Atommächte Indien, Pakistan und China

Eine Untersuchung der bilateralen Beziehungen zwischen den drei Staaten im Bezug auf die Atombombensicherheitspolitik


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009
18 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Beziehungen zwischen den Atommächten
Die indisch-pakistanische Beziehung
Die indisch-chinesische Beziehung
Die chinesisch-pakistanische Beziehung

3. Der Machtanspruch durch die Atombombe aus Sicht der neorealistischen Theorie
3.1 Die neorealistische Theorie nach Kenneth Waltz
3.2 Die Grundannahme der neorealistischen Theorie
3.3 Das Sicherheitsdilemma

4. Aktuelle Atomkapazität und Politik des jeweiligen Landes
4.1 Indien und seine Atompolitik
4.2 Die Nuklearpolitik Pakistans
4.3 Chinas Atombombenarsenal

5 Schlussfolgerung

6 Literatur

1. Einleitung

Die Beziehungen zwischen den drei Atommächten Indien, China und Pakistan sind durch den Machtanspruch und dem Wunsch nach Sicherheit geprägt. Einerseits versucht Indien gegenüber seinem nördlichen Nachbar China einen Status Quo, sowohl im Sicherheitsbereich, als auch auf der wirtschaftlichen Ebene, zu etablieren. Erstaunlicherweise begründet Indien seine Atomtests von 1998 mit der von China dargestellten Gefahr. Eine Gleichziehung mit China im Atomwaffenbereich wäre wichtig und könnte nur das eigene Überleben gegen China bewahren. Deswegen geht Indien, aufgrund des Grenzstreits zwischen den beiden Staaten den sicheren Weg; in dem es ein minimales Abschreckungspotenzial erzeugt, falls China zur Aufnahme des Streits den militärischen Weg wählen würde. Die 1962 erlittene Niederlage gegen China im Grenzstreit veranlasste Indien höchstwahrscheinlich zu diesem Schritt. Im Gegenzug sieht das Reich der Mitte die Annährung zwischen Indien und den USA nicht mit besonderer Freude. Eine militärische Kooperation zwischen Indien und den USA könnte die Sicherheit Chinas dadurch gefährden. Sich gegen diese Gefahr zur Wehr zu setzen, treibt China bei der Modernisierung seiner strategischen Waffen an und parallel hofft China weiterhin, die Oberhand im südasiatischen Kontinent zu beizubehalten.

Die Beziehungen zwischen Indien und Pakistan sind wiederum viel komplexer und problematischer. Der Konflikt um die Regionen Jammu und Kaschmir lassen kaum Spielräume für die Etablierung normaler Beziehungen zu. Indien mag behaupten, dass China eine große Gefahr für das eigene Land darstellt, tatsächlich ist die Sicherheitspolitik mit der Nuklearisierung des Landes viel mehr auf Pakistan gerichtet, wobei sich Pakistan schon nach der schlimmen Niederlage während der Teilung des eigenen Landes geschworen hat, nie wieder so was erleben zu wollen. Die Atombombe sollte dabei für Pakistans Sicherheit sorgen und gegen einen möglichen indischen Angriff helfen. Dafür baute Pakistan mit Hilfe von China und höchstwahrscheinlich auch mit Hilfe von Nordkorea die Atombombe. Angesichts des existierenden Sicherheitsproblems, beziehungsweise des Grenzproblems und der damit verbundenen fünf Kriege zwischen den Akteuren, stellt sich die Frage, wie sich die Nuklearsicherheitspolitik des jeweiligen Landes erklären lässt? Basierend auf der neorealistischen Theorie von Kenneth Waltz versucht diese Arbeit folgende Fragen zu beantworten: warum verschaffen sich Staaten Atombomben und warum haben Staaten kein Vertrauen in das internationale System?

