Die Hausarbeit befasst sich mit der Vita sanctae Elisabethae des Dietrichs von Apolda und versucht einen Vergleich zur Fassung der Vita von Ortrud Reber herzustellen.
Die Vita S. Elyzabeth gilt als „d i e“ maßgebliche Lebensbeschreibung Elisabeths. Bereits zwei Jahre nach ihrem Tod entstand die erste literarische Bearbeitung, von der wir Kenntnis haben. Dabei handelt es sich um einen Bericht von „der päpstlichen Kommission zur Aufnahme und Untersuchung der Wunder am Grab der Elisabeth“. Die päpstlichen Berichte selbst enthalten kaum Material, sondern vermitteln eher ein Bild der sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Geheilten. Um die in aller Knappheit aufgeführten 60 Wunder zu ergänzen, verfasste Konrad von Marburg, der Beichtvater Elisabeths, eigenhändig einen Bericht über Leben und Wandel der Elisabeth. Es handelt sich dabei jedoch nicht um eine Vita im eigentlichen Sinne, da hier nur der Zeitabschnitt berücksichtigt wird, in dem Konrad selbst die Lebensführung Elisabeths bestimmte und nicht, wie eigentlich für eine Vita üblich, das gesamte Leben.
Nachdem im Januar 1233 106 Wunder durch die päpstliche Kommission als authentisch ausgewiesen wurden, ordnete der Papst eine erneute Prüfung der Glaubwürdigkeit an, mit dem Ergebnis von 129 miracula felicis Elisabeth im Jahre 1234. Diesen Wundern fügte die Kommission einen Bericht über das Leben und den Wandel Elisabeths hinzu, er ist heute unter dem Namen bekannt, unter dem wir ihn auch bei Dietrich von Apolda lesen: Libellus de dictis quatuor ancillarum confectus. Genauer handelt es sich dabei um die Zeugenaussagen der vier Dienerinnen Elisabeths. Mit dieser Vorlage der Dienerinnen lag nun eine Vorlage für eine Lebensbeschreibung Elisabeths von der Kindheit bis zum Tode vor. Schon bald wurde dieser Libellus mit einem Prolog, Epilog und zusammenfassenden Überleitungen versehen, um ihn lesbar zu gestalten; dies geschah zwischen 1236 und 1241.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Zur Quellenlage
III. Das neue Leben in Marburg
i. Die Darstellung bei Dietrich von Apolda
ii. Darstellung in der modernen Forschung
IV. Biographischer Vergleich
i. Allgemein
ii. Elisabeth als Dienerin Christi
V. Schluss
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung der heiligen Elisabeth in der mittelalterlichen Vita von Dietrich von Apolda im Vergleich zur modernen biografischen Forschung, insbesondere am Beispiel des Werkes von Ortrud Reber, mit Fokus auf die Zeit ab der Hospitalgründung in Marburg.
- Analyse der mittelalterlichen Vita der heiligen Elisabeth durch Dietrich von Apolda.
- Gegenüberstellung der historischen Quellenlage mit modernen Forschungsansätzen.
- Untersuchung der Darstellung Elisabeths als "Dienerin Christi" in verschiedenen Textgattungen.
- Vergleich der methodischen Herangehensweise und Intention der Autoren.
- Betrachtung der rituellen und gesellschaftlichen Anforderungen an Elisabeth als Adelige und Heilige.
Auszug aus dem Buch
Elisabeth als Dienerin Christi
Genau diese ist es, die Elisabeth als Dienerin Christi besonders hervorhebt. Bei Dietrich von Apolda werden einige Stellen diesbezüglich erwähnt und es entsteht ein gewisses Bild der Elisabeth.
