Immer wieder wird von unterschiedlichster Seite die Meinung vertreten, um ein Haar sei in Amerika nach dessen Unabhängigkeitserklärung Deutsch und nicht Englisch Amts- und damit Weltsprache geworden. Dabei beruft man sich auf eine Abstimmung des Kongresses im Jahre 1795, bei der mit nur einer Stimme Unterschied für Englisch entschieden worden sein soll. Jene eine Stimme, die für das Endergebnis zu Gunsten dieser Sprache ausschlaggebend wurde, sei ausgerechnet von einem Deutschen abgegeben worden, unter dessen Namen die Legende heute bekannt ist: Frederick A. Mühlenberg.
Das ein Anspruch auf Deutsch als Landessprache in Amerika nie verwirklicht wurde, hat verschiedene Gründe. Dennoch drangen, bedingt durch das Zusammenleben, deutsche Begriffe in den Sprachgebrauch der Amerikaner ein, der Linguist J. Alan Pfeffer beziffert das Lehngut im Allgemeinwortschatz des heutigen Amerikaners auf ca. 1400. Die Geschichte ihrer Übernahme hängt eng mit der Geschichte der Deutschen in Amerika zusammen und soll in der vorliegenden Arbeit genauer beleuchtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Mühlenberg-Legende
2. Geschichte der Deutschen und ihrer Sprache in Amerika
2.1. Die erste Emigrationsperiode (bis 1815)
2.1.1. Situation deutscher Emigranten in Amerika bis 1815
2.1.2. Bedeutung der deutschen Sprache in Amerika bis 1815
2.2 Die zweite Emigrationsperiode (1815 - 1914)
2.2.1. Situation deutscher Emigranten in Amerika zwischen 1815 und 1914
2.2.2. Bedeutung der deutschen Sprache in Amerika zwischen 1815 und 1914
2.3. Die dritte Emigrationsperiode (1915 bis heute)
2.3.1. Situation der deutschen Emigranten in Amerika ab 1915
2.3.2 Bedeutung der deutschen Sprache in Amerika ab 1915
3. Geschichte des Deutschen als Schulfremdsprache in Amerika
4. Bereiche, aus denen Germanismen ins amerikanische Englisch entlehnt wurden
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der deutschen Sprache auf das amerikanische Englisch unter Berücksichtigung historischer Migrationsprozesse. Ziel ist es, die Gründe für die Aufnahme deutscher Lehnwörter sowie die Entwicklung des Deutschen als Sprache und Schulfremdsprache in den USA im Kontext der wechselvollen Geschichte der deutschstämmigen Einwanderer zu analysieren.
- Historische Phasen der deutschen Emigration nach Amerika
- Status des Deutschen als Sprache und Schulfremdsprache im Zeitverlauf
- Einfluss politischer und gesellschaftlicher Faktoren auf die Spracherhaltung
- Analyse semantischer Felder deutscher Lehnwörter im amerikanischen Englisch
- Entwicklung des deutschen Wortschatzes in den USA nach 1800
Auszug aus dem Buch
2.1.2. Bedeutung der deutschen Sprache in Amerika bis 1815
Amerika als Nation begann zu dieser Zeit erst zu entstehen, die Frage nach ihrer Sprache war aber noch nicht gestellt worden. In den einzelnen Siedlungen und Städten wurde darüber einfach durch die praktische Anwendung entschieden, so dass neben den englischsprachigen auch zahlreiche deutsch- und französischsprachige Gemeinden existierten. Auch die Protokolle des Verfassungskonvents nach dem erfolgreichen Unabhängigkeitskrieg (1776-1783) wurden zunächst in diesen drei Sprachen ausgestellt.
Gottesdienste wurden grundsätzlich in der Sprache der Gemeindemitglieder abgehalten, in den Schulen richtete sich der Unterricht ebenfalls nach der Sprache ihrer Schüler. Für den beruflichen Aufstieg war die Sprachzugehörigkeit noch nicht ausschlaggebend, das Paradebeispiel hierfür ist der aus Magdeburg stammende General Friedrich Wilhelm von Steuben, der von George Washington mit der Organisation und Ausbildung der amerikanischen Revolutionsarmee beauftragt worden war. Er hatte später entscheidenden Anteil am amerikanischen Sieg über die britischen Kolonialtruppen. Anfangs sprach er kein Wort Englisch sondern gab seine Anweisungen in Französisch und Deutsch, sein Adjutant übersetzte schriftliche Instruktionen schließlich ins Englische.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Mühlenberg-Legende: Dieses Kapitel klärt die populäre, aber historisch unzutreffende Legende auf, wonach Deutsch beinahe zur offiziellen Amtssprache der USA geworden wäre.
2. Geschichte der Deutschen und ihrer Sprache in Amerika: Hier wird die Geschichte der deutschen Emigration in drei Hauptphasen unterteilt und die damit verbundene sprachliche Entwicklung sowie deren Einfluss auf das amerikanische Englisch beleuchtet.
3. Geschichte des Deutschen als Schulfremdsprache in Amerika: Dieses Kapitel analysiert den Aufstieg des Deutschen zur führenden Fremdsprache Ende des 19. Jahrhunderts und dessen drastischen Rückgang infolge des Ersten Weltkriegs.
4. Bereiche, aus denen Germanismen ins amerikanische Englisch entlehnt wurden: Der letzte Teil untersucht die quantitative und qualitative Übernahme deutscher Wörter in verschiedene semantische Bereiche des amerikanischen Englisch über verschiedene Zeitepochen hinweg.
Schlüsselwörter
Deutsch, Amerika, Emigration, Germanismen, Sprachgeschichte, Lehngut, Schulfremdsprache, Assimlilation, 19. Jahrhundert, Erster Weltkrieg, Wortschatz, Mehrsprachigkeit, Pennsylvania Dutch, Jiddisch, Interferenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem historischen Einfluss der deutschen Sprache auf das amerikanische Englisch und den damit verbundenen Migrationsgeschichten der deutschen Siedler.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf den Emigrationsperioden, dem Status der deutschen Sprache in den USA sowie der Analyse der aus dem Deutschen entlehnten Begriffe.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Ziel ist es, den Einfluss des Deutschen auf das Amerikanische nachzuzeichnen und zu erklären, warum und in welchen Bereichen deutsche Lehnwörter in die Sprache eingegangen sind.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Analyse von Emigrationsdaten, linguistischen Studien zur Wortschatzentlehnung und der Auswertung von Statistiken zum Sprachgebrauch.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Einordnung der drei Emigrationsphasen, die Untersuchung des Deutschen als Schulfremdsprache und die kategoriale Analyse der deutschen Lehnwörter.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Emigration, Germanismen, Sprachgeschichte, Assimlilation und Lehnwörter.
Was besagt die "Mühlenberg-Legende"?
Sie besagt, dass eine einzige Stimme bei einer Abstimmung im Kongress 1795 verhindert habe, dass Deutsch zur zweiten Amtssprache der USA wurde; dies wird in der Arbeit als Legende entlarvt.
Warum ging der Gebrauch des Deutschen als Fremdsprache nach 1914 so drastisch zurück?
Der Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg führte zu einer antideutschen Stimmung, die den Deutschunterricht tabuisierte und in einigen Bundesstaaten sogar gesetzlich verbot.
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- Eva-Maria Burger (Author), 2009, Allgemeinsprachliche deutsche Entlehnungen im amerikanischen Englisch und die historischen Gründe ihrer Aufnahme, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144018