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Der Weg zum Selbst: psychoanalytische und fernöstliche Elemente in Hermann Hesses Individuationsthematik

Titre: Der Weg zum Selbst: psychoanalytische und fernöstliche Elemente in Hermann Hesses Individuationsthematik

Epreuve d'examen , 2009 , 75 Pages , Note: 1,3

Autor:in: Ilona Kramer (Auteur)

Philologie Allemande - Littérature Allemande Moderne
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Der SPIEGEL-Leitartikel „Im Gemüsegarten“ aus dem Jahre 1958, der das Hessebild in Deutschland bis in die 70er Jahre hinein entscheidend mitgeprägt hat, schreibt über Hermann Hesse: „Der Dichter [Hesse] bleibt in seiner Subjektsphäre verfangen. Es will ihm nicht gelingen eine Objektwelt hinzustellen und in ihr Fuß zu fassen. […] In immer erneuten Ansätzen und Abwandlungen macht er den Leser zum Mitwisser einer Entwicklung, die mit dem Versagen von den Aufgaben des Lebens beginnt…“. Hesse, so heißt es weiter, lasse „seine Leser unentwegt gleichsam die Pubertätszeit repetieren, für die der schmerzhaft empfundene Gegensatz von Trieb und reinem Geist charakteristisch ist.“ Ist Hesse ein ewiger Pubertant und weltfremder Eskapist, der lediglich Resonanz bei Jugendlichen findet?
...
Tatsächlich ist Selbstfindung, Selbstverwirklichung, kurz, Individuation, ein zentrales Motiv in Hesses umfangreichem epischem Werk, was von Hesses Kritikern offensichtlich als Indiz für die Überbetonung pubertärer Identitätssuche aufgefasst wurde. Auch handeln Hesses vor allem frühere Erzählungen und Romane von der Entwicklung eines jungen Menschen, der durch Konflikte mit seinem Umfeld ein Gefühl des Ausgeliefertseins und der Unfreiheit entwickelt, dem der Wunsch nach Selbstbestimmung und Befreiung von gesellschaftlichen und familiären Zwängen gegenübersteht. Thematisiert also Hesse mit dem, was er ‚Menschwerdung‘ und ‚Erwachen‘ nannte, lediglich pubertäre Krisen? Wie verhält es sich mit der Individuationsthematik in Hesses Werk und worauf zielt sie ab?
Individuation als psychologisches Konzept wurde vor allem von C.G. Jung geprägt und meint einen innerseelischen Prozess...

Extrait


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Der Begriff der Individuation

1. C.G. Jungs Begriff der Individuation

2. Individuation im Hinduismus: Der Glaube an Atman

3. Individuation im Buddhismus: Der Weg zur Erleuchtung

4. Individuation im Taoismus: Die Erlangung des Tao

5. Versuch einer Synthese

III. Die Individuationsthematik im Werk Hermann Hesses

1. Demian

1.1 Der Individuationsprozess

1.2 Der Schatten

1.3 Demian: der Archetyp des Selbst

1.4 Die Anima

1.5 Frau Eva: der Archetyp der Grossen Mutter

1.6 Die Wiedergeburt des Selbst

2. Siddharta

2.1 Die verstandesmäßige Auseinandersetzung mit der Welt

2.2 Die Auseinandersetzung mit dem Sinnesleben

2.3 Siddharthas Vollendung

2.4 Siddharthas Individuation: Eine Kreisbewegung

IV. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das zentrale Motiv der Individuation im epischen Werk Hermann Hesses. Dabei wird analysiert, wie Hesse psychoanalytische Konzepte nach C.G. Jung mit fernöstlichen Philosophien verknüpft, um einen individuellen Entwicklungsweg des Menschen jenseits gesellschaftlicher Konventionen aufzuzeigen.

  • Psychologische Grundlagen der Individuation nach C.G. Jung.
  • Die Rezeption fernöstlicher Religionen (Hinduismus, Buddhismus, Taoismus) bei Hesse.
  • Analyse der Individuationsthematik in den Romanen "Demian" und "Siddhartha".
  • Die Synthese von westlicher Psychologie und östlicher Weisheit als Grundgedanke der Selbstverwirklichung.

Auszug aus dem Buch

1. C.G. Jungs Begriff der Individuation

Der Jungschen Psychologie liegt ein tiefenpsychologisches Persönlichkeitsmodell zu Grunde, d.h. sie geht davon aus, dass die Seele aus bewussten und unbewussten Anteilen besteht. Die gesamte Psyche, also das Ganze des menschlichen Wesens, das sowohl das Bewusste als auch das Unbewusste umfasst, nennt Jung „das Selbst“. Den Vorgang, unbewusste Vorgänge, in Form von Phantasien oder Träumen allmählich ins Bewusstsein übertreten zu lassen, nennt Jung „Individuationsprozess“. In dessen Verlauf werden bestimmte archetypische Vorstellungen und Erlebniskomplexe, die zunächst entweder im Unbewussten ruhen oder in die Außenwelt projiziert sind, vom Ich-Bewusstsein als Anteile der eigenen Psyche anerkannt, wodurch ein höherer Grad an innerer Ganzheit realisiert wird.

