer Aufnahme


Seminararbeit, 2009

23 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Mühlenberg-Legende

2. Geschichte der Deutschen und ihrer Sprache in Amerika
2.1. Die erste Emigrationsperiode (bis 1815)
2.1.1. Situation deutscher Emigranten in Amerika bis 1815
2.1.2. Bedeutung der deutschen Sprache in Amerika bis 1815
2.2 Die zweite Emigrationsperiode (1815 - 1914)
2.2.1. Situation deutscher Emigranten in Amerika zwischen 1815 und 1914
2.2.2. Bedeutung der deutschen Sprache in Amerika zwischen 1815 und 1914
2.3. Die dritte Emigrationsperiode (1915 bis heute)
2.3.1. Situation der deutschen Emigranten in Amerika ab 1915
2.3.2 Bedeutung der deutschen Sprache in Amerika ab 1915

3. Geschichte des Deutschen als Schulfremdsprache in Amerika

4. Bereiche, aus denen Germanismen ins amerikanische Englisch entlehnt wurden

Anhänge
1.) Verteilung der im Deutschen Reich geborenen Amerikaner im Jahr 1890
2.) Herkunft der Vorfahren der Amerikaner (1980)
3.) Nobelpreisträger nach ihrer Nationalität
4.) Prozentuale Entwicklung des Deutschen als Fremdsprache in den USA
5.) Verteilung der deutschen Entlehnungen im amerikanischen Englisch
6.) Beispiele für deutsche Entlehnungen im amerikanischen Englisch

Literaturverzeichnis

Wörterbücher

Sekundärliteratur

1. Die Mühlenberg-Legende

Immer wieder wird von unterschiedlichster Seite die Meinung vertreten, um ein Haar sei in Amerika nach dessen Unabhängigkeitserklärung Deutsch und nicht Englisch Amts- und damit Weltsprache geworden. Dabei beruft man sich auf eine Abstimmung des Kongresses im Jahre 1795, bei der mit nur einer Stimme Unterschied für Englisch entschieden worden sein soll.[1] Jene eine Stimme, die für das Endergebnis zu Gunsten dieser Sprache ausschlaggebend wurde, sei ausgerechnet von einem Deutschen abgegeben worden, unter dessen Namen die Legende heute bekannt ist: Frederick A. Mühlenberg.

Dies ist jedoch eine Legende, wenn auch mit einem wahren Kern, zumal die erste und bis dato einzige Abstimmung über die Staatssprache der USA erst im Jahr 2006[2], also über 200 Jahre später, erfolgte, in Folge einer Reform der Immigrationsmodalitäten.

Tatsächlich gab es am 13. Januar 1795 eine Beratung über Deutsch und Englisch, denn deutschstämmige Siedler aus Pennsylvania hatten eine Petition eingereicht, in welcher sie forderten, Gesetze künftig nicht nur in Englisch sondern auch auf Deutsch zu veröffentlichen. Sie begründeten dies damit, dass viele Neusiedler Englisch noch nicht ausreichend beherrschten um die Verordnungen zu verstehen. Nach ausführlicher Beratung, ohne dass sich ein klares Votum abgezeichnet hätte, wurde der Antrag, das Thema zu vertagen, mit 42 und 41 Stimmen abgelehnt. Ein Monat später beschloss der Kongress auch ausdrücklich, Bundesgesetze prinzipiell nur in Englisch zu verfassen.[3]

Abgesehen davon betrug der Anteil deutschstämmiger Siedler in Amerika zum Zeitpunkt der fraglichen Abstimmung gerade einmal sechs Prozent, erst nach 1850 war ihre Zahl so groß geworden, dass ein Anspruch auf Zweisprachigkeit des Landes berechtigt gewesen hätte sein können. Das dieser nie verwirklicht wurde, hat verschiedene Gründe. Dennoch drangen, bedingt durch das Zusammenleben, deutsche Begriffe in den Sprachgebrauch der Amerikaner ein, der Linguist J. Alan Pfeffer beziffert das Lehngut im Allgemeinwortschatz des heutigen Amerikaners auf ca. 1400.[4] Die Geschichte ihrer Übernahme hängt eng mit der Geschichte der Deutschen in Amerika zusammen und soll in der folgenden Arbeit genauer beleuchtet werden.