2. Die Beziehungen zwischen den Atommächten.

Die in dieser Arbeit behandelten drei Atommächte unterhalten verschiedene und komplexe diplomatische Beziehungen zueinander. Die Komplexität dieser Beziehungen bezieht sich auf die unterschiedlichen Auffassungen der politischen Gestaltung der jeweiligen Atommacht, sowie deren Interessenswahrnehmung. Eine Interessenwahrnehmung, die Länder wie Pakistan und Indien im Kampf um die Hoheit über die Fürstenstaaten Jammu und Kaschmir, vier erbitterte Kriege gekostet hat. Der andauernde Krieg oder Konfliktstreit - je nach terminologischer Anwendung - erschwert die Etablierung von normalen diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Staaten. Parallel zu den viel gescholtenen Beziehungen zwischen Pakistan und Indien, können die bilateralen Beziehungen zwischen Indien und China auch nicht gerade als hervorragend eingestuft werden, auch wenn ein Normalisierungsprozess in den letzten Jahren zu bemerken ist. Als aufstrebende Mächte, sowohl im asiatischen Raum, als auch im globalen Raum versuchen die beiden Staaten China und Indien ihre gerechte Position einzunehmen und de facto zu verteidigen. Die indisch-chinesischen Beziehungen bleiben weiterhin wackelig, aufgrund des existierenden Grenzkonflikts und der öffentlichen Ankündigung Indiens, seine Atomtests aus dem Jahr 1998 wären als Antwort auf das chinesische Nukleararsenal zu verstehen.

Der folgende Abschnitt wird die bestehenden unterschiedlichen Beziehungen der drei Staaten untersuchen. Dabei werden die belastenden Faktoren für normale Beziehungen zum Ausdruck gebracht.

2.1 Die indisch-pakistanischen Beziehungen.

Es ist vollkommen unangebracht über normale Beziehungen zwischen Indien und Pakistan zu reden, auch wenn die beiden Staaten diplomatische Beziehungen zueinander pflegen und Mitglieder in verschiedenen Organisationen wie der SAARC im asiatischen Raum oder bei der UNO auf globaler Ebene sind.

Die indisch-pakistanischen Beziehungen sind und werden vermutlich weiterhin von dem Ausgang des Jammu-Kaschmirkonflikts geprägt werden. Angesichts der komplexen Struktur der Fürstenstaaten Jammu und Kaschmir (Beide Regionen werden von einem Hindu-Maharaja beherrscht, wobei die Mehrheit der Einwohner Muslime sind.) scheint ein baldiges Friedensabkommen zwischen den beiden eher utopisch. Als säkularer Staat mit unterschiedlichen Kasten und Traditionen ist es für Indien kaum vorstellbar, Jammu und Kaschmir an Pakistan zu verlieren. Der „Boomerang-Effekt“ könnte verheerend sein und einen Zusammenbruch der relativ stabilen indischen Union, aufgrund der „multiethnischen und multisprachlichen“ Verschiedenheit wäre nicht auszuschließen.[1]