Im Zusammenhang mit dem Bewussten erwähnt Jung „das Ich“ und „die Persona“. Das Ich ist „das Subjekt aller persönlichen Bewusstseinsakte“, in anderen Worten, das Ich ist das Zentrum des Bewussteins. Jung betont jedoch, dass das Ich trotz seiner bedeutenden Stellung „nicht mehr und nicht weniger als Bewusstsein“ ist, während das Gesamtbild der Persönlichkeit auch das Unbewusste einschließt.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die Rolle der Individuation als zentrales Motiv in Hesses Werk und stellt die theoretische Basis aus Psychoanalyse und fernöstlicher Philosophie vor.

II. Der Begriff der Individuation: Hier werden die Grundlagen der Jungschen Psychologie sowie die Parallelen in hinduistischen, buddhistischen und taoistischen Weltanschauungen dargelegt.

III. Die Individuationsthematik im Werk Hermann Hesses: Dieser Teil analysiert detailliert die Protagonistenentwicklung in den Romanen Demian und Siddhartha im Kontext der zuvor erarbeiteten theoretischen Stufenmodelle.

IV. Schlussbetrachtung: Das Fazit führt die Analysen zusammen und unterstreicht das Paradoxon von Hesses Individuationsthematik, die radikalen Individualismus mit der Auflösung in ein kosmisches Ganzes verbindet.

Schlüsselwörter

Individuation, C.G. Jung, Hermann Hesse, Selbstfindung, Demian, Siddhartha, Archetypen, Psychoanalyse, Unbewusstes, Hinduismus, Buddhismus, Taoismus, Selbstwerdung, Menschenwerdung, Einheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der zentralen Rolle der Individuation als lebenslangen Entwicklungsprozess in Hermann Hesses epischem Schaffen.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Fokus stehen die Verbindung von Jungschen Archetypen, fernöstlichen Weisheitslehren und der Romananalyse von Hesses Hauptwerken.

Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Arbeit untersucht, wie Hesse fernöstliche und psychoanalytische Inhalte zu einem einheitlichen Grundgedanken der Individuation verknüpft.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die Hesses Werk durch die Linse der Jungschen Tiefenpsychologie sowie komparativer Religionsphilosophie interpretiert.

Was bildet den Schwerpunkt des Hauptteils?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung der Individuation und eine anschließende detaillierte Untersuchung der Romane "Demian" und "Siddhartha".

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Schlüsselbegriffe sind Individuation, Archetyp, Selbst, Unbewusstes, Ganzheit und die Synthese aus östlicher und westlicher Philosophie.

Wie unterscheidet sich Siddharthas Individuationsweg von dem Sinclairs?

Während Sinclair an einer inneren Zerrissenheit zwischen Licht- und Schattenwelt leidet, strebt Siddhartha primär nach der Erfahrung eines bereits theoretisch bekannten Wissens über die Einheit des Selbst.

Warum spielt das Symbol des Flusses eine solch zentrale Rolle in "Siddhartha"?

Der Fluss fungiert als Spiegel des Unbewussten, als Symbol der Zeitlosigkeit und als lebendiges Lehrmittel, das Siddhartha die Einheit aller Dinge jenseits der Sprache erfahren lässt.

Welche Bedeutung hat der Begriff "Eigensinn" bei Hermann Hesse?

Hesse verwendet "Eigensinn" als positiven Gegenbegriff zur gesellschaftlichen Konvention, als Gehorsam gegenüber einem inneren, heiligen Gesetz anstatt gegenüber fremden Normen.

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Résumé des informations

Titre
Der Weg zum Selbst: psychoanalytische und fernöstliche Elemente in Hermann Hesses Individuationsthematik
Université
University of Heidelberg
Note
1,3
Auteur
Ilona Kramer (Auteur)
Année de publication
2009
Pages
75
N° de catalogue
V144152
ISBN (ebook)
9783640543175
ISBN (Livre)
9783640544172
Langue
allemand
mots-clé
Selbst Elemente Hermann Hesses Individuationsthematik
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Ilona Kramer (Auteur), 2009, Der Weg zum Selbst: psychoanalytische und fernöstliche Elemente in Hermann Hesses Individuationsthematik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144152
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Extrait de  75  pages
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