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Sprache und Weltbild

Die christliche Schuld- und Gerichtslexik im Althochdeutschen als Faktor für den Erfolg der Ablasspraxis

Title: Sprache und Weltbild

Term Paper , 2009 , 26 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Theresia Schreiber (Author)

German Studies - Miscellaneous
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Eines der Merkmale der religiösen Lexik des Althochdeutschen ist, dass das aufkommende Christentum alte Rechtsvokabeln mit neuem christlichem Inhalt auflud.
Prägte die religiöse Lexik des Christentums im Althochdeutschen durch diese Einflüsse der Rechtssprache ein religiöses Klima, das besonders empfänglich für die Idee des Ablasshandels war? Ist der sprachliche Ausdruck des Christentums in Deutschland und eine damit einhergehende spezielle Färbung des Christentums ein auslösender Faktor für den verstärkten Missbrauch des Ablasshandels gewesen? War es nicht zufällig Luther, der sich als Erneuerer der deutschen Sprache und Begründer des Frühneuhochdeutschen einen Namen machte, der die herrschende, durch Sprache mitgetragene Weltsicht in Frage stellte, als er diese Missbräuche im exzessiven Ablass-handel der katholischen Kirche zu kritisieren begann?
Diese Arbeit möchte etwas darüber aussagen, ob in den Quellen Belege dafür zu finden sind, dass die religiöse Lexik im Zusammenhang mit der Bußpraxis die erste der vorgestellten Fragen und somit die Basis dieses Gedankenganges rechtfertigt. Dabei beschränkt sie sich auf Quellen, die sich möglichst in einer Zeit direkt vor beziehungsweise am Beginn des Ablasshandels bewegen. Die Lexik des Althochdeutschen wird anhand der Schuld- und Gerichtsvokabeln betrachtet - in den überlieferten Beichten aus dem 9./10./11. Jahrhundert , die in die gewünschte Zeit und das betroffene Themengebiet fallen und dem Weltuntergangsgedicht „Muspili“ aus dem 9. Jahrhundert, das Vorstellungen vom christlichen Endgericht darstellt, dabei aber noch Anklänge an heidnische Vorstellungen zeigt. Aus diesen Quellen werden relevante Begriffe aus dem oben angesprochenen Wortfeld untersucht. Eine Zusammenfassung zeigt, inwiefern es anhand der untersuchten Quellen gerechtfertigt ist, die religiöse Lexik im Althochdeutschen als Auslöser der besonderen Ausbreitung des Ablasshandels im deutschen Raum anzusehen.

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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Standortbestimmung

I.1 Der althochdeutsche Sprachraum vor der Mission:

I.1.1 Topografische Verortung

I.1.2 Religiöse Vorstellungen der Germanen

I.1.3 Rechtliche Vorstellungen der Westgermanen

I.2 Begründung des Ablasshandels und religiöser Hintergrund

II Untersuchung

II.1 Die sprachliche Erschließung des Germanischen Raumes für das Christentum

II.2 Exemplarische Untersuchung des Wortschatzes: Wörter der religiösen Lexik mit Verbindung zur Rechtswelt der Germanen

II.2.1 Allgemeine Feststellungen

II.2.2 Religiöse Lexik mit Verbindung zur Rechtswelt der Germanen in althochdeutschen Beichten

II.2.3 Religiöse Lexik mit Verbindung zur Rechtswelt der Germanen im Muspili

III. Auswertung

III.1 Nichtsprachliche Aspekte

III.2 Sprachliche Aspekte

III.3 Resümee

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht, ob die religiöse Lexik des Althochdeutschen im Bereich der Schuld- und Gerichtsvokabeln durch ihre rechtlichen Konnotationen ein religiöses Klima schuf, das die spätere Akzeptanz und Ausbreitung der Ablasspraxis im deutschen Raum begünstigte.

  • Analyse der Übertragung germanischer Rechtsbegriffe auf christliche Inhalte.
  • Untersuchung von Beichten als Primärquellen für das religiöse Weltbild.
  • Interpretation des althochdeutschen "Muspili" im Kontext christlicher Endgerichtsvorstellungen.
  • Herausarbeitung des Rechtscharakters der mittelalterlichen Bußpraxis.
  • Bewertung außersprachlicher Faktoren wie des mittelalterlichen Ablasswesens.

Auszug aus dem Buch

II.2.2 Religiöse Lexik mit Verbindung zur Rechtswelt der Germanen in althochdeutschen Beichten

a) truhtin

Nach dem Wort got ist truhtin die häufigste Gottesbezeichnung im Althochdeutschen. In den vorliegenden Beichten ist es hauptsächliche Anredeform für Gott. Die Dominanz von truhtin ist deutlich, wenn auch die Bezeichnung got schon geläufig zu sein scheint. Legt man die bei Fuß genannten Zahlen für das Vorkommen von truhtin und got im ahd./as. im Allgemeinen zugrunde, ist die starke Dominanz des truhtin-Begriffes in den untersuchten Beichten auffällig. Der Schluss liegt nahe, dass er in den Beichten bewusst gewählt wurde und somit die Konnotationen des truhtin-Begriffes im Gegensatz zu anderen Gottesbezeichnungen für die Beichten als angemessener empfunden wurden.

