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Frauenbewegungen in der Türkei

unter Berücksichtigung der Sichtweise von Zuhal Yesilyurt Gündüz

Titre: Frauenbewegungen in der Türkei

Dossier / Travail , 2009 , 24 Pages , Note: 1

Autor:in: Corinna Baspinar (Auteur)

Sociologie - Culture, Technique, Nations
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Résumé Extrait Résumé des informations

Nach dem Sieg gegen das Osmanische Reich im I. Weltkrieg und nachdem die Widerstandsbewegung unter Mustafa Kemal Pascha (später: Atatürk) zur Befreiung der Türkei die Macht errungen hatte, schaffte diese das Sultanat und damit auch die islamische Idee der unauflösbaren Einheit von Religion und Politik ab. Im Zuge der so genannten kemalistischen Reformen wurde der türkische Laizismus eingeführt, der keine strikte Trennung von Staat und Religion, aber eine deutliche Vormachtstellung des Staatsapparates gegenüber der Religion vorsah. Der Staat bestimmte von nun an die Art und Weise der Religionsausübung. Atatürk wollte die Türkei zu einem modernen Staat formen, indem er die Verwestlichung gleichsam erzwang. Sein Befreiungskrieg (1919-1923) ermutigte auch die Frauen, weiter aus ihrem Schattendasein herauszutreten. Sie hielten patriotische Reden gegen die Teilung des osmanischen Reiches und plädierten für eine Türkei als eine Nation. Mit diesem Einsatz für die türkische Republik von weiblicher Seite sollten ihnen weitere Frauenrechte unter Atatürks Zuspruch gewährt werden.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die erste Phase der türkischen Frauenbewegung (1839-1918)

2.1 Zwischen 1839 und 1876 lehnte sich das Osmanische Reich mit seiner Politik an europäische – insbesondere französische – Ideen an. Im Zuge dessen wurde mit dem Gesetzgebungswerk `Tanzimat` die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz betont. Dazu gehörte auch die Freiheit der Religionsausübung für alle Osmanen. 1876 wurde diese Reformpolitik mit der ersten Osmanischen Verfassung besiegelt. Diese griff Grundsätze sowohl der belgischen als auch der preußischen Verfassung auf: Sie sah die Errichtung einer konstitutionellen Monarchie vor, enthielt aber auch viele Grundrechte, die den Schutz und die Freiheit der Bürger sichern sollten.

2.2 Einen weiteren Fortschritt dieser `Europäisierung` sieht Gündüz in der Revolution der türkisch-nationalistischen Jungtürken 1908. Sie wollten sich von der Diktatur der Sultane lösen und mit der Europäisierung ein neues Nationalgefühl verbreiten. So kam es zu Auseinandersetzungen zwischen den westlich orientierten Jungtürken und den Traditionalisten, die den Islam und die Tradition betonten.

2.3 Gündüz sieht in der Frauenproblematik ein Abbild der staatlichen Probleme im Osmanischen Reich. Ihrer Meinung nach werden globale und soziale Probleme damals wie heute – und dies nicht nur im Osmanischen Reich – auf die Freiheit und Kleidung der Frauen übertragen. Dazu schildert sie das Paradox, in dem sich die Frauen um 1915 im Osmanischen Reich befanden

3. Die zweite Phase der türkischen Frauenbewegung (im Zuge der Republiksgründung 1923)

3.1 Nachdem das Osmanische Reich 1918 im I. Weltkrieg besiegt worden war, sollte die Armee demobilisiert werden. Mustafa Kemal Pascha (später `Atatürk` genannt), bei dessen Landung in Samsun 1919 der Niedergang des Reiches eingeleitet wurde, gründete eine Widerstandsgruppe zur Befreiung der Türkei.

3.2 Atatürk wollte die Türkei zu einem modernen westlichen Staat machen. Dazu führte er den strikten Bruch mit der osmanischen Vergangenheit herbei.

3.3 Gündüz sieht im Kemalismus, genauso wie zuvor in der Jungtürken-Periode, die Frauenrechte wieder nur als einen Teilpunkt unter dem Hauptziel eines Nationalstaates: Die Frauenrechte wurden nicht im Sinne der Frauen, sondern als Zweck für die Errichtung dieses Nationalstaates gesehen.