2. Geschichte der Deutschen und ihrer Sprache in Amerika

Im amerikanischen Englisch lassen sich deutlich mehr Germanismen nachweisen als im britischen, das hat seine Ursache in der Emigration zahlloser Deutscher nach Amerika, bis heute mehr als sieben Millionen Menschen. Daher muss diese wechselvolle Geschichte im Folgenden genauer betrachtet werden um darstellen zu können, welchen Einfluss das Deutsche auf die Sprache in Amerika hatte.

Nach verbreiteter Lehrmeinung wird die Geschichte der Emigration von Deutschen nach Amerika in drei Phasen unterteilt. In der ersten Phase, die von der Ankunft der ersten Siedler bis 1815 reicht, war vor allem der Wunsch nach Religionsfreiheit ausschlaggebend für eine Emigration nach Amerika. Im folgen Jahrhundert bis 1914 folgte eine Periode der Massenemigration, welche besonders politisch und gesellschaftlich Verfolgte umfasste. In der dritten Phase, welche vom Beginn des ersten Weltkrieges bis zum heutigen Tag gesetzt wird, soll dann die Vorstellung vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten die Motivation der Emigranten gewesen sein.[5]

2.1. Die erste Emigrationsperiode (bis 1815)

2.1.1. Situation deutscher Emigranten in Amerika bis 1815

Im Oktober 1683 kam die erste geschlossene Gruppe deutscher Siedler nach Amerika, 13 Familien einer Mennonitengemeinde aus dem niederrheinischen Krefeld, die am Rande von Philadelphia „Germantown“ gründeten. Diese Ansiedlung ist ein Stadtteil der stark gewachsenen Nachbarstadt geworden und trägt noch heute ihren ursprünglichen Namen.

Die ihnen bald folgenden Emigranten aus Deutschland stammten vor allem aus Südwestdeutschland und ließen sich ebenfalls in Pennsylvania nieder, sie waren der Grundstock für jene Volksgruppe, die später als „Pennsylvania Dutch“ bezeichnet wurde. Noch heute sprechen etwa 100 000 Menschen die Sprache jener frühen Siedler, das Pennsylvaniadeutsch, vor allem abgeschottete Religionsgemeinschaften wie die Mennoniten oder die Amish People. Weitere deutsche Siedlungen und Sprachinseln bildeten sich in New Jersey, Maryland, Virginia und North Carolina.[6]

Als vorherrschender Grund für die Emigration jener frühen Siedler aus Deutschland wird immer wieder genannt, dass sie religiösen Verfolgungen und Unterdrückungen in ihrer Heimat entfliehen wollten. Günter Moltmann stellte jedoch ebenfalls heraus, dass gerade wirtschaftliche Gründe in jener Phase in der Forschung bisher stark vernachlässigt wurden. In Europa waren die Nachwirkungen des siebenjährigen Krieges, strenge Winter, Missernten und die damit verbundene Bedrohung des Hungertodes sicherlich wichtige Aspekte für Entscheidung der Emigranten, ihre Heimat zu verlassen. Zudem ist Moltmann überzeugt, dass religiöse Gründe nur selten ausschlaggebend gewesen waren, er betont in diesem Zusammenhang, dass unter den Deutschamerikanern eine eher laxe Haltung gegenüber der Kirche zu beobachten gewesen sei. Dies begründet er damit, dass es erst der Anstrengungen von Heinrich Melchior Mühlenberg und Michael Schlatter bedurfte, um einen Großteil der Emigranten zurück zur Religion zu führen.[7] Auf diesem Gebiet ist wohl noch weitere Forschungsarbeit erforderlich, um zu einer klareren Einschätzung der Beweggründe der frühen Emigranten zu kommen.

2.1.2. Bedeutung der deutschen Sprache in Amerika bis 1815

Amerika als Nation begann zu dieser Zeit erst zu entstehen, die Frage nach ihrer Sprache war aber noch nicht gestellt worden. In den einzelnen Siedlungen und Städten wurde darüber einfach durch die praktische Anwendung entschieden, so dass neben den englischsprachigen auch zahlreiche deutsch- und französischsprachige Gemeinden existierten. Auch die Protokolle des Verfassungskonvents nach dem erfolgreichen Unabhängigkeitskrieg (1776-1783) wurden zunächst in diesen drei Sprachen ausgestellt. Gottesdienste wurden grundsätzlich in der Sprache der Gemeindemitglieder abgehalten, in den Schulen richtete sich der Unterricht ebenfalls nach der Sprache ihrer Schüler. Für den beruflichen Aufstieg war die Sprachzugehörigkeit noch nicht ausschlaggebend, das Paradebeispiel hierfür ist der aus Magdeburg stammende General Friedrich Wilhelm von Steuben, der von George Washington mit der Organisation und Ausbildung der amerikanischen Revolutionsarmee beauftragt worden war. Er hatte später entscheidenden Anteil am amerikanischen Sieg über die britischen Kolonialtruppen. Anfangs sprach er kein Wort Englisch sondern gab seine Anweisungen in Französisch und Deutsch, sein Adjutant übersetzte schriftliche Instruktionen schließlich ins Englische.[8]