Ein vernünftiges Vorgehen Pakistans zur Lösung dieses Grenzstreits scheint auch unrealistisch zu sein. Alle verursachten Grenzkonflikte um diese Gebiete gingen hauptsächlich auf das Konto Pakistans. Schon 1947-48 lieferten sich die beiden neu gegründeten Länder ihren ersten Grenzkonflikt, wobei die UNO einen Waffenstillstand zwischen den Konfliktparteien vermitteln konnte. Der erste indisch-pakistanische Krieg resultierte aus der Misskalkulation des pakistanischen Militärs unter Führung des Generals Ayub Khan. Die von Indien gegen China erlittene Niederlage im Grenzkonflikt 1962 veranlasste Pakistan die Jammu und Kaschmir Angelegenheiten 1964 durch Gewalt zu lösen. Die von den USA an Pakistan gelieferten „Patton“-Panzer, die ursprünglich zur Verteidigung gegen einen möglichen sowjetischen Eingriff gedacht waren, aber auch im Krieg gegen Indien eingesetzt wurden, brachten keinen Erfolg für Pakistan[2]. Denn Pakistans Militär wurden schwere Schäden zugefügt und General Ayub Khan musste auf der Friedenskonferenz in Taschkent seine Zustimmung für die Beendigung des Krieges geben. Als Folge dieser Niederlage übergab General Ayub Khan die Macht an General Yaya Khan, der wiederum nach den ersten pakistanischen demokratischen Wahlen die Macht an Zulfiqar Ali Bhutto abgab. Innerlich kämpfte Pakistan gegen die Teilungswünsche Ostpakistans. Zur Eindämmung des unabhängigen Staatswunsches, seitens Ostpakistans und auf Anordnung Ali Bhuttos, die Ordnung wiederherzustellen, ging die pakistanische Armee rustikaler gegen die Demonstranten vor, was wiederum einen Flüchtlingssturm Richtung Indien auslöste. Die aus Ostpakistan fliehenden Menschen befanden sich später in Indien, wo die Regierung unter Indira Gandhi diplomatische Bemühungen zur Beendigung des Krieges unternahm.[3] Diese Bemühungen blieben erfolglos und ein Eintritt in die kriegerische Auseinandersetzung folgte prompt als US- Präsident Nixon den Flugzeugträger Enterprise mit Atomwaffen in den Golf von Bengalen entsandt. Trotz der Präsenz des amerikanischen Flugzeugträgers und der moralischen Unterstützung Pakistans durch die USA bezwang Indien zum zweiten Mal Pakistan und zwar relativ schnell. Am Ende des Krieges waren 90.000 pakistanische Soldaten in indischer Gefangenschaft. Das im Sommer 1972 unterzeichnete Simla-Abkommen zwischen Indira Gandhi und Ali Bhutto erwähnte zum ersten Mal die Demarkationslinie oder line of control. Beide Parteien einigten sich darauf, diese Linie mit sofortiger Wirkung nicht mehr zu überschreiten und zukünftige Probleme auf dem bilateralen Weg zu lösen. Indira Gandhi gelang es jedoch nicht, die line of control, als internationale Grenze anerkennen zu lassen. Die Schmach dieser Niederlage und das dazu unterzeichnete Simla- Abkommen betrafen Bhutto sehr; Rothermund Dietmar spricht hier sogar vom ,,Gang nach Canossa“. Bhutto kündigte daraufhin an, dass Pakistan eine „islamische Bombe“ bauen werde, um Indien auf diesem politischen Feld herauszufordern.[4] (Mehr dazu im Teil: „Aktuelle Atomkapazität der Atommächte“)

Der vierte Krieg zwischen den beiden Staaten fand 1999 statt, als getarnte pakistanische Soldaten die Line of Control in Kargil überquerten. Die Reaktion Indiens ließ nicht lange auf sich warten und auch diesmal wurde Pakistan bei dem kriegerischen Konflikt besiegt. Des Weiteren befahl der indische Premierminister Attal Bhari Vajpayee seiner Armee zur pakistanischen Grenze zu marschieren. Zum ersten Mal standen sich zwei Atommächte gegenüber und Präsident Bill Clinton sagte folgerichtig, dass Südasien in dieser Zeit die wohl gefährlichste Region der Welt sei.

[...]


[1] Siegfried, Robert,, die indisch-pakistanischen Beziehungen,, in: Die Sicherheitspolitische Entwicklung in Südasiens(3/02).(Hrsg):i.R.Hon.Prof. DDr. Erich Reiter, MMag.Dr.Peter Hazdra. Landesverteidigungsakademie (LVAK) und Büro für Sicheitspolitik. Wien. Juni 2002. S. 4

[2] Rothermund, Dietmar,, Atommacht Indien: ,,von der Bündnisfreiheit zur amerikanischen Allianz.“ Picus Verlag Wien. 2002. S.26

[3] Rothermund, Dietmar,, Atommacht Indien: ,,von der Bündnisfreiheit zur amerikanischen Allianz.“ Picus Verlag Wien. 2002. S.29

[4] Rothermund, Dietmar,, Atommacht Indien: ,,von der Bündnisfreiheit zur amerikanischen Allianz.“ Picus Verlag Wien. 2002. S.31

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Atommächte Indien, Pakistan und China
Untertitel
Eine Untersuchung der bilateralen Beziehungen zwischen den drei Staaten im Bezug auf die Atombombensicherheitspolitik
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Südasien-Institut)
Veranstaltung
Indiens Rolle in den Internationalen Beziehungen
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
18
Katalognummer
V144931
ISBN (eBook)
9783640559589
ISBN (Buch)
9783640560004
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Atommächte, Indien, Pakistan, China, Eine, Untersuchung, Beziehungen, Staaten, Bezug, Atombombensicherheitspolitik
Arbeit zitieren
Lebende Guy Andre Sorgho (Autor), 2009, Atommächte Indien, Pakistan und China, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144931

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