4. Die weitere geschichtliche Entwicklung seit dem Kemalismus bis in die 1970er Jahre

4.1 Zu Zeiten Atatürks herrschte das Ein-Parteiensystem und keine wirkliche Demokratie. Im Grunde genommen oblag alle Macht Atatürk allein. Man könnte ihn einen `Diktator im Sinne der Aufklärung` nennen: Er wird heute in der Türkei eher als `Vater der Türken` denn als Diktator gesehen.

4.2 Nachfolger wird Ismet Inönü, bis dahin die rechte Hand Atatürks.

4.3 Nach dem Krieg (1945) wird in der Türkei das Mehr-Parteiensystem, die Demokratie, eingeführt.

5. Die dritte Phase der türkischen Frauenbewegung (ab 1980)

5.1 Durch die Machtübernahme des Militärs im Jahr 1980 erhoffte sich das Volk eine Befreiung von diesem Terror, musste dafür aber den kompletten Verlust der Demokratie in Kauf nehmen.

5.2 Gündüz führt Gülnur Savran an, die auf einer Frauenkreis-Veranstaltung die unterschiedlichen feministischen Bewegungen erläutert. Demnach unterscheidet Savran zwischen dem sozialistischen und dem radikalen Feminismus. Im ersten sei die Schuldzuweisung konkret gegen die Männer gerichtet, im zweiten nur gegen das `System` allgemein.

5.3 1989 gab es einen ersten Frauenkongress, auf dem das `Manifest zur Rettung der Frauen` proklamiert wurde. Sie protestierten damit gegen die immer noch bestehenden patriarchalen Strukturen im Arbeits- und Alltagsleben.

5.4 Insgesamt sieht Gündüz in dieser letzten Phase des türkischen Feminismus den Anstoß zur Demokratie.

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit analysiert die Entwicklung der Frauenbewegungen in der Türkei über drei historische Phasen hinweg, wobei sie sich primär auf die Sichtweise von Zuhal Yesilyurt Gündüz stützt. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, inwiefern die Frauenrechte im jeweiligen Kontext – von der Tanzimat-Periode über den Kemalismus bis zur Ära ab 1980 – als eigenständige Emanzipationsbestrebungen oder als Instrumente staatlicher Nationalisierungspolitik zu bewerten sind.

  • Historische Evolution der türkischen Frauenbewegung
  • Wechselspiel zwischen Nationalismus, Islam und Feminismus
  • Die Rolle der Frau als „Mutter der Nation“ vs. individuelle Emanzipation
  • Einfluss politischer Umbrüche und Militärinterventionen auf Frauenrechte
  • Analyse der dritten Phase des Feminismus als Impuls für die türkische Zivilgesellschaft

Auszug aus dem Buch

Die dritte Phase der türkischen Frauenbewegung (ab 1980)

Durch die Machtübernahme des Militärs im Jahr 1980 erhoffte sich das Volk eine Befreiung von diesem Terror, musste dafür aber den kompletten Verlust der Demokratie in Kauf nehmen.

Unter der neuen Militärregierung wurden alle Parteien und Organisationen verboten. Hierin lag – so die Analyse von Gündüz – die Chance für die Frauen, zum ersten Mal eine Oppositionsbewegung zu starten, die ganz allein von ihren Interessen abhing.

Nach der Militärintervention wandten sich die meisten Frauen von ihren zuvor sozialistisch geprägten Bewegungen ab und gründeten Frauenvereine und Frauenzeitschriften, die sich klassenübergreifend für die Solidarität aller Frauen stark machten. Auch durch den Einfluss der Frauenbewegungen aus Europa und den USA nahmen in der Türkei die Diskussionen um die Frauenproblematik zu. Parallel begannen auch in Deutschland immigrierte Türkinnen, sich für die türkischen Frauenrechte einzusetzen.

1981 gründeten türkische Feministinnen `YAZKO`, eine Plattform von und für Frauen zur Organisation von Konferenzen und zum gegenseitigen Gedankenaustausch. Weiter wurden der Welt-Frauentag gegründet und feministische Literatur veröffentlicht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Werk von Zuhal Yesilyurt Gündüz ein und definiert den thematischen Rahmen der drei Phasen der türkischen Frauenbewegung.

2. Die erste Phase der türkischen Frauenbewegung (1839-1918): Dieses Kapitel beleuchtet den Beginn der Frauenfrage während der Tanzimat-Periode und der Zeit der Jungtürken, wobei die Rolle der Frau primär an traditionelle Werte gebunden blieb.