In den verschiedensten Bereichen wurden deutsche Sieder, selbstverständlich in ihrer Muttersprache, Vorreiter einer sich später ausbreitenden Entwicklung. Beispielsweise wurde 1688 in deutscher Sprache, von den Bewohnern Germantowns, der erste Protest gegen die Sklaverei auf nordamerikanischem Boden überhaupt verfasst. 1743 erschien die erste in Amerika gedruckte Bibel, und zwar in deutscher Sprache. Zuvor war diese ausschließlich aus Europa importiert worden. Und 1775, noch vor Jeffersons Unabhängigkeitserklärung, gaben deutsche Siedler aus North Carolina eine eigene „Mecklenburger Unabhängigkeitserklärung“ ab.[9]

Dennoch darf nicht übersehen werden, dass die Anzahl der deutschsprachigen Bewohner in diesem Zeitraum noch eher gering war, eine Volkszählung von 1790 ergab 176 000 von ihnen, das entsprach einem Bevölkerungsanteil von 5,6 Prozent.[10]

Jedoch existierten schon zu diesem frühen Zeitpunkt auch Strömungen, deren Ziel die Einsprachigkeit des neuen Staates war, und jene Sprache sollte das Englische sein. Die so genannten „nativists“ konnten dabei auf ein stabiles Fundament bauen: Das Land war durch seine Vergangenheit als britische Kronkolonie längst anglophon geprägt, dies führte bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer zahlenmäßig starken Überlegenheit englischsprachiger Bewohner, daher hatte sich zu diesem Zeitpunkt das Englische als vorherrschende Sprache längst feste etabliert. Einen weiteren Vorteil zu Gunsten des Englischen stellte die vorliegende standartsprachliche Norm dieser Sprache dar, denn Noah Webster hatte schon 1806 für das Amerikanische ein verbindliches Wörterbuch zusammengestellt, dass 1928 in einer stark erweiterten Auflage erneut erschien. Dem Deutschen fehlte dies, denn die meisten Emigranten aus Deutschland hielten an ihrem Dialekt fest. Dies war verantwortlich für ein eher negatives Prestige ihrer Sprache als der Sprache von Ungebildeten und sorgte dafür, dass die meisten Deutschamerikaner ihr Idiom aufgaben und sich assimilierten. Der praktische Sprachgebrauch und das Ansehen des dominierenden Englisch ließ dieses schließlich de facto zur Nationalsprache werden.[11] Dennoch wanderte, bedingt durch gegenseitige Kontakte, deutsches Vokabular in die amerikanische Sprache, J. A. Pfeffer beziffert die Anzahl der deutschen Entlehnungen im amerikanischen Englisch bis 1800 bereits auf 440.[12]

2.2 Die zweite Emigrationsperiode (1815 - 1914)

2.2.1. Situation deutscher Emigranten in Amerika zwischen 1815 und 1914

Ihren Höhepunkt erlebte die Emigration Deutscher nach Amerika in dem Jahrhundert zwischen Wiener Kongress und dem Ausbruch des ersten Weltkrieges, ungefähr 5,5 Millionen Deutsche verließen in diesem Zeitraum ihre Heimat in Richtung Westen. Die Gründe dafür waren vielfältig: gesellschaftliche und politische Unterdrückung, Flucht vor dem Militärdienst, Protest gegen das staatliche System unter Metternich, allgemein wirtschaftliche, gesellschaftliche oder religiöse Gründe sowie die Ansicht von Amerika als dem Land von Freiheit und Fortschritt.[13]