Ursprünglich wurde mit truhtin der weltliche Gefolgsherr bezeichnet und in dieser Bedeutung für „Herr“ übersetzt es meist das lateinische dominus. dominus und truhtin sind jedoch keine Synonyme. Im Lateinischen ist dominus die Bezeichnung des Hausherrn. Dabei muss der Mann keine herausragende Rolle in seiner Gesellschaft ausfüllen. Solange er frei und Besitzer eines eigenen Hauses ist, ist er dominus. Als Vorsteher des Haushaltes verfügt er über Rechtsgewalt und trifft die Entscheidungen für Familie und Sklaven. In einer Sonderbedeutung ist dominus auch Bezeichnung des Kaisers als Vorsteher des Staates. In diesem Zusammenhang könnte der Begriff, überliefert von germanischen Söldnern, bei den Germanen bekannt gewesen sein. Der germanische truhtin dagegen ist ursprünglich der Herr über eine Gefolgschaft, dem seine Anhänger auf freiwilliger Basis folgten. Ursprünglich als Kriegsmannschaft gedacht, war es Aufgabe des truhtin, seine Gefolgschaft zu versorgen. Die Truppen verteidigten entweder ihre Sippe/ihren Stamm oder ließen sich für Geld anwerben, beispielsweise von den Römern. Indem der truhtin-Titel auf Gott übertragen wird, entsteht der Gedanke vom Christ als Gefolgsmann Gottes, womit das germanische Rechtsverhältnis der Gefolgschaft auf das Verhältnis der Gläubigen zu Gott im christlichen Glauben übertragen wird.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Standortbestimmung: Einführung in den althochdeutschen Sprachraum, die germanischen religiösen Vorstellungen sowie die Grundlagen des mittelalterlichen Ablasshandels.

II Untersuchung: Detaillierte linguistische und inhaltliche Analyse der religiösen Lexik in Beichten und im Muspili unter Berücksichtigung der germanischen Rechtswelt.

III. Auswertung: Synthese der Ergebnisse, die den Einfluss von Sprache und außersprachlichen Faktoren auf die Entwicklung der Bußpraxis und den Ablasshandel reflektiert.

Schlüsselwörter

Althochdeutsch, Ablasshandel, Christentum, Germanische Rechtswelt, Lexik, Schuld, Buße, Muspili, Beichte, Jüngstes Gericht, Gefolgschaft, Wiedergutmachung, Sprachgeschichte, Religionsgeschichte, Rechtsbegriffe.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht, wie die christliche Missionierung germanischer Stämme durch die Übernahme bereits bestehender germanischer Rechtsbegriffe in die religiöse Sprache die Wahrnehmung christlicher Konzepte wie Schuld und Buße prägte.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Semantik, der mittelalterlichen Bußpraxis und der sprachlichen Erschließung des germanischen Raumes für das Christentum.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist herauszufinden, ob die stark rechtlich geprägte religiöse Lexik des Althochdeutschen einen entscheidenden Beitrag dazu leistete, den "Ablass" im Mittelalter als notwendige Wiedergutmachung zu etablieren.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Autorin führt eine exemplarische Wortschatzanalyse an verschiedenen althochdeutschen Textzeugen (wie Beichten und dem Muspili) durch und vergleicht diese mit rechtshistorischen und soziokulturellen Kontexten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der Analyse spezifischer Begriffe wie "truhtin", "ewa", "scolta" oder "suona" und deren Umdeutung aus dem germanischen Rechtswesen in den christlichen religiösen Kontext.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Zentrale Begriffe sind die "Religiöse Lexik", "Rechtswelt der Germanen", "Ablasspraxis" und das "Jüngste Gericht".

Warum spielt der Begriff "truhtin" eine so zentrale Rolle?

Er ist in den untersuchten Beichten die häufigste Anrede für Gott. Er transportiert das Bild eines Gefolgsherrn, zu dem der Mensch in einem rechtsähnlichen Treueverhältnis steht, was die menschliche Angst vor dem "Verbruch" der Treue verstärkte.

Inwiefern hat das "Muspili" eine besondere Bedeutung für die Argumentation?

Das Muspili dient als Beispiel, wie der Autor das Jüngste Gericht als eine Art weltliche Gerichtsversammlung darstellt und damit germanische Rechtsvorstellungen nutzt, um die christliche Apokalyptik zu veranschaulichen.

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Details

Title
Sprache und Weltbild
Subtitle
Die christliche Schuld- und Gerichtslexik im Althochdeutschen als Faktor für den Erfolg der Ablasspraxis
College
Martin Luther University
Grade
1,0
Author
Theresia Schreiber (Author)
Publication Year
2009
Pages
26
Catalog Number
V145637
ISBN (eBook)
9783640562169
ISBN (Book)
9783640562312
Language
German
Tags
Altgermanistik Althochdeutsch 9.Jahrhundert religiöse Lexik Beichte Ablass Germanisch Germanisches Recht
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Theresia Schreiber (Author), 2009, Sprache und Weltbild , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145637
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