Schon am Anfang des Kapitels über den Umzug nach Marburg wird betont, dass Elisabeth in ein „armseliges Dörfchen“ zog und „um [dort] niemand zur Last zu fallen“ auf einen verlassenen Hof. Das Adjektiv armselig und das Diminutivum Dörfchen unterstützen hier die schlechte Lage, in der sich Elisabeth befunden habe. Auch die beschriebene Lebenssituation auf dem dortigen Hofe unterstreicht diese Vermutung. „Sie schützte sich notdürftig vor den Sonnenstrahlen, nährte sich auch dort von der kargen Speise […] und war Gott dankbar.“ Gerade die hier vorliegende Ergänzung der Dankbarkeit Gottes erzeugt ein genaues Bild Elisabeths als Christin. Sie befindet sich in einer anschaulich schlechten Lage und ist dennoch dankbar für dies. Weiter wird dieses Bild dadurch unterstützt, was Dietrich im Folgenden schreibt: „Voller Geduld ertrug sie […] den Schmerz des Rauches, unter dem ihre Augen stark litten.“ Auch hier wird durch das Adjektiv stark dazu genutzt zu unterstreichen, wie das Leid Elisabeths ist.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Einführung in die Thematik der biographischen Quellen und Darstellung der Forschungsabsicht bezüglich der Vita der heiligen Elisabeth.
II. Zur Quellenlage: Überblick über die Entstehung der wesentlichen Lebensbeschreibungen Elisabeths und die Rolle der päpstlichen Kommission sowie des Libellus de dictis quatuor ancillarum confectus.
III. Das neue Leben in Marburg: Untersuchung der Darstellung des Umzugs nach Marburg und der Hospitalgründung, sowohl in der Sichtweise Dietrichs von Apolda als auch in der modernen Forschung.
IV. Biographischer Vergleich: Vergleichende Analyse der Textgattungen und der Art und Weise, wie die Persönlichkeit Elisabeths als Dienerin Christi in der Vita und der modernen Biografie vermittelt wird.
V. Schluss: Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse, die Elisabeths lebenslange Hingabe und Aufopferung als Ausdruck ihrer religiösen Überzeugung bestätigen.
Schlüsselwörter
Heilige Elisabeth, Dietrich von Apolda, Ortrud Reber, Mittelalter, Biografie, Marburg, Hospitalgründung, Dienerin Christi, Quellenlage, Quellenstudium, Hagiographie, religiöse Hingabe, Christentum, Mittelalterliche Geschichte, Forschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Vita der heiligen Elisabeth, verfasst von Dietrich von Apolda, und vergleicht diese mit einer modernen Biografie der Heiligen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Hospitalgründung in Marburg, die Darstellung Elisabeths als demütige Christin sowie die unterschiedliche Herangehensweise antiker und moderner Biografen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Elisabeth in den verschiedenen Quellen als Dienerin Christi dargestellt wird und wie die moderne Forschung diese mittelalterliche Vita interpretiert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine komparative Methode, bei der die mittelalterliche Primärquelle von Dietrich von Apolda direkt mit dem wissenschaftlichen Werk von Ortrud Reber verglichen wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Quellenlage, dem neuen Leben Elisabeths in Marburg und einem systematischen Vergleich der biografischen Darstellungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören "Heilige Elisabeth", "Dietrich von Apolda", "Hospitalgründung" und "dienerin Christi".
Warum wird gerade der Zeitraum der Hospitalgründung in Marburg fokussiert?
Dieser Zeitraum gilt als entscheidende Phase ihres Lebens, die maßgeblich zu ihrer Heiligsprechung beitrug und ihre Aufopferung verdeutlicht.
Wie unterscheidet sich die Darstellung bei Reber von jener bei Dietrich von Apolda?
Während Dietrich von Apolda die Rolle als aufopfernde Christin durch eine bildhafte, mit Adjektiven unterstrichene Sprache hervorhebt, wählt Reber eine sachlichere, analytische Darstellungsweise.
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- Maximilian Urbaneck (Autor), 2023, Vitae sanctae Elisabethae. Ein biografischer Vergleich, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1452853