Wichtige Veränderungen in den Bereichen der Finanzierung, der Mobilität und dem Transport, der Herkunft und den Zielen der Emigranten gestalteten nach 1815 die Auswanderung nach Amerika neu. Es war jetzt nicht mehr möglich, die Passage nach Amerika im Nachhinein durch Arbeit für den Kapitän zu bezahlen, so dass es notwendig wurde, die Kosten vollständig schon vor der Reise aufzubringen. Nun konnte nicht mehr jeder auswander. Dennoch stieg die Zahl der Emigranten, denn in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war die Bevölkerung in Deutschland so stark gewachsen, dass mehr Menschen als je zuvor Arbeit, Nahrung und Wohnung suchten – Dinge, die das sich rasch nach Westen ausbreitende Amerika in Aussicht stellte. Außerdem hatte sich das Transportwesen über den Ozean geändert, technische Erneuerungen und internationaler Wettbewerb führten zu stark verkürzten Reisezeiten. Im Innern des Landes wurde das Eisenbahnsystem ausgebaut, so dass die Emigranten schneller an ihre Zielorte gelangen konnten. Auch die Organisation der Emigration tausender Emigranten wurde verbessert und rationalisiert, was deren Anzahl weiter erhöhte.[14]

Familienstrukturen und Berufe der Emigranten änderten sich ebenfalls, nicht mehr hauptsächlich autarke Großfamilien, die einen Bauernhof bewirtschaften oder einen Familienbetrieb führen wollten, reisten nach Amerika, sondern in zunehmendem Umfang auch Einzelpersonen, die in Fabriken und Geschäften Anstellung suchten oder wie Menschen aus der ganzen Welt vom Goldrausch in Kalifornien angezogen wurden. Außerdem stammten die Auswanderer nicht mehr ausschließlich aus dem Südwesten Deutschlands, sondern der Wunsch nach Emigration in das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“, Titel eines Buches aus dem Jahre 1903[15], verbreitete sich über ganz Deutschland. Die Ziele deutscher Emigranten blieben nicht mehr auf die Kolonien am Mittelatlantik, insbesondere Pennsylvania, beschränkt, sondern weiteten sich in den Nordwesten aus. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren Deutsche schließlich in allen Teilen der USA zu finden (vgl. Anhänge Nr.1+2, S. 14f.).[16]

[...]


[1] Franz Stark: Deutsch in Europa. Geschichte seiner Stellung und Ausstrahlung, Sankt Augustin 2002, S.193.

[2] http://www.senate.gov/legislative/LIS/roll_call_lists/roll_call_vote_cfm.cfm?congress=109&session=2&vote=00131

[3] Stark: Deutsch in Europa, S. 194.

[4] Jay Alan Pfeffer: Deutsches Lehngut im Wortschatz der Amerikaner von 1976, in: Herbert Kolb (Hrsg.): Sprachliche Interferenz. Festschrift für Werner Betz zum 65. Geburtstag, Tübingen 1977, S. 518f.

[5] Günter Moltmann: The Pattern of German Emigration to the United States in the Nineteenth Century, in Frank Trommler / Joseph McVeigh (Hrsg.): America and the Germans. An Assessment of a Three-Hundred-Year History (Volume One: Immigration, Language, Ethnicity), Philadelphia 1985, S. 14.

[6] Stark: Deutsch in Europa, S. 195.

[7] Moltmann: The Pattern of German Emigration to the United States in the Nineteenth Century, S. 15.

[8] Stark: Deutsch in Europa, S. 196.

[9] Ebenda, S. 195.

[10] Ebenda, S. 195.

[11] Ebenda, S. 196.

[12] Jay Alan Pfeffer / Garland Cannon (Bearb.): German loanwords in English. An historical dictionary, Cambridge 2004, S. 5.

[13] Moltmann: The Pattern of German Emigration to the United States in the Nineteenth Century, S. 14.

[14] Ebenda, S. 16-19.

[15] Ludwig Max Goldenberger: Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Beobachtungen über das Wirtschaftsleben der Vereinigten Staaten von Amerika; diese Information stammt aus: Moltmann: The Pattern of German Emigration to the United States in the Nineteenth Century, S. 22 + 24 (Anmerikung 9).

[16] Moltmann: The Pattern of German Emigration to the United States in the Nineteenth Century, S. 19-21.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Allgemeinsprachliche deutsche Entlehnungen im amerikanischen Englisch und die historischen Gründe ihrer Aufnahme
Hochschule
Universität Passau
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
23
Katalognummer
V144018
ISBN (eBook)
9783640547616
ISBN (Buch)
9783640552405
Dateigröße
1645 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Allgemeinsprachliche, Entlehnungen, Englisch, Gründe, Aufnahme
Arbeit zitieren
Eva-Maria Burger (Autor), 2009, Allgemeinsprachliche deutsche Entlehnungen im amerikanischen Englisch und die historischen Gründe ihrer Aufnahme, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144018

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