3. Die zweite Phase der türkischen Frauenbewegung (im Zuge der Republiksgründung 1923): Hier wird der Kemalismus betrachtet, der Frauen zwar rechtlich stärkte, sie jedoch weiterhin als „Mütter der Nation“ in den Dienst des neuen Nationalstaates stellte.

4. Die weitere geschichtliche Entwicklung seit dem Kemalismus bis in die 1970er Jahre: Dieses Kapitel skizziert die politische Instabilität durch Militärputsche und den Aufstieg sozialistischer Bewegungen, die den Boden für einen neuen Feminismus bereiteten.

5. Die dritte Phase der türkischen Frauenbewegung (ab 1980): Die Untersuchung zeigt auf, wie Frauen nach 1980 erstmals unabhängig von anderen politischen Ideologien für ihre eigenen Interessen als Frauenrechtlerinnen kämpften.

6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Frauenbewegung in der Türkei zwar Fortschritte erzielt hat, der Kampf um die weibliche Identität jedoch weiterhin in einem spannungsgeladenen Umfeld zwischen Tradition, Islamismus und Moderne stattfindet.

Schlüsselwörter

Türkei, Frauenbewegung, Feminismus, Zuhal Yesilyurt Gündüz, Tanzimat, Kemalismus, Nationalismus, Islam, Frauenrechte, Militärintervention, Zivilgesellschaft, Identität, Geschlechterrollen, Demokratisierung, Emanzipation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die historische Entwicklung der türkischen Frauenbewegung über das 20. Jahrhundert hinweg, unter besonderer Berücksichtigung der Analyse durch Zuhal Yesilyurt Gündüz.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit thematisiert die Transformation der Rolle der Frau von der osmanischen Zeit über die kemalistische Republik bis hin zur modernen Zivilgesellschaft ab 1980.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist zu untersuchen, inwieweit Frauenrechte in der Türkei als Ziel an sich oder als Mittel für staatliche Modernisierungs- und Nationalisierungsprojekte fungierten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse des Werks von Zuhal Yesilyurt Gündüz sowie ergänzenden historischen Quellen zur türkischen Geschichte.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in drei historische Phasen (Tanzimat/Jungtürken, Kemalismus, ab 1980) und analysiert deren Einfluss auf den Feminismus.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe umfassen Feminismus, Kemalismus, Frauenrechte, Nationalismus und den gesellschaftlichen Wandel in der Türkei.

Warum wird der Kemalismus kritisch hinterfragt?

Gündüz kritisiert, dass der Kemalismus den Frauen zwar formale Rechte einräumte, diese jedoch unter die Doktrin des Nationalstaates stellte und die patriarchalen Strukturen subtil beibehielt.

Welche Bedeutung hat das Jahr 1980 für die Bewegung?

Das Jahr 1980 markiert einen Wendepunkt, da sich Frauen nach dem Militärputsch erstmals von übergeordneten politischen Ideologien lösten und eine eigenständige, klassenübergreifende Oppositionsbewegung bildeten.

In welchem Spannungsfeld steht der Körper der Frau?

Die Arbeit verdeutlicht, dass die Kleidung und der Körper der Frau in der Türkei oft als Projektionsfläche für politische und religiöse Auseinandersetzungen zwischen Laizismus und Islamismus dienen.

Welche Rolle spielt der Islamismus in der heutigen Bewegung?

Laut Gündüz ist der Islamismus eine Herausforderung, da er durch seine starre Sicht auf die Frau und die Fokussierung auf Verschleierung einen eigenständigen feministischen Fortschritt erschwert.

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Résumé des informations

Titre
Frauenbewegungen in der Türkei
Sous-titre
unter Berücksichtigung der Sichtweise von Zuhal Yesilyurt Gündüz
Université
University of Kassel
Note
1
Auteur
Corinna Baspinar (Auteur)
Année de publication
2009
Pages
24
N° de catalogue
V144816
ISBN (ebook)
9783640530601
ISBN (Livre)
9783640530250
Langue
allemand
mots-clé
Türkei Frauenbewegung Feminismus Zuhal Yesilyurt Gündüz Geschichte der Türkei Kemalismus Tanzimat Europäisierung Jungtürken Militärputsch Manifest Demokratisierung das andere Geschlecht Mustafa Kemal Pascha Atatürk
Sécurité des produits
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Citation du texte
Corinna Baspinar (Auteur), 2009, Frauenbewegungen in der Türkei, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144816
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Extrait de  24  pages
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