Im Zuge der Globalisierung entsteht ein zunehmender Wettbewerb zwischen den Staaten dieser Welt und die Regulierungspolitik stellt hierbei einen wichtigen Standortfaktor dar. Auch die Mitgliedstaaten der Europäischen Union haben den Handlungsbedarf erkannt. Mit Hilfe eines integrierten europäischen Binnenmarktes soll dem internationalen Wettbewerb begegnet werden. Seit dem Vertrag von Maastricht im Jahr 1992 ist die Integration der europäischen Waren-, Kapital- und Dienstleistungsmärkte insbesondere von der Europäischen Kommission vorangetrieben worden. Ziel der Integrationsbemühungen ist die Errichtung einer offenen Marktwirtschaft mit freiem Wettbewerb innerhalb des europäischen Wirtschaftsraumes. Die europäische Wettbewerbspolitik zielt hierbei darauf ab, die Herstellung und Aufrechterhaltung eines unverfälschten Wettbewerbes zu garantieren. Auch der Bereich der bis zu diesem Zeitpunkt monopolistisch organisierten Netzwerkindustrien wurde hiervon nicht ausgenommen. Nach einer Phase der Privatisierung, der sich vormals häufig in staatlicher Hand befindlichen Unternehmen, versucht die Kommission seit Ende der 1990er Jahre mittels regulatorischer Maßnahmen den Wettbewerb im Bereich der Netzwerkindustrien zu erhöhen. Für besonderes Aufsehen sorgen die, häufig in der öffentlichen Diskussion auftauchenden, Maßnahmen im Stromsektor. Auch die Finanzmärkte, hier im Speziellen die Wertpapiermärkte, sind in das Blickfeld der Kommission gerückt. Dies liegt vor allem in dem Übergang von physischen zu elektronischen Handelsplätzen begründet, durch welchen die Wertpapiermärkte Eigenschaften eines natürlichen Monopols entwickeln konnten. Die Veröffentlichungen der Giovannini Reports, die 15 Barrieren im Bereich der Wertpapiermärkte auf dem Weg zu einem integrierten Finanzmarkt identifizierten, waren ein weiterer Auslöser um regulatorische Maßnahmen im Wertpapierbereich zu ergreifen.
Ziel dieser Diplomarbeit ist es zu untersuchen, welche regulatorischen Maßnahmen bisher seitens der Kommission durchgeführt wurden um den Wettbewerb auf den europäischen Strom- und Wertpapiermärkten zu erhöhen. Weiterhin soll ein Vergleich sowie eine Bewertung der Vorgehensweisen auf den betrachteten Märkten erfolgen. Aus den gewonnenen Erkenntnissen wird eine Empfehlung für das weitere Vorgehen zur Ausgestaltung von Regulierungsmaßnahmen auf den Wertpapiermärkten abgeleitet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Grundlagen
2.1 Netzwerkindustrien
2.1.1 Einführung
2.1.2 Bedeutung der Netzwerkindustrien in der EU
2.1.3 Merkmale der Sektoren mit Netzwerkcharakter
2.2 Regulierung
2.2.1 Einführung
2.2.2 Regulierungsverfahren
2.2.2.1 Regulierung durch Gemeineigentum (public ownership)
2.2.2.2 Statutarische Regulierung
2.2.2.3 Selbstregulierung
2.2.3 Instrumente zur Entgeltregulierung natürlicher Monopole
2.2.3.1 Rendite-Regulierung (Rate-of-Return-Regulation)
2.2.3.2 Anreizregulierung (Incentive-Regulation)
2.2.4 Kosten und Probleme im Bereich der Regulierung
2.2.4.1 Kosten der Regulierung
2.2.4.2 Probleme im Bereich der Regulierung
2.3 Liberalisierung und Harmonisierung - Der Weg zum europäischen Binnenmarkt
2.3.1 Historische Entwicklungen
2.3.2 Triebkräfte und Widerstände im europäischen Liberalisierungsprozess
2.3.3 Die Bestandteile des Regulierungskonzeptes der Europäischen Union
3 Die europäischen Strommärkte
3.1 Gründe für regulatorische Maßnahmen zur Wettbewerbssteigerung
3.2 Regulatorische Maßnahmen zur Steigerung des Wettbewerbes
3.2.1 Einführung
3.2.2 Die Binnenmarktrichtlinie Elektrizität (RL 96/92/EG)
3.2.3 Die Beschleunigungsrichtlinie Elektrizität (RL 2003/54/EG)
3.2.4 Das dritte Binnenmarktpaket der EU-Kommission zur Liberalisierung des Energiemarktes
4 Die europäischen Finanzmärkte
4.1 Gründe für regulatorische Maßnahmen zur Wettbewerbssteigerung
4.2 Regulatorische Maßnahmen zur Steigerung des Wettbewerbes
4.2.1 Einführung
4.2.2 Der Lamfalussy Prozess
4.2.3 Die MiFID
4.2.4 Der Code of Conduct für Clearing and Settlement
5 Vergleich, Bewertung und Empfehlung
5.1 Die Regulierungsmaßnahmen im Vergleich
5.2 Bewertung der Regulierungsmaßnahmen
5.2.1 Strommärkte
5.2.2 Wertpapiermärkte
5.3 Empfehlung an die Kommission für zukünftige regulatorische Maßnahmen zur Steigerung des Wettbewerbes auf den europäischen Wertpapiermärkten
6 Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die regulatorischen Maßnahmen der Europäischen Kommission zur Steigerung des Wettbewerbs auf dem europäischen Strom- und Wertpapiermarkt. Ziel ist ein fundierter Vergleich sowie eine Bewertung dieser Vorgehensweisen, um daraus Empfehlungen für die künftige Gestaltung von Regulierungsmaßnahmen abzuleiten.
- Grundlagen von Netzwerkindustrien und deren natürlicher Monopolcharakter
- Regulierungsinstrumente wie Anreizregulierung und statutarische Verfahren
- Analyse des Liberalisierungsprozesses auf dem europäischen Strommarkt
- Untersuchung der Regulierungsansätze auf dem Wertpapiermarkt inkl. MiFID und CoC
- Vergleichende Bewertung der Kosten-Nutzen-Aspekte beider Sektoren
Auszug aus dem Buch
2.1.3 Merkmale der Sektoren mit Netzwerkcharakter
Zu den gemeinsamen Merkmalen von Sektoren mit Netzwerkcharakter gehören die Existenz natürlicher Monopole, die sich hieraus ergebende Dominanz der vertikalintegrierten Unternehmen und die Bereitstellung von Diensten des öffentlichen Interesses. Diese Gemeinsamkeiten werden häufig zur Rechtfertigung der Regulierung in Netzwerksektoren herangezogen.
Nach der allgemein gültigen Definition liegt ein natürliches Monopol dann vor, wenn ein einzelnes Unternehmen den Markt zu niedrigeren Produktionskosten versorgen kann, als zwei einzelne Unternehmen, denen die gleiche Technologie zur Verfügung steht. Die Kostenfunktion muss also (streng) subadditiv sein.
c(x1+x2) < c(x1) + c(x2) ∀ x1, x2 > 0
wobei:
c: Kosten der Produktion
x1: Produktionsmenge des Gutes 1
x2: Produktionsmenge des Gutes2
Häufig wird dies mit steigenden Skalenerträgen (economies of scale) und Verbundeffekten (economies of scope) begründet.
Steigende Skalenerträge liegen vor, wenn die Durchschnittskosten der Produktion bei einer Steigerung des Outputs sinken. Sie sind insbesondere in Industrien mit hohen Fixkosten und / oder niedrigen variablen Kosten zu beobachten. In Netzwerken, bei welchen eine Infrastruktur benötigt wird, existieren steigende Skalenerträge. Dies ist in der teuren, mit hohen Fixkosten belasteten Infrastruktur begründet. Jede zusätzlich erzeugte Produkteinheit senkt somit die Fixkosten pro Produkteinheit.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Arbeit beleuchtet die Rolle der Regulierungspolitik bei der Förderung des Wettbewerbs in monopolistisch geprägten Netzwerkindustrien innerhalb der EU.
2 Grundlagen: Hier werden die theoretischen Basisbegriffe der Netzwerkindustrien, der Regulierung und des europäischen Liberalisierungsprozesses definiert.
3 Die europäischen Strommärkte: Dieses Kapitel analysiert die regulatorischen Maßnahmen wie die Binnenmarktrichtlinien, die zur Wettbewerbssteigerung im Stromsektor eingeführt wurden.
4 Die europäischen Finanzmärkte: Es werden die Maßnahmen zur Marktintegration, insbesondere die MiFID und der Code of Conduct für Clearing und Settlement, untersucht.
5 Vergleich, Bewertung und Empfehlung: Dieser Teil vergleicht die Vorgehensweisen in den beiden Sektoren und leitet daraus Empfehlungen für eine effektivere Regulierung ab.
6 Schlussfolgerung: Die Arbeit endet mit einer kritischen Zusammenfassung und einer abschließenden Einschätzung der Wirksamkeit bisheriger EU-Regulierungsansätze.
Schlüsselwörter
Regulierung, Netzwerkindustrien, Europäische Union, Wettbewerb, Strommarkt, Wertpapiermarkt, Liberalisierung, MiFID, Anreizregulierung, natürliche Monopole, Unbundling, Clearing und Settlement, Lamfalussy-Prozess, Wettbewerbsfähigkeit, Marktzugang
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Regulierung von Netzwerkindustrien in der Europäischen Union und untersucht, wie regulatorische Maßnahmen den Wettbewerb in Strom- und Finanzmärkten fördern sollen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind der natürliche Monopolcharakter von Netzwerken, verschiedene Regulierungsansätze wie die Anreizregulierung sowie der Prozess der Liberalisierung und Harmonisierung auf EU-Ebene.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Hauptziel ist die Untersuchung und Bewertung der regulatorischen Maßnahmen der EU-Kommission zur Steigerung des Wettbewerbs in Strom- und Wertpapiermärkten, um daraus konkrete Empfehlungen für die Zukunft abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine industrieökonomische Analyse durch, vergleicht bestehende Regulierungsmodelle und bewertet diese anhand von Kosten-Nutzen-Aspekten sowie ihrer Auswirkungen auf Marktentwicklungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, eine detaillierte Betrachtung der Strommarktregulierung, eine Analyse der Finanzmarktregulierung sowie einen direkten Vergleich beider Sektoren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind Regulierung, Liberalisierung, Strommärkte, Wertpapiermärkte, natürliche Monopole, MiFID, Anreizregulierung und der Code of Conduct für Clearing und Settlement.
Welche Rolle spielt der sogenannte "Lamfalussy-Prozess" in der Arbeit?
Der Lamfalussy-Prozess wird als Instrument analysiert, um den Gesetzgebungsprozess auf Finanzmärkten flexibler zu gestalten und die Implementierung von Regulierungsvorschriften zu beschleunigen.
Warum empfiehlt der Autor "überwachte Selbstregulierung"?
Der Autor sieht in der überwachten Selbstregulierung einen flexibleren, kostengünstigeren und praxisnäheren Ansatz, der zudem besser mit der Forderung nach "besserer Rechtsetzung" vereinbar ist als starre gesetzliche Richtlinien.
- Quote paper
- Flo Schwarz (Author), 2009, (De-) Regulierung von Netzwerkindustrien in der Europäischen Union